Actioncam-Duell: GoPro gegen DJI
GoPro Hero 11 Black vs. DJI Osmo 3 Action

Actioncams erfreuen sich seit ihrer Markteinführung vor rund 15 Jahren riesiger Beliebtheit. Wir haben die Topmodelle des Platzhirschs Gopro und des Newcomers DJI ausgiebig unter die Lupe genommen. Let's test – Film ab!

Der große Test: GoPro Hero 11 Black vs. DJI Osmo Action 3 im großen MOUNTAINBIKE-Duell
Foto: Agron Beqiri / MOUNTAINBIKE

Dereinst mit mickriger Auflösung von 320 x 240 Pixeln, zauberten Actioncams bereits die erlebte Trailaction auf den heimischen TV-Schirm. Doch seither hat sich viel getan. Die Kameras mit großem Weitwinkel sind extrem robust geworden, erlauben ohne Extra-Gehäuse Tauchtiefen bis zu zehn (!) Metern, sie sind dank der massiv gesteigerten Auflösung auf mindestens UltraHD sowie bis zu 240 Bildern pro Sekunde (bei teils geringerer Auflösung) kinotauglich und verblüffen mit fast unwirklicher Bildstabilisation. Dazu kommen App-Anbindung, Live-Streaming zu Youtube und Co. sowie Unzähliges mehr.

Unsere Highlights

Wer Actioncam sagt, meint dabei meist Hersteller Gopro – ein Deonym wie Tempo, Tesa und Tipp-Ex. Tatsächlich hat der US-Gigant mit seiner legendären Hero-Cam, die wir hier in elfter Auflage testen, quasi alle einstigen Weggefährten aus dem Markt gedrängt. Inzwischen buhlt jedoch Drohnen-Profi DJI immer mehr um die Gunst der Abenteuerfilmer. Kann die neue Osmo Action 3 die "Heldin" entthronen?

    Gopro Hero 11 Black
    ÜBERRAGEND
    GoPro Hero 11 Black im MOUNTAINBIKE-Test: der große Test. Vergleich gegen DJI Osmo Action 4
    GoPro Hero 11 Black
    • Preis: 600 Euro, Gewicht: 155 g
    • Maße: 71 x 33 x 55 mm
    • Max. Auflösung: 5,3K bei 60 fps
    •  intuitiv zu bedienende Menüs, ausgezeichnet
    •  ansprechender Touchscreen
    •  sehr übersichtliche, hervorragend bedienbare
    •  App mit großem Funktionsumfang
    •  brillante Bildstabilisierung
    •  detailreiches, scharfes und farbechtes Bild,
    •  weitreichend manuell anpassbar
    •  gute Akku-Laufzeit
    •  ohne Abo-Modell** extrem teuer
    •  wird bei Daueraufnahme sehr heiß
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    DJI Osmo Action 3
    SEHR GUT
    DJI Osmo Action 4 im großen MOUNTAINBIKE-Test
    • Preis: 359 Euro, Gewicht: 146 g
    • Maße: 70 x 33 x 45 mm
    • Max. Auflösung: 4K bei 120 fps
    •  intuitiv zu bedienende Menüs,
    •  gut ansprechender Touchscreen
    •  sehr gute Bildstabilisierung
    •  detailreiches, scharfes und sehr farbenfrohes Bild, weitreichend manuell anpassbar
    •  relativ attraktiver Preis
    •  mitgelieferte Magnethalterung nicht optimal
    •  wird bei Daueraufnahme sehr heiß
    •  mit Handschuhen etwas undefinierter Tastendruck
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    Stellt man die beiden Kameras nebeneinander, fallen zunächst Gemeinsamkeiten auf: Formfaktor und Anordnung der Knöpfe sind identisch. Auf der Oberseite thront der Aufnahmeknopf, auf der linken Seite startet man die Kameras und schaltet durch die Modi. Die Gopro baut minimal höher, in Tiefe und Breite unterscheiden sie sich kaum.

