Alpencross: Tipps & Tricks
Alpencross: Ausrüstung, Routen, Tipps
Adrian Greiter

Die schönsten MTB-Alpencross-Routen

Traumhaft schön: Diese Alpencross-Routen müssen Biker kennen Die schönsten Alpencross-Routen

Lust auf den ersten Alpencross? Oder auf eine neue Inspiration? Unter den sechs Routen, die wir hier vorstellen, ist vielleicht die Ihre dabei.

Es gibt lange und nicht ganz so lange. Leichte, knifflige und hundsgemeine. Es gibt sie von Nord nach Süd, von Ost nach West. Ja, nicht nur viele Wege führen bekanntermaßen nach Rom, sondern auch über die Alpen – auch wenn sie als Alpencross-Routen meist deutlich nördlich der italienischen Hauptstadt enden. Sechs unserer Meinung nach besonders lohnenswerte Routen stellen wir Ihnen auf den kommenden Zeilen zusammen mit unserem Partner komoot vor. Darunter sind große, leicht modifizierte Mehrtageshämmer wie die Heckmair-Route, aber auch vergleichsweise unbekannte Routen, die zudem nicht alle am Gardasee enden und für viele ganz neues Terrain erkunden – wie der Ostalpencross, der von den Karawanken durch Slowenien bis zur Adria führt.

Sie wollen das Thema Alpencross erst mal genüsslich angehen? Dann bringt sie die Via Claudia nach Riva

Der Klassiker: Die Heckmair-Route (Oberstdorf-Riva del Garda)

Eckdaten: 412km, 14030hm, 14779 tm, 7 Etappen, Kondition: sehr schwer , Fahrtechnik: mittel

Die Heckmairs sind Alpen-Pioniere: Vater Anderl Heckmair gehörte 1938 zu den legendären Erst-Bezwingern der EigerNordwand. Sohn Andi überquerte 1989 die Alpen mit dem damals noch (fast) taufrischen Mountainbike von Oberstdorf an den Gardasee. Mit seiner akribisch ausgetüftelten Tour wollte Heckmair eigentlich nur beweisen, dass es eine logische, direkte und natürlich autofreie Route für Biker von Nord nach Süd gibt – und trat dabei eine Welle los! Und die Route hat es noch immer in sich, denn schon die erste Etappe wartet nach wenigen Kilometern am Schrofenpass mit einer circa einstündigen Kraxelei entlang Drahtseilen und über Eisenbrücken auf. Damit aber noch lang nicht genug, denn Schlappiner Joch, Chaschauna-Pass, Passo Alpisella und eine vierstündige Schiebe- und Tragepassage am Passo di Campo kosten Körner, ehe Sie am finalen Tag die Militärstraße vom Tremalzo hinunter nach Riva fahren. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Varianten mit weniger Schiebepassagen und mehr Trail-Anteil. Unsere Version versprüht die genau richtige Dosis an Alpencross-Romantik, Schmerzen und Glück, wie sie jeder einmal erlebt haben sollte

Genießercross über die Via Claudia Augusta (Augsburg-Riva del Garda)

Eckdaten: 516km, 4110hm, 7 Etappen, Kondition: Mittel, Fahrtechnik: leicht

Sie sitzen noch nicht ganz so lange im MTB-Sattel? Haben noch keine oder wenig Erfahrung mit Mehrtagestouren? Aber Sie wollen dennoch über die Alpen? Oder sind einfach eh lieber als Genussspecht unterwegs? Dann bietet sich die Via Claudia Augusta als wohl leichteste, dennoch lohnende Route zum Gardasee an. Von Kaiser Claudius 46/47 n. Chr. ausgebaut und durchgängig für Fuhrwerke befahrbar, war die Via Claudia viele Jahrhunderte die Kulturachse Europas. Die komplette Strecke führt 700 Kilometer von Donauwörth in Bayern bis nach Venedig, unsere Alpencross-Route beginnt bei Augsburg – wahlweise spart man sich einen Tag und startet direkt in Füssen. Auf dem Programm liegen mehrere mittelhohe Pässe, darunter am Alpenhauptkamm der 1504 Meter hohe Reschenpass. Die Route führt großteils durch die Täler nach Imst, danach am Inn entlang durchs beschauliche Oberinntal Richtung Nauders und zum Reschensee. Hier bietet die Strecke viele Variationsmöglichkeiten, ehe es hinab und durch den kompletten Vinschgau entlang endloser Apfelplantagen nach Meran geht. Zwei Tage später liegt man mit vielen tollen Eindrücken aus den schönsten Regionen Tirols und Südtirols glücklich und zufrieden am Ufer des Lago.

