Fedegabel-Test Björn Hänssler
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29''-Federgabeln mit 130-140mm Federweg

Im Test: Fox, Rock Shox, Marzocchi, DVO und Cane Creek

Viel Hub hilft viel? Stimmt. Aber für viele heimische Trails reichen Gabeln mit 130–140-mm-Federweg locker aus. Hier sind die fünf besten Modelle im Labor- und Praxistest.

Das Testfeld in der Übersicht

Trailbikes sind der große Trend auf dem nicht elek­trifizierten Bike-Markt. Im Ideal versprechen diese ­Bikes mit rund 130-mm-Federweg und (fast ausschließlich) 29„-Rädern das Beste aus den MTB-Welten: Dank ihrer – nomen est omen – Trail-verliebten Geometrien und stabilen Parts fahren sie sich fast so potent wie Enduro-Bikes der 160-mm-Klasse, gleichzeitig stehen sie dank ihres fairen Gewichts und ihrer effizienten Hinterradfederungen den Touren- und Marathonfullys in Sachen Vortrieb und Kletterfreude kaum nach. Kurzum: Trailbikes haben als Alleskönner die alte All-Mountain-Klasse abgelöst.

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Fedegabel-Test
Test: Federgabeln 2019 5 Federgabeln im Test
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Doch welche Federgabel ist die beste für diese Spaßbikes? Eine Frage, die sich zum einen für Nachrüster stellt, aber zum anderen auch für Käufer von neuen Komplett-Bikes, die die Güte ihrer Gabel einschätzen wollen. Wie die Trailbikes selbst haben die dazu passenden Gabeln einen Spagat zu meistern. Sie sollen die Schluckfreude, die Stabilität und die Steifigkeit einer massiven Enduro-Gabel zeigen, gleichzeitig aber nicht zu schwer auf der Waage liegen. In der Regel gehen die Hersteller diese Herkulesaufgabe mit “mittelbreiten„ Standrohren von 34–35 mm Durchmesser an, die sich zwischen CC/Marathon/Tour (32 mm) und Enduro (36 mm) platzieren. Das senkt das Gewicht bei immer noch sehr guten Steifigkeitswerten. Zudem kommen hochwertige Dämpfungskartuschen und Luftfedereinheiten zum Einsatz, die oft denen der Enduro-Modelle entsprechen, lediglich hin und wieder ein paar Einstellmöglichkeiten einsparen. Dennoch: Die fünf Gabeln in diesem Test entstammen fast alle dem High-­End-­Segment. Cane Creek Helm Works, DVO Sapphire, Fox 34 Float Factory und Rock Shox Pike Ultimate RC2 bieten in Sachen Technologie das Beste vom Besten, kosten dafür aber alle um oder sogar über 1000 Euro. Einzig die (inzwischen von Fox gebaute) Mar­zoc­chi Bomber Z2 kommt etwas preiswerter daher, kann erfreulicherweise dennoch mithalten!

Apropos: Getestet haben wir die Gabeln nach allen Regeln der Kunst, in unzähligen Stunden auf anspruchsvollen Trails genauso wie auf unseren Steifigkeitsprüfständen und Kern-Waagen – und das mit durchweg ausgezeichneten Ergebnissen!

Cane Creek Helm Works 130

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Björn Hänssler
Cane Creek Helm Works 130

Edel und gut verarbeitet steht sie da – die neue Helm Works 130. Und auch die Fahrleistungen sprechen für die Cane-Creek-Gabel. Selbst in hartem Gelände macht sie eine sehr gute Figur. Zwar bietet die Helm “nur„ 130-mm-Federweg (die Konkurrenten haben ­alle 140 mm), zeigt aber dafür dank ihrer voluminösen 35-mm-Standrohren höchste Steifigkeiten, ohne zu viel zu wiegen. Die US-Amerikanerin steht zudem seriös im Federweg, generiert ein angenehmes Feedback, besonders im mittleren Federwegsbereich.

Ungewohnt, aber funktionell: Der Hebel der Highspeed-Compression dient zugleich als “Climb Switch„, sodass die Dämpfung bei Bergauffahrten fast blockiert werden kann. Im zugedrehten Zustand entwickelt die Dämpfung dann allerdings hörbar Quietschgeräusche.

Fazit: Solider Maschinenbau! Die Helm beweist sich als edle Gabel mit viel Reserven, ist auch für den Einsatz auf gröberen Trails bestens geeignet.

