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Die 12 größten Anfängerfehler beim Mountainbiken

Erste Schritte auf dem Mountainbike

Beim Mountainbiken ist noch kein Bike-Pro vom Himmel gefallen, schließlich macht Übung den Meister. MountainBIKE erklärt, wie Sie als MTB-Einsteiger die wichtigsten Schlaglöcher umfahren.

In der ersten Steilkurve das Gleichgewicht verloren, über den Lenker geflogen und die Brennnesseln gestreift. Wenn MTB-Anfänger aus dem Nähkästchen plaudern, klingt das meist witzig und chaotisch, aber auch ein bisschen gefährlich.

MountainBIKE zeigt die 12 größten Anfängerfehler und gibt wichtige Tipps, damit steile Abfahrten, knifflige Trails und einsame Waldwege zum unvergesslichen Erlebnis werden und nicht im Krankenhaus oder Frust enden.

Laufrad, Lager, Fully, Hardtail - Begriffe in Hülle und Fülle und Sie verstehen nur Bahnhof? Kein Problem, MountainBIKE erklärt alle wichtigen MTB-Parts.

Das falsche Bike

Mountainbike ist nicht gleich Mountainbike. Nicht nur Ausstattung und Preise sind sehr verschieden, sondern auch die Fahreigenschaften.

Wenn Sie zum Beispiel mit einem Marathon-MTB auf Downhill-Tour gehen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie in der Abwurf-Gefahrenzone fahren. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Geometrien der Räder. Während ein Enduro-Bike mit einem Federweg von 160 mm auf ruppigem Untergrund für ausreichend Dynamik sorgt, bietet ein Marathon-Bike mit gerade einmal 100 mm Federweg auf ruppigen Wurzelteppichen keine Sicherheit.

So geht´s richtig

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© Jetti Kuhlemann/PIXELIO
Kein Durchblick im Fahrrad-Dschungel?

Bevor Sie sich ein Bike zulegen und den ersten Ausritt wagen, sollten Sie sich also überlegen, ob Sie eher der Downhiller-Typ sind und holprige und steile Abfahrten bevorzugen, oder ob Sie vor Allem auf verspielten Singetrails unterwegs sein werden.

Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie verschiedene Typen ausleihen und testen, welches Bike zu Ihnen passt.

Vorab können sie sich von der MountainBIKE Kaufberatung inspirieren und beraten lassen.

Das falsche Pedal

Klick- oder Flatpedal? Wer als Anfänger zu Klickpedalen greift, ist sehr mutig. Denn wer zum ersten Mal auf einem MTB sitzt und das Ein- und Ausklicken nicht beherrscht, wird bestraft, wenn beim Ausklicken die Füße in den Pedalen hängen bleiben und das Bike samt Fahrer umkippt.

Hintergrund

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© Bernd Boscolo/PIXELIO
Sicherer Halt mit Plattform. Einziger Haken: An scharfen Ecken und Kanten können sich unachtsame Biker verletzen.

Klickpedale geben zwar einen besseren Halt und ermöglichen dadurch eine effizientere Führung des Bikes, für Anfänger gibt es jedoch bessere Alternativen.

Die so genannten Flatpedale ähneln stark den normalen Pedalen und sind äußerst anfängerfreundlich. Da Flatpedale breiter als herkömmliche Radpedale sind, bieten sie optimalen Halt, Sicherheit und Komfort.

Dennoch sollten Anfänger auch im Umgang mit Flatpedalen aufmerksam sein: Viele breite Pedale besitzen scharfe Ecken und Kanten, die bei leichtfertiger Handhabung zu Verletzungen führen können.

Der falsche Sattel

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Julia Beau
Sattelfest dank harter Variante.

Auf den ersten Blick mag ein weicher Sattel komfortabel erscheinen, aber auf längeren Touren offenbart er sein wahres Gesicht.

Spätestens wenn der weiche Sattel die Nervenbahnen im Gesäß abdrückt und Taubheitsgefühle entstehen, wird die Fahrt nicht nur unangenehm, sondern sogar ungesund für den Genital- und Dammbereich.

Die eindeutig bessere Wahl beim Mountainbiken ist ein harter Sattel. Auch wenn´s am Anfang zwickt und schmerzt, nach kurzer Zeit haben Sie sich daran gewöhnt und die Wunden sind passe. Zudem gibt es gepolsterte Radhosen, die guten Sitzkomfort trotz harter Sitzunterlage versprechen.

Tipp für Style-Junkies: Baggys machen eine gute Figur und passen über jede Radhose.

Hier finden Sie weitere Tipps zum Kauf eines MTB-Sattels

Schaltprobleme

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© Harald Wanetschka/ PIXELIO
Die gemeine Schreckschraube. Ist sie verantwortlich für den Spuk am MTB?

In puncto Gangschaltung gibt es drei gravierende Anfängerfehler: Zu wenig schalten, zu früh oder zu spät schalten.

Dahinter steckt oft ein Irrglaube: Viele Bike-Einsteiger sind der Ansicht, dass Sie dank ausgezeichneter Kondition keine Gangschaltung brauchen. Andere hingegen finden es lästig, dauernd hin und her zu schalten, zumal Sie entweder zu früh dran sind oder den falschen Gang erwischen. Die fein abgestuften Gänge eines Mountainbikes ermöglichen jedoch dem Fahrer die optimale Nutzung seiner Kräfte und damit maximales Fahrvergnügen.

Beim Schalten variieren Kettenblatt und Ritzel in Abhängigkeit vom Gelände. Dabei sollten Sie die vorderen Kettenblätter nur bei entlasteter Kette wechseln. Das hintere Kettenblatt (Ritzel) hingegen können Sie auch bei größerer Belastung schalten, allerdings sollten Sie nicht zu schnell schalten sondern warten, bis der jeweilige Gang korrekt eingerastet ist.

Wichtig: Achten Sie stets darauf, dass die Schaltung korrekt eingestellt ist. Andernfalls kann es vorkommen, dass die Kette von selbst aufs nächste Ritzel springt (Ghost-Shifting) oder wegen eines verbogenen Schaltwerks permanent rasselt und stärker abnutzt.

Die falsche Sattelhöhe

Spätestens wenn Kniebeschwerden, Agilitätsverlust oder Rückschmerzen auftreten, wissen Sie, dass Sie den Sattel zu hoch oder zu tief eingestellt haben. Da Menschen verschieden lange Arme und Beine haben, lässt sich die Sattelhöhe leider nicht mathematisch berechnen.

So finden Sie die richtige Sattelhöhe

Auf der Suche nach der perfekten Sattelhöhe können folgende Anhaltspunkte weiterhelfen:

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Ralf Bücheler

Zu hoher Sattel: Wenn Sie auf dem Rad sitzen, dürfen Arme und Beine nicht gestreckt sein. Sind Arme und Beine durch einen zu hoch eingestellten Sattel gestreckt, werden Sie zu wenig Kontrolle über das Bike haben.

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Ralf Bücheler

Zu niedriger Sattel: Wenn Sie den Sattel zu niedrig einstellen, sind Arme und Beine stark eingeknickt, was sich negativ auf Ihre Gelenke auswirken kann. Auch die Radführung ist hier nicht optimal.

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Ralf Bücheler

So geht´s richtig: Wenn Sie auf dem Sattel sitzen, stellen Sie die Ferse aufs Pedal und drücken das Pedal nach unten. Die optimale Höhe haben Sie ermittelt, wenn Arme und Beine noch leicht gebeugt sind.

MTB-Trip ohne Werkzeug und Erste Hilfe-Set

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Julia Beau
So viel Werkzeug passt nicht in Ihren Rucksack? Muss auch nicht, beim MTB-Trip genügen Minitool, Ersatzschlauch und Flickzeug.

Handy, Wasserflasche, Pflaster, Minitool vergessen? Die vergessene Wasserration können Sie im nächsten Gasthof auffrischen und zur Not auch dort telefonieren, aber das Werkzeugset sollten Sie auf keinen Fall vergessen. Es sei denn, Sie schieben Ihr Rad nach einer Panne gern nach Hause.

Auf einer Mountainbike-Tour sollten Sie grundsätzlich ein Minitool im Gepäck haben, das mit Imbus, Torx 25 und Kettennieter ausgestattet ist. Ersatzschlauch, Flickzeug und Verbandszeug für den Ernstfall gehören ebenfalls in den Rucksack.

