MB Vorsicht Mountainbiker Norbert Daubner

Biker und Wanderer: So vermeiden Sie Konflikte auf dem Trail

Vorsicht, Biker!

Wanderer und Biker – das sorgt häufig für Zoff. MountainBIKE zeigt, wie Sie Konflikten auf den Trails vorbeugen können. Außerdem: Was ist wo erlaubt? Das Wegerecht für Biker.

MB-Umfrage: Hatten Sie schon einmal Ärger mit Wanderern? Oder lief bei Ihnen bislang alles friedlich und harmonisch ab? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen

„Biken verboten!“ Mit ernstem Blick hält der Förster die MountainBIKE-Testmannschaft an und zückt seinen Notizblock. Nur nach langer Diskussion und dem Versprechen, „Besserung“ zu geloben, kommen die Tester um ein Knöllchen herum. Das grundsätzliche Problem löst sich dadurch jedoch nicht. Biken ist an vielen Orten genau dort verboten, wo der Spaß erst richtig beginnt. Viele Wanderer, wohl wissend um diese Verbote, beanspruchen die Natur für sich alleine und gehen – teils aggressiv – gegen die bikende Konkurrenz vor.

Wanderwege im Schwarzwald, wo Biken per Gesetz nur auf Wegen von mindestens zwei Metern Breite erlaubt ist, werden teilweise für Biker unbefahrbar gemacht, indem hohe Steinplatten senkrecht in die Wege gesetzt werden. Gleichzeitig beklagen viele touristischen Orte in Deutschlands beliebtestem Mittelgebirge ständig sinkende Übernachtungszahlen, die Gäste kommen häufig aus der Altersgruppe 60 plus.

In den Alpen dagegen haben so manche Orte, in denen Mountainbiker gern gesehene Gäste sind, mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Beispiel Latsch: Die Gemeinde im Vinschgau, in der auch das MountainBIKE-Testival im Oktober stattfindet hat im Frühjahr die Benutzung der Seilbahn hinauf nach St. Martin für Biker vorübergehend verboten.

Der Grund: rücksichtslose Mountainbiker, die mit ihrer Fahrweise Wanderer gefährden. Behörden und Tourismusverbände suchen dort und in anderen Orten mit ähnlichen Problemen jetzt nach Lösungen, die ein Miteinander von Mountainbikern und Wanderern möglich machen und die Gondelbenutzung für Biker wieder erlauben.

Grundregeln vermeiden Konflikte

Zwar kann der Einzelne die Gesetze nicht ändern, sein Verhalten auf dem Bike aber schon. Um das Image einer ganzen Szene zu verderben, reicht das schlechte Benehmen einiger weniger. Biker werden dann schnell als Rowdys abgestempelt und spielen gerade jenen die Argumente zu, die glauben, dass Biker nichts auf Wanderwegen verloren haben.

MB zeigt Ihnen auf den folgenden Seiten genau, wie die Gesetzeslage aussieht und liefert Ihnen mit gleichzeitig mit einem „Trail-Knigge“ Tipps, wie Sie Konflikte vermeiden und als Vorbild vorangehen können – für ein möglichst stressfreies Miteinander von Wanderern und Bikern.

„Ob man andere Wegenutzer verärgert, hängt ganz stark vom eigenen Verhalten ab“, sagt Tobias Leonhardt. Seit den 80ern ist er auf dem Bike unterwegs, früher in der DH-Bundesliga, heute vor allem bei den „Vertridern“ in sehr unwegsamen Gelände. Er gerät kaum in Konflikte, obwohl er auf Wegen fährt, die selbst für Wanderer eine Herausforderung sind. Wieso? „Wenn man sich an die Grundregeln hält, sind die meisten Begegnungen mit Wanderern stressfrei und freundlich“, sagt er. Die Grundregeln sind schnell umrissen: angepasste Fahrweise, freundliches Verhalten und Zuvorkommen.

