Teil des
MB Westalpen-Cross - Tag 5 Trail Albert Müller
MB Westalpen-Cross - Tag 2  Refuge Napoléon
MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 3
MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 2
MB Westalpen-Cross - Tag 2  Hinter dem Col de Mary
MB Westalpen-Cross - Tag 4 Fort Central am Tendapass 9 Bilder

Westalpen-Cross: Alle Infos, plus Routenbeschreibung und GPS-Daten

Wilder Westen

Fünf Freunde, fünf Tage, ein Ziel: das Mittelmeer! Der abenteuerliche Weg dorthin führt durch einen der wildesten Teile der Westalpen.

Westalpen-Cross - in fünf Tagen vom Col d'lzoard ans Mittelmeer:

Wolfi drückt der Schweiß aus allen Poren – obwohl es gerade bergab geht. Und zwar so steil, dass Anhalten riskanter wäre als Weiterfahren. Hinter ihm folgen seine Freunde, unüberhörbar, ein Gemisch aus Bremsgeräuschen, Kettenschlagen, wegspritzendem Schotter und schwerem Keuchen signalisiert ihm jederzeit den Abstand.

Da, endlich eine Möglichkeit, um die erlahmenden Hände und schmerzenden Arme auszuruhen und die glühenden Bremsscheiben abkühlen zu lassen. Er stoppt, seine Freunde lassen sich ebenfalls nicht dreimal bitten. Nun kann Wolfi endlich sagen, was er die ganze Zeit loswerden wollte: „Danke, dass Ihr diese Route ausgearbeitet habt. Ein Traum!“

Nach wochenlanger Vorbereitung, Recherche und dem Auskundschaften einzelner Teilstrecken im Herbst zuvor sind die fünf Allgäuer Freunde zusammen losgezogen, um ein lang gehegtes Projekt zu realisieren: ein Alpencross jenseits der ausgetretenen Pfade, durch die wilden Westalpen.

Ein Cross, der einige Strecken miteinander verbindet, die sie schon lieben gelernt haben: an den hohen Pässen in Frank­reich, berühmt durch die Tour de France, im einzigartigen Valle Maira im Piemont und entlang der berühmten Ligurischen Grenzkammstraße. Gesagt, geredet, ge­plant, gezweifelt – und doch getan: Albert, Iris, Petra, Verena und Wolfi sind am Start ihres Westalpencross vom Col d’Izoard in den französischen Hochalpen nach Ventimi­glia am italienischen Mittelmeer.

Ein gutes Omen für die ganze Reise: Gleich der erste Abend beginnt wie ein romantischer, französischer Film. Im Refuge Napoléon, gleich unterhalb des Col d’Izoard, kochen drei nette Wirtinnen ein Bilderbuch-Menü. Wir speisen umrahmt von Schwarzweiß-Fotografien der Rennrad-Heroen vergangener Zeiten.

Bevor wir in die rot-weiß-karierte Bettwäsche sinken, lernen wir noch eine Spezialität der Gegend kennen: Genepi. Diesen Schnaps gibt es zwar auch zu kaufen, aber jeder Wirt, der etwas auf sich hält, stellt ihn selbst her. Die Zutaten: hochprozentiger Alkohol, Zucker und Bergkräuter, die nur auf einer Höhe zwischen 2200 und 3600 Meter wachsen. Angeblich ist der Genepi für die Gesundheit und das lange Leben der widerstandsfähigen Schafhirten zuständig. Dann sollte er ja auch Alpencrossern helfen.

Früh aufgestanden und weit geradelt wird am nächsten Morgen trotzdem: Die Scheiben der Autos sind noch vereist, als wir starten. Zum Aufwärmen geht es gemächlich bergauf zur Passhöhe des Col d’Izoard auf 2280 Metern Höhe. Dort ist großes Staunen angesagt. „Hier sieht es aus wie in der Wüste Arizonas“, schwärmt Iris und kann kaum genug bekommen von der surrealen Landschaft.