Quercross auf dem Maximilianweg (Bodensee-Königsee)

Eckdaten: 656km , 16670 Hm, 16550 Tm, 12 Etappen, Kondition: sehr schwer, Fahrtechnik: Schwer

Alpenüberquerung von Nord nach Süd? Papperlapapp, dachte sich auch König Maximilian II. von Bayern, der 1858 die Alpen von Westen nach Osten beschritt. Seine Route verlief von Lindau am Bodensee bis an den Fuß des Watzmanns am Königssee. Heute radeln Biker in zwölf Etappen über die Höhen des Bregenzerwalds, die Allgäuer Alpen, die Ammergauer Alpen, die Bayerischen Alpen, die Chiemgauer Alpen und die Berchtesgadener Alpen, immer wieder dies- oder jenseits der deutsch-österreichischen Grenze – was ihn gerade aktuell bei pandemiebedingten Reisebeschränkungen attraktiver denn je macht. Auf diesem fast zweiwöchigen Tourenhammer liegen jede Menge alpine Schmankerl, wie der Pfänder am Bodensee, der Hochgrat, Füssen mit den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein, der Top-Singletrail Schützensteig, der Plansee, der Eibsee am Fuße der Zugspitze oder der Ahornboden. Ganz klar, der Maximilianweg kostet Körner, ist aber dafür umso schöner!

Ostalpentraum: Durch Slowenien zur Adria (Villach – Trieste/Pirano

Eckdaten: 439km, 10510 Hm, 11010 Tm, 6 Etappen, Kondition: sehr schwer, Fahrtechnik: schwer

Einsame Trails, winzige Dörfer und eine atemberaubende Landschaft – eine Überquerung der östlichsten Ausläufer der Alpen hat es in sich. Und die Erfahrung, auf sich allein gestellt zu sein, macht man hier deutlich intensiver als in infrastrukturell dichteren Alpenregionen. Auf alten Militärstraßen aus dem Ersten Weltkrieg geht es von Villach in Kärnten über die Karawanken nach Slowenien in den Skiort Kranjska Gora. Anschließend führt die Route beeindruckend durch die markanten Julischen Alpen und durch den Triglav-Nationalpark, vorbei am höchsten Berg des Landes, dem Triglav mit 2864 Meter Höhe. Weiter geht es danach in das märchenhafte Soca-Tal, ˇ durch das der gleichnamige, smaragdgrüne Fluss plätschert – Drehort zahlreicher Märchen- und Fantasyfilme. Die nächsten markanten Punkte sind Kobarid und Tolmin, wo heute noch Ruinen und Stellungen aus den Gebirgsschlachten des Ersten Weltkrieges die Wege säumen. Das letzte Drittel dieser famosen Route führt durch lauschige Weinregionen im Vipava-Tal und ins einzigartige Karstgebiet rund um Postojna. Als Belohnung für die Strapazen – durchschnittlich sind es 2000 Höhenmeter und rund 80 Kilometer pro Tag – geht es ans Mittelmeer ins sonnige Piran.

Gigantische Aussichten auf dem Westalpencross (Susa – Ventimiglia)

Eckdaten: 348km, 12410 Hm, 12880 Tm, 8 Etappen, Kondition: schwer, Fahrtechnik: schwer

Ähnlich wie beim Ostalpencross geht es abseits der Touristengebiete über abgelegene Almen und alte Militärwege, primär auf der als Weitwanderweg gekennzeichneten "Grande Traversata delle Alpi". Westlich von Turin im kleinen Nest Susa startet das siebentägige Abenteuer, das durch das Piemont bis nach Ventimiglia an der italienischen Riviera führt. Bis auf die Abschlussetappe sind alle um die 50 Kilometer lang (Etappe 2 sogar knapp unter 30 Kilometer), um Kräfte für die doch ganz schön knackigen Anstiege mit Schiebe und Tragepassagen zu sparen. Am ersten Tag schon erreicht man das Fort Gran Serin auf 2580 Metern Höhe – es bleibt nicht die letzte Militärruine für die nächsten Tage. Darüber hinaus genießt man das grandiose Alpenpanorama und die gute Küche des Piemont in den kleinen, verschlafenen Bergdörflein. Und wenn man am letzten Tag die restlichen Höhenmeter der Gesamttour hinter sich gelassen hat und das Mittelmeer bereits riechen (und sehen) kann, vergehen die letzten Kilometer bis nach Ventimiglia und an den Strand wie fast von alleine.