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus“, sagt auch Florian Weishäupl, Mountainbiker der ersten Stunde und Guide-Ausbilder bei der Deutschen Initiative Mountain Bike (DIMB). Für den Guide ist es eine Selbstverständlichkeit „angepasst zu fahren, bei Gegenverkehr das Tempo zu drosseln, freundlich zu grüßen und abzusteigen, wenn es eng wird.“ Denn: Wanderer bemerken Biker oft nicht, wenn diese von hinten angerast kommen, und bekommen deshalb Angst. Und: Für viele Wanderer ist es unvorstellbar, dass Biker ihr Fahrrad auf Wanderwegen voll unter Kontrolle haben und dabei auch noch die Natur genießen können. Umso wichtiger ist es, Rücksicht zu nehmen.

Dies gilt umso mehr, weil Mountain-biken sich als Sportart längst etabliert und weiterentwickelt hat. „Die bessere Technik der Bikes lässt streckenmäßig auch einfach mehr zu, der Trend heißt Singletrail“, sagt Vertrider Tobias Leonhardt. Das erhöht aus Sicht einiger Wanderverbände das Konfliktpotenzial.

Dieter Stark vom Schwäbischen Albverein glaubt: „Auf Wanderwegen sind Mountainbiker eine Gefahr.“ Er fordert deshalb den Erhalt der Zwei-Meter-Regel.“ Bike-Guide Florian Weishäupl dagegen hält pauschale Regelungen für unsinnig, zumal er die größere Unfallgefahr ohnehin bei hohen Geschwindigkeiten auf Forstwegen sieht: „Auf Trails ist man langsamer unterwegs. Das A und O ist dabei aber, das eigene Können richtig einzuschätzen und keinesfalls zu überschätzen.“

MB Handgreiflichkeiten
Norbert Daubner
Wer hat angefangen? Handgreiflichkeiten sind absolut tabu – für jeden!

Wegenetze sind kein Allheilmittel

„Wegenetze sind kein Allheilmittel. Nur in Brennpunkten, wo Konflikte entstehen, müssen durchdachte Regelungen her“, sagt Thomas Kleinjohann von der DIMB. Ausgewiesene Routen werden oft als Argument herangezogen, um Mountainbiker komplett von anderen Strecken fernzuhalten: „Dann fahrt auch gefälligst auf Euren Strecken“, heißt es. Das Problem dabei: Viele Wegenetze sind nicht zielgruppengerecht und enthalten kaum Singletrail-Anteil. Freerider Harald Philip sieht noch ein zusätzliches Problem: „Sind alle Strecken illegal, verteilen sich die Biker. Gibt es nur wenige offizielle Routen, sind diese dagegen total überlastet.“

Dirk Vollmer von Outdoor Concepts plant MTB-Strecken und kennt die Problematik genau: „Ausgeschilderte Strecken erfüllen selten die Ansprüche der Biker.“ Denn die Entscheidungsträger in den Verwaltungen gestehen den Planern meist zu wenig Gestaltungsfreiheit zu.

MB Freundliche Begegnung mit Wanderern
Norbert Daubner
Konflikt geklärt: So sollten alle Diskussionen enden.

Schweizer Bike-Regionen als Vorbild

„Dort hat man die Biker verstanden, es sind richtig gute Strecken ausgeschildert. Biker sind als Gäste sehr wichtig, und die Bergbewohner leben schließlich vom Tourismus“, sagt der Schweizer Moun­tainbike-Journalist Thomas Giger. Auch in Österreich wollen viele Regionen nicht auf den Biker als zahlenden Gast verzichten. Privatwege können dort etwa von Tourismusverbänden von den Besitzern „freigekauft“ werden, um sie ausdrücklich als Moun­tainbike-Routen auszuweisen. Diese Strecken werden dann so wie Skipisten nach Schwierigkeitsgraden ausgeschildert. Und auch andere Wirtschaftszweige und Infrastrukturen der Alpen profitieren von den Mountainbikern. „Viele Hütten sind mittlerweile finanziell auf Moun­tainbiker angewiesen“, sagt Alpenkenner Weishäupl.

