Trailguide Cortina d'Ampezzo Kirsten Sörries
Trailguide Cortina d'Ampezzo
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Trailguide Cortina d'Ampezzo 12 Bilder

Trailguide Cortina d'Ampezzo

Bike-Spaß in den Apezzaner Dolomiten Trailguide Cortina d'Ampezzo

Mondäner Ferienort Ende des 19. Jahrhunderts, von Schlachten umgeben im Ersten Weltkrieg, Olympia-Gastgeber einst und in Bälde: Cortina d’Ampezzo hat viele Facetten. Und auch die Bike-Szene ist in den ladinischen Dolomiten immer mehr willkommen!

Touren in Cortina d'Ampezzo

1. Col Druscié

Länge 14,23 km
Dauer 1:44 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 535 Meter
Höhenmeter absteigend 525 Meter
Tiefster Punkt 1307 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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2. Rifugio Biella

Länge 45,99 km
Dauer 4:39 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1308 Meter
Höhenmeter absteigend 1308 Meter
Tiefster Punkt 1218 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Monte Faloria

Länge 22,86 km
Dauer 3:44 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1087 Meter
Höhenmeter absteigend 1087 Meter
Tiefster Punkt 1280 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Averau

Länge 35,93 km
Dauer 3:52 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1542 Meter
Höhenmeter absteigend 1543 Meter
Tiefster Punkt 1218 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Lage & Charakter: Cortina d’Ampezzo ist eine klassische Wintersport-Destination in der Provinz Belluno, die zu Venetien gehört – nahe der Grenze zu Südtirol. Der 5700-Seelen-Ort liegt auf 1211 Meter Höhe und ist umgeben von einer eindrucksvollen Bergwelt, die etwa den Monte Cristallo (3221 m) und die Punta Sorapiss (3205 m) umfasst. Bike-technisch spannend ist der Kontrast aus hochalpinen Trails sowie einem sehr weichen Waldboden mit natürlichen und wenig befahrenen Singletrails in tieferen Lagen. Durch den Wintertourismus gibt es ein großes Netz an Gondeln und Sesselliften, die Biker*innen befördern.

Anreise: Mit dem Auto aus Norden kommend geht es über die Brenner-Autobahn A 22 bis zur Ausfahrt Brixen-Pustertal. Dann auf der SS49 Richtung Bruneck und weiter nach Toblach. Am Eingang Toblach biegt man rechts auf die SS51 ab gen Drei Zinnen. Vorbei am Dürensee bis Schluderbach. Von dort weiter bis Cortina. Der für die meisten bestgeeignete, nächstgelegene Bahnhof ist Toblach. Von dort fahren Busse nach Cortina.

Beste Reisezeit: In Cortina herrscht kontinentales, alpines Klima. Die Sommer sind warm, die Winter kalt. Durch die Höhenlage ist schneefreies Biken erst ab Mai garantiert. Ideal sind Juni und Juli sowie September und Oktober. Im Herbst färben sich die Lärchen goldgelb, und man erlebt die Dolomiten im "Indian-Summer-Feeling". Meiden sollte man die zwei Wochen rund um "Ferragosto" (15. August) – dann ist es wie überall in Italien proppenvoll.

Allgemeine Infos: dolomiti.org

Übernachtung: Bei 5000 Hotelbetten und fast unzähligen mehr in Ferienwohnungen oder Pensionen gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas Passendes. "Bike-freundlich" ist beispielsweise das Sport Hotel Cortina in bester Ausgangslage. sporthotelcortina.it. Campingplätze gibt es gleich fünf. Empfehlenswert sind International Camping Olympia oder Camping Dolomiti.

Guiding & Lifte: "Ride in Cortina" an der Talstation des Bikeparks bietet nicht nur Guiding und Radverleih an, sondern ist auch für den Bau eines Großteils der Trails verantwortlich. Die Guides sind top geschult, sprechen Englisch und wissen, wie man Trail-Spaß mit feinen Restaurants verbindet. mtbguidecortina.com. Klasse: Mit der "Super Summercard" können aktuell 13 Bergbahnen mit Radmitnahme genutzt werden.