Tirol pur: über die Jöcher (Mayrhofen – Riva del Garda)

Eckdaten: 369km, 12970 Hm, 13530 Tm, 6 Etappen, Kondition: Sehr schwer, Fahrtechnik: schwer

Dieser schwere bis sehr schwere Alpencross führt Sie in sechs Tagen über markante Jöcher vom Zillertal bis an den Lago di Garda. In Mayrhofen in Tirol startet die erste Etappe hinauf zum Pfitscher Joch, die man mit einer Übernachtung in der rustikalen, gleichnamigen Hütte gebührend beschließen sollte. Die nächsten Etappen werden episch, die erste harte Prüfung ist das berühmte Pfunderer Joch: Hier sind gute zwei Stunden Schiebe- und Tragezeit einzuplanen. Anschließend geht es in die Dolomiten und über Singletrails auf die Walder Alm zum legendären Würzjoch. Weiter führt die Route zur Plattkofelhütte über die Hornalm im Trentino zum Karerpass, bis man abschließend durch kleine Bergdörfer mit viel italienischem Flair genüsslich bergab nach Riva und zum Gardasee rollt.

Eine für (fast) alle: die Albrecht-Route (Garmisch-Riva del Garda)

Eckdaten: 422km, 14000hm, 14600tm, 7 Etappen Kondition: Schwer, Fahrtechnik: mittel (meist S1 bis S2, Stellen S3)

Und schon wieder ein Andreas – diesmal Andreas Albrecht. Der steckte sich anno 1994 mit dem Alpencross-Virus an und "erfand" – freilich inspiriert von der Heckmair- und von Achim Zahns Joe-Route – anno 2004 seine eigene Route gen Süden: von Garmisch über Ischgl, Unterengadin, die südlichen Ortleralpen und die Brenta an den Lago. Das Plus der Albrecht-Route: Sie verläuft weiter östlich und damit direkter als die von Vornamensvetter Heckmair. Zudem ist sie längst nicht so eine harte Nuss wie die Joe-Route, aber trotzdem nichts für Gelee-Bananen. Highlight von Andreas Albrechts Version V2: die wenig bekannte Passage über Decauville-Straße, Passo Verva und La Baita zum Hintereingang des Gaviapasses.

Route:

Route: Garmisch-Partenkirchen – Hochthörle – Ehrwald – Fernpass – Landeck (Ü) – St. Anton – Heilbronner Hütte – Ischgl – Bodenalpe (Ü) – Fimberpass – Scuol – Pass da Costainas – (oder Variante durchs Val d’Uina, siehe Karte), Tschierv (Ü) – Val Mora – Arnoga– Passo Verva – Grosio (Ü) – La Baita – Gaviapass – Pezzo (Ü) – Montozzoscharte – Dimaro – Madonna di Campiglio (Ü) – Passo Bregn de l’Ors – Ponte Arche – Passo Ballino – Riva

Das Berabmonster: Freeride-Alpencross (Riezlern-Riva del Garda)

Eckdaten: 479km, 4800hm, 15400 tm, 6 Etappen Kondition: schwer Fahrtechnik: Sehr schwer (meist S2 bis S3, teilweise S4)

Eric Haufe aus Blaichach liebt hochalpines Geläuf. Kein Wunder, dass der junge Oberallgäuer sein Reiseunternehmen Biketours Oberstdorf in Ride Alpine Trails umgetauft hat. Hier ist der Name Programm: Neben hochalpinen Touren mit festem Basecamp bietet Eric auch den klassischen Freeride­Alpencross von Oberstdorf an den Gardasee in runderneuerter Form an. Zahlreiche Liftfahrten (z. B. Walmendinger Horn, Ischgl, Schaubachhütte) und der eigene Shuttlebus für Transfers zum nächsten Trailhead ermöglichen ein sagenhaftes Anstiegs­Abfahrts­Verhältnis von 4800 zu 16 500 Tiefenmetern. Für Freunde des gepflegten Bergababenteuers im Alpencross­Format das Höchste!

