Reise El Hierro Adrian Greiter
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El Hierro: 4 MTB-Touren

Touren: 4 Mountainbiketouren in El Hierro/Kanarische Inseln El Hierro: 4 MTB-Touren

Einsam, wunderschön, exotisch, MTB-freundlich. Die Kanareninsel El Hierro betört jeden Biker!

Kurze Übersicht:

Perle im Atlantik

El Hierro ist die kleinste, aber prächtigste der Kanareninseln.

Allgemeine Infos

Lage&Charakter: El Hierro ist die westlichste der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Sie gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife, obwohl sie fast 1500 km vom Festland entfernt ist. Ihr vulkanischer Ursprung ist der jüngsten Insel des Archipels noch überall anzumerken. Durch ihre exponierte Lage im Atlantik und ihre speziellen topografischen und klimatischen Bedingungen wachsen hier Pflanzen, die es nirgendwo sonst gibt, sogenannte Endemiten.

Corona-Situation: Aktuell besteht für die kanarischen Inseln vom auswärtigen Amt eine Reisewarnung! Zur Einreise nötig ist ein negativer PCR- oder Antigen-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Zudem gilt während des Aufenthalts in einem touristischen Beherbergungsbetrieb auf den Kanaren die Pflicht, die spanische Corona-App "Radar COVID" zu aktivieren und diese frühestens 15 Tage nach der Rückkehr in die Heimat abzustellen. Stand: 18.12.2020.

Anreise: mit dem Flieger über Teneriffa oder Gran Canaria. Ab Gran Canaria weiterfliegen mit dem Inselhüpfer (bintercanarias.com). Von Teneriffa via Fähre (navieraarmas.com) oder ebenfalls weiter mit dem Inselhüpfer (Achtung: Nordflughafen!)

Beste Reisezeit: Die Kanaren sind die Inseln des ewigen Frühlings! El Hierro befindet sich auf dem 17. Breitengrad, die Jahreszeiten sind nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, fast ganzjährig herrscht ideales Bike-Wetter. November und Dezember sind jedoch die feuchtesten Monate mit im Schnitt neun Regentagen. Ab März kommen Botaniker auf ihre Kosten, es blüht überall. Achtung: Im Winterhalbjahr gibt es mehr Flüge auf die Kanaren.

Urlaubs-Info: elhierro.travel/de

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Zeichen der vulkanischen Vergangenheit: Manche Wege führen durch kaum lenkerbreite Canyons im Lavagestein.

Übernachtung:

  • Apartamentos Los Verodes: In Frontera, sehr saubere und großzügige Apartments mit bis zu drei Schlafzimmern. Preis ab 45 Euro. (apartamentoslosverodes.com)
  • Bungalows Los Roques de Salmor: Kleine Anlage direkt am Meer in Las Puntas mit vier Bungalows für jeweils vier Personen. Buchbar bei booking.com
  • Villa Mocanes: Luxusvilla mit vier Schlafzimmern für bis zu sieben Personen und Privatpool. Das Haus befindet sich in Los Mocanes, circa zwanzig Gehminuten vom Zentrum. Via booking.com und AirBNB.

Bike-Guide: MTB Active/Ralf & Andrea Petrovskis bietet Guiding, Touren, Shuttle, Bikeshop, Werkstatt. Dazu Verleih von Rennrädern, MTBs und E-Bikes, +34 620 005998 oder +34 669 157567 bzw. mtb-active.com

Mietwagen/Shuttle: Taxi, Bus und Autovermietung Transhierro (transhierro.com); Taxi-Express Gustavo, +34 630 008262264

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4 Mountainbike-Touren

Valle El Golfo

Mehr zum Thema:
Länge 27,66 km
Dauer 3:16 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1169 Meter
Höhenmeter absteigend 1167 Meter
Tiefster Punkt 270 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Ventejis – Nisdafe

Mehr zum Thema:
Länge 34,09 km
Dauer 3:34 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1051 Meter
Höhenmeter absteigend 1051 Meter
Tiefster Punkt 581 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Abwechslung pur! Auf El Hierro wartet Panorama-Biken auf staubigen Flowtrails. Aber auch typisches Kanarenfeeling: entspanntes Surfen durch butterweichen Lavasand.

