MB Pulverbeschichtung
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Know-how: Pulverbeschichten von Bike-Rahmen

Pulverbeschichten: Ablauf, Vor- und Nachteile, Alternativen und Gewinnspiel

MountainBIKE erklärt das Verfahren in einer Fotostrecke. Außerdem: Vor- und Nachteile der Pulverbeschichtung, Alternativen und Gewinnspiel - mit etwas Glück sichern Sie sich eine Traum-Pulverbeschichtung für Ihr Bike.

Die Arten einen Fahrradrahmen zu schützen und optisch zu gestalten sind vielfältig. Eine besonders unter deutschen Kleinserien-Herstellern beliebte Methode ist die Pulverbeschichtung.

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Anders als bei der herkömmlichen Art der Lackierung (auch Nasslackverfahren genannt), wird bei der Pulverbeschichtung die Schutzschicht nicht flüssig aufgetragen, sondern in Form von Pulver.

Doch wie funktioniert dieses aufwendige Verfahren? Welche Vor- und Nachteile bietet es? Und welche Alternativen gibt es?

MountainBIKE warf einen Blick hinter die Kulissen der Firma Götz Pulverbeschichtungen in Fellbach bei Stuttgart, die sich dem Thema seit 17 Jahren widmet - und für einen MountainBIKE-Leser eine Gratis-Rahmenbeschichtung nach Wunsch erstellt.

Erste Pulveranlagen Ende der 1960er Jahre

Die ersten Pulveranlagen kamen in den späten 1960er Jahren auf. Damals wurden herkömmliche Flüssiglackpistolen und Beschichtungskabinen umfunktioniert, um eine elektrostatische Aufladung zu erreichen und Pulverlacke aufzutragen.

In den 1990er Jahren, als der Bikesport boomte, erkannt auch die Radindustrie die Vorteile der Pulverbeschichtung. Oliver Götz legte sich zunächst eine Pulverkabine zu, um seine selbstgebauten Metallmöbel zu lackieren. Für den ehemaligen Radrennfahrer lag es jedoch nahe, Fahrradrahmen mit robusten Pulverbeschichtungen zu versehen.

Das Angebot bestimmte die Nachfrage, diese stieg rasant. Die im Südwesten ansässigen Firmen Bergwerk, Votec und Hot Chili ließen ihre handgefertigten Alu-Rahmen bei Oliver Götz beschichten. Bis heute versieht er für Firmen wie Liteville, Velotraum und Storck Rahmen mit einer hochwertigen Pulverbeschichtung.

Video: So wird ein Bike-Rahmen pulverbeschichtet

MB Video Pulverbeschichtung
Pulverbeschichtung von Bike-Rahmen

So läuft der Pulverbeschichtungs-Prozess ab

1. Vorbereitung:
Nach 17 Jahren Erfahrung weiß Oliver Götz genau, worauf es beim Pulverbeschichten ankommt. Die Rahmen müssen frei von Fettrückständen und Verschmutzungen sein, damit das Pulver am Rahmen haftet.

Da ein Rahmen nicht überlackierbar ist, sind sämtliche Lackrückstände vor der Pulverbeschichtung vollständig zu entfernen. Je nach Lackintensität werden die Rückstände vorab durch ein Sandstrahlverfahren von Hand beseitigt oder (vor allem bei Pulverrückständen nötig) mit einer chemischen Entlackung bearbeitet.

2. Beschichtung:
Wenn der Rahmen fertig für den Beschichtungsvorgang ist, wird dieser in der sogenannten Pulversprühkabine an einen elektrisch leitfähigen Haken gehängt, der den Rahmen elektrostatisch auflädt. Bei den im Fahrradbau verwendeten Handbeschichtungsanlagen kommen nur niedrige Stromgrenzen vor, für den Arbeiter besteht keine Gefahr.

Gewindeöffnungen und Lagersitze am Rahmen müssen vor dem Beschichten abgeklebt und mit Pfropfen versehen werden, das erleichtert später den Fahrradmonteuren die Arbeit.