Preis: 950 Euro

Federweg: 120, 130 mm

Laufraddimension: 27,5“, 29„

Einbaulänge: 541 mm

Achse/Standrohr: 15 x 110 mm/35 mm

Bremsaufnahme/ max.: Postmount 180/203 mm

Testkriterien

Gewicht: 1974 g

Brems-/Seiten-/Torsionssteifigkeit: 254,6/209,8/38 Nm/°

Einstellmöglichkeiten:

Bedienbarkeit:

Harter Einsatz:

Sensibilität/Komfort:

Wertung: SEHR GUT (86 Punkte)

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DVO Sapphire 34 Boost

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Björn Hänssler
DVO Sapphire 34 Boost

Mach doch mal blau! Die Neuauflage der Sapphire ist auffällig, aber nicht nur was die Farbe angeht. Die DVO steht stabil im Federweg, vor allem im mittleren Federwegsbereich. Auch harte Schläge steckt sie problemlos weg und tendiert in Richtung einer Enduro-Gabel. Die Paradedisziplin ist aber das Ansprechverhalten, das mittels “Off The Top„-System (OTT) fein einstellbar ist: Die Negativkammer enthält keine Luft, sondern eine kleine Stahlfeder, die sich vorspannen lässt.

Wegen der vielen Einstellmöglichkeiten gestaltet sich das Setup etwas komplizierter. Die Einstellung der Highspeed-Compression ist wenig spürbar und mit 30 kaum gerasterten Klicks etwas zu fein. Die Lowspeed-Compression ist mit sechs Klicks übersichtlicher gehalten und auch deutlich spürbar.

Fazit: Sehr potente Gabel, auch fürs ganz Grobe. Versierte Biker können dank der Einstellmöglichkeiten auch noch das Letzte aus der Gabel kitzeln.

Preis: 900 Euro

Federweg: 120–140 mm

Laufraddimension: 27,5“, 29„

Einbaulänge: 543 mm

Achse/Standrohr: 15 x 110 mm/34 mm

Bremsaufnahme/ max.: Postmount 160/203 mm

Testkriterien

Gewicht: 2005 g

Brems-/Seiten-/Torsionssteifigkeit: 237,3/185/30,7 Nm/°

Einstellmöglichkeiten:

Bedienbarkeit:

Harter Einsatz:

Sensibilität/Komfort:

Wertung: SEHR GUT (84 Punkte)

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Fox 34 Float Factory

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Björn Hänssler
Fox 34 Float Factory

“Kashima Coating„ nennt sich die güldenen Beschichtung der Standrohre, die angeblich nur in Japan aufgetragen werden kann und für ein seidiges Ansprechverhalten sorgen soll. Die beliebte 34er zeichnet sich aber auch durch Einfachheit der Bedienung aus. Die “FIT4„-Dämpfung verzichtet auf Highspeed-Compression und bietet lediglich drei klar abgegrenzte Einstellungen der Lowspeed (plus Fein-Tuning des Open Mode).

Auf dem Trail besticht die überraschend leichte Fox mit herausragender Performance. Feedback und Traktion sind perfekt, das Ansprechverhalten ist in der offenen Position überragend. Die mittlere Position strafft die Gabel spürbar ab, was sie im Trail-Einsatz direkter reagieren lässt und zudem fürs gemütliche Bergauf-Pedalieren optimal ist.

Fazit: Superbste Performance, vereint mit einfachster Bedienung, und edle Optik bei geringstem Gewicht. Was will Biker mehr?

Preis: 1189 Euro

Federweg: 120, 130, 140 mm

Laufraddimension: 27,5“, 29„

Einbaulänge: 549 mm

Achse/Standrohr: 15 x 100 o. 110 mm/34 mm

Bremsaufnahme/ max.: Postmount 160/203 mm

Testkriterien

Gewicht: 1813 g

Brems-/Seiten-/Torsionssteifigkeit: 238,4/183,7/30,9 Nm/°

Einstellmöglichkeiten:

Bedienbarkeit:

Harter Einsatz:

Sensibilität/Komfort:

Wertung: ÜBERRAGEND (91 Punkte)

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Mar­zoc­chi Bomber Z2

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Björn Hänssler
Marzocchi Bomber Z2

Nachdem Fox Mar­zoc­chi gekauft hat, kommen immer mehr neu aufgelegte Gabeln – in Mar­zoc­chi-Optik, mit Fox-Innenleben. Jüngste im Bunde ist die Z2, die mit einer vergleichsweise simplen “Grip„-Kartusche von Fox ausgestattet ist. Diese zeigt ein sehr softes Ansprechverhalten, generiert hohen Komfort. Vielleicht zu viel? Zu Beginn des Tests rauschte uns die Gabel zu stark durch den Hub. Durch das Einbauen eines Volumen-Spacers in die Luftkammer konnte das aber behoben werden.

Die Einstellknöpfe sind nur aus Kunststoff, und die Verstellmöglichkeiten sind einfach gehalten (die Druckstufenverstellung ist stufenlos). In ­Sachen Performance ist das jedoch kein Nachteil, die eher schwere Mar­zoc­chi erfreut dafür mit ­fairem Preis.