Malpaso

Mehr zum Thema:
Länge 31,12 km
Dauer 3:13 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 722 Meter
Höhenmeter absteigend 725 Meter
Tiefster Punkt 1007 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Magmabike

Mehr zum Thema:
Länge 60,62 km
Dauer 6:10 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1753 Meter
Höhenmeter absteigend 1752 Meter
Tiefster Punkt 4 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Und so war der Kurzurlaub

"El... was?",entgegnet mir Robbie mit skeptischem Gesichtsausdruck auf meinen Vorschlag zur Überbrückung des "Vor-Corona-Winters" 2019/20. "El Hierro", rufe ich nochmals in den Raum und sehe das überdimensionale Fragezeichen auf Robbies Stirn.

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Eitel Sonnenschein! Der Winter daheim ist bei den angenehmen Frühlingstemperaturen auf der Insel ganz schnell vergessen.

Die Kanarischen Inseln sind bei winterflüchtenden Bikern besonders wegen der quasi immerwährenden Frühlingstemperaturen im Winter und der langen Trails bis zum Meer beliebt. Alle Inseln? Nein, die Allermeisten denken dabei an die Mainstream-Insel La Palma, auf der jeden Winter hunderte Biker ihren Urlaub verbringen. Oder vielleicht noch an Teneriffa. Aber El Hierro – dieses unscheinbare Eiland ganz im Südwesten der Kanaren – haben die meisten bei ihren Überlegungen nicht auf dem Zettel. Zur Orientierung: El Hierro liegt rund 500 Kilometer vor der afrikanischen Küste im Atlantischen Ozean. Die Insel umfasst gerade einmal eine Fläche von 268 Quadratkilometern und hat nur gut 10 000 Einwohner. Natürlich ist sie wie alle Kanareninseln vulkanischen Ursprungs, dabei die jüngste des Archipels. Die heutige Form der Insel basiert im Wesentlichen auf mehreren Bergstürzen, die auf Tsunamis zurückzuführen sind. Dies ist zwar schon mehr als 160 000 Jahre her, für eine Insel ist das aber "kein Alter". Daher gibt es auch keine langen Sandstrände auf El Hierro, dafür bieten hohe Abbruchkanten eine spektakuläre Sicht auf die Brandung des Atlantiks. Doch kann diese kleinste aller Kanareninseln in Sachen Bergradsport mit den größeren, etablierten Schwestern mithalten? Ist sie gerade jetzt, wo die Kanaren als einer der ganz raren Flecken Europas frei von Reisewarnungen (zu Druckschluss, siehe Infoseite) sind, gar das Ziel schlechthin für sonnenhungrige Biker auf der Suche nach Einsamkeit und Natur?

Von Teneriffa nach El Hierro

MTB-Guides oder überhaupt eine auf Biker zugeschnittene Infrastruktur suchte man bis vor kurzem auf El Hierro tatsächlich vergebens. Auch waren nur wenige Wege überhaupt Bike-tauglich. Doch dann kam Ralf Petrovskis, ein Urgestein unter den Kanaren-Guides. Der Heidelberger hatte vor mehr als 20 Jahren das damals für Biker noch gänzlich uninteressante Teneriffa für diese Zielgruppe erschlossen. Die Insel hatte in den Folgejahren neben La Palma wohl die meisten MTB-Touristen der Kanaren. Dann jedoch gab es auf Teneriffa immer mehr Verbote und zuletzt auch hohe Strafen für das Biken am prominentesten Gipfel der Insel, dem Teide, sowie im Anagagebirge. Der Inseltourismus wurde gänzlich auf Wanderer ausgerichtet, Biker wollte man auf Teneriffa nicht mehr haben. Ralf entschied sich, buchstäblich mit Kind und Kegel wieder die Koffer zu packen und noch einmal umzusiedeln. El Hierro – die vergessene Insel, dort ahnte Ralf einen neuen Hotspot.

