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MB-E-MTB Duell 2021 Dennis Stratmann
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Light-E-MTBs im Test: Rotwild vs. Specialized

Rotwild R.X 375 vs. Specialized Turbo Levo SL Expert Light-E-MTBs im Duell: Rotwild vs. Specialized

Light-E-MTBs sorgen derzeit für Furore – mit reduziertem Drehmoment sowie kleinen Akkus und somit geringen Gesamtgewichten versprechen die Light-Rider Fahreigenschaften wie ein herkömmliches MTB ohne Motor. Können die Bikes von Specialized und Rotwild das Spiel wirklich ändern?

Diese Bikes haben wir getestet:

Gamechanger?

Innovate or die! Nicht nur durch das selbst auferlegte (Werbe-)Mantra gilt Specialized als "Trend-Durchsetzer" am Radmarkt. Vor über zehn Jahren verhalfen die Amis zum Beispiel den bis dahin unbeliebten 29er-Bikes maßgeblich zum Siegeszug – und so könnte es nun mit dem Thema "E-Bike light" geschehen. Eigentlich besetzten Bike-Hersteller Focus und Motorenfabrikat Fazua dieses Feld als Erstes. Aber bei Trends kommt es halt auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Und so überraschte Specialized vor fast genau einem Jahr mit dem Turbo Levo SL – einem vergleichsweise superleichten E-MTB mit neuem Motor, den die US-Marke in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Auto-Zulieferer Mahle entwickelte.

Ein paar Eckdaten des Levo SL: 29"-Räder, Carbon-Rahmen, 150-mm-Fahrwerk, "Winzmotor" mit 35 Nm Drehmoment, integrierter, nicht entnehmbarer 320-Wh-Akku und ein optional erhältlicher Range Extender mit 160-Wh-Akku (für 370 Euro), der seinen Platz im Flaschenhalter findet. In Summe soll das Top-Modell S-Works für unfassbare 14000 Euro nur 17,4 Kilo wiegen (ohne Range Extender). Für unser Duell forderten wir das mit 9500 Euro immer noch sauteure Levo SL Expert Carbon an, das 17,8 Kilo auf die Waage bringt.

Diesem stellten wir ein ebenfalls leichtes, noch taufrisches E-Bike gegenüber, das aber einen etwas anderen Ansatz verfolgt: das Rotwild R.X 375. Denn die hessische Traditionsmarke setzt zwar wie Specialized auf 150 mm Federweg und 29"-Wheels, aber auch auf den neuen Shimano-EP8-Motor, der per se stolze 85 Nm Drehmoment liefert. Da Shimano es schafft, den neuen Motor trotz enormer Power leicht zu bauen (2600 g), kommt er auch für Light-E-MTBs in Frage. Zum Vergleich: Der Specialized-Mahle-Motor wiegt 2000 g, Boschs starker CX 2900 g. Doch nicht nur das Gewicht macht den EP8 interessant für leichte Aufbauten. Shimano bietet per App die Möglichkeit, die Fahrmodi zu individualisieren. Und genau hier setzt Rotwild an: Die voreingestellten Profile bieten "nur" 42 Nm im "Trail"- und 62 Nm im "Boost"-Modus, wodurch sich der Stromverbrauch spürbar reduzieren soll. Und das ist auch nötig, denn Rotwild verbaut einen kleinen (375-Wh-)Akku. Die knapp 2000 g wiegende Batterie lässt sich per Knopfdruck entnehmen, ein Zusatz-Akku mit Carbon-Gehäuse kostet satte 750 Euro – und das bei einem Gesamtpreis von 11500 Euro! Dafür bekommt man ein 18,8 Kilo leichtes E-Bike mit Carbon-Felgen und Shimano-XTR-Ausstattung.

Die erwähnten 29"-Räder sowie die Federwege von 150 mm an Front und Heck machen die beiden Kontrahenten ebenbürtig und somit perfekt für Touren im Mittelgebirge. In eben diesen Gefilden testeten wir die Bikes ausgiebig. Spannend, aber auch erwartbar: Die Motoren lassen sich am besten vergleichen, wenn das Levo SL in der stärksten Stufe, das Rotwild in der vorprogrammierten "Trail"-Stufe bewegt wird. Das Specialized verlangt dabei eine höhere Trittfrequenz, um die volle Unterstützung zu spüren, am Rotwild reicht eine niedrigere Kadenz. In beiden Fällen kommt man damit locker 1000 Höhenmeter hoch – nicht übel für die kleinen Akkus! Vor allem aber liegen die Fahreigenschaften wesentlich näher an denen eines Bikes ohne Motor als an denen eines 24-Kilo-E-Bikes.