Doch dann reißen wir uns los, schließlich liegt bisher nur der Prolog hinter uns. Nach einer kurzen, aber frostigen Abfahrt biegen wir auf einen schmalen Pfad ein, der zum Col de Tronchet hinaufführt. Wir keuchen. Aber wir lächeln auch. Trotz steiler Rampen ist der Trail komplett fahrbar – eigentlich. Für jene jedenfalls, die gleichermaßen mit technischer Raffinesse und 1a-Ausdauer gesegnet sind. Oben am Pass wartet die Belohnung auch für die Schiebenden. In einer Serpentinenparade führt der zwei Hand breite Weg hinab zum Weiler Souliers am Lac de Roue.

Danach wird’s heftig: Extrem steil, teilweise mit lockerem Schotter bedeckt, über große Stufen und Wurzelpassagen führt der Wanderweg hinab. Wer nicht schiebt, jubelt. Und Wolfi findet jetzt schon, dass das ein Traumurlaub ist. Am Vormittag der ersten Etappe eigentlich ein bisschen zu früh für solch ein optimistisches Resümee.

Das staubige Abenteuer endet in Château-Queyras. Nun darf es zur Entspannung ruhig etwas Asphalt sein. Erst die letzte Auffahrt des Tages führt wieder über Schotter, hinauf zur Refuge de la Blanche. Auch diese Unterkunft hat etwas Filmreifes.

Die neu erbaute Hütte schmiegt sich malerisch an den Bergsee, das Hüttenwirtspaar feiert gerade den neuen Holz­ofen und ist zu Scherzen aufgelegt, ein Schafhirte treibt seine Herde zusammen. Im Hintergrund leuchten die majestätischen Berge der Dauphiné mit dem Pelvoux und der gletscherbedeckten Barre des Ecrins im Abendlicht.

Der neue Tag beginnt mit einer alten Erkenntnis: Je felsiger die Berge, desto weniger ist fahrbar. Die schroffen Gipfel des Roc de Niera und des Pan di Zucchero rundherum lassen auf eine spektakuläre Etappe hoffen. Zum Auftakt wartet aber eine 500 Höhenmeter lange Schiebe- und Tragepassage.

Allerdings auch ein rekordverdächtiger Übergang: Der Col de la Noire liegt immerhin auf 2955 Metern. Noch schnell ein paar Meter hinaufgewandert, schon ist die magische Dreitausend-Meter-Grenze durchbrochen. Was aber noch viel mehr wert ist: die wunderschöne Landschaft und der Pausenplatz in grünschwarz glitzerndem Schiefergestein. Und ein besonderes Spektakel: Der Schirokko-Wind weht heftig und warm aus Nordafrika. Er hat gelben Saharasand im Gepäck und taucht das karge Hochgebirge in surreale Farben.

Der raue Trail holt uns zurück in die Mountainbiker-Wirklichkeit. Extrem steil geht es hinab ins Tal der Ubaye. Gut, dass es im Talort – der einzigen Siedlung weit und breit in diesen einsamen Bergen – eine Gîte d’Etappe gibt. Wir freuen uns auf die Mittagspause, doch der Wirt erklärt, dass er nur auf Vorbestellung einkauft und kocht.

So fällt das Picknick am Fluss frugal aus: Energieriegel und ein geteilter Apfel. Doch bei so viel wilder Landschaft ist das fast egal. Auch, dass der nächste Anstieg wieder einiges an Schiebepassagen aufweist, schlucken wir tapfer.

Schließlich wartet oben der flüssig fahrbare Trail vom Col de Mary hinab ins Valle Maira. Dort hat sich die Pension Ceaglio in Vernetti in Biker-Kreisen eine gewisse Bekanntheit erarbeitet – und wir treffen hier zum ersten Mal seit zwei Tourtagen andere Biker.