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Der Märchenwald von La Llania, der die obersten Regionen der Insel bedeckt, wirkt undurchdringlich, ist aber von kleinen Wegen durchzogen.

El Hierro hat zwar einen Flughafen, jedoch wird die Insel nicht direkt aus Deutschland angeflogen. Stattdessen "hopst" man vom Flughafen Teneriffa Nord aus mit einer kleinen Maschine bequem innerhalb von 30 Minuten rüber. Oder man nimmt wie wir das große Fährschiff, welches gemütlich in zweieinhalb Stunden rübermacht. Wir treffen Ralf direkt nach unserer Ankunft am Hafen von Valverde. Allerdings müssen wir nun erst mal mit dem Auto zu unserem Ausgangspunkt der nächsten Tage fahren. Gleich nach dem Hafen geht es auf einer sehr steilen Bergstraße hoch, und man erkennt schon, welches Potenzial dieses Eiland für Biker bereithält: hohe Berge, imposante Kämme, alles sehr grün, und ständig öffnet sich ein famoser Blick auf den azurblau funkelnden Atlantik. Kein Wunder, dass die UNESCO dieses Naturparadies zum Biosphärenreservat erklärt hat.

Unser Quartier, eine schmucke Ferienwohnung, liegt direkt am Meer, die Gischt ist bis zu unserer Terrasse spürbar und die Wellen, die auf die hohen Felsen peitschen, beeindrucken. Generell gibt es auf El Hierro keinen Massentourismus, das liegt zum einen daran, dass die Insel wie erwähnt nicht direkt von großen Passagiermaschinen angeflogen wird, aber auch daran, dass es keine großen Hotelanlagen gibt. Auf der Insel ist alles auf Nachhaltigkeit ausgelegt, sie versorgt sich komplett selbst mit erneuerbaren Energien. Einzigartig in Europa!

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Charakteristischer Blickfang sind die jahrhundertealten, von Wind und Wetter geformten Wacholderbäume von El Sabinar

Wir treffen Ralf im kleinen Ort La Frontera wieder. Die Ortschaft liegt nördlich, etwa in der Mitte der Insel, und eignet sich perfekt als Standort, um ganz El Hierro zu erkunden. Dort hat Ralf seinen bestens ausgestatteten Bikeshop mit Radverleih, seine Shuttle-Touren starten ebenfalls dort. Auch wir haben jetzt Trail-Hunger. Und starten unsere erste Tour auf El Hierro. Die beginnenden Höhenmeter fahren wir auf einer wenig frequentierten Straße bergan, dann geht es bequem auf einer Nebenstraße zum höchsten Punkt der Tour. Schon die Auffahrt beeindruckt mit vielen genialen Blicken auf die Küste und den daran liegenden kleinen Ortschaften. Ab ins Gelände! Wir tauchen ein in einen dichten Lorbeerwald. Die Trails dort sind entspannt, nur leicht abfallend – aber ständig muss ich aufpassen, nicht mit Kopf oder Beinen irgendwo hängen zu bleiben. Dicht ist der Wald, fast wie ein Dschungel. Es macht riesigen Spaß, diese dahinmäandernden Trails abzusurfen. Weiter fahren wir abwärts auf dem sogenannten Sentiero San Salvador. Zunächst zieht auch er sich sanftmütig dahin, dann überraschen uns am Ende des Trails durchaus ruppige Passagen, bevor es gen Los Lanillos wieder deutlich flowiger wird. Immer wieder rauschen wir aus dem dichten Wald in offenes Gelände, der Untergrund wird nun grob felsig und sandig, die Linienwahl nicht mehr ganz so beliebig. Bei Casa Forestal überqueren wir immer wieder die Straße, um dem Trail nach Frontera zurück zu folgen. Ralf erklärt uns, dass es auf der Insel keinerlei gebaute Trails gibt. Die zum Biken geeigneten Wege sind allesamt alte Pfade, die teils von Einheimischen, teils von ihm persönlich freigelegt wurden. Grundsätzlich kann man die Trails ganzjährig fahren, bei Nässe erhöht sich jedoch die Rutschgefahr auf den felsigen Abschnitten immens. Dafür sind dann die sandigen Passagen umso griffiger, die nach langen Trockenphasen staubtrocken und somit griparm sind. Bike-Verbote? Die gibt es nur ganz wenig auf der ganzen Insel, sollten aber unbedingt beachtet werden, um das harmonische Miteinander mit den per se sehr Bike-freundlichen Inselbewohnern nicht empfindlich zu stören.