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Specialized Turbo Levo SL Expert

MB-E-MTB Duell 2021
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 für ein E-MTB erstaunlich leicht

 Motor nicht kräftig, aber harmonisch-natürlich

 sattes, sensibles 150-mm-Fahrwerk

 agiles, wendiges, spielerisches Handling

35 Nm und 240 Watt Leistung? Kann das reichen? Gegen das bockstarke Shimano-EP8-Aggregat? Brachial schiebt der Motor tatsächlich nicht an, er dreht aber freudig auf, sobald der Fahrer mit einer Trittfrequenz um 70 U/min kurbelt – für viele Mountainbiker eine "bekannte" Frequenz. Geschmackssache ist dabei das hochfrequente Surren des Motors, dafür ist das Pedaliergefühl äußerst angenehm, harmonisch, ja, natürlich. Zudem erweist sich der von Mahle hergestellte Motor als "Spritsparer": Erst nach 1050 Höhenmetern war der kleine 320-Wh-Akku in unserem Test bei maximaler Unterstützungsstufe leer. Bis dahin zaubert das Bike stets ein breites Grinsen ins Gesicht, sobald Trails unter die Stollen geraten. Wuselig-agil fährt sich das Levo SL, auch dank der sehr kurzen Kettenstreben, die der kleine Motor erlaubt. Gabel und Dämpfer agieren dabei auf erstklassigem Niveau und bügeln in Enduro-Manier jedes Gelände platt. Einzig der Reach (die Reichweite im Stehen) könnte für HighspeedHatzen etwas länger sein, Nervosität kommt aber auch im groben Gelände nie wirklich auf. Bergauf gefällt die typische Specialized-Wohlfühlposition, auch wenn der Sitzwinkel eher flach gezeichnet ist. Und dank des kleinen 30er-Kettenblatts, des geringen Gewichts und des fast widerstandslosen Getriebes lässt sich das Levo SL relativ locker pedalieren, wenn der Akku leer, der Motor aus ist.

Preis 9499 €/Fachhandel
Gewicht 17,8 kg
Rahmenmaterial Carbon
Rahmengrößen S, M, L, XL
Motor Specialized SL 1.1
Akku Specialized SL-1, 320 Wh
Display Specialized TCU
Federweg 150 mm vorne, 150 mm hinten
Schaltung 1 x 12 Gänge, 30 : 10–52 Zähne, SramX01-Schaltung
Bremsen Sram Code RS 200/200 mm
Federgabel Fox 36 Float Performance Elite Grip2
Federbein Fox Float DPX2 Performance Elite
Laufräder Roval Traverse 29
Reifen (v/h) Specialized Butcher/Eliminator Grid Trail 29 x 2,3"
Verio-Stütze X-Fusion Manic (150 mm)
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"Das Levo SL mixt quirliges Handling mit sattem Fahrwerk", sagt MOUNTAINBIKE-Testfahrer Thomas "Prof" Schmitt.

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Rotwild R.X 375 Ultra

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 quasi zwei E-Bikes in einem

 entnehmbarer Akku

 moderne, agile Trail-Geometrie

 Edel-Ausstattung, relativ leicht

"Halbfett"? Rotwild setzt am R.X auf den per se starken Shimano-EP8-Motor, der am Mini-Display aber zwei Fahrprofile zur Wahl bietet. Profil Nr. 1 kommt mit den nominell maximalen 85 Nm, was angesichts des kleinen, entnehmbaren 375-Wh-Akkus nur ein kurzweiliges Vergnügen verspricht. Daher haben die Hessen das "Profil 2" stromeffizient ausgelegt. Im wunderbar pedalierbaren "Trail"-Modus stehen 42 Nm parat, mit denen das E-All-Mountain gute 1150 Hm und 22 km weit kommt. Klar, die Power des Motors ist dann spürbar reduziert, liegt aber auf dem Niveau des Levo SL. Die Entfaltung ist jedoch spürbar anders. Schon bei geringer Trittfrequenz kommt der Motor auf Touren. Das dürfte jene ansprechen, die nicht hochfrequent treten möchten und eher typisches "E-Bike-Feeling" wollen. Und wer mal für eine Rampe mehr Schub braucht, schaltet hoch in "Boost", wo 62 Nm anliegen. Überzeugend sind auch die Fahreigenschaften. Das R.X bietet eine geniale Melange aus Laufruhe und Wendigkeit, die Rotwild durch eine Kombi aus langen Kettenstreben, üppigem Reach, aber eher steilem Lenkwinkel erreicht. Passend zum agilen Trail-Charakter: das sportlich-straff abgestimmte Fahrwerk. Hochzu klettert es geschickt, der Sitzwinkel ist schön steil gestellt. Dazu kommt eine durch und durch edle Ausstattung, die sich Rotwild allerdings auch teuer bezahlen lässt.

Preis 11499 €/Fachhandel
Gewicht 18,8 kg
Rahmenmaterial Carbon
Rahmengrößen S, M, L, XL
Motor Shimano EP8
Akku Rotwild, 375 Wh
Display Shimano EP800
Federweg 150 mm vorne, 150 mm hinten
Schaltung 1 x 12 Gänge, 34 : 10–51 Zähne, Shimano-XTR-Schaltung
Bremsen Shimano XTR (M9120) 203/180 mm
Federgabel Fox 36 Float Factory Fit4
Federbein Fox Float DPS Factory
Laufräder DT Swiss HXC1200 Spline
Reifen (v/h) Schwalbe Muddy Mary/Hans Dampf Evo TLE 29 x 2,35"
Verio-Stütze 8Pins NGS 2 (bis 230 mm)
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"So muss ein E-MTB sein: agil, bei Bedarf mit voller Power," so das Urteil des MOUNTAINBIKE-Testfahrers Dennis Rein.

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