    Das Gleiche gilt bei der Platzierung der Displays: Auf der Rückseite erleichtern gut ansprechende und breite Touch-Displays die Steuerung, frontseitig gibt es einen kleinen Screen zur schnellen Sichtkontrolle. Auch die Bedienung ist weitestgehend identisch, große Icons und kurze Erklärungen auf dem Display helfen auch FilmNovizen auf die Sprünge.

    Praxischeck: Gopro Hero 11 Black vs. DJI Osmo 3 Action

    Und in der Praxis? Sind die Unterschiede zumindest im Handling da. Die Gopro startet einen Tick schneller, zudem lassen sich ihre Tasten mit Handschuhen besser drücken. Bei der DJI klickt die Halterung per Laschen und Magnet ins Gehäuse. Was sich haptisch toll anfühlt, hält jedoch nicht so bombenfest wie die ausklappbar im Gehäuse integrierten (und im Schadensfall austauschbaren) Klemmen der Gopro.

    Bei der Video-Bildqualität sind die beiden Action-Helden wieder näher beieinander. In 4K-Auflösung bei einem Seitenverhältnis von 16:9 liefern beide Kameras geschmeidige 120 Bilder pro Sekunde – ideal für Zeitlupen-Aufnahmen, im Normalfall reichen aber eh 50 Bilder/Sekunde. In Sachen Bildstabilisierung hat Platzhirsch Gopro einmal mehr die Nase vorne, die DJI beruhigt das Bild nicht ganz so flüssig, aber dennoch beeindruckend gut.

    Kleine Unterschiede bei Farben und Ton

    Geschmackssache sind die Farben: Besonders unter bewölktem Himmel im Laubwald verliert die Hero schneller an Farbe, ist dabei aber etwas näher an der Realität. Die DJI zeigt die kräftigeren, wenn auch teils minimal übernatürlich wirkenden Farben. Profis brauchen sich daran jedoch kaum zu stören: Beide Kameras unterstützen sogenannte LOG-Profile, lassen sich in Videoschnitt-Programmen auf die eigenen Vorlieben und Farbstile anpassen. Beim Ton sind beide wiederum nah beieinander, die DJI dämpft Windgeräusche aber etwas stärker – bessere Ergebnisse gibt es nur mit externen Mikros.

    Problematischer ist die Wärme-Entwicklung der Testkandidaten: Beide Kameras bergen wahnwitzig viel Technik auf engstem Raum, wegen der wasserdichten Gehäuse kann die entstehende Hitze schwer entweichen. Im Worstcase-Szenario, einem auf 20° beheizten und windstillen Arbeitsplatz, schaffte die Gopro bei 4K/50 fps immerhin 35 Minuten am Stück zu filmen, die DJI bei identischen Einstellungen vier Minuten weniger, ehe sie wegen Überhitzung den Dienst quittieren musste.

    Die Apps im Vergleich: Gopro vs. DJI

    Übersichtlich: Gopro Quik

    Innerhalb der kostenlosen "Quik"-App läuft bei Gopro alles zusammen: Hier lässt sich die Kamera per WLAN fernsteuern, auch Live-Streams oder einfach nur das Betrachten der Heldentaten samt Download aufs Smartphone sind möglich. Das coole, automatische Zusammenschneiden der besten Clips in diversen Layouts und weitere Funktionen schaltet Gopro leider nur im Abo frei. Apropos: Das erste Jahr ist beim Neukauf inklusive, danach kostet das Abo 50 Euro pro Jahr, beinhaltet jedoch bis zu 50 Prozent Rabatt auf Einkäufe im Shop und unbegrenzten Cloud-Speicher für Videos.

    Umfangreich: DJI Mimo

    Auch DJI bietet mit "Mimo" eine kostenlose App zum Download an. Der Funktionsumfang ist ähnlich zu Gopro: Mit der App wird die Cam per WLAN ferngesteuert und ein Live-Bild aufs Smartphone gesendet. Es lassen sich Inhalte von der SD-Karte anschauen und herunterladen, kurze Zusammenschnitte mit – im Gegensatz zu Gopro – kostenlosen Vorlagen können automatisch angefertigt werden. Im Test fielen uns jedoch ab und zu Übersetzungsfehler auf, zudem lief die App auf unserem Test-Smartphone (iOS) nicht immer vollständig flüssig.