Aus der Höhe zu den Pinien

Unser Startpunkt des nächsten Tages heißt La Llania, ein kleiner Parkplatz mitten im Pinienwald. Wir brettern von dort mit dem Shuttle hoch und ersparen uns so einige Höhenmeter. Zuerst zwirbeln wir ein kurzes Stück durch einen traumhaften Märchenwald, dichter Bewuchs mit in Moos eingehüllten Bäumen ziert unseren Trail-Verlauf. Immer wieder geht es über kleine Brücken. Wir kommen zum Camino de la Virgen, höchster Punkt der Insel auf dem Malpaso in 1501 Metern. Zunächst folgt ein flowiger Downhill zum Cruz de los Reyes, dann geht es vorbei an der Fuente de los Reyes, der Quelle der Könige. Topografie und Vegetation ändern sich schlagartig, plötzlich sausen wir in einem offenen Pinienwald zur Pino Piloto. Weiter geht es abwechslungsreich auf einer Piste und einer kaum befahrenen Straße, die uns wieder bergauf bringt. Zurück im Lorbeerwald kacheln wir noch zig weitere Trails ab, bevor wir zum Aussichtspunkt Hoya de la Fireba kommen.

Unsere Touren führen uns immer wieder in kleine, ursprüngliche Dörfer mit quietschbunten Häusern. Oft sitzen Einheimische davor, oder sie treffen sich in den Cafés in der Ortsmitte. Wir gesellen uns oft zu einer kurzen Pause dazu, und es ergibt sich das eine oder andere Gespräch mit den Insulanern. Der Charme der Insel ist überall präsent!

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Auf nadelbedeckten Wegen gleitet man durch den verkohlten Wald von El Pinar, dessen Pinien schon einigen Bränden widerstanden haben.

Am kleinen Dorfplatz erfahre ich noch eine kurze Geschichtslektion: El Hierro wird auch die Insel des Meridians genannt. Der Astrologe Ptolemäus hatte einst den Nullmeridian auf die Punta de Orchilla festgelegt, weil dies der westlichste damals bekannte Punkt der Welt war: Ferro-Meridian genannt, so dann auch der damalige Name der Insel. Erst 1884 wurde dies durch den heute gebräuchlichen Greenwich-Nullmeridian abgelöst. Am nächsten Tag zieht es uns zu einer anderen Ecke der Insel. Nach wieder nur kurzer Shuttle Fahrt sind wir in einer völlig anderen Landschaft, den Ventejis. Die Trails dort sind meist mit roter Erde bedeckt. Unglaublich rutschig, wenn sie feucht sind, aber bei Trockenheit perfekt zu fahren! Auf der Hochebene Nisdafe, die ein wenig an Schottland erinnert, ziehen wir unsere Bahnen ausschließlich auf langen, offenen Trails. Höllisch aufpassen müssen wir jedoch auf die oft am Rand der Trails lauernden Kakteen. Plattfuß- und Aua-Gefahr! Abwechslungsreich schwingen wir mal in dschungelähnlichem Wald, dann auf pechschwarzem, griffigem Lavasand. Apropos: Auf El Hierro gibt es über 500 Vulkankrater und Vulkankegel, die höchste Vulkandichte der gesamten kanarischen Inseln. Aber keine Angst, aktiv sind sie schon lange nicht mehr!