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Auch durch die vielen Lifte und Gondeln kommt man in Cortina schnell in hochalpines Gelände – und auf tolle Trails.

Abseits des Trails:

  • Cortina ist einer der Orte, in denen man jeden Bergsport ausüben kann. So gibt es spektakuläre Wander- und Bergsteigmöglichkeiten, aber auch Klettersteige und rund 20 Klettergärten. Diverse Bergschulen stehen mit Rat und Tat zur Seite. Und bei Regenwetter lockt die Kletterhalle. cortina360.it
  • An den Cinque Torri befindet sich das größte Freilichtmuseum über den Ersten Weltkrieg. Einst waren hier die Kanonenbatterien der italienischen Gebirgsartillerie positioniert und auf die österreichischen Stellungen auf dem Lagazuoi und auf dem Hexenstein sowie auf das Festungswerk Tre Sassi gerichtet. Heute kann man die Lauf- und Schützengräben zu Fuß oder mit einem Haubensessellift erreichen. Die Streckenführung schlängelt sich an den wiederhergestellten Stellungen entlang. cortinadelicious.it
  • Wie einst Toni Sailer auf den berühmten Olympia-Skipisten wie der Tofane kann man im Sommer natürlich nicht ins Tal wedeln, dennoch ist die olympische Geschichte (und Zukunft) des Ortes allgegenwärtig. Es lohnt, die Stätten wie das Eisstadion zu besichtigen, das 1956 ikonischen Status erlangte und auch 2026 wieder genutzt wird.
  • Möchte man den Ort erkunden, dann am besten mit dem Rad. Auf der ehemaligen Bahnlinie führt einen der Radweg mitten in den Ort und bietet einen tollen Überblick. Richtig gute Pizza bekommt man im La Perla oder im Crodo Café.

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Eine Handbewegung als Startsignal – und mit kräftigen Hüben seiner Skistöcke stößt sich Anton Engelbert, genannt "Toni", Sailer aus dem Starthäuschen. Schnell nimmt der Österreicher Fahrt auf, der Schnee kratzt an den Kanten seiner Skier, als er den ersten Schwung einleitet. Er ist schnell. Zu schnell für alle anderen. Auf der "Olimpia delle Tofane" holt sich Sailer den Olympiasieg in der Abfahrt. Es ist seine dritte Goldmedaille bei den Spielen 1956 in Cortina d’Ampezzo, dazu gewinnt er noch im Rahmen der parallel stattfindenden Weltmeisterschaft die (damals noch nicht olympische) Kombination. 66 Jahre später und mit vermutlich 33° Celsius mehr auf dem Thermometer stehe ich mit Enduro-Pro Max Schumann und Trial-Legende Tom Öhler am Start der legendären Skirennstrecke in Cortina – selbstredend mit anderem Sportgerät. Wir sind für ein langes Wochenende nach Cortina d’Ampezzo gekommen, um zu sehen, ob der Ort im Sommer für Biker ähnliche Anziehungskraft besitzt wie im Winter für Skifahrer.

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Voller Vorfreude: Tom Öhler (li.) und Max Schumann genießen die Aussicht – und sind bereit für ein langes Trail-Wochenende in den Ampezzaner Dolomiten.

Erdfräsen auf dem Krampus

Doch erst mal machen wir es wie die Menschen auf zwei Latten: Drei Sessellifte bringen uns zum höchsten Punkt des Bikeparks auf 2300 Metern. Dort zieht es uns an den Rand des kleinen Plateaus, und wir blicken auf ein gigantisches Panorama. Sogar die berühmten Zacken der Cinque Torri, eine bis zu 2361 Meter hohe Felsformation in den Ampezzaner Dolomiten, erspähen wir. Die rund 1100 Höhenmeter zum Pomedes- Plateau sind natürlich auch mit Wadenkraft erreichbar, so oder so ist dies ein idealer Ausgangspunkt, um die Strecken des Bikeparks anzugehen oder zu den alpinen Trails unterhalb des knapp über 3000 Meter gelegenen Sattels Forcella Tofana zu gelangen.

