MB Reise Stoneman Arduenna Björn Hänssler
MB Reise Stoneman Arduenna
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MB Reise Stoneman Arduenna 10 Bilder

Stoneman Arduenna Tour in den Ardennen

Stoneman Arduenna: Trailspaß in Belgien Stoneman Arduenna - MTB-Tour in den Ardennen

Über 170 Kilometer in einem Rutsch: Der dritte gemeinsame Stoneman von Fotograf Björn Hänssler und Komiker Don Svezia ("Eure Mütter") hatte es wieder in sich.

Tourlänge: 176 km

Höhenmeter: 3400 Hm

Infos zur Steinmännchen-Hatz

Der Stoneman Arduenna folgt dem Prinzip aller von Ex-Marathon-Star Roland Stauder erfundenen Stoneman-Runden. Schilder mit dem Stoneman-Symbol weisen perfekt den Weg, Karte und GPS sollten zur Kontrolle dennoch dabei sein. An acht Checkpoints wird die Stoneman-Karte abgestempelt, der Beweis, dass man es wirklich geschafft hat. Apropos: Wer den Stoneman in drei Tagen bewältigt, bekommt eine bronzene Trophäe, bei zwei Tagen ist sie silber. Alles in einem Rutsch? Dann gibt es Gold! Das Starterpaket kostet ab 19 Euro, für die Trophäe aus Holzsockel und Ardennen-Stein sind 40 Euro fällig.

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Länge 178,70 km
Dauer 16:06 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 3445 Meter
Höhenmeter absteigend 3446 Meter
Tiefster Punkt 341 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Unterkunft: 19 Logis-Partner sind perfekt auf Biker eingestellt und liegen direkt an der Strecke: stoneman-arduenna.com.

Reisezeit: Offiziell ist der Stoneman vom 16. April bis 15. September und nur bei Tageslicht befahrbar! Die schönste Zeit ist Ende August: noch immer warm, aber nicht so regenreich.

Der Dicke. Der Dünne. Und die Dürre.

Panta rhei – alles fließt. Diese weltberühmte Lebensweisheit könnte dem Philosophen Heraklit vor circa 2500 Jahren hier im belgischen Hinterland eingefallen sein. Doch während der griechische Denker dabei wohl an den Lauf der Welt dachte, fließt bei uns, ganz banal, der Schweiß. Und das in Strömen. Das Problem dabei: Wir befinden uns auf Kilometer 102 des Stoneman Arduenna, in meiner Trinkflasche herrscht seit einigen Kilometern absolute Trockenheit, und es ist auf absehbare Zeit kein Nachfüllen in Sicht. Über 70 Kilometer haben wir noch vor uns, und ich rechne hoch, wann die sich anbahnenden Krämpfe in meinen Oberschenkeln uns die Tour vermasseln werden. Björn hat meinen gierigen Blick auf den kleinen Bach direkt neben dem Trail bemerkt: "Zu langsam." "Was? Soll ich schneller fahren?", antworte ich entgeistert. "Nein, der Bach fließt zu langsam. Das Wasser macht dich fertig." Also gut, dann kämpfen wir uns mal weiter.

102 Kilometer und 4,5 Liter zuvor

Der sympathische Chef des Hotel du Moulin in Ligneuville hatte gestern Abend ganze Arbeit geleistet: Eindringlich beschwor er die Härte des Stoneman Arduenna, die knackigen Anstiege und die kniffligen Passagen. In düsteren Bildern schilderte er, welcher Top-Mountainbiker erst kürzlich mit allerletzter Kraft das Ding gerade so geschafft hatte. Am nächsten Morgen sieht mein Kumpel Don dann auch so aus, als hätte er die ohnehin kurze Nacht dazu "genutzt", sich wegen der anstehenden Tour verrückt zu machen. Als wir nach kurzer Anfahrt um kurz vor sechs Uhr morgens in Malmedy auf den Track einbiegen, sind Dons Trikottaschen prallvoll mit Kohlenhydratlieferanten aller Art. Dabei wollten wir doch möglichst wenig mit uns herumschleppen. Selbst der zweiten Trinkflasche habe ich die Mitfahrt verweigert, um Gewicht zu sparen. Man kann ja überall auffüllen … Dachte ich.

Durch eine Bilderbuchlandschaft kurbeln wir uns zügig zum Gipfel Botrange hoch, sozusagen der Everest Belgiens. Ich spüre einen permanenten Schmerz im rechten Oberschenkel. Eine kleine Zerrung, die ich mir beim Material-Check am Vorabend zugezogen habe (Merke: Ab einem gewissen Alter sind Wheelies lächerlich. Und gesundheitsgefährdend). Am Gipfel angekommen, erklimme ich schnell noch eine Steintreppe und staune auf exakt 700 Meter Höhe – wie Don ein Stockwerk tiefer – über den Ausblick auf das Hochmoor Hohes Venn.