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Nager treibt Nager: Die Einheimischen nutzen Frettchen, um die begehrten Kanichen aus deren Bau zu verscheuchen und vor die Flinte zu jagen.

Letzter Tag auf der Insel. Ralfs Grinsen während der Shuttle-Auffahrt auf einer Nebenstraße lässt erahnen, dass ein besonderes Schmankerl auf uns zukommt. Imposante 500 Höhenmeter über der steil abfallenden Küste steht, sehr exponiert, eine kleine Kapelle. Wir halten kurz an und genießen die Aussicht: Unendlich weit sehen wir über die zerklüfteten Klippen. Dann wird es spannend. Der mit festen Steinen gepflasterte Karrenweg fällt steil mit unzähligen Serpentinen nach unten. Bei jedem Richtungswechsel sieht man die Steilküste direkt unter dem Vorderrad: Nichts für schwache Nerven! Ralf erzählt, dass dieser Trail jahrelang nicht befahr- oder begehbar war und erst im letzten Winter freigelegt wurde. Ein wahres Juwel, trotz des hohen Schwierigkeitsgrades!

Wir sind uns alle einig, El Hierro ist genial: Wer auf der Suche nach einsamen und außergewöhnlichen Trails, unglaublich vielfältiger und unberührter Natur sowie freundlichen, dem MTB gegenüber aufgeschlossenen Menschen ist, wird hier fündig! Es gibt dort keine großen Städte, keine Autobahnen, keine Shoppingcenter, kaum Industrie und – stand heute – (fast) kein Corona.

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"Die ursprünglichste Insel" – Interview mit Ralf Petrovsikis

Vom frisch infizierten Bike-Junkie zur Bikestation. Von Teneriffa nach El Hierro. Ralf ist MTB-Urgestein und der "MTB-Hausmeister" der kleinen Insel.

Wie bist du auf den Kanaren gelandet?

Das ist eine sehr lange Geschichte! Kürzen wir es ab: Nachdem ich vom Bike-Virus befallen war, wurde mir klar, dass das meine Berufung ist. Erst kam die Idee mit einem Bikeshop. Doch ein befreundeter Händler riet mir ab, weil du dann selbst nicht mehr zum Biken kommst. Dann kam die Idee mit einer Bikestation. Die Kriterien waren: Es muss warm sein, ganzjährige Saison haben, in Europa, genügend Touristen vorhanden und eine Destination sein, wo nicht schon zehn andere das Gleiche machen. Ich kam dann relativ schnell auf die Kanaren. Gran Canaria gefiel mir überhaupt nicht zum Leben, auf La Palma gab’s schon zwei Stationen, aber auf Teneriffa wurden wir gebraucht. Also Bikes bestellt, Ticket gebucht und los ging’s! Das Ganze hat von der Idee bis zur Durchführung gerade mal zwei Monate gedauert. Hätte ich länger überlegt, hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut.

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Umstände, die sich aber lohnen: Die Anreise auf die Kanareninsel El Hierro erfolgt mit Flieger und/oder großer Fähre.

Wie lange hat es gedauert, bis die BikeSzene Teneriffa für sich entdeckt hat?

Nach fünf harten Jahre hatten wir uns durchgesetzt. Teneriffa war als Rentner-, nicht als Biker-Insel bekannt. Aber nachdem noch in der MOUNTAINBIKE ein Artikel erschien, war der Durchbruch perfekt.

Was war der Grund, dass du dann mit Familie weiter nach El Hierro bist?

Der Hauptgrund ist ganz einfach: Hier dürfen wir legal auf Trails fahren! Nebenbei wurde es uns auf Teneriffa zu voll und zu stressig. Wir waren in der Hauptsaison mehrere Guides, und ich bin immer weniger zum Biken gekommen. Was ja mal der Grund der Auswanderung war …

El Hierro ist eine eher unbekannte Insel. Was sind die Vor- und Nachteile?