    GoPro Quik und DJI App im Vergleich: Actioncams im großen Test
    MOUNTAINBIKE Magazin
    Im Alltag super nützlich: Die Apps von DJI und Gopro machen das Actioncam-Leben wesentlich einfacher.

    Fazit: Gopro oder DJI?

    DJI ist mit der Osmo der Gopro dicht auf den Fersen, kommt bei Bildstabilisierung, App sowie Handling aber nicht ganz an den Platzhirsch heran. Sowohl Farben als auch Ton sind bei der DJI in den Standardeinstellungen dafür gefälliger. Den Testsieg erringt die Gopro, wenn auch denkbar knapp. Die DJI ist dafür ein echter Preis-Leistungs-Tipp.

    Die Alternative: Insta360

    Insta 360 One RS Actioncam im Test
    Insta 360 / MOUNTAINBIKE
    Eine Alternative zu Gopro und DJI: Insta360 One RS

    Mit der Insta360 One RS drängt ein weiterer Player aus dem asiatischen Raum auf den Markt. Anders als DJI und Gopro setzt die One RS auf ein modulares Konzept: Prozessor und Bildschirm sind gemeinsam in einem "Block" untergebracht, das Objektiv wird danebengesteckt, der Akku dient dabei als Basis und hält das Ganze zusammen.

    Insta360 bietet gleich drei Module an: Eine Standardlinse mit bis zu 6K-Auflösung, eine Doppellinse für 360°-Aufnahmen und ein Modul mit Leica-Objektiv sowie großem 1"-Sensor mit bis zu 5,4K-Auflösung, bei aber nur maximal 30 Bildern pro Sekunde. Die Insta360 One RS ist so gleich drei Cams in einer.

    Wer dies will, muss aber tief in die Tasche greifen: Während die Standardvariante vertretbare 320 Euro kostet, schlägt das große Set inklusive der zwei weiteren Module mit satten 891 Euro (!) zu Buche. Prima App, aber kein Frontscreen (Haupt-Display dafür drehbar).

    Sinnvolles Actioncam-Zubehör: 3 Halterungen

    Chestmount

    Sattelhalterung von XON für eine Actioncam, zum Beispiel GoPro Hero
    XON / MOUNTAINBIKE

    Rückblicker: Der starre Blick vom Sattel nach hinten sieht spannend aus, dank der Horizontsperre moderner Actioncams sieht man dabei die Bewegung des Bikes perfekt. Logo: Bei Matschfahrten ist dieser Montagepunkt nicht der allerbeste. Gibt es zum Beispiel von XON ab rund 12 Euro. Vergleichbare Halterungen findest du bei Amazon.

    Lenkerhalterung

    Barkeeper: Lenkerhalterung für deine Actioncam von Puluz
    Hersteller

    Barkeeper: Egal ob am Lenker, Rahmen oder Gabel – Rohrklemmen bringen Abwechslung in die Aufnahmen und ermöglichen wilde Blickwinkel. Hersteller Puluz bietet eine Variante mit 360° drehbarem Kopf für 14 Euro an. Bei Amazon kaufen

    Sattelhalterung

    GoPro Brusthalterung Chest Mount mit GoPro Hero 11 Black
    GoPro / MOUNTAINBIKE

    Mit dem "Chesty" filmst du aus der Ich-Perspektive frontal über den Lenker. Das Ergebnis ist ein sehr dynamischer Fahreindruck, der die Geschwindigkeit prima vermittelt. Die Ausrichtung (siehe unten) ist etwas knifflig. Der Markt ist voll von Alternativen. Gopro Chesty, rund 40 Euro.

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    02 / 2023

    Erscheinungsdatum 03.01.2023

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