Wie sie einen platten Reifen richtig wechseln, erfahren sie hier vom Experten: Reifenwechsel leicht gemacht

Nicht bei allen Pannen hilft das Standardwerkzeug. Hier finden Sie unsere besten Tipps fürs Notmaßnahmen auf Tour

Mangelhaftes Equipment

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© Bernd Boscolo/PIXELIO
Absolutes No Go: Ohne Brille und Helm auf Mountainbike-Tour.

Wenn Sie den Berg mit Fullspeed runterheizen und ohne Brille fahren, kann das im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen. Brillen sind beim Biken unerlässliche Begleiter, da Sie die empfindlichen Augen nicht nur vor UV-Strahlung sondern auch vor Insekten, Samenschirmchen und vom Vorausfahrenden aufgeworfenen Steinchen schützen.

Auch der Helm ist obligatorischer Tourbegleiter - ohne Helm sind Sie im Falle eines Sturzes vor schweren Verletzungen nicht gefeit.

Was ein Helm alles können muss, erfahren Sie im Test: Schutzpflicht des Helms: 24 Helme im Test

Wenn Sie Blasen an den Händen vermeiden und über mehr Grip und Bike-Kontrolle verfügen möchten, sollten Sie nicht ohne Handschuhe fahren. Auch schützen Handschuhe beim Sturz die Hände vor Abschürfungen.

Was das übrige Outfit des Bikers anbelangt, so sind keine Grenzen gesetzt. Am angenehmsten trägt sich jedoch Funktionskleidung, denn im Gegensatz zur normalen Alltagskleidung lässt sie die Luft zirkulieren, lässt Schweiß schnell verdunsten und hat einen kühlenden Effekt, was bei schweißtreibenden Sportarten wie Mountainbiken ein Segen ist.

Selbstüberschätzung

Gleich zu Beginn der Tour den 30% Anstieg nehmen, schneller fahren als es die Ausdauer erlaubt, und bloß keine Pause machen? Dann werden Sie nach kurzer Zeit das Gefühl haben, dass Sie diese Tour nicht überleben werden.

Wenn Sie Ihre Tour, wegen optimistischer Selbsteinschätzung, nicht nach einem Drittel der Strecke abbrechen wollen, dann sollten Sie ausreichend Pausen einplanen und eine Tour auswählen, die Ihrer Kondition und Ihren fahrtechnischen Fähigkeiten angemessen ist.

Tourentipps für MTB-Einsteiger:
Salzburger Highlands: 4 Touren für Einsteiger

Fahrtechnik: Sie haben sich schon erste Touren ausgeguckt? Dann informieren Sie sich vorab über die fahrtechnischen Anforderungen der Trails. Sonst könnten Sie viel Zeit mit Tragen statt Fahren verbringen.

Ansonsten gilt: Üben, üben, üben - vielleicht bringen Sie's ja auch mal so weit wie die Jungs in folgendem Video:

Unausgewogenes Verhältnis zwischen Grund- und Sitzposition

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Manfred Stromberg
Manfred Stromberg, MountainBIKE-Fahrtechnik-Experte.

Überwiegend in einer der beiden Positionen zu fahren, kann negative Auswirkungen haben:

  • Wenn Sie auf ihrem MTB zum Dauerhocker mutieren, müssen Sie in Kauf nehmen, dass Sie durch das viele Sitzen die Muskelpartien ihrer Schultern schwächen.
  • Wenn Sie notorisch im Wiegetritt fahren, fördern Sie zwar ihre Rückenmuskulatur im Schulterbereich, strengen Ihr Herz-Kreislaufsystem aber mehr an als nötig wäre.

So geht´s richtig

Generell sollten Sie auf Touren zu 70% im Sitzen und zu 30% in der Grundposition fahren. Als Hilfestellung erweist sich hierfür die goldene Regel des MB-Fahrtechnik-Experten Manfred Stromberg: Sobald Sie aufhören, in die Pedale zu treten, wechseln sie in die Grundposition. Wenn Sie wieder Gas geben, wechseln Sie in die Sitzposition.

Diese Regel gilt besonders für das Bergauf- und Bergab-Fahren. Wenn sie bergab auf holprigem Untergrund fahren, nehmen Sie die Grundposition ein, um Erschütterungen besser abzufedern, ansonsten werden Sie durchgeschüttelt, was wiederum Ihre Reaktionsfähigkeit vermindert.

