MB 0811 Beziehungskisten Teaser Peter Mathis

Wie Sie mit Ihrem Partner auf Touren kommen

6 ultimative Tipps für ein entspanntes Biken mit Partner

Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als eine gemeinsame MTB-Tour mit dem geliebten Partner. Damit sich dieser Traum jedoch nicht in einen Albtraum verwandelt, sollten Sie ein paar Grundregeln beachten.

Liebe ist, wenn sie ihm den Kragen seines Lieblings-Kurzarmhemds aufdämpft und er ihr dafür einen Rockring ans 180-Millimeter-Bike montiert. Oder wenn er sich an ihrer öligen Kette die Hände schwärzt und sie ihn dafür die gemeinsame (kalorienreduzierte) Russenhalbe antrinken lässt. Glücklich also, wer nicht nur Herd und Bett, sondern auch Interessen oder gar Hobbys mit dem Partner teilt. Welcher Bikefan bekommt keine feuchten Augen bei der Vorstellung, mit dem Partner auf epischen Flowtrails in den Sonnenuntergang zu surfen? Emotion pur! Aber Obacht: Da ist ein Tunnel am Ende des Lichts. Gerade gemeinsame Touren können nämlich der Funke sein, der die Hütte in Brand setzt. Die Jahre nagen eben nicht nur am Putz, sondern auch im Gebälk. Hätten Sie nur zugehört, als der Pfarrer dereinst was von guten und schlechten Tagen gemurmelt hat.

Gemeinsam planen statt einsam grübeln

Autisten und Allgäuer haben es einfach: Sie reden einfach nichts. Nicht auf Tour und erst recht nicht vor der Tour. Partner haben es da schon schwieriger. Denn die sicherste Chance auf eine gepflegte Beziehungskrise haben sie mit suboptimalen oder mit asymmetrischen Kommunikationsmustern. Wenn er bis spät in die Nacht vor seinem Freund dem Rechner sitzt und versucht, Daten aufs GPS zu laden, während sie mit ihrer Freundin Chantal Schweinsbichler stundenlang Pippas Kleid analysiert, steht die nächsttägige Biketour unter keinem Glücksstern. Denn dann muss er (und sein neuer Satellitenwegweiser) den gewaltigen femininen Erwartungsdruck des Nicht-Verfahren-Dürfens ertragen. Stundenlang und an jeder einzelnen Kreuzung aufs Neue. Und er muss zu allen Heiligen beten, dass die Batterien nicht schlappmachen. Sie dagegen ist dazu verdammt, orentierungs- und willenlos ihrem Steuermann hinterherzuhecheln. Kinder fragen in solchen Stresssituationen: „Dauert‘s noch lange?“ Aber auf selbst diese konkrete Frage kann der GPS-Hörige nur hektisch tippen, scrollen und die Anzeige nachplappern. Also gemeinsam planen! Vier Hühneraugen sehen bekanntlich besser als zwei. Versuchen Sie mit einer guten Karte die Route, Daten und Schlüsselstellen ausfindig zu machen. Das macht zu zweit doppelt Spaß.

Ziele und Wünsche klar kommunizieren

Wenn er Höhenmeter schrubben will, sie sich aber moralisch auf eine Kaffeefahrt ins Grüne einstellt, muss irgend-wann garantiert einer heulen. Behalten Sie Ihr Wasser lieber bei sich und reden Sie davor miteinander! Von Vorteil ist sicherlich, wenn die wichtigsten technischen Daten der Tour – Höhenmeter, Kilometer und Fahrzeit – beiden bekannt sind und auch halbwegs richtig eingeordnet werden können. Eine Dreistundentour kann so langweilig wie ein Testbild sein. Oder zum Survivaltrip werden. Je nach Untergrund, Wegbeschaffenheit, Klima, Wetter und Fahrerlevel. Apropos Level: Anders als im echten Leben gilt hier nicht „Gegensätze ziehen sich an“, sondern „je ähnlicher, desto besser“. Also ähnlich im Leistungsvermögen und im Charakter. Je heterogener das Zweierteam, desto eher muss im Vorfeld klar sein, was sich jeder von der Tour erwartet. Im Zweifel immer die geplante Tour downgraden statt upgraden. Damit keiner heult.

Höhenprofilneurosen und Minderwertigkeitskomplexe über Bord werfen

Wenn beide gemeinsam auf Touren kommen (und auch danach noch ohne Rechtsanwälte miteinander reden) wollen, werfen sie besser Ballast ab. Der dreht sich bei Männern gerne um die Themenkomplexe Alphamännchentum, Mitleidskrise, Unbesiegbarkeitsfantasien und Möchtegernproblematiken. Merke: Auch 18 Zentimeter wollen erst einmal perfekt beherrscht werden! Frauen haben gerne andere „Issues“: Warum fährt er andauernd hinter mir her? Halte ich meinen Helden auf? Findet er mich auch noch toll, wenn ich an dem Bordstein verweigere? Eigentlich will ich nur möglichst viel Zeit mit ihm verbringen. Wenn Geschlechterstereotypen dieser Art bereits von der Küche über das Fernsehzimmer bis hinein in die Trails reichen, tut gegenseitige Annäherung aber strengstens not. Etwas weniger Pubertät auf der einen und eine gesunde Prise Selbstvertrauen auf der anderen Seite, und schon läuft die Tour rund.