Fazit: Die Z2 ist auch für Einsteiger bestens geeignet, da die Bedienung unkompliziert ist und sich die Gabel höchst komfortabel fährt.

Preis: 699 Euro

Federweg: 100, 120, 130, 140 mm

Laufraddimension: 27,5“, 29„

Einbaulänge: 545 mm

Achse/Standrohr: 15 x 110 mm/34 mm

Bremsaufnahme/ max.: Postmount 160/203 mm

Testkriterien

Gewicht: 2011 g

Brems-/Seiten-/Torsionssteifigkeit: 236,3/194,5/30,4 Nm/°

Einstellmöglichkeiten:

Bedienbarkeit:

Harter Einsatz:

Sensibilität/Komfort:

Wertung: SEHR GUT (82 Punkte)

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Rock Shox Pike Ultimate RC2

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Björn Hänssler
Rock Shox Pike Ultimate RC2

Rock Shox hat die Pike überarbeitet und mit dem Zusatz “Ultimate„ versehen. Geändert ist die Dämpfungseinheit (“Charger 2.1„), zudem setzen die US-Amerikaner neue Dichtungen für weniger Reibung sowie ein optimiertes Öl ein. Einen neuen, wie wir finden, sehr edlen Anstrich gibt es obendrauf. Auch dank der einfach einstellbaren Highspeed-Compression in fünf Stufen steht die Rock Shox stets seriös im Hub und bietet ausreichend Reserven. Insgesamt ist die leichte, steife Rock Shox straffer abgestimmt als die große Konkurrentin von Fox. Wer sie hart rannimmt oder gar in einem schweren (E-)MTB fährt, wird das kaum merken – dann ist das Losbrechmoment nicht spürbar. Wer es eine Spur fluffiger mag, sollte den ­Spacer­, der in der Luftkammer verbaut ist, entfernen.

Fazit: Rock Shox bietet eine sehr stimmige ­Gesamt-Performance. Die Pike steht straff im ­Federweg, was schnellen Fahrern liegen dürfte.

Preis: 1030 Euro

Federweg: 120, 130, 140, 150, 160 mm

Laufraddimension: 27,5“, 29„

Einbaulänge: 552 mm

Achse/Standrohr: 15 x 110 mm/35 mm

Bremsaufnahme/ max.: Postmount 130/220 mm

Testkriterien

Gewicht: 1847 g

Brems-/Seiten-/Torsionssteifigkeit: 280,8/206,5/41 Nm/°

Einstellmöglichkeiten:

Bedienbarkeit:

Harter Einsatz:

Sensibilität/Komfort:

Wertung: SEHR GUT (89 Punkte)

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Gabel-Lexikon

Druckstufe (engl. Compression) nennt man die Dämpfung, die beim Einfedern der Gabel aktiv ist. Über diese kann die Geschwindigkeit des Einfederns reguliert werden.

Low-/Highspeed Man unterteilt die jeweilige Dämpfung (Zug- oder Druckstufe) in zwei Geschwindigkeiten: Verstellt man die Highspeed-Dämpfung, wirkt sich das nur auf harte Schläge, Drops oder Sprünge aus. Lowspeed ist beim langsamen Einfedern in Kompressionen wie Anliegern oder Wellen spürbar – aber auch im Wiegetritt.

Nachlauf (engl. Offset) Viele Gabeln werden mit verschiedenem Offset angeboten. Dieser beeinflusst das Lenkverhalten. Je länger der Offset, desto kürzer ist der Nachlauf und umso wendiger fährt sich das Bike – trotz längerem Radstand. Bei 29“-Gabeln werden Offsets um 44 oder 51 mm angeboten, bei 27,5„ sind es um 37 oder 44 mm.

Postmount heißt die Bremsaufnahme an der Gabel. Dieser Standard hat sich durchgesetzt. Über Adapter wird die Bremse an unterschiedliche Scheibengrößen angepasst.

Standrohre nennt man die Rohre, die oben “fest„ stehen. In der Regel also die Rohre, die in die unteren eintauchen. Im Trail-Segment sind 34–35 mm Durchmesser angesagt.

Tauchrohre sind die unteren Rohre, die dem Untergrund ausweichen und in welche die Standrohre eintauchen. Im Englischen spricht man auch vom Casting (Gussteil).

Volumen-Spacer heißen kleine Plastikbauteile, über die die Progression der Luftfeder-Kennlinie moduliert werden kann. Der Ein- oder Ausbau ist einfach, der Effekt hoch.

Zugstufe (engl. Rebound) ist die Dämpfung, die die Ausfederungsgeschwindigkeit der Gabel regelt. Meist befndet sich der (rote) Drehknopf am unteren Ende der Tauchrohre.

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