Die berüchtigte Rocca Brancia steht tags darauf auf dem Programm. Die lässt sich nicht lumpen: Während wir uns die letzten Höhenmeter auf der verfallenen Militärpiste hochkämpfen, ziehen theatralisch dunkle Gewitterwolken auf. An der Passhöhe reißt uns der Wind beinahe die Regenjacken aus den klammen Fingern. „Nichts wie runter“, gibt Albert das Kommando. Natürlich erst, nachdem er fotografiert hat.

Schon nach wenigen Serpentinen kommt aber unbeschwertes Trailvergnügen auf: Der Wetterspuk hat sich verzogen. Wir können uns auf die Abfahrt konzentrieren. Gut so, denn die fordert uns alles ab. Außerdem ist das Ende der Etappe noch lange nicht in Sicht. Fast 50 Kilometer und einen kleinen Pass müssen wir noch abarbeiten, bis wir die Füße hochlegen dürfen.

„Nach über 75 Kilometern und 2150 Höhenmetern ist ein Nachtisch schon drin, oder?“ fragt Petra beim Abendmenü. Dem mag keiner widersprechen. Und zur Verdauung folgt auf das ­Mousse noch ein letzter Schluck Genepi. Morgen verlassen wir die Hochalpen.

Einsam und unerschlossen warten nun das südliche Piemont und die Seealpen. Im Vorjahr hatten wir ein paar Tage im Roaschia-Tal verbracht und einige wilde Steige entdeckt. Nach einer langen Schiebestrecke über Kuhtrampelpfade, durch Dornenbüsche und meterhohe Farnfelder finden wir nun zum Glück noch unseren Trail der Extraklasse wieder.

Drüben am Tendepass erinnern mehrere Fortanlagen an kriegerische Zeiten. Auf seiner Südseite winden sich spektakuläre Schotterserpentinen ins Royatal hinab. Wir verschmähen sie und nehmen den Wanderweg. „Das ist der wildeste Trail, den ich je gefahren bin“, verkündet Wolfi unten in Tende. Zum Abschluss der Adrenalin-Orgie rollen wir gemütlich nach La Brigue. Seit dem Mittelalter scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein.

Am letzten Tourtag strampeln wir hinauf auf den Kamm der Ligurischen Berge und reiten sie bis ans Mittelmeer. Mussolinis Kriegsbaumeister haben sie als militärische Versorgungsstraße angelegt. Weitgehend verläuft unsere Route deshalb über Schotterpisten mit mäßigen Steigungen. Doch auch an spektakulären, ­schmalen und felsigen Pfaden an steilen Hängen mangelt es nicht.

Obwohl das Meer schon in Sichtweite ist, geht es immer wieder bergauf. Uns rennt die Zeit davon. Erst in der Dunkelheit rasen wir in Windschattenformation die letzten Kilometer auf der Straße nach Ventimiglia. Das Ziel ist erreicht, Wolfis etwas verfrühte Bilanz war keineswegs übertrieben: „Ein Traum, dieser Alpencross.“

Noch mehr Tops-Spots für Biker:

OD 8 Ligurien-Spezial 0209_1
Italien
MB Flachau
Österreich
MB Mallorca - Torre d’Albarca
Rest der Welt
MB Serfaus Tour 2: Pfundser Tschey
Österreich

Touren

MB Westalpen-Cross - Tag 2  Hinter dem Col de Mary
Rest der Welt
MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 2
Rest der Welt
MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 3
Rest der Welt
MB Westalpen-Cross - Tag 4 Col de la Noire
Rest der Welt
MB Westalpen-Cross - Tag 5 Ligurische Küste
Rest der Welt

Kurz und kompakt: Alle Infos zum Westalpen-Cross

Westalpen-Cross in fünf Tagen - die schönsten Bilder

MB Westalpen-Cross - Tag 2  Refuge Napoléon
Albert Müller 1/9 Vom Col d'Izoard ans Mittelmeer: Beim fünftägigen Westalpen-Cross wartet ein handfestes Abenteuