Racefully-Test 2021 Dennis Stratmann
Racefully-Test 2021
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Racefully-Test 2021 44 Bilder
MTB

Test: Racefullys ab 6.199 Euro

Worldcup-Stars: Diese Bikes gieren nach Speed Test: XC-Fullys mit 100mm-Federweg (2021)

Reinrassige 100-mm-Fullys sind bei den WorldcupProfis im Renneinsatz gesetzt. Doch setzen die Supersportler auch bei Hobbyracern und Genussbikern Glanzlichter?

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Racefully-Test 2021
Racefullys der Highendklasse im Test XC-Racefully-Test aus MOUNTAINBIKE-Heft 03/2021
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Abteilung Attacke! Der Cross-CountryWorldcup wird immer attraktiver. Als Zweiradfan bekommt man bei den über den Erdball gestreuten Rennschauplätzen Nervenkitzel pur geboten: epische Zweikämpfe um die Spitze, spannende Persönlichkeiten wie Nino Schurter, Pauline Ferrand Prévot oder Mathieu van der Poel, frenetische Fans und höchst anspruchsvolle Strecken. Streaming-Sender Red Bull TV meldet Jahr für Jahr Rekord-Abrufszahlen, die Stars der Szene sind für ihre Sponsoren dank gigantischer Social-Media-Reichweiten unverzichtbar geworden.

Technik, die fasziniert!

Jedoch zählt neben Quotes und Quoten die "alte Währung" in Form von Rennsiegen immens viel. Nicht nur für den Sportler, auch für die Radhersteller. Es schickt sich, den schnellsten Athleten im eigenen Team zu haben. Um den Triumph möglich zu machen, betreiben die Hersteller immensen Aufwand, um das schnellste Bike der Welt zu bauen. In Folge sind die XC- und Marathon-Fullys die Technologieträger im Bereich der "federwegsärmeren" Bikes. Zuletzt machte beispielsweise Trek mit seinem futuristischen Supercaliber von sich reden, bei dem eine Art Minidämpfer ins Oberrohr integriert ist. Am BMC findet man eine vollintegrierte Vario-Sattelstütze, um die das Rad quasi herum konzipiert wurde. Cannondale glänzt mit Einarm-Federgabel sowie Hinterbau mit flexiblen Streben. Und am Canyon gibt es eine Upside-down-Sattelstütze zu entdecken, die zusammen mit DT Swiss entwickelt wurde. Die Liste der technischen Schmankerln ließe sich endlos fortführen. Im Grundsatz ähneln sich die Bikes aber natürlich, ihrer Kategorie entsprechend: 100 mm Federweg sind vorne wie hinten (fast) überall zu finden, dazu Carbon-Rahmen und 29"-Laufräder/Reifen.

Von 6199 Euro bis knapp 10 000 Euro reicht die Preisspanne unseres Testfeldes. Das tut weh im Portemonnaie. Aber wenn so eine Rennfeile vor einem steht, weicht der Preisschock der Faszination! Denn das Gros der Testbikes ähnelt den Teambikes der Worldcup-Helden und bringt die Champions League zu Otto Normal-Bergradler. Ein Wahnsinnsgefühl! Oder haben Sie mal versucht, den F1-Renner von Sebastian Vettel zu erstehen?

Letzterer würde Ihnen außer zum Anschauungsobjekt vermutlich nichts nutzen. Ohne langjährige Rennfahrerausbildung bekommt keiner so ein Geschoss gestartet, geschweige denn manövriert. Das Gegenteil gilt für die Highend-Boliden in diesem Test! Ja, die sind alle auf Sieg gepolt und unterscheiden sich teils nur in den Anbauteilen vom Profigerät, aber wir waren überrascht, wie einfach sich fast alle dieser Renner bewegen lassen, wie spielerisch sie über den Trail surren. Und das, ohne sich zwingend die Fahrkünste eines Nino Schurter aneignen zu müssen. Auch generell gilt: Vorbei sind die Zeiten, in denen Racefullys echte Diven waren. Schauermärchen von Leichtbauparts, die keine Stürze vertragen? Spezial-Fahrwerke, die nach jedem Rennen in den Service müssen? Unbarmherzige Geometrien, die auch trainierte Rücken foltern? Alles Schnee von gestern, für diese Bikes brauchen Sie weder einen eigenen Mechaniker noch Physiotherapeuten. Das sind echte Lichtblicke für alle Genussbiker!

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Solidität auf neuem Niveau

Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht. Etwa was die Dauerhaltbarkeit der Parts angeht. So brilliert die oft gefeierte Eagle-AXS-Funkschaltung von Sram (Mondraker, Scott) nicht nur seit Monaten in unseren Dauertests, auch an den matschigen, kalten Testtagen erlaubte sie sich keinen Verschalter. Die mechanische Sram XX1 Eagle (Trek) funktioniert ebenso tadellos, was auch für die oft spezifizierte, edle, leichte Shimano-XTR-Gruppe gilt. Alle verbauten Carbon-Läufräder (entweder von DT Swiss oder Eigenmarken) mussten auf der garstigen Teststrecke den ein oder anderen Durchschlag verkraften. Probleme? Fehlanzeige. Selbst die leichten, rollfreudigen Reifen produzierten trotz "Prügeleinheiten" durch kantige Steinfelder nicht einen Plattfuß. Undenkbar vor Jahren. Das freut Profis wie Hobbyracer: Ein robustes Rennpferd ist im Wettkampf Gold wert. Buchstäblich.

"Bergauf hui, runter pfui" – glich ein Trailrun mit einem Racefully alter Schule durch steilen Lenkwinkel samt tiefem Cockpit und nervösem Charakter oft einem Kamikaze-Ritt, fährt man auf den heutigen Maschinen gar entspannt. Moderne Geos machen es möglich: Flache Lenkwinkel um 68,5° sind inzwischen Standard – noch vor Jahren waren Winkel unter 70° kaum anzutreffen. Auch immer längere Reach-Werte (quasi die Reichweite des Bikers von der Stehposition zum Lenker) verleihen den Bikes mehr Sicherheit für knifflige Downhills. Der "lange Lulatsch" im Testfeld ist dabei das extrem geschnittene Mondraker mit einem Reach von 460 mm bei Größe M. Vergleichsweise kurz: das bereits etwas betagte Scott Spark mit 429 mm. Der Schnitt liegt um 440 mm. Bei drei Bikes ist ein gewisses Können dennoch nicht verkehrt: Das Merida leidet etwas unter dem extrem tiefen Cockpit (zumindest an unserem Testbike), das Cannondale zeigt einen generell "giftigen" Charakter, und das Trek hat zwar ein famoses, per se sicheres Handling – aber halt nur 60 mm Heckfederweg. Am potentesten geht es mit dem BMC und dem Orbea ins Tal.

Siegeszug der Sattellifte

Auch Vario-Sattelstützen haben einen großen Anteil am deutlich gestiegenen Fahrgenuss der Racefullys – zumindest an vier von acht Testbikes. Klar, die Sattellifte fallen buchstäblich mehr ins Gewicht. Das kostet auch in unserer Bewertungstabelle Punkte, BMC, Canyon, Merida und Orbea machen das aber an anderen Stellen (Bepunktung Ausstattung und Downhill) wieder wett. Und: Die neuesten Modelle am Markt wie die DT Swiss am Canyon wiegen nur luftige 400 Gramm. Dazu kommt: Die Zeiten, in denen ein Rennen im Uphill dank Gewichtsvorteil gewonnen wurde, sind eh längst vorbei. Diskussionsbedarf gab es bei der Testcrew aber in Sachen Verstellweg der Vario-Stützen: Von 60 bis 150 Millimeter reichen die Modelle im Testfeld. Oft stufenlos verstellbar, teilweise mit vordefinierter Rasterung. Als goldene Mitte identifizierten die Tester im direkten Vergleich einen Hub von 80 mm: Das reicht versierten Racern für waghalsige Manöver bergab. Übrigens sind die Stützen mit ein Grund, warum wir die Rahmen der Bikes nicht einzeln gewogen haben. Das wäre zum Beispiel am BMC aufgrund der Integration gar nicht möglich. Dazu kommen die teils speziellen Hinterbaukonzepte wie bei Trek oder Scott. Im Endeffekt gilt bei modernen Racefullys schon länger, dass sie nur noch als Ganzes vergleichbar sind.

Ein vermeintlich kleines Detail, aber für viele wichtig, ist die Montagemöglichkeit eines zweiten Flaschenhalters im Rahmendreieck: Aufgrund ihrer stehenden Dämpferposition bieten Mondraker, Scott und BMC nur einer Flasche Platz. Für Marathonisti ist dieses Handicap durchaus ein Problem, geht bei ausbleibender Flüssigkeitsaufnahme am Berg schnell mal der "Sprit" aus.

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Enger Kampf um die Plätze

Das Wichtigste zum Schluss: Die Bergwertung sichert sich im Test das zwar sündteure, aber auch sehr leichte und im Antritt furiose Trek, aber auch Canyon, Merida, Mondraker und Orbea hängen stramm am Gas und/oder klettern exzellent. Generell sind aber alle Bikes rasant unterwegs, wenn überhaupt, merkt man dem sonst tollen BMC das leichte Übergewicht an.

Das besagte Trek Supercaliber schneidet auch unter dem Strich ausgezeichnet ab, muss am Ende aber dem besten Allrounder im Test – Orbea Oiz – knapp den Testsieg überlassen. Denn auch auf der Feierabendrunde sollen Racefullys für Freudenjauchzer beim Piloten sorgen. Und das macht das spanische "Rennrad" toll: Es klettert flink, fährt mal verspielt, mal messerscharf ab und ist klasse ausgestattet. Dass es knapp an der Traumnote "überragend" vorbeifährt, weil es als ausgewiesener Alleskönner in keiner Kategorie absolute Spitze ist? Geschenkt. Eine lupenreine Luxusausstattung erhält man bei Canyon zum günstigen Preis: Das Lux sichert sich so den Kauftipp. Falsch machen Sie aber mit keinem dieser Bikes etwas, was auch die überall vergebene Note "sehr gut" zeigt. Mit jedem dieser Racefullys wecken Sie den Champion in sich! So darf am Ende durchaus der eigene Geschmack entscheiden. Ein gutes Gefühl – wie der Besitz einer solchen zweirädrigen Lichtgestalt an sich.

Ergebnisse im Detail

Punkte und Benotung

Ergebnisse Racefully-Test 2021

Alle unsere Biketests bauen auf einem durchdachten Punkteschema auf, das alle wichtigen Fahreigenschaften und Kategorien umfasst. Knapp ein Drittel der Gesamtnote steuern Laborerhebungen wie Gewicht, Verarbeitung und Ausstattung bei. Hauptsächlich ergibt sich die Note aber aus Kategorien wie dem Handling, der Vortriebseffizienz, der Bergab-Performance und dem Fahrwerk. Um einen Eindruck von den Fahreigenschaften zu gewinnen, fahren vier Tester die Bikes auf einer selektiven Teststrecke und notieren nach jeder Runde ihre Bewertungen. Die Gewichtung der Kategorien passen wir an die Bike-Gattung an. Die Marathon-Tourer im Test müssen zum Beispiel besonders gute Vortriebs- und Klettereigenschaften aufweisen. Bei maximal 250 Punkten ist das Bike mit den meisten Zählern logischerweise Testsieger.

Das Spinnennetz...

...zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in einer der acht Kategorien, desto prägender der jeweilige Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So sehen Sie auf einen Blick, welche Stärken das Bike besitzt. Die Grafik unten rechts zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk, weniger wuseligem Handling und zähem Antritt.

Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie leichte Laufräder und rollfreudige Reifenprofile.

Downhill: Ein sicheres Handling ist elementar, damit ein Bike bergab gut performt. Die Abfahrtspotenz ist aber auch vom Fahrwerk abhängig. Arbeitet es feinfühlig und schluckfreudig, kommt das Bike souveräner durch ruppiges Gelände. Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen beeinflussen die Abfahrtsleistung ebenfalls.

Ausstattung: Sie umfasst nicht die Federelemente, aber die Bremsen, Schaltung, den Antrieb, die Laufräder, die Reifen sowie Anbauteile wie Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.

Rahmen/Fahrwerk: Ein top gemachter Rahmen ist die Basis für das perfekte Bike. Daher fließen hier verschiedene Dinge wie Verarbeitung oder Detaillösungen ein.

Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Fahrsicherheit und Präzision speziell im Downhill. Sie kann aber ins Träge kippen, wenn der Profiler bei der Wendigkeit einen geringen Ausschlag zeigt.

Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Es lässt aber auf Nervosität in ruppigem Gelände schließen, wenn der Profiler nur in diese Richtung ausschlägt und bei der Laufruhe kaum.

Preis/Leistung: Viel Bke fürs Geld? Wie sich denn Endpunktzahl in Relation zum Preis verhält, zeigt dieser Wert in unserem Spinnennetz.

Geringes Gewicht: Ein niedriges Gesamtgewicht steht in der Regel für ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike.

Diese Bikes haben wir getestet:

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