Trailguide Luxemburg 2019 Ralf Schanze

MTB Trailguide: Luxemburg

Die besten Touren im Mini-Staat

Heute roter Sandstein, morgen grüner Märchenwald: Luxemburg ist eine Wundertüte für Biker – und das in direkter Nachbarschaft

Infocenter: Trailguide Luxemburg

Trailguide Luxemburg 2019
Ralf Schanze

Lage & Charakter: Das mitten im Herzen von Europa, genau zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland, gelegene Luxemburg zählt zu den kleinsten, aber auch reichsten Staaten des Kontinents. Das Großherzogtum wird im Norden durch die Ardennen mit ihren dichten Wäldern geprägt, im Süden und Osten durch das liebliche Moseltal und das urwaldartige Müllerthal.

Anreise: Luxemburg verfügt über ein hervorragend ausgebautes, mautfreies Autobahnnetz. Von Köln in die Hauptstadt Luxembourg sind es 175, von Frankfurt 300 Kilometer. Die luxemburgische Hauptstadt ist bestens ans TGV- und ICE-Netz angeknüpft.

Beste Reisezeit: von Mai bis November. Im goldenen Oktober ist das Biken in den Wäldern des Großherzogtums besonders reizvoll.

Übernachtung: Hotel-Restaurant Cottage in der romantischen Innenstadt von Dudelange. cottageluxembourg.com; Natur & Sporthotel, direkt am Traileingang des Müllerthals in Berdorf. trail-inn.lu

Essen und Trinken: Brasserie Heringer Millen in Müllerthal. heringermillen.lu; Brasserie Aal Eechternoach’ in Echternach (www.aaleechternoach.lu)

Allgemeine Urlaubs-Info: visitluxembourg.com

Bikeinfos: biker.lu

Bikeshop: Schütz Bicycles in Dudelange (schutz.lu). Hier gibt’s Räder und Ersatzteile vom ehemaligen Tour-de-France- Etappensieger Edy Schütz.

Guiding: Ob Touren, Trailcamps oder Luxemburg-Cross (105 km) – keiner kennt sich in seiner Heimat aus wie Guide Ferdy Adam! www.singletrails.lu

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Ralf Schanze
Im Süden Lu­xemburgs meint man fast, man sei in Arizona gelandet.

Tipps abseits der Trails:

Mühlräder im romantischen Müllerthal: Die restaurierte Heringer Mühle aus dem 17. Jahrhundert beherbergt ein Mühlenmuseum sowie einen alten Steinbackofen, in dem man selbst Brot backen kann. Zudem werden hier feine regionale Produkte verkauft. mullerthal-millen.lu/de

Stahl-Ästhetik im Südwesten Luxemburgs: Seit 2014 ist der Hochofen A in Esch-Belval öffentlich zugänglich. Man kann ihn geführt und auf eigene Faust erkunden. Von der Besucherplattform bieten sich 1a-Blicke auf das Umland. Und abends locken rund um die alten Hochöfen viele Kneipen & Restaurants. fonds-belval.lu

Tausche Klickschuhe gegen Wanderstiefel: Das Müllerthal westlich von Echternach wird auch Kleine Luxemburger Schweiz genannt, gilt es doch als Wanderparadies. In der von Felsen geprägten Region warten über 100 Kilometer (bikefreie) Wege.

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Ralf Schanze
In den Red Rocks trifft man immer wieder auf Überbleibsel des Tagebaus.

Alle Touren:

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Rest der Welt
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Reportagetext:

Das Rinnsal läuft salzig zwischen den Schulterblättern der roten Erde entgegen. Heiß wie Hölle. Die Sonne brutzelt mein Hirn medium. Und die Kehle ist trocken wie ein Stück Schmirgelpapier. Der rote Sandstein leuchtet flimmernd in der Hitze. Wo wartet die Klapperschlange, die aus den Büschen nach meinen Beinen schnappt? Der Trail heißt Arizona. Und macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Nennt sich Arizona, fühlt sich in der Hitze an wie Arizona, sieht aus wie Arizona – ist aber Luxemburg! Frühmorgens war ich mit meinen Freunden Mona, Kai und Andi – und unter Führung unseres Guides Claude – aufgebrochen, um die Red Rocks zu erkunden. Die Region im Süden des kleinen Großherzogtums wird auch „Terres Rouges“ genannt. Den Namen verdankt sie dem knallrot leuchtenden Eisenerz, das einst den Erfolg der Luxemburger Stahlindustrie begründete.