53 Kilometer und 3 Liter später

Björn und ich können es nicht fassen, wie entspannt die Tour bisher abläuft! Nach jedem kurzen, knackigen Anstieg werden wir mit großartigen flowigen Trails belohnt. Zügig surfen wir durch "grüne Tunnel" und über Pfade irgendwo tief im Wald. Die Streckenführung kitzelt das Maximum an Trail-Passagen heraus. Jedes Mal, wenn wir auf eine Waldautobahn einschwenken, begegnet uns schon nach wenigen hundert Metern ein kleiner Stoneman-Wegweiser, der uns wieder ins Unterholz schickt. Das einzige Problem dabei ist, dass die Dinger in einem kontrastarmen Gelb-Weiß-Design gehalten sind und wir oftmals anhalten müssen, um die Pfeilrichtung zu erkennen. Unser Navi erspart uns glücklicherweise Zusatzkilometer durch falsches Abbiegen. Aber der jüngste Spross der legendären Stoneman-Klopper ist schließlich noch nagelneu und wird im Detail sicher noch nachgebessert. Übrigens ist dieser Stoneman mit 176 Kilometern der längste – und wir haben kaum Begegnungen mit anderen Teilnehmern. Zumindest nicht auf Fahrrädern. Uns laufen eher Wildschweine, Füchse, Hasen, Rehe und Katzen über den Weg. Mein persönliches Highlight sind einige ausgewachsene Highland-Kühe, die uns überrascht empfangen. Überrascht deswegen, weil Björn versucht, mit ihnen mittels "Muuuh"-Lauten zu kommunizieren. Eine merkwürdige Angewohnheit meines Begleiters, die er schon seit Jahren auslebt. In diesem Fall hätte er mit einem schottischen "Mooooh" wohl eher Erfolg gehabt.

15 Kilometer und 1,5 Liter später

Über Bütgenbach und Herresbach führen uns diverse Waldwege immer wieder auf versteckte und extrem schmale Trails, die den Eindruck verfestigen, dass hier echte Locals mit ihren Sahnestückchen an der Planung beteiligt waren. Von hinten ruft Don erstaunt: "Mann, wer zum Teufel mäht denn hier das Gras?" Die Passagen sind in einem erstaunlich gepflegten Zustand. Zudem scheinen es die Belgier mit ihrem Territorium sehr ernst zu nehmen, kilometerweit säumen beidseitig Stacheldrähte die Trails. Dummerweise so eng gesetzt, dass es mit Lenkerbreiten über 780 Millimetern wirklich knapp wird – kein Witz! Ein letzter steiler Pfad spuckt uns dann in Schönberg aus, wo wir an einem Supermarkt eine kurze Verpflegungspause einlegen.

8 Minuten später

"Hey Björn, in der Streckenbeschreibung steht, dass jetzt bis Ouren keine Verpflegung mehr möglich ist. "Das sind aber ja noch circa 50 Kilometer", lasse ich meinen Bike-Mentor wissen. "Passt schon! Hast ja gesehen, wie easy alles läuft." Das klingt halbwegs plausibel. Trotzdem gönne ich mir noch mal einen halben Liter auf ex, verzichte jedoch zähneknirschend auf eine Zusatzflasche im Trikot. "Das würde dich beim Fahren nur stören, echt", belehrt mich Björn. Auf den nächsten Kilometern verziehen sich die letzten Wolken, und die Sonne sorgt dafür, dass meine Trinkflasche sich quasi von alleine leert. Ein Blick auf meinen Bikecomputer offenbart, dass die angegebenen 3400 Höhenmeter für die komplette Stoneman-Runde eher ein Schätz- denn Messwert sind. Die haben wir nämlich jetzt fast schon zusammen. Schöner Mist. Im Gegensatz zu Björn bin ich nämlich keine "Effizienzmaschine", meine Verbrauchswerte fallen deutlich höher aus! Selbst die letzten Wasserreserven, die mir Björn vermacht, bringen mich nicht viel weiter. Es ist kaum zu fassen, hier gibt es einfach nix! Ich teile mir meine dahinschwindenden Kräfte ein und bleibe an den Anstiegen immer weiter zurück.

