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Mountainbike-Kaufberatung: die 20 wichtigsten Fragen

In 20 Schritten zum perfekten Mountainbike

Hardtail oder Fully? Race-MTB oder All-Mountain-Bike? XT- oder X0-Ausstattung? Wer heutzutage ein Bike kaufen will, steht vor einem Füllhorn an Fragen. MountainBIKE hat die zwanzig wichtigsten für Sie rausgesucht – und beantwortet.

Ist Mountainbike nicht gleich Mountainbike?

Vor 20 Jahren war‘s so simpel: Mountainbikes bestanden aus Stahl, rollten auf 26"-Laufrädern, besaßen im Höchstfall eine Gabel mit 60 mm Hub und hielten für alle Spielarten des Geländereitens her. Und heute? Da hecheln Sabine Spitz & Co. auf asketischen Acht-Kilo-Racebikes nach Olympia-Gold, während Downhill-Profis monströse Maschinen mit 200-mm-Federung und 18 Kilo Gewicht ins Tal prügeln – von reinrassigen Hüpfbikes für waghalsige Dirtbiker ganz zu schweigen. Und der Otto-Normalbiker hat die (Qual der) Wahl: Soll‘s ein vorwärts orientiertes Hardtail oder Racefully sein? Oder ein gewiefter Allrounder der Tourenfully- respektive All-Mountain-Klasse? Gar ein mit Bergab-Reserven protzendes Enduro?

Wann brauche ich überhaupt ein neues Bike?

Ja, die Alpencross-Pioniere bezwangen den Scalettapass auf Stahlrössern, rumpelten ungefedert gen Gardasee. Wozu also all der neumodische Kram? Vielleicht, weil leichte und steife Alu- oder Carbon-Rahmen, (Voll-)Federung sowie standfeste Scheibenbremsen die Effizienz bergauf, die Sicherheit bergab und den Fahrkomfort enorm steigern. Zudem sind die Kinderkrankheiten von Fully & Co auskuriert – höchste Zeit, Ihren Vertreter der Mountainbike-Steinzeit in Rente zu schicken!

Hardtail oder Fully – was ist besser?

Ein „nur“ mit einer Federgabel bestücktes Hardtail wird stets leichter, steifer, wartungsarmer und in Relation günstiger sein als ein vollgefedertes Bike („Fully“). Logo, denn was nicht dran ist – in dem Fall die Heckfederung –, wiegt nichts, kostet nichts, verwindet sich nicht und geht nicht kaputt. Dennoch schwört die MB-Redaktion auf Fullys, deren fahrdynamische Vorteile überwiegen: Die Federung klettet das Hinterrad förmlich an den Boden, generiert so mehr Traktion als ein Hardtail. Effekt: Das Fully klettert trotz etwas mehr Gewicht besser, bietet bergab ein deutliches Plus an Sicherheit und vor allem Fahrspaß!

Wie viel muss ich für (m)ein neues Bike denn ausgeben?

Nach oben gibt‘s kaum Grenzen: Die teuersten Serien-Bikes knacken inzwischen die 10 000-Euro-Marke, Maß-Rahmen kosten garniert mit Highend-Parts so viel wie ein VW Golf. Aber: Der Einstieg ins Abenteuer Bike gelingt auch zu sozial verträglichen Preisen. So gibt‘s ein voll geländetaugliches Hardtail je nach Vertriebsweg bereits um 1000 Euro, für ein adäquat ausgestattetes Fullsuspensionbike sollten Sie mindestens 1700 Euro veranschlagen. Mehr Sparsamkeit lohnt nicht, denn billige Antriebskomponenten, rustikale Stahlfahrwerke oder schwache Bremsen bereiten dem Fahrspaß oft ein jähes Ende – und Nachrüsten kommt teuer.

Wo kann ich ein gebrauchtes Bike kaufen? Lohnt das?

Preisjäger und Sammler von Zweirad-Raritäten können auf dem Gebrauchtmarkt tolle Schnäppchen machen. Ein top erhaltenes, ein Jahr altes Fully gibt es oft schon zum halben Listenpreis. Die besten Quellen? eBay und das MB-Pinboard. Aber Obacht: Wie beim Autokauf gibt‘s viele Tücken – gerade für Neulinge. Passt das Bike wirklich? Hat es versteckte Mängel, die das Foto nicht zeigt? Welche Folgekosten muss ich einkalkulieren? Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer auf jeden Fall einen Besichtigungstermin und kaufen Sie nicht „das Bike im Sack“.

XT, X0, XTR, X9, SLX, XX – was verbirgt sich dahinter?

Klingt nach Fachchinesisch – ist es auch. XT, X0, XTR etc. bezeichnet die „Güte“ der Anbauteile der beiden größten Komponentenhersteller Shimano und Sram – vor allem beim Antrieb (Schaltung, Kurbel, Kette, Kassette). Dabei lautet die Reihenfolge von „gut“ bis „überragend“ bei Shimano: Deore, SLX, XT, XTR. Bei Sram: X5, X7, X9, X0, XX. Alle anderen Komponenten wie Shimano Alivio eignen sich nicht für den harten Einsatz im Gelände. Achtung: Anders als im Rennradbereich mixen die Mountainbike-Firmen munter durch. Achten Sie darauf, dass der Hersteller nicht etwa mit einem imposanten XTR-Schaltwerk von der billigeren Deore-Kurbel ablenken will.

