Bike-Pflege: So strahlt dein MTB
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Fahrradreiniger im Test

Welcher Reiniger lässt das Bike glänzen?

Der Markt für Radreiniger wird „grün“. Wir haben die neuen Produkte getestet – und Umweltaspekte in unsere Bewertung integriert.

Lange tat sich nicht viel auf dem Markt der Standard-Bike-Reiniger. Rezepturen änderten sich fast nie, selten gab es neue Produkte. Matsch ist halt Matsch. Dass 2019 mit Neatflow und Antidot nun zwei neue Reiniger auf der Bildfläche erschienen und auch Dr. Wack die Formel seines F100-Cleaners veränderte, ist für uns ein Grund, einen neuen Reiniger-Test durchzuführen. Vermehrt erreichen uns zudem Leser-Anfragen, Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien in unsere Tests zu integrieren. Bei vielen Produkten der Radwelt ist dies schwierig. Bei diesem Test haben wir den Aspekt mit aufgenommen, gerade weil die zwei neuen Reiniger mit ihrer Umweltfreundlichkeit werben.

Von A wie Antidot bis Z wie Zéfal sind im Testfeld verschiedenste Produkte vertreten: vom quietschorangen Reiniger mit Gefahrenstoffkennzeichnung „ätzend“ bis zum durchsichtigen, kennzeichnungsfreien Wässerchen in der Recycling-Flasche.

Aufsprühen, abspülen, fertig?

Ein Bike-Reiniger muss mehr können als sauber machen. Neben der Reinigungsleistung haben wir die Materialverträglichkeiten überprüft. Schließlich freut sich niemand, wenn eloxierte Alu-Parts nach dem Putzen blass aussehen oder das Gehäuse des Displays reißt. Das Handling der Flasche und des Sprühverschlusses fließen ebenso in die Bewertung ein wie die Frage, ob abfallsparende Nachfüll-Packs erhältlich sind.

Dennis Stratmann

Mit Normschutz und Trail-Matsch

Unser Test teilt sich in Labor- und Praxiskomponenten auf. Während wir im Labor die Reinigungsleistung mit einem definierten „Normschmutz“ von Hersteller Dr. Wack durchführten, haben wir in der Praxis mit „Original-Trail-Matsch“ unserer MTB-Teststrecken gearbeitet und beides gleichgewichtet. Der definierte Testschmutz erhöht die Vergleichbarkeit untereinander, der Matsch den Praxisbezug. Bei der Reinigungsleistung schnitten Neatflow und Antidot, Dr. Wack und Liqui Moly am besten ab, besonders materialverträglich präsentierten sich ebenfalls Dr. Wack und Neatflow, außerdem Shimano und Muc-Off.

Die Sache mit der Umwelt

Wann ist ein Reiniger umweltfreundlich und/oder nachhaltig? Diese Frage ist nicht ohne Weiteres zu beantworten. Biologische Abbaubarkeit ist kein Kriterium dafür, denn in Deutschland müssen per se alle Reiniger, die in den Verkehr gebracht werden, biologisch abbaubar sein. Dies sind sie aber zu unterschiedlichen Graden, und die Abbaubarkeit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dr. Christian Ahl, Geschäftsführer der Bodenkundlichen Gesellschaft, hat uns im Interview daher erklärt, warum „biologisch abbaubar“ nicht Synonym mit „unbedenklich“ ist. Gefahrenstoffkennzeichnungen wie „ätzend“ (verursacht schwere Augenschäden) wie bei SKS oder „reizend“ wie bei Pedros (verursacht schwere Augenreizungen) gefährden unter Umständen den Anwender, wenn dieser keine Handschuhe und Schutzbrille trägt. Über die Wirkung auf die Umwelt sagen die Sicherheitsdatenblätter, in denen Informationen zum sicheren Umgang mit den Reinigern gesammelt werden, jedoch nichts aus. Konkreter bewerten lässt sich die Verwendung von recyceltem Kunststoff für die Verpackung wie bei Antidot oder das Bereitstellen von abfallsparenden Nachfüll-Packs wie dem 5-Liter-Kanister von Dr. Wack.

Die Reiniger im Test:

Hersteller

Antidot Bike Reiniger

Preis/Größe: 13€/ 750ml

Gefahrenstoffe: kennzeichnungsfrei

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Der neue Reiniger bekämpft Trail- Schmodder besonders effektiv und ist dabei materialverträglich auf Eisen und eloxiertem Alu. Blankes Alu und Polycarbonat greift er leicht an. Höchste „Umwelt-Note“!

Testergebnis: Gut (69 Punkte)

Det Goeckeritz

Dr. Wack F100 Fahrradreiniger

Preis/Größe: 17€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: kennzeichnungsfrei

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Der Gel-Reiniger haftet sehr gut. Mit dem hartnäckigen Normschmutz kommt er im Testfeld am besten klar, mit Matsch etwas schlechter. Eisen greift er leicht an. Nicht billig, aber sehr gut!