Uns lockt gleich das Highlight des Bikeparks: der Krampus-Trail. Wir biken am Rifugio Pomedes vorbei und holpern über die sich zum Teil noch im Bau befindlichen gleichnamigen Trails zum Einstieg des Krampus. Empfing uns der Bikepark erst als alpine Steinwüste mit kahlen Felsen und losem Gestein, so surfen wir nun plötzlich auf butterweichem, torfigem Waldboden. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir uns noch auf 2100 Meter Höhe und damit eigentlich über der Waldgrenze befinden. Max und Tom fräsen fröhlich durchs Unterholz – und mir spritzt die Erde fast ins Gesicht. Alles fühlt sich seltsam "fluffig", dennoch griffig an. Zudem ist der Trail extrem gut angelegt, an den ausgesetzten Stellen verbreitert er sich, und auf steile Passagen folgen immer wieder Kurven und Bodenwellen, die den Speed aufnehmen. Glückselig wedeln wir hinab, und ich fühle mich ein wenig wie Toni Sailer im Temporausch. Übrigens: Ist der Krampus-Trail dennoch anspruchsvoll aufgrund seiner Lage und des Gefälles, so sind die anderen Trails im Bikepark familientauglich.

Seine erste touristische Blütezeit erlebte Cortina d’Ampezzo Ende des 19. Jahrhunderts. Bergfexe, aber auch der österreichisch-ungarische Adel sowie das wohlhabende Bürgertum Frankreichs und Englands entdeckten das damals zu Österreich gehörende Örtchen. Gefördert vom deutschen und österreichischen Alpenverein wurde aus Anpezo (so der damalige Name) ein mondänes, im Sommer wie im Winter begehrtes Feriendomizil, das als "Perle der Dolomiten" bekannt war. Luxusherbergen entstanden, ebenso die anno 1903 gegründete Skischule. 27 Hotels mit 1400 Betten zählte Anpezo, ehe diese goldene Epoche jäh mit dem Attentat von Sarajevo und dem Beginn des Ersten Weltkriegs endete. Nach dem auch rund um Anpezo tobenden Inferno fiel der Ort wie das benachbarte Südtirol durch Inkrafttreten des Vertrags von Saint-Germain an Italien – und erhielt 1923 seinen jetzigen Namen. Nicht zur Freude der meist ladinisch (ein romanischer Dialekt, der nur in wenigen Alpentälern Südtirols, Venetiens und des Trentino gesprochen wird) geprägten Bevölkerung. Trotz vieler Bemühungen – und blutiger Ausschreitungen – bekam Cortina nie den Autonomiestatus der Südtiroler Nachbarn.

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Glanzstück des Bikeparks ist der zwar anspruchsvolle, aber sehr gut und „sicher“ gebaute Krampus-Trail.

Am Nachmittag sind wir mit Alessandro von "Ride in Cortina" verabredet. Er und sein Team bauen die Trails im Bikepark und rund um Cortina – und bieten Radverleih und geführte Touren an. Laut Alessandro verändert sich gerade die Sicht auf den Sommertourismus in Cortina, und er und sein Team haben den Auftrag bekommen, in den kommenden Jahren noch weitere 16 Kilometer an Trails zu bauen. Heute zeigt uns Alessandro aber ein ganz besonderes, quasi uraltes Schmankerl: Nach einem sehr flowigen Singletrail fahren wir immer wieder in, auf oder neben der olympischen Bobbahn von 1956! Die Betonwände sind erstaunlich hoch, und Max und Tom spielen mit den Fliehkräften, als wären sie Flipperkugeln. Wäre das nicht schon surreal genug, zieht Max auf vier Meter Höhe einen Bunnyhop und steht quasi senkrecht zum Boden in der Luft. Mein Mund steht weit offen.