Route:

Route: Riezlern – Walmendinger Horn (Lift) – Starzeljoch – Schoppernau – Lech (Shuttle) – Rauhes Joch – Dalaas – St. Anton (Shuttle) – Konstanzer Hütte (Ü) – Heilbronner Hütte – Ischgl – Viderjoch (Lift) – Heidelberger Hütte (Ü) – Fimberpass – S­charl (Shuttle) – Cruschetta – Müstair – Glurns (Shuttle; Ü) – Sulden (Shuttle) – Schaubachhütte (Lift) – Madritschjoch – Vinschgau – St. Gertraud (Shuttle; Ü) – Rabbijoch – Val di Sole – Valle di Ledro (Shuttle; Ü) – Rifugio Garda (Shuttle) – Tremalzo – Riva

Haute Route: von Chamonix nach Zermatt (Chamonix-Mont-Blanc – Zermatt)

Die klassische Westalpendurchquerung mit ultrahohen Pässen und Viertausenderparade.

Eckdaten: 261km, 11900hm, 11300tm, 6 Etappen Kondition: schwer Fahrtechnik: Schwer (Meist S3 bis S3, teilweise S4)

Die Haute Route ist die klassische Skidurchquerung von Chamonix nach Zermatt (oder Saas-Fee). Sie blickt auf eine mittlerweile fast 120-jährige Historie zurück. Was im Winter geht, sollte im Sommer doch auch funktionieren, dachte sich der Chiemgauer Alpenindianer Achim Zahn und tüftelte eine Haute Route per Mountainbike aus. Hoch bedeutet in diesem Fall: wirklich hoch! In nackten Zahlen: 2797, 3296, 2897 und 3317 Meter. Höher kommt in den Alpen kein Biker! Aber auch abseits dieser Superlative legt hier ein Highlight die Latte fürs nächste immer höher. Kostproben? Über den historisch wichtigen Walserpass des Fenêtre du Durand schmuggelt man sich vom Wallis hinüber ins Aostatal, spä- ter auf Reitwegen von König Vittorio Emanuele II. zum Col Lauson. Und schließlich wartet die Hammerauffahrt von 575 Metern bis ins ewige Eis am Theodulpass. Immer im Blickfeld: das Matterhorn von seiner unbekannten, italienischen Seite aus.

Route:

Chamonix – Col de Balme – Trient – Martigny – Lourtier (Ü) – Fenêtre du Durand – Villeneuve (Ü) – Col Lauson – Cogne (Ü) – Colle Pontonnet – Saint Vincent (Ü) – Breuil-Cervinia (Ü) – Theodulhütte – Zermatt

Die Direttissima: Trail Transalp Tirol (Seefeld-Meran)

Die härteste Alpencross-Nuss– aber nur für Biker, die über jeden Fahrtechnik-Zweifel erhaben sind!

Eckdaten: 174km, 9500hm, 10500 Tm, Dauer: 7Tage, Kondition: schwer Fahrtechnik: sehr schwer (meist S3 mit längeren Stellen S4)

Sich aus mehreren Alpenüberquerungen eine eigene zusammenbasteln? Oder gar einen Alpencross kopieren, ihn nur marginal ändern und als seinen verkaufen? Nicht mit Markus Apperle! Der "Appi" aus Innsbruck denkt sich seine ganz eigenen Touren über die Alpen aus. Die sind aber dermaßen hart an der Grenze, dass er sich über Routenklau oder gar Konkurrenz keine Sorgen zu machen braucht. Seine vielleicht extremste Tour führt in sechs Tagen vom Alpin-Chic Seefelds zu den Palmengärten von Meran. Keine 180 Kilometer und weniger als 10 000 Höhenmeter klingen auf den ersten Blick eher nach Easy Riding. Aber Obacht, genau das Gegenteil ist der Fall! Appi wählt nämlich kompromisslos den direktesten aller Wege von Nord nach Süd. Und der ist – wenig überraschend – ein höhenmeterreicher, sausteiler, trageintensiver. Und zudem ein oftmals wenig toleranter in Sachen Sturz.

Route: Seefeld – Inntal – Axams – Kemater Alm (Ü) – Seejöchl – Stubaital – Elfer (Lift) – Pinnisalm – Pinnisjoch – Innsbrucker Hütte (Ü) – Gschnitztal – Tribulaunhaus – Sandesjöchl – Tribulaunhütte – Innerpflersch (Ü) – Maurerscharte (oder Variante rechts) – Ridnauntal (Ü) – Schneebergscharte – Moos in Passeier (Ü) – Spronser Joch – Meran

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