Testergebnis: Sehr gut (75 Punkte)

Hersteller

Liqui Moly Bike Cleaner

Preis/Größe: 13€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: verursacht schwere Augenreizung

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Sowohl auf Alu als auch auf Polycarbonat hinterlässt der „reizende“ Reiniger seine Spuren. Gut gegen Trail- Matsch, weniger gut gegen Normschmutz. Die große Flasche liegt gut in der Hand.

Testergebnis: Befriedigend (49 Punkte)

Hersteller

MUC OFF Fast Action Bike Cleaner

Preis/Größe: 16,50€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: verursacht schwere Augenreizung

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Gegen den Normschmutz blieb der pinke Cleaner fast wirkungslos, besser schnitt er beim Praxis-Matsch ab. Auf (eloxiertem) Alu reinigt er schonend, der Pumpgriff könnte bequemer sein.

Testergebnis: Befriedigend (55 Punkte)

Hersteller

Neatflow Beech Bike Cleaner

Preis/Größe: 17€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: kennzeichnungsfrei

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Der Neuling im Testfeld schafft es dank seiner Materialverträglichkeit und soliden Reinigungsleistung auf Anhieb auf die forderen Ränge. Eher teuer, dafür mit prima Überkopf- Sprühsystem.

Testergebnis: Sehr Gut (75 Punkte)

Hersteller

Pedros Green Fizz

Preis/Größe: 11€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: verursacht schwere Augenreizung

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Der Pedros-Reiniger enthält Farb- und Aromastoffe, zudem schwächelt der Apfel-Grünling bei der Materialverträglichkeit (besonders auf Eisen). Matsch bekämpft er kraftvoll und liegt gut in der Hand.

Testergebnis: Befriedigend (45 Punkte)

Hersteller

Shimano Bike Wash

Preis/Größe: 12€/ 400ml

Gefahrenstoffe: kennzeichnungsfrei

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Die einzige Sprühdose im Test ist nicht nachfüllbar, ihr Inhalt entpuppte sich dafür als besonders materialverträglich. Die Wirksamkeit ist auch wegen des sehr feinen Sprühnebels eher schwach.

Testergebnis: Befriedigend (58 Punkte)

Hersteller

SKS Wash your Bike

Preis/Größe: 13€/ 750ml

Gefahrenstoffe: verursacht schwere Augenschäden

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Der aggressivste Reiniger im Testfeld (Schutzbrille tragen!) greift sowohl Materialien als auch Schleimhäute an. Die Reinigungswirkung ist auf Normschmutz schwach, auf Trail- Matsch besser.

Testergebnis: Schwach (40 Punkte)

Hersteller

Zefal Bike Wash

Preis/Größe: 11€/ 1000ml

Gefahrenstoffe: kennzeichnungsfrei

Reinigungsleistung:

Materialverträglichkeit:

Anwendung:

Umweltverträglichkeit:

Fazit: Die Reinigungsleistung des Cleaners könnte vor allem auf Normschmutz besser sein. Der Verschluss war im Test undicht, der Sprühstrahl lässt sich nicht variieren. Eisen greift der Reiniger stark an.

Testergebnis: Befriedigend (48 Punkte)

So testen wir Bike-Reiniger:

Um Vergleichbarkeit im Testfeld zu schaffen, testen wir Radreiniger sowohl im Labor als auch in der Praxis. Neben Materialverträglichkeit, Reinigungsleistung und Handling sind Faktoren, die die Nachhaltigkeit eines Produktes berücksichtigen, neu im Bewertungsschema.

REINIGUNGSLEISTUNG

Dieser Test ist zweigeteilt: 50 Prozent der Note entfallen auf die Reinigung eines Teststreifens mit definiertem Normschmutz aus Öl, Fett, Ruß und DIN-Pigmentschmutz. Er wird auf Testplättchen aufgebracht und getrocknet, die Reiniger aufgesprüht. Nach der Einwirkzeit laut Hersteller (2–10 min) wird der Schmutz mit einem Wasserstrahl abgespült und begutachtet: Wie viel Prozent des Testschmutzes wurde von der Testoberfläche abgespült? Derselbe Test wurde mit nicht genormtem Matsch aus dem Wald wiederholt. Die Reinigungsleistungen beider Tests machen kombiniert 40 Prozent in der Bewertung aus.

MATERIALVERTRÄGLICHKEIT

Die Verträglichkeit der Reiniger wird auf vier Testmaterialien geprüft: Auf eloxiertem Aluminium wirkt der Reiniger 30 Minuten, auf Polycarbonat, Eisen und Aluminium 24 Stunden ein. Die Ergebnisse werden begutachtet, miteinander verglichen und bewertet. 40 Prozent der Endnote entfallen auf die Materialverträglichkeit.