8000 Kilometer Bike-Strecken im Schwarz­wald dagegen führen fast nur über technisch eher unattraktive Forststraßen. Christopher Krull, Chef von Schwarzwald Tourismus, sieht den Bedarf für mehr Singletrails: Um deren Anteil zu vergrößern, wäre aber eine Lockerung der Zwei-Meter-Regelung dringend erforderlich.

Zusammen anstatt gegeneinander

Solange jedoch viele Wanderer-Lobbyisten glauben, Biker würden die Natur zerstören, ist der Kampf um Gesetzesänderungen mühsam. Dabei sagt sogar Förster und Jäger Christoph Reich aus Göppingen, der selbst Biker ist: „Eine unserer Großmaschinen richtet mehr Schaden an als beliebig viele Mountainbiker.“

Dass Biker und Wanderer zusammen anstatt gegeneinander arbeiten können, zeigt das Beispiel Südtirol, wo das Bike Competence Center alle Parteien für ein ganzheitliches Konzept in den einzelnen Regionen an einen Tisch bringt. Und in den USA schult die International Mountain Bicy­cling Association Forstarbeiter im Trailbauen. Deutschland ist dagegen für Mountainbiker immer noch nur ein Land der begrenzten Möglichkeiten.

Was ist wo erlaubt? - Das Wegerecht für Biker

1 Schleswig-Holstein: Biken erlaubt in Feld, Wald und Flur auf Wegen und Straßen.

2 Hamburg: Biken ist in Feld und Flur ausdrücklich auch auf Pfaden erlaubt, im Wald auf Straßen und Wegen.

3 Mecklenburg-Vorpommern: Biken erlaubt auf Straßen und Wegen.

4 Bremen: Biken ist in Feld, Wald und Flur auf „geeigneten Wegen“ erlaubt.

5 Niedersachsen: Biken auf „tatsächlich öffentlichen Wegen“ erlaubt (z. B. markierte Radrouten, Fahr- und Wanderwege).

6 Berlin: wie Schleswig-Holstein.

7 Brandenburg: wie Schleswig-Holstein.

8 Sachsen-Anhalt: wie Bremen oder mit besonderer Erlaubnis.

9 Nordrhein-Westfalen: Biken im Wald auf Straßen und „festen Wegen“ zulässig.

10 Sachsen: Biken ist in Feld und Flur nur auf „geeigneten Wegen“ erlaubt. Im Wald sind Fußwege für Biker verboten.

11 Thüringen: Biken ist im Wald nur auf „festen Wegen“ zulässig.

12 Hessen: wie Thüringen. Gemäß der Auffassung Staatsbetriebe Hessen-Forst bei Trockenheit auch Singletrails, solange es sich um offizielle (keine selbstgebauten) Wege handelt! Feld und Flur: laut Fachministerium in der grundgesetzlichen Handlungsfreiheit.

13 Rheinland-Pfalz: Biken darf im Wald, jedoch nicht auf Fußwegen und Pfaden stattfinden. In Feld und Flur Fehlanzeige.

14 Saarland: wie Schleswig-Holstein.

15 Baden-Württemberg: Biken in Feld und Flur auf „geeigneten Wegen“ erlaubt, im Wald auf Wegen mit einer Breite ab zwei Metern.

16 Bayern: wie Bremen.

17 Schweiz: Die Gesetze sind von Kanton zu Kanton verschieden und reichen von einer Zwei-Meter-Regelung im Wallis bis zu einer weitgehend freien Benutzung in Graubünden. Wo kein Verbotsschild ist, werden Biker meist toleriert.

18 Österreich: Das Befahren des Waldes ist kraft Gesetz nicht erlaubt. Außer es ist ausdrücklich gestattet. Der Forst gehört größtenteils Privatbesitzern. Diese können Bike-Nutzung zulassen oder aber verbieten.

MB Einheitliche Regelungen zum Wegerecht
Für Nummerierung der einzelnen Regionen: Karte anklicken.

So verhalten Sie sich richtig: Der MB-Trailknigge

Recht des Schwächeren: Wie im Straßenverkehr hat der Schwächere immer Vorrang. Beim Biken bedeutet das: Auf Wanderer Rücksicht nehmen und ihnen möglichst den Vortritt lassen.