Eine spezielle Sprühpistole, die ebenfalls mit einer elektrostatischen Spannung versehen ist, schießt die Pulverteilchen auf den Rahmen. Dabei entsteht eine Pulverwolke, die mittels der elektrostatischen Anziehung zwischen aufgeladenem Rahmen und aufgeladener Pulverwolke die Teilchen auf den Rahmen befördert.

Eine sehr gleichmäßige Beschichtung ist möglich. Nur in den Ecken des Rahmendreiecks verhält sich das Pulver abweisend, dort entsteht eine elektrische Abschirmung, in der sich nur durch sorgfältiges Arbeiten flächendeckend Pulverlack auftragen lässt.

Sehr dick aufgetragene Schichten sorgen dafür, dass das Spannungsfeld abgeschwächt wird und das Pulver somit nicht mehr am Rahmen hält. Um eine hohe Beschichtungsqualität zu erreichen, bedarf es viel Erfahrung.

3. Einbrennen:
Die fertig gepulverten Rahmen werden nach Farben sortiert und chargenweise in einen großen Ofen geschoben. Dort beginnt der sogenannte Vernetzungsvorgang (das Einbrennen), der bei 180 Grad Celsius circa 24 Minuten lang dauert. Während dieser Zeit verflüssigt sich das Pulver und vernetzt sich zu einer glatten Schicht.

Know-how: So läuft der Pulverbeschichtungs-Prozess ab

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Funktionalität und Optik

Vor dem letzten Schritt stellt sich die Frage, ob der Kunde aus optischen Gründen ein Dekorset (zum Beispiel Marken- und Modellbezeichnung) und eine Klarpulverlackbeschichtung möchte. Funktional ist die erste Pulverschicht jedoch völlig ausreichend. Der Rahmen ist vor Stößen, Witterung und Steinschlägen geschützt.

Meist werden Pulverlacke in Fassaden-Qualität verwendet. Diese bieten Schutz vor mechanischen Belastungen, sind korrosionsbeständig, halten Witterungseinflüssen stand, sind chemikalienbeständig und bieten sogar eine Elektroisolation. Sie setzen sich aus Bindemitteln (Harze, Härter, Beschleuniger), Pigmenten und Farbstoffen, Füllstoffen und Additiven zusammen.

Doch beim Fahrrad kommt es neben der Funktion vor allem auf das Design an. Es besteht die Möglichkeit ein individuelles Dekor auszuwählen und mehrfarbigen Lackierungen, wie ornamentartige Designs, herzustellen. Die aufwendigen Designs müssen nach dem Pulverbeschichten mit dem Nasslackverfahren aufgetragen werden, da sich mit einer Pulverlackpistole keine harten Kanten herstellen lassen.

Die elektrostatischen Aufladungen von Pulver und Rahmen verhindern ein zielgenaues Arbeiten. Anschließend kann der Rahmen optional mit einer Klarpulverschicht versehen werden. Diese Klarpulverschicht kann wahlweise matt oder glänzend ausfallen, muss jedoch zusätzlich aufgetragen und im Ofen eingebrannt werden.

Götz Pulverbeschichtungen besitzt eine große Datenbank verschiedener Dekorsätze der gängigsten Rahmenhersteller. Es besteht sogar die Möglichkeit durch ein Thermotransfer-Druck-Verfahren mehrfarbige Aufkleber herzustellen.

Video: So wird ein Bike pulverbeschichtet

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Pulverbeschichtung von Bike-Rahmen

Pulverbeschichten: Vor-, Nachteile und Alternativen

Vorteile:

  • Mechanisch belastbar: Der zähe Pulverlack bleibt dynamisch und weist seltener Risse auf, vor allem für Mountainbikes sinnvoll.
  • Korrosionsbeständig: Bei Stahlrahmen empfiehlt es sich dennoch, eine Zinkbeschichtung vor der eigentlichen Pulverlackfarbe aufzutragen
  • Witterungsbeständig: Das thermoelastische Pulver härtet erst nach vielen Jahren vollständig aus, wird somit erst spät spröde und kann der Witterung lange standhalten.
  • Umweltfreundlich:Pulverlacke werden lösungsmittelfrei verarbeitet. Der sogenannte Overspray (nicht anhaftendes Pulver) ist gering und wird bei modernen Filteranlagen aufgefangen und rückgewonnen.