0 Liter später

Wenn es unter Bikern einen V8 gibt, dann ist das Don. Der Mann hat einen Verbrauch wie ein schlecht eingestellter Big Block. Nachdem er seine Flasche inhaliert hatte und auch meine trockengelegt hat, jammert er nun leise neben mir her. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass das unkritisch ist. Erst wenn er komplett schweigt, muss ich mir Sorgen machen. Trotzdem sollten wir dringend mal auftanken. Der belgische Radgott scheint guter Laune zu sein und schiebt uns ein Hinweisschild "Pension Froschloch, Biergarten" vor die Federgabel. Don erhöht das Tempo.

MB Reise Stoneman Arduenna
Björn Hänssler
Fürbitte zum Wettergott: Don schleppt sich mit Humor gen Ziel.

10 Minuten später

"Verdammtes Froschloch!" Mein verzweifelter Schrei ist sicher noch im benachbarten Tal zu hören. "Dienstag Ruhetag" steht am Eingang, und die Pension ist verriegelt und unbewohnt. Ich bin kurz davor, das schlimme "A-Wort" zu benutzen, aber ein Abbruch ist schon allein aus logistischen Gründen nicht möglich. Björn bewahrt die Nerven und verschafft sich – sagen wir mal halblegal – Zutritt zum Garten, wo er eine kleine Hunde-Trinkstelle findet, bestehend aus einem Trinknapf und einem kurzen Gartenschlauch, der nicht näher definierte Trinkwasserqualität liefert. Das ist mir in dem Moment aber ziemlich egal, und ich genieße das köstliche "Eau de Chien, Jahrgang 2020".

MB Reise Stoneman Arduenna
Björn Hänssler
Auf den Hund gekommen: Eine tierische Tankstelle bringt die seit Stunden ersehnte Erfrischung.

0,75 Liter später

Wahnsinn, was für eine Euphorie ein bisschen Wasser auslösen kann! Mit einer akzeptablen Geschwindigkeit ist Don wieder auf Kurs, und wir erfreuen uns an den zunehmend technischer werdenden Trails. Wir nähern uns in Sachen Höhenmetern langsam der 4000er-Marke. Viel Muße, darüber nachzudenken, haben wir aber nicht, da die Strecke mit giftigen Anstiegen im 20-Prozent-Steigungsbereich und wurzeligen Abfahrten unsere volle Aufmerksamkeit erfordert. Der Charakter hat sich komplett geändert, und aus dem entspannten Tourenfahren ist echtes Mountainbiken geworden. Als Highlight durchfahren wir vor Neidingen einen felsigen, steilen Trail, der ein wenig Bikepark-Feeling aufkommen lässt. Erschwerend kommt nun hinzu, dass es in der Zwischenzeit angefangen hat zu regnen – und wir so einige Passagen nach dem Motto "laufen lassen und nicht zu viel nachdenken" bewältigen.

5 Liter Regenwasser später

Ich bin gottfroh, dass alle meine Knochen noch an der richtigen Stelle sitzen. Während Björn voll aufdreht, hoffe ich, dass ich mir nicht noch einen Ermüdungssturz leiste. Mit noch größerer Erleichterung stelle ich fest, dass auch mein Kumpel nach zwölf Stunden im Sattel endlich einen seriösen Hunger verspürt. Ohne langes Suchen finden wir dann auch in Neidingen den einzigen Bäcker – jedoch ohne Brot. Wir kaufen stattdessen Paprikachips sowie Zitronenlimonade und sitzen schnell wieder im Sattel. Das letzte Drittel der Tour erweist sich schon seit vielen Kilometern als deutlich fordernder, und wir müssen uns sputen, um das Zeitfenster einzuhalten. Als wir nach fast 15 Stunden das Ende des Tracks erreichen, breche ich in inneren Jubel aus, weil wir das letzte Stück zum Hotel nur noch bergab rollen müssen. Mittlerweile haben wir 4300 Höhenmeter auf der Uhr, 4142 davon auf dem Stoneman-Track, 13 Stunden Netto-Fahrzeit – also mir reicht das für heute.

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Björn Hänssler
Das Dreiländerdreieck wird auf einer großen Tafel beschrieben. Na, hoffentlich wird es für unsere beiden Abenteurer nicht zum Bermuda-Dreieck!

10 Stunden und viel alkoholfreies Bier später

Wir nehmen am nächsten Morgen glücklich unsere Trophäen entgegen, und Don staunt nicht schlecht, als wir unsere Bikes ins Auto laden. Über Nacht sind sie auf magische Art und Weise sauber geworden. "Du hast echt was gut bei mir, Björn", sagt er und spendiert mir auf dem Rückweg das Mittagessen. Was er nicht weiß: Der Hotelchef persönlich hat die Räder am Abend noch gewaschen, weil wir zu den ersten Gold-Finishern des Stoneman Arduenna gehören. Aber das kann ich Don ja bei unserem nächsten Abenteuer verraten ...

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