Tourentaktik für Paare

Manche Beziehungen sind schon merkwürdig: Am Gardasee traf ich mal ein Bike-Pärchen mit eindeutiger Rollenverteilung: Männchen fuhr konsequent vor-aus. Wenn eine Stelle seiner Ansicht nach zu schwierig für Frauchen war, gab er einen schrillen Pfiff von sich. Sie stieg in Pawlowscher Manier ab (ich glaube, ohne zu sabbern) und schob die Stelle. Dabei erschien sein Kopf gar nicht so groß, dass ein zweites Gehirn Platz drin ge­habt hätte. Eher im Gegenteil. Aber jetzt Schurz beiseite. Damit die Mountainbiketour nicht nur einem Spaß macht, sollte man ein paar Regeln beachten: Zusammen, nicht gegeneinander fahren! Der Schwächere bestimmt stets das Tempo. Der Stärkere kann unterstützen (und sich ein abendliches Extralob sichern), indem er Packesel-like Gepäck abnimmt, Transalp-Esel-like den Partner bergauf zieht oder einfach nur motiviert. Lange Anstiege sollte zwar jeder in seinem Wohlfühltempo (ein Gang leichter als die subjektiv richtige Übersetzung) fahren, aber auf den Partner zu warten ist ein Zeichen von Stärke. In dem Moment, in dem der Langsamere gerade ankommt, weiterzufahren ist dagegen wenig galant (und stört auch den eigenen Rhythmus). Vermeiden Sie Pausen-Orgien, sonst kommen Sie nie in Ihren Rhythmus. Eine große Pause mittags muss aber sein! Die Frage „Fährst du oder ich?“ erübrigt sich beim Biken eh, also bleiben besser beide nüchtern. Bergab fährt der Stärkere voraus und gibt den besten Weg vor. Auch ohne Pfeifen lernt der hintere Fahrer vom vorderen viel über Linienwahl, erkennt mögliche „Stolpersteine“ und kann selbst entscheiden, ob er die Stelle fährt oder nicht. Ein „vielleicht“ bedeutet immer „nein“. An schwierigen Stellen können sich Partner auch gegenseitig spotten.

So besiegen Sie gemeinsam Murphy‘s Law

Der Teufel steckt am liebsten im Detail: Hast du die Powerriegel oder ich? Haben wir eigentlich den Wagen abgeschlossen? Und den Herd ausgemacht? Gerade bei Bike-Touren gilt: gut geplant ist halb gefahren. Denn Tourenvorbereitung ist wie Kochen. Wenn alle Zutaten griffbereit daliegen, flutscht es. Und irgendwann wird das Vorspiel zur Tour eine regelrechte Choreographie von zwei Könnern, die sich blind verstehen. Der eine packt die Hardware, der andere die Software. Klamotten jeder selbst. Murphys Klassiker: Er hat Autoventile am Bike und einen passenden Ersatzschlauch, sie hat Rennradventile und eine Platten. Flickzeug? Fehlanzeige. Jetzt ist ein langer Marsch angesagt. Zumindest für eine(n).

So kommt man beim Après- Bike auf Touren

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Schon unsere Vorfahren trauten sich nur vor die Höhle, um sich danach ob ihres Heldenmuts zu Hause richtig verwöhnen zu lassen. Biketouren sind nichts anderes: die neuzeitliche Form der Selbstbelohnung nach überstandenem Abenteuer. Daher schießen auch Bikehotels wie Pilze aus dem Boden. Ihr Motto: sich untertags austoben und leerschwitzen und sich abends feiern lassen – Schulterklopfen vom Hotelchef, Kneten von der Masseurin und Schlemmen im Sternerestaurant inklusive.
Das Après-Bike hat mit dem Partner naturgemäß andere Gesetzmäßigkeiten als mit den Stammtischkumpels oder dem Hühnerstall. Das möglichst schnelle und großvolumige Auffüllen der Kohlenhydrat- und vor allem der Flüssigkeitsspeicher steht hier nicht ganz oben auf der To-do-Liste. Eher der Austausch von Körperflüssigkeiten. Und das macht im Pleasure Dome eines Wellnesshotels fast noch mehr Spaß als im Matratzenlager einer Hütte. Obacht: Der gemeine Hexenschuss schießt einem gerne dann in die Glieder, wenn man am tiefenentspanntesten ist. Eben wie im echten Leben: Gute Zeiten, schlechte Zeiten!

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