Selbsteinschätzung: Fahren Sie nur auf Wegen, die Sie sich auch zutrauen. An schwierigen Stellen absteigen. Wer an seiner Leistungsgrenze fährt, ist genervt und transportiert das auch nach außen.

Bremsbereit: Fahren Sie nur auf Sicht. Uneinsehbare Kurven langsam anfahren. Ein Finger ist immer an der Bremse.

Gegenverkehr: Wenn jemand im Sichtfeld erscheint, sofort Tempo drosseln und sich im Schritttempo nähern.

Warnsignal: Schreck erzeugt Aggression. Deshalb: rechtzeitig signalisiert, dass sich ein Biker nähert. Penetranter Klingeleinsatz nah hinter Wanderern ist jedoch ebenso unangebracht wie das Anklingeln von Pferden oder frei laufenden Hunden. Völlig daneben: Blockierbremse als Klingelersatz.

Grüßen, bitte: Das Eis bricht man mit einem freundlichen „Guten Tag, Radfahrer von hinten. Dürfen wir bitte vorbei.“

Outfit: Biker wirken in kompletter Montur bedrohlich. Um Gesicht zu zeigen, die Brille absetzen. Im Vollvisierhelm lassen sich ebenfalls schlecht Unterhaltungen führen.

Gruppenverhalten: Der Erste grüßt, bittet darum, vorbei zu dürfen und sagt an, wie viele noch kommen. Der Letzte sagt, dass alle durch sind.

Gruppengröße: Gruppen mit über fünf Leuten sind anstrengend für andere Wegenutzer. Große Gruppen splitten.

Auf Singletrails: Bei Begegnungen auf Singletrails anhalten, wenn nötig absteigen. Wenn man Wanderer vorbeilässt, das Rad auf die Seite des Abhangs stellen.

Diskussionen: Bleiben Sie freundlich und stellen Sie Ihren Standpunkt sachlich dar.

Schwarze Schafe: Wer sich rüpelhaft verhält, gerät nicht nur schnell in Konflikte, sondern schadet dem Image aller Biker.

Vorbildfunktion: Trauen Sie sich, anderen Nachhilfe in Sachen Verhalten zu geben. Nur so verbreitet sich ein Kodex.

Bremstechnik: Die Blockierbremse ist Gift für Wege – nur im absoluten Notfall erlaubt!

Wege schonen: Bei Schlechtwetter eh schon angegriffene Wege meiden.

Hot Spots: Stark frequentierte Wege nicht zu Stoßzeiten fahren.

Wilde Tiere: In der Dämmerung aus Rücksicht auf Wildtiere möglichst nicht im Wald biken. Weidegatter immer schließen.

Frei laufende Hunde: Wer an frei laufenden Hunden vorbeibrettert, passt perfekt ins Beuteschema der Vierbeiner. Deshalb langsam fahren. Auf sich aufmerksam machen, so dass der Hundeführer den Hund zu sich rufen kann.

Reiter: Pferde scheuen leicht! Deshalb langsam nähern, rechtzeitig auf sich aufmerksam machen.

Spuren vermeiden: Auf den Wegen bleiben, Serpentinen nicht abkürzen, Pfützen nicht durchfahren. Keinen Müll hinterlassen.

Sprache: Einige Worte in der Landessprache sollten Sie beherrschen wie „Guten Tag“, „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“ und „Auf Wiedersehen“.

Sperrungen: Lokale Sperrungen akzeptieren und Privatwege meiden.

Zur Startseite
Werkstatt Sonstiges Im Video erklärt: Funktionsweise einer MTB-Scheibenbremse Lukas erklärt: MTB-Scheibenbremsen

Keine Frage: MTB-Stopper müssen stets zuverlässig arbeiten.

Mehr zum Thema Trainings- und Fitness-Tipps für Biker
MB 0719 Alpencross Teaserbild
Fitness
mb-1115-herbst-winter-fitness-fahrbild-drakeimages
Fitness
MB Einsteiger LP Teaser
Sonstiges
MB 0918 Nino Schurter Fitness Story Teaser
Fitness