ANWENDUNG

Wie gut lässt sich der Reiniger auftragen? Gibt es verstellbare Düsen (Schaum, Nebel)? Kann die Flasche über Kopf sprühen, ist der Verschluss dicht? Ebenfalls wichtig ist die Ergonomie des Pumpgriffes: Ist die Flasche zu schwer, ermüdet der Unterarm schnell? Drücken Plastikkanten in die Haut? Dies fließt mit fünf Prozent in die Bewertung ein.

UMWELT

Besitzen die Reiniger Gefahrenstoffkennzeichnungen? Beinhalten sie Farb- oder Aromastoffe? Sind Nachfüll-Packs oder Konzentrate erhältlich? Besteht die Verpackung aus Recyclingmaterial? Ist der Sprühkopf wiederverwendbar? All diese Fragen machen 15 Prozent der Endnote aus.

Interview: Das sagt der Boden-Experte zu den Reinigern

Dr. Christian Ahl von der Universität Göttingen ist Geschäftsführer der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. Im Interview erklärt er, welche Auswirkungen Fahrradreiniger auf Böden haben.

Per Gesetz müssen Fahrradreiniger in Deutschland biologisch abbaubar sein. Gibt es verschiedene Arten oder Grade biologischer Abbaubarkeit?

Ja, die gibt es: Die „leichte biologische Abbaubarkeit“ nach OECD-Norm 301 weist einen raschen und nahezu vollständigen Abbau innerhalb von 28 Tagen unter aeroben Bedingungen, also unter Anwesenheit von Sauerstoff, nach. Schwerer abbaubar sind Stoffe nach OECD 302: Die biologische Abbaubarkeit gilt als eingeschränkt, grundsätzlich aber möglich. Was wichtig ist: „biologisch abbaubar“ heißt nicht, dass ein Stoff zu 100 Prozent abgebaut wird, es bleiben immer Produkte zurück.

Sind biologisch abbaubare Reiniger für die Umwelt unbedenklich?

Nein, teilweise sind die im Abbauprozess entstehenden Produkte sogar schädlicher als die Ausgangsstoffe. Auch wenn ein Reiniger damit wirbt, nur natürliche Inhaltsstoffe zu enthalten, gibt es zum Beispiel ringförmige Kohlenstoffstrukturen, die im Boden nur schwer abgebaut wer- den. Ein Beispiel ist die Formulierung „mit der Kraft der Orange“, die nicht unbedingt auf Bike-Reiniger zutrifft, aber auf viele Haushaltsreiniger. Vor diesem Hintergrund nicht zu vernachlässigen ist, was man vom Bike abwäscht: Will man den Boden schonen, muss man auch beim Kettenöl auf eine hohe biologische Abbaubarkeit achten.

Was passiert im Boden, wenn ich mein Rad mit Reiniger im Garten wasche? Macht es einen Unterschied, wenn ich das Rad auf Asphalt wasche?

Das ist etwas konterintuitiv: Das sogenannte Oberflächenwasser, also zum Beispiel Regen, wird von der Kanalisation ohne Umweg über die Kläranlage wieder in Gewässer eingespeist. In Wasser bauen sich Stoffe aber schwer bis gar nicht ab. Putzen Sie Ihr Rad auf dem Garagenvorplatz und das Wasser sickert in die Regenwasser-Kanalisation, gelangt der Reiniger also unabgebaut in Gewässer. Würden Sie das Waschwasser auffangen und im Haus in den Abfluss gießen, könnte es in der Kläranlage gereinigt werden. Putzen Sie Ihr Rad auf dem Rasen (mit mindestens 30 cm Bodentiefe), hat der Reiniger die Chance, im Boden von Mikroorganismen abgebaut zu werden.

Hat das keine Auswirkungen auf den Boden?

Waschen Sie Ihr Rad selten in Ihrem Garten (nicht öfter als zweimal im Monat), dürfte das kaum Einfluss auf den Boden haben. Die Goldlösung wäre natürlich, auf einem Platz mit Ölabscheider zu waschen, bei einer Autowäscherei oder Ähnlichem.

Der pH-Wert des Reinigers spielt bei der Reinigungsleistung eine Rolle. Hat er auch Auswirkungen auf die Umwelt?

Nein, dafür ist die Menge zu gering. Bereits das Regenwasser ist mit einem pH- Wert von 5,6 saurer als die meisten Böden mit 6,8 bis 7.

Gibt es andere Wege, mit denen Mountainbiker die Umwelt gefährden?

Viel schlimmer als die Reinigung ist Plastikmüll: Wer seine Riegelverpackung im Wald wegwirft, fordert den Boden viel stärker heraus. Der Abbau des Plastiks dauert extrem lange, und Mikropartikel gelangen in die Gewässer.

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