Flache, geschwungene Trails

Am Ende der Bobbahn pedalieren wir wieder hoch und lernen eine neue Seite der Landschaft um Cortina kennen. Vom Col du Drasciè aus führen uns eher flache, geschwungene Natur-Trails in einem Wald mit hohem Gras und tiefem Boden Richtung Tal. Bremswellen oder tiefe Rillen gibt es keine, die Schmalspurpfade nutzen das Gefälle optimal, die Bremse darf Pause machen. Ab und an queren wir die Skipisten und kommen nach einem kleinen Anstieg wieder in der Mitte des Bikeparks an. Genüsslich surfen wir eine der Flow-Strecken hinab – auf zu einem italienischen Abendessen.

Apropos: Nach den Katastrophen der Weltkriege und dem "Umzug" nach Italien, dauerte es nicht lange, bis Cortina d’Ampezzo zurück zu touristischem Glanz gelangte. Die besagten Olympischen Spiele von 1956 sorgten für Investitionen, 1970 hievte Die Zeit hinsichtlich "Ski, Party und Design" Cortina auf eine Stufe mit St. Moritz, Kitzbühel und Megève. Und nach der Ausrichtung der Ski-WM 2021 ist das nächste Mega-Event nicht mehr weit entfernt. 2026 ist Cortina d’Ampezzo Gastgeber der XXV. Olympischen Winterspiele – zusammen mit Mailand und weiteren Orten in den italienischen Bergen. Die der kalten Jahreszeit "geschuldete" Infrastruktur steht heute auch Bikerinnen und Bikern zur Verfügung. Rund ein Dutzend Gondeln und Sessellifte stehen für die Radmitnahme parat. Mit einer der ersten Gondeln des Morgens schaukeln wir auch tags drauf in Richtung Faloria – und ermogeln uns so die 700 Höhenmeter zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour. Steile, schroffe Felsen rauschen unter der Gondel entlang, und wir verstehen, warum auf dieser Seite des Tales viele der Szenen für den legendären Action-Dampfhammer Cliffhanger mit Sylvester Stallone gedreht wurden – auch wenn die Handlung in den Rocky Mountains spielt. Von oben können wir gut sehen, wie viele Facetten alpiner Landschaft Cortina bietet: Wald mit geringem Gefälle und dann wieder karges Gelände mit wenig Vegetation, schmalen Gebirgspfaden und gewaltigen Felswänden.

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Am Monte Faloria zeigen sich die Dolomiten von ihrer schroffen und besonders beeindruckenden Seite.

Nach längerem Aussichtsgenuss arbeiten wir uns auf einem schmalen Pfad unterhalb des Cime de Laudo entlang. Ein wunderschöner, alpiner Trail, der nicht wirklich verboten, aber auch nicht wirklich erlaubt ist. Somit gilt es, besonders viel Rücksicht zu nehmen und keine Spuren zu hinterlassen. Die hohen Wände, die über den Trail wachen, geben ihm seinen Charakter: eher steil, oft leicht ausgesetzt, aber stets gut fahrbar. Schade nur, dass der gegenüber gelegene Monte Cristallo heute nicht gut aufgelegt ist und seinen Gipfel meist hinter Wolken versteckt. Gegen Ende des Trails tauchen wir in den Wald ein und fahren parallel zu einem Gebirgsbach Richtung Passo Tre Croci, wo wir für Risotto und Pasta mit Steinpilzen sowie einen Espresso einkehren. Wie auf der Südtiroler Seite jenseits dieses Passes oder des benachbarten Passo Cimbanche haben sie sich auch hier in Sachen Kulinarik und Genuss einfach das Beste aus beiden Welten – der alpinen und der mediterranen – geschnappt. "Schlecht essen" (und trinken) ist nahezu unmöglich.

Fürs Biken gilt natürlich Gleiches. Egal ob im liebevoll gepflegten Park oder auf den fantastischen Natur-Trails: Hier bergradelt es sich klasse. Dazu kommen die typischen Zutaten eines Urlaubs in den Dolomiten: geniale Panoramen, stabiles Alpensüdseitenwetter sowie ein dicker Schuss Dolce Vita. Schlussendlich reiht sich Cortina so ein in den Reigen vieler eigentlicher Wintersport-Destinationen, die mehr und mehr den Sommer entdecken. Und damit uns Bikerinnen und Biker.

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