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Ralf Schanze

Im Land der roten Erde

Inzwischen sind die Abbaugebiete für das rote Eisenerz längst stillgelegt, die Schlote für immer erloschen. Aber in Sichtweite unseres heutigen Bikereviers können wir am Horizont noch einen Blick auf die alten Industrieanlagen werfen, die die Region nahe dem Städtchen Dudelange jahrzehntelang geprägt haben. Heute bildet das ehemalige Abbaugebiet ein kleines Naturreservat, durch das sich unzählige Trails schlängeln. Unser Guide prescht im Irrsinns-Tempo vor, sodass wir kaum Anschluss halten können. Claude ist seines Zeichens so eine Art Oberförster der Terres Rouges und kennt hier jeden Stock und Stein mit Vor-, Spitz- und Nachnamen. Wir hecheln hinterher. Hier gilt: alles, nur den Anschluss nicht verlieren! Die Red-Rock-Trails werfen einen wie auf einer Murmelbahn durch kleine Anlieger, Kicker, Hügelchen, immer leicht auf und ab. Achterbahn in Arizona! Nur blöd, dass wir uns für diesen Trip einen der heißesten Sommertage ausgesucht haben. Ich leide angesichts der Hitze, die sich in der roten luxemburgischen Steinwüste noch wie im Brennglas zu verstärken scheint, wie ein Hund. Aber abends in einer der vielen urigen Kneipen von Dudelange sind Mona, Kai, Andi und ich uns einig: Unser Ausflug aus dem Pott nach Luxemburg hat sich am ersten Tag bereits mehr als gelohnt. Wo sonst findet man Red Rocks? Außer hier in Arizona?

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Straßenheld: Edy Schütz gewann 1966 (!) die Tour-Etappe nach Chamonix. Mit seinem Sohn betreibt er in Dudelange einen Shop.

Terra incognita

Für mich war dieser Mini-Staat zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich immer ein weißer Fleck auf der Bikelandkarte. Warum eigentlich? Keine Ahnung, liegt das Großherzogtum doch gleich in der Nachbarschaft, nur einen Katzensprung von der Eifel entfernt. Und zwischen Trier und der Hauptstadt Luxembourg liegen nur mal 50 Kilometer. Die Infrastruktur ist hervorragend, das Trailnetz bestens erschlossen, die Küche exquisit und der sprachgewandte Luxemburger, der wahlweise Französisch, Deutsch oder Englisch parliert, überaus gastfreundlich. Was keiner von uns Nachbarn wusste: Die nur 600000 Luxemburger haben auch noch eine eigene Landessprache, das „Lëtzebuergesch“. Das ungewöhnliche ë muss man erst mal auf der heimischen Tastatur suchen ... Unterwegs sitzen wir vier mit Claude bei kühlen Getränken in einer schattigen Kneipe zusammen und er gibt uns ein paar Kostproben seiner Muttersprache, die sich irgendwie drollig anhört. So sagt der Luxemburger „moien“ – das aber zu jeder Tageszeit – und zum Abschied „äddi“. Wir verstehen nur Bahnhof, haben aber einen Heidenspaß.Weniger Spaß habe ich am nächsten Tag an einem Schleichplatten, den ich aus der roten Wüste Arizonas mitgebracht habe und den auch Claude mit seinen Bordmitteln einfach nicht dicht kriegt. Also lotst er uns zum Radhändler seines Vertrauens. Der heißt Edy Schütz und ist ein ehemaliger Tour-de-France-Fahrer. 1966 hat Edy sogar eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Chapeau! Heute betreibt er mit seinem Sohn Guy in Dudelange ein kleines Bikegeschäft, in dem vergilbte Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden von großen Rennrad-Zeiten erzählen. Und ich habe nun ein Hinterrad, das von einem wahrhaftigen Tour-de-France-Etappensieger geflickt wurde. Das hat auch nicht jeder!