Bergauf hingegen fahren Sie möglichst im Sitzen, denn so verteilt sich Ihr Gewicht besser aufs Bike, was beim Anstieg für optimale Balance sorgt. Wenn jedoch Ihre Kondition bergauf nur noch für den Wiegetritt ausreicht, sollten Sie aufpassen, dass Ihr Hinterrad nicht wegrutscht.

Falsche Grundposition

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© Siegfried Fries/PIXELIO
Geschmeidig fahren in der richtigen Position.

Die erste Herausforderung stellt die Grundposition bereits bei ihrer Begriffsklärung: Mountainbike-Einsteiger neigen oftmals dazu, die Grundposition mit der Sitzposition zu verwechseln. Bei der Grundposition handelt es sich jedoch um eine Radposition, die am meisten dem Wiegetritt ähnelt, das heißt: Sie wird nicht im Sitzen sondern in aufgerichteter Haltung ausgeführt.

Für die Mutter aller Radpositionen gilt: In aufrechter Haltung verteilen Sie Ihr Körpergewicht gleichmäßig auf die Pedale und halten bei waagerecht stehenden Kurbeln die Knie und auch die Arme leicht gebeugt.

Für die Sitzposition gilt gleiches: Wenn Sie auf dem Rad sitzen, dürfen Arme und Beine nicht durchgestreckt sein. Ebenso darf der Sattel nicht höher als der Lenker sein.

Tipp: Ob Grund- oder Sitzposition - Anfänger fahren mit einem breiten Lenker besser.

Einseitiges Bremsen

Grundsätzlich ist die Vorderradbremse wichtiger als die Hinterradbremse, da die Vorderbremse effektiver arbeitet. Beim Mountainbiken gilt es jedoch, immer beide Bremsen gleichzeitig zu betätigen – aber nicht unbedingt mit gleicher Kraft. Denn das kann nach hinten oder besser gesagt nach vorn losgehen.

Je nachdem, ob Sie in der Ebene oder bergab fahren, müssen Sie die auf beide Räder wirkenden Bremskräfte individuell regulieren. Bergab sollten Sie mit der vorderen Bremse zurückhaltend umgehen, um den Abgang über den Lenker zu vermeiden. In der Ebene können Sie auch vorne beherzt zugreifen.

In Kurven bleibt die Vorderbremse ganz auf oder geht früher auf als die Hinterradbremse.

Insbesondere Umsteiger von Bikes mit V-Brakes sollten das Bremsen zunächst mit nur einem Finger üben, um ein Gefühl für die Power einer Schreibenbremse zu bekommen.

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© Jan Brekerbohm/PIXELIO
Heisse Scheibe: Bremstechnisch absolut effizient, aber bei Dauerbelastung werden Scheibenbremsen so heiss, dass sie ein Spiegelei drauf braten können.

Wenn Sie mit Scheibenbremsen unterwegs sind, müssen Sie darauf achten, die Bremse regelmäßig zu öffnen, da sich die Bremsscheiben sonst sehr stark erhitzen können - die Folge ist das so genannte Fading, also das wärmebedingte Nachlassen der Bremswirkung. Im schlimmsten Fall fällt Ihre Bremse aus. Achtung: Finger weg von heißen Bremsscheiben - hier können Sie sich Brandblasen holen.

Statische Blickrichtung aufs Vorderrad

Wenn Sie sich beim Mountainbiken mit den Augen krampfhaft aufs vordere Rad konzentrieren, kann das ins Auge gehen. Wer nur das Vorderrad im Blick hat, läuft Gefahr, gefährliche Abfahrten und Hindernisse gar nicht oder zu spät zu erkennen.

Ständig die Perspektive zu wechseln, ohne dabei das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren, kann beim Mountainbiken Gold wert sein. Denn „mit dem MTB-Fahren, ist es wie im richtigen Leben – man sollte immer ein Ziel vor Augen haben, und das reicht beim Biken weiter als bis zum Vorderrad“, so MB-Fahrtechnik-Experte Manfred Stromberg.

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Werkstatt Sonstiges Im Video erklärt: Funktionsweise einer MTB-Scheibenbremse Lukas erklärt: MTB-Scheibenbremsen

Keine Frage: MTB-Stopper müssen stets zuverlässig arbeiten.

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