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Interview: MTB-Profi Karl Platt zur neuen Shimano XTR

Interview: Karl Platt zur XTR: „Das ist Formel 1 auf zwei Rädern!“

Ist die neue XTR reif für große Siege? Im Interview mit MountainBIKE spricht Marathon-Star Karl Platt über seine ersten Erfahrungen mit Shimanos Edel-Gruppe und gibt Einblick in sein eigenes Setup.

MB: Die XTR ist eine Legende. Was waren Ihre ersten Erfahrungen mit dieser Schaltung?
Karl Platt: 1997 habe ich von Kona mein erstes Bike mit XTR bekommen, da ging für mich ein Traum in Erfüllung! Die XTR war damals ja schon ein paar Jahre auf dem Markt, für mich als Teenager aber vollkommen unerreichbar. Ich habe mir immer die Nase am Schaufenster das Radladens platt gedrückt, konnte sie mir aber nie leisten.

Was ist für Sie das Einzigartige der XTR?
Shimano hat es geschafft, mit jeder XTR einen Meilenstein in Sachen Technik zu setzen. Dazu ist die hundertprozentige Zuverlässigkeit unter allen Bedingungen für mich ein herausragendes Kriterium. Wenn ich so zurückdenke, war ich als XTR-Pilot gerade bei schweren, schlammigen Bedingungen im Vorteil. Anderen sind die Schaltwerke abgerissen, ich habe einfach die Gänge durchgeklickt und bin ohne Probleme ins Ziel gekommen.

Gab es Momente, die Sie besonders an die XTR erinnern oder mit ihr verbinden?

Ich fahre seit 1997 nahezu ohne Unterbrechungen XTR. Da gab es etliche schöne Momente. Ob Cape Epic, Transalp oder Deutsche Meisterschaft – die XTR war quasi an all meinen großen Siegen beteiligt. Wenn ich einen bestimmten Erfolg raussuchen soll, dann war es mein erster Sieg zusammen mit Stefan Sahm beim Cape Epic im Jahr 2007. Das Team Bulls war gerade aus der Taufe gehoben, und wir sind danach noch das ganze Jahr auf einer Erfolgswelle gesurft. Immer mit der XTR am Rad.

Seit wann fahren Sie die neue XTR? Mechanisch oder elektronisch?

Elektronisch! Das erste Mal bin ich die XTR Di2 im Januar im Trainingslager auf den Kanaren gefahren. Nachdem mein Racefully Wild Edge fertig montiert war, ist unser Mechaniker Tobi sogar extra nachgeflogen, um mir das Rad zu bringen. Nach und nach kommt die Di2 jetzt an alle meine Räder. Ich möchte nichts anderes mehr fahren!

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit der neuen XTR? Speziell mit der Di2?

Die XTR Di2 hebt das Schalten auf das nächste Level. Ich habe mich in kürzester Zeit an die extrem schnellen und präzisen Gangwechsel gewöhnt und kann es mir anders gar nicht mehr vorstellen. Selbst unter Volllast sitzt jeder Gang perfekt. Ich habe es deswegen „Warp-Speed-Shifting“ getauft. Genial ist auch, dass es kein Überschalten mehr gibt, selbst wenn man viele Gänge hintereinander schaltet.

Was fasziniert an der neuen XTR besonders?

Die Performance der ganzen Gruppe ist der Wahnsinn, aber für mich stellt die Synchronized-Shift- Funktion alles in den Schatten. Dass ich mir im Rennstress keine Gedanken mehr um den Umwerfer machen muss, sondern mir die Di2 automatisch immer die perfekte Kombination von Kettenblatt und Ritzel bereitstellt, ist für mich das Nonplusultra. Das ist echt Formel eins auf zwei Rädern!

1-fach, 2-fach, 3-fach? Race oder Trail? Ist die Wahl der passenden XTR nicht zu komplex?