Nachteil und gleichzeitig Vorteil ist, dass es keine Direktflüge gibt. Es ist also schon ein bisschen schwieriger, ins Paradies zu kommen. Entsprechend ist El Hierro vom Massentourismus komplett verschont. Große Hotelanlagen oder Golfplätze gibt es hier einfach nicht. Mit Ausnahme von Graciosa ist El Hierro mit Abstand die ursprünglichste Kanareninsel. Ein Juwel.

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Absolutes Muss auf El Hierro: einen leckeren Café Canario in einer der Bars in den zahlreichen Dörfern entlang der Touren genießen.

Und El Hierro für Biker?

Man hat die Insel quasi für sich alleine. Mountainbiker werden von den Einheimischen voll akzeptiert. Unser MTB Club hat 150 Mitglieder – bei rund 10 000 Einwohnern! Die unzähligen Trails sind völlig naturbelassen. Also nichts geshaped oder mit zusätzlichen Features gepimpt! Damit diese Charakteristik und die Akzeptanz in der Bevölkerung erhalten bleibt, legen wir bei unseren Gästen großen Wert auf eine wegschonende Fahrweise.

Ist El Hierro also das bessere Teneriffa?

Besser würde ich auf keinen Fall behaupten. Es ist komplett anders! So wie jede Kanareninsel ihren eigenen, ganz speziellen Reiz hat. Der größte Unterschied ist, dass Biken hier auch in den Naturschutzgebieten auf den "Senderos", also den Wanderwegen, erlaubt ist, was auf Teneriffa absolut verboten ist. Und Teneriffa hat mit Abstand die meisten Naturschutzgebiete aller Kanareninseln. Aber auch auf El Hierro haben wir Absprachen, wo wir nicht fahren sollen. Zudem gibt es Zonen, wo Wandern verboten ist, und dort ist dann auch das Biken nicht erlaubt.

Wie sind denn die vielen Wege auf der Insel entstanden?

Das sind meist alte Verbindungspfade, die die Einheimischen nutzten und wieder nutzen, um von einem Ort in den anderen zu kommen. Die Verkehrsinfrastruktur mit Straßen, wie wir sie sonst kennen, ist auf El Hierro noch sehr jung: Die ersten wurden Anfang der 70er asphaltiert, bis in die 80er gab es fast keine Autos, sondern nur eine Handvoll LKWs. Der Tunnel, der heute Frontera und das El-Golfo-Tal mit dem Rest der Insel verbindet, wurde erst 2003 eröffnet. In letzter Zeit wurden viele alte Wege wieder instand gesetzt und für touristische Nutzer ausgeschildert.

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An stacheligen Ohrenkakteen, den für die Kanaren charakteristischen Tabaiba, vorbei geht es hinunter Richtung Meer.

Wie kommen die unterschiedlichen Landschaften und Vegetationszonen auf dieser kleinen Insel zustande?

Es stimmt, nirgendwo wechseln die Landschaften so schnell. Ich denke, weil die Insel so klein ist, haben die endemischen Planzen nicht so viel Platz, und es scheint so, dass alles ein bisschen vielseitiger ist als anderswo. Die drei Klimazonen kommen durch die geografische Lage und Topografie der Insel in Verbindung mit dem Passatwind. Viele Pflanzen wachsen nur in einer bestimmten Höhe, Temperatur, Luftfeuchtigkeit. El Hierro bietet da durch seine Lage vor der afrikanischen Küste und die für seine Größe außergewöhnliche Höhe besondere Bedingungen.

Was kann ich sonst noch unternehmen?

El Hierro ist ein Ort für Aktivurlauber, nicht für Strand- und Pauschaltouristen! Bei uns kann man neben MTB auch Rennräder und E-Bikes leihen und fahren. Auch Taucher oder Schnorchler kommen auf ihre Kosten. Das Mar de la calma ist der wohl beste Tauchspot Spaniens. In Restinga kann man Bootsausflüge buchen oder Kajaks leihen. Auch für Paraglider ist El Hierro ein Eldorado, selbstverständlich werden auch Tandemflüge angeboten. Und auch die Trailrunner sind auf Hierro stark vertreten.

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