Wo kaufen: im Internet oder im Fachhandel?

Versender-Marken wie Canyon, Radon oder Rose offerieren ihr Angebot im Internet und liefern direkt an den Kunden („Direktvertrieb“). Es entfällt die Marge für den Fachhändler. Der Preis fällt meist günstiger aus, alternativ besitzt das Bike eine bessere Ausstattung als ein genauso teures Fachhandelsrad. Aber: Eine Probefahrt ist, wenn überhaupt, nur am Firmensitz möglich, und die (oftmals allerdings gute) Beratung erfolgt nur via Telefon oder Internet. Zudem muss der Kunde Teile der Erstmontage selbst durchführen und das Bike bei Mängeln oder Service-Reparaturen einschicken – das kostet Zeit und Nerven. Unterm Strich lohnt der Kauf im Internet meist eher für erfahrene Biker.

Woran erkenne ich einen guten Händler?

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl: Ihr Händler ist mit seinem Angebot voll auf der Höhe? Er nimmt sich stets Zeit für Sie, wirkt kompetent? Er hilft Ihnen gerne bei Kleinigkeiten, leiht Ihnen auch mal seinen Drehmomentschlüssel aus? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind in besten Händen! Also: Schielen Sie nicht auf das beste Schnäppchen im Umkreis, eine optimale Beratung ist langfristig viel mehr wert.

Was soll denn so ein neumodischer Twentyniner?

Vor zwei Jahren hätte diese Frage außerhalb der USA keinen interessiert, inzwischen drehen die „Riesenräder“ auch in Europa auf. Im Gegensatz zum „normalen“ Mountainbike setzen die Twentyniner statt auf 26-Zoll-Laufräder (ETRTO-Norm 559) auf – nomen est omen – 29". Wobei es sich dabei strenggenommen um 28"-Laufräder (ETRTO 622) handelt, die zusammen mit dem breiten Stollenreifen circa 29 Zoll Laufraddurchmesser ergeben. Was das verwirrende Zahlenspiel in der Praxis bedeutet? Twentyniner rollen dank des flacheren Aufprallwinkels der großen Räder leichter über Hindernisse, generieren mehr Traktion und rollen, einmal beschleunigt, besser. Zudem steigen Laufruhe und Fahrsicherheit. Die Nachteile liegen im etwas höheren Gewicht, in schwächeren Steifigkeiten vor allem der Laufräder und in der geringeren Agilität.

Was ist das optimale Bike für den Alpencross?

Je nach Leidensfähigkeit können Sie die Alpen mit einem ungefederten Starr-Bike genauso bezwingen wie mit einem 17-Kilo-Freerider. Deutlich freudvoller „crossen“ Sie jedoch mit einem Touren- oder All-Mountain-Fully nach Riva. Großartige Modifikationen sind dabei unnötig: pannensichere Reifen aufziehen, Satteltasche und Flaschenhalter montieren – fertig ist das Alpen-X-Bike! Einige Alpencross-Veteranen raten oft zum Hardtail, da es weniger defektanfällig ist und sich leichter tragen lässt. Fahrkomfort, -sicherheit und -spaß bleiben mit einem ungefederten Heck aber auf der Strecke ...

Wie viel Federweg braucht der Mensch?

Der Trend geht zu mehr: Federwege, die früher Downhillbikes schmückten, sind inzwischen für ein All-Mountain normal, tourentaugliche Enduros federn gar mit 180-mm-Fahrwerken. Dennoch: Überlegen Sie genau, wie viel Hub Sie für Ihr Einsatzgebiet (Mittelgebirge oder Alpen?) sowie Ihren Fahrstil (Forststraßenheizer oder Trailartist?) benötigen. Das Gros der Biker ist mit den leicht abstimmbaren 120-mm-Fahrwerken der Tourenfully-Klasse oder mit den bereits hochpotenten 150-mm-All-Mountain mehr als ausreichend unterwegs.

Gibt es auch spezielle Ladybikes?

Immer mehr Mädels steigen aufs Bike – logo, dass die Industrie diese Zielgruppe mit speziellen Rädern umgarnt. Dumm nur, dass die meisten Ladybikes von Männern entworfen werden: hier ein zuckersüßes Blümchendekor, da ein über­breiter Sattel, dort klobige „Lady-Griffe“ – fertig ist ein Bike fürs zarte Geschlecht ... Oft treiben diese Ausstattungskapriolen gar das Gewicht in die Höhe – dabei brauchen die meisten Frauen vor allem ein leichtes Rad. Und: Achten Sie unbedingt auf (Luft-)Federelemente, die sich auch auf ein geringes Fahrerinnengewicht abstimmen lassen. Spezielle Lady-Geometrien sind Geschmackssache – dass Frauen in Relation einen kürzeren Oberkörper besitzen als Männer, das ist eine Mär.