Da gibt es jetzt echt viele Wahlmöglichkeiten, aber eigentlich ist es einfach. Ich habe ein Grundsetup und passe es entsprechend der Strecke an. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass diesen Part dann unser Mechaniker übernimmt. Normalerweise fahre ich vorne zwei Kettenblätter, 38 und 28, und hinten die 11–40er-Kassette. Damit komme ich eigentlich überall gut zurecht, egal wie steil es hoch- oder runtergeht. Wenn der Kurs es erlaubt, fahre ich vorne nur ein Kettenblatt, um Gewicht zu sparen. Aber viele Gelegenheiten wird es da nicht geben, „Mono“ ist schon auf einen speziellen Einsatzzweck und Fahrerkreis beschränkt. Ich fahre 175 mm lange Kurbelarme, und auch sonst gibt es keine Geheimnisse. Einzige Besonderheit: Ich bevorzuge den Trail-Bremshebel zusammen mit dem Race- Bremssattel. Diese Kombination von Bremspower und geringem Gewicht ist für mich unschlagbar.

Also fahren Sie die XTR im Serientrimm wie quasi jeder Käufer auch?

Ja, eigentlich ist bei mir alles Serie, aber ich stelle meine Di2 natürlich individuell mit der E-Tube- Software ein. So lässt Synchronized Shift bei mir auch die Kombination Groß/Groß zu, das ist ein Gang, den man als Rennfahrer einfach immer wieder braucht. Multi Shift stelle ich auf die schnellste Stufe, im Rennen zählt schließlich jede Sekunde.

Mit dem Cape Epic steht einer der Jahreshöhepunkte an. Was ist Ihr Ziel?

Zusammen mit meinem Partner Urs Huber möchte ich endlich den ersten gemeinsamen Sieg! Vor zwei Jahren waren wir knapp dran, letztes Jahr hat uns meine Knieverletzung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir sind beide richtig heiß und werden alles geben! Unsere Vorbereitung ist bisher jedenfalls sehr gut gelaufen. Wie es dann ausgeht, wissen wir am 22. März 2015.

Kommt die neue XTR zum Einsatz? Und welche, mechanisch oder Di2?
Natürlich kommt die neue XTR zum Einsatz! Das ganze Team wird mit der Di2 starten. In Sachen Material sind wir also schon mal ganz vorne dabei.

Gerade das Cape Epic gilt als ultimative Prüfung fürs Material – kann man da einer so neuen Gruppe wirklich voll vertrauen?

Aber klar doch! Wie gesagt, die Zuverlässigkeit ist eine der großen Stärken Shimanos. Das wird bei der XTR Di2 nicht anders sein. Außerdem haben wir ja vorher genug Zeit, uns mit der Gruppe vertraut zu machen und sie auch selber noch mal auf Herz und Nieren zu testen. Zudem funktioniert die Dura Ace Di2 an meinem Rennrad auch immer tadellos. Warum soll das bei der XTR Di2 anders sein?

Gibt es dennoch Dinge, auf die Sie im Vorfeld besonders achten müssen? Wer kümmert sich etwa ums Aufladen der Akkus?
Um die Akkus kümmern sich unsere beiden Mechaniker. Allerdings werden ihnen die Akkus kaum Arbeit machen, mit einer Ladung sollten wir locker durch das Cape Epic kommen. Ansonsten müssen wir bei der XTR Di2 wohl nicht mehr beachten als bisher auch. Im Gegenteil: Da es keine Schaltzüge mehr gibt, die dreckig werden können, gibt es wahrscheinlich sogar weniger zu beachten.

Gibt es etwas, was Sie bei der XTR immer noch vermissen?
Als Rennfahrer willst du natürlich, dass dein Rad noch leichter wird. Von daher passt die Antwort „etwas weniger Gewicht“ eigentlich immer. Aber die XTR Di2 ist schon ein echtes Leichtgewicht, insbesondere wenn man dank Synchronized Shift auf den linken Schalthebel verzichtet. Zudem ist das Thema Gewicht auch immer eine echte Gratwanderung. Was nützt mir das leichteste Rad, wenn ich damit nicht ins Ziel komme?

Zur Person: Karl Platt

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Karl Platt Shimano XTR

Karl Platt fährt seit 1991 Mountainbike und ist seit 2000 Bike-Profi – aktuell beim Team Bulls.
Alter: 37 Jahre
Bikes: Bulls Wild Egde Team (29"-Fully), Bulls Black Adder Team (29"-Hardtail)
Siegstatistik: vier Siege Cape Epic (Südafrika), sieben Siege Transalp, ein Sieg Transrockies (Kanada), Deutscher Meister Marathon, Deutscher Juniorenmeister Downhill.

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