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Sisyphusarbeit: Die Hohllay („hohler Felsen“) ist ein von Menschenhand ausgehöhlter Felsen.

Der grenznahe Urwald

Wir sagen Edy, Guy und Claude „äddi“ und fahren die 50 Kilometer von Arizona in die Schweiz. Richtig gelesen! Das Müllerthal – oder Mëllerdall auf Luxemburgisch – liegt im Osten von Luxemburg, nahe der deutschen Grenze. Es wird im Volksmund auch Kleine Luxemburger Schweiz genannt. Diesen Namen verdankt die Region der Hügellandschaft, die an die Heimat der Eidgenossen erinnert. Das Müllerthal ist vor allem eines: unfassbar grün. Und mittendrin im Urwald: kecke Sandsteinfelsen, an denen seit Jahrtausenden der Zahn der Zeit nagt. Mit Guide Gian-Marco rollen wir durch diese Märchenwelt aus Stein und Wald. Die Felsen ragen wie Trutzburgen aus dem Dschungel. Auf Bäumen wächst fingerdick das Moos. Der Trail führt an fußball- feldgroßen Waldkleewiesen vorbei. Es plätschert ein Bach, aus dem mich ein dutzend Forellen groß angucken. Bike-Wonderland à la Luxemburg. Schließlich stehen wir unvermittelt vor einer imposanten Höhle, der Hohllay. Der riesige, tief ausgehöhlte Felsbrocken hat jedoch keinen natürlichen Ursprung, weiß Gian-Marco. „In den Grotten wur- den früher die Mühlsteine für die vielen Mühlen in der Gegend herausgebrochen“, erklärt er. Noch heute sieht man die kreisrunden Ausschnitte in den Felsen. Die Methode war so simpel wie effektiv: Es wurde eine kreisförmige Rinne rund um den Stein gemeißelt. Darin befestigte man Holzstücke und brachte sie mit Wasser zum Quellen. Der enorme Holzdruck löste den Mühlstein schließlich in einem Stück aus dem Felsen. Schon clever! Wir rollen weiter durch die schattigen Wälder der Wolfsschlucht, entlang des Baches Aesbach – fast andächtig angesichts des Naturspektakels um uns herum. Zum Glück ist es im dichten Wald etwas kühler als an den Vortagen in den Red Rocks. Durst haben wir trotzdem, die Trinkrucksäcke sind schon länger leer. Schließlich entdecke ich zwischen den Baumwipfeln die Türme des Château Beaufort. Genau richtig für einen standesgemäßen Boxenstopp mit Schlossbesichtigung.

Nachglühen im Schloss

Sündige Überraschung: Gleich hinter dem Eingang bekommen wir kostenlose Getränke angeboten: Johannisbeer-Likörchen! Im Schloss Beaufort werden nämlich hervorragende Fruchtliköre gebrannt, die in den dunklen Kellern hergestellt und gelagert werden. Neben dem berühmten Cassis gibt es schmackhaften Pflaumen- Kirschschnaps und Hochprozentiges aus Himbeeren. Alkohol während des Bikens lehne ich natürlich sonst strikt ab, aber die Dame mit dem Johannisbeer-Likör bietet uns die kleinen Gläschen mit einem derart charmanten Lächeln an, dass ich doch schwach werde. Wie auch Mona, Kai und Andi. „Luxemburg, wir kommen wieder!“, lautet unser Trinkspruch. „Dat as eng gutt Iddi!“, sagt Guide Gian-Marco auf Lëtzebuergesch. Finde ich auch!

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