Mit welchem Bike darf ich in den Bikepark?

Nach Herzenslust bergab brettern, den fahrtechnischen Horizont erweitern – Bikeparks werden immer beliebter! Und eine Bike-Beschränkung gibt es nicht: Ein Hardtail ist genauso erlaubt wie ein Freerider. Wirklich Spaß macht die Downhill-Hatz aber erst ab einem Endurobike mit mindestens 160 mm Hub. So ein Monster steht nicht in Ihrer Garage? Kein Problem, in fast allen Parks können Sie ein „Big Bike“ ausleihen. Und: gleich die passende Schutzkleidung mit dazu – die ist Pflicht!

Kann ich bei 100 Kilo Gewicht jedes Bike fahren?

Große und schwere Biker haben oft Mühe, das passende Bike zu finden. Viele Hersteller geben aus Angst vor Regressansprüchen ihr Rad nur bis etwa 100 Kilo frei – an dieser Grenzen enden die meisten EU-Prüfnormen. Aber auch als „Riese“ müssen Sie auf das Bike-Vergnügen nicht verzichten: Achten Sie auf stabile Laufräder (klassisch eingespeicht mit 36 Speichen), einen steifen Alu-Rahmen sowie robuste Anbauteile von namhaften Herstellern. Wichtig: Testen Sie vorab, ob die Federelemente auf ein hohes Gewicht abstimmbar sind – gerade einige gefederte Hinterbauten funktionieren leider nur im Bereich von 70 bis 85 Kilo Fahrergewicht optimal.

Welche Rahmengröße ist die richtige für mich?

Die meisten Fullys gibt es in vier, Hardtails oft sogar in sechs und mehr Größen. Ein grober(!) Anhaltspunkt ist die Ermittlung der Schrittlänge: Messen Sie entlang Ihres Innenbeins vom Boden bis zum Schritt. Dieser Wert (in cm) multipliziert mit 0,226 ergibt die theoretische Rahmengröße in der bei Mountainbikes üblichen Zollangabe. Aber: Für die perfekte Größe ist die Oberrohrlänge oder die Überstandshöhe mindestens genauso wichtig. Auch persönliche Vorlieben wie lange oder kurze Kettenstreben entscheiden, ob ein Bike „passt“. Wer hundertprozentig sichergehen will, muss ausgiebig Probe fahren!

Wie stimme ich mein Bike richtig ab? Wer hilft mir?

Das perfekte Setup für Ihre Federelemente zu finden ist kompliziert – aber nicht unmöglich! Am besten holen Sie sich am Anfang Hilfe in Ihrem Bikeshop oder bei erfahrenen Bike-Kumpels. Eine ausführliche Anleitung mit Tipps der MB-Redakteure finden Sie zudem unter: www.mountainbike-magazin.de/setup.

Wie vermeide ich Schmerzen beim Biken?

Es zwickt und zwackt im Kreuz, Knie oder am Hintern? Daran ist neben einer unzureichend trainierten Muskulatur häufig eine falsche Sitzposition schuld. Viele Biker hocken beispielswiese zu tief auf dem Sattel. Wie Sie die optimale Position finden, zeigt Ihnen MountainBIKE Schritt für Schritt unter: www.mountainbike-magazin.de/sitzposition.

Kann ich alle Reparaturen am Bike selbst ausführen?

Im Gegensatz zum Automobil lassen sich am Bike zumindest kleine Reparaturen und Pflegemaßnahmen ohne Ingenieursstudium bewältigen. Auch die Garantie erlischt nicht. Komplexere Tätigkeiten wie das Entlüften der Scheibenbremse oder die exakte Einstellung der Schaltung verlangen Erfahrung, viele Anleitungen finden Sie auf der . Wartung und Service Ihrer Federelemente sollten Sie aber dem Fachmann überlassen.

Mit welchen Folgekosten muss ich rechnen?

Verschleißteile sind vor allem Kette, Kassette, Reifen, Schläuche, Schaltzüge und Bremsbeläge. Grob gerechnet werden bei einer Jahres-Kilometer-Leistung von 2000 km circa 150 Euro fällig – wobei der Betrag je nach Einsatzbereich stark variieren kann. Die Wartung der Federelemente? Die Hersteller empfehlen einmal jährlich einen Service (100 bis 200 Euro).

Was benötige ich als Einsteiger sonst noch zum Biken?

... vor allem Spaß an Bewegung und frischer Luft! Davon abgesehen reichen zu Beginn Turnschuhe und normale Sportkleidung, nur ein Helm (ab 50 Euro) und ein Paar Handschuhe (10 Euro) sind Pflicht. Später lohnt die Investition in eine gepolsterte Bike-Hose (ab 50 Euro) und in ein Paar Klickpedale samt passender Bike-Schuhe ( beides ab 100 Euro).

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Keine Frage: MTB-Stopper müssen stets zuverlässig arbeiten.

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