Nachteile:

  • Nicht bei allen Rahmenmaterialien anwendbar (Carbonrahmen, gemuffte und geklebte Rahmen und Gabeln): Die zu beschichtenden Materialien müssen elektrisch leitend sein und hohen Temperaturen standhalten.
  • Hohes Gewicht: Die relativ dicke Pulverlackschicht treibt das Rahmengewicht, je nach Rahmenform und Anzahl der Beschichtungen, um 100 bis 200 Gramm nach oben.
  • Keine aufwendigen, mehrfarbigen Beschichtungen möglich: Da sich Pulver lediglich auf den gesamten Rahmen auftragen lässt und keine harten Kanten produzierbar sind, ist die Pulverbeschichtung für mehrfarbige Lackierungen ungeeignet.
  • Schwer zu entfernen: Falls Sie sich nach Jahren doch für ein neues Design entscheiden sollten, kann Pulverlack nur mit einer chemischen Entlackung entfernt werden.
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Know-how: So läuft der Pulverbeschichtungs-Prozess ab

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Alternativen zur Pulverbeschichtung

1. Nasslacke:
Im Automobilbau hat sich die lösungsmittelarme Wasserbasis-Lackierung durchgesetzt. Die mit Rostschutzgrundierung versehenen Bauteile sind ausreichend gegen Korrosion geschützt und mechanisch belastbar. Auch im Fahrradbau ist diese Art der Lackierung marktführend.

Großindustrielle Anlagen in Fernost produzieren im Akkord hochwertige Lackierungen. Nasslacke sind jedoch mechanisch nicht so belastbar wie Pulverlacke. Ein Vorteil der Nasslacke ist, dass sie materialunabhängig sind. Dies ist vor allem bei hitzeempfindlichen, nicht leitenden Carbonrahmen ein wichtiger Faktor.

2. Eloxal-Verfahren:
Viele Rahmenhersteller bieten derzeit das Eloxal-Verfahren als Oberflächenbehandlung an. Diese Art der Oberflächentechnik kann ausschließlich an Aluminium-Rahmen angewendet werden.

Anders als bei Nasslackierungen und Pulverlackbeschichtungen wird dabei keine zusätzliche Schicht auf das Material aufgetragen, sondern eine Oxidation der obersten Metallzone durch ein elektrolytisches Verfahren eingeleitet. Durch färbende Metallsalze im Elektrolyt kann die Farbe der entstehenden Eloxal-Schicht beeinflusst werden.

Mittlerweile sind viele unterschiedliche Farben üblich. Durch die fehlende Zusatzbeschichtung sind eloxierte Rahmen besonders für Leichtbau-Fans interessant. Mehrfarbige Designs sind nur durch eine Weiterverarbeitung mit Nasslack oder Pulverbeschichtung möglich. Eloxierte Rahmen sind besonders robust und bieten einen hohen Korrosionsschutz.

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Gewinnen Sie eine Pulverlackbeschichtung bei der Firma Götz in Fellbach bei Stuttgart! Egal, ob Sie einen alten oder neuen Rahmen besitzen. Wählen Sie aus einer großen Palette an RAL-Farben und Dekore Ihre Traumlackierung. Auch mehrfarbige Lackierungen sind möglich.

Und so machen Sie mit:

Schreiben Sie eine E-Mail an leserservicemountainbike-magazin.de mit Ihrem Namen und dem Betreff "Pulverbeschichtung" und nennen Sie uns die Temperatur, bei der die pulverbeschichteten Rahmen im Ofen eingebrannt werden.

Tipp: die Lösung gibt's in der Fotostrecke bzw. dem Video zu unserem Pulverbeschichtungs-Artikel. Teilnahmeschluss ist der 12. September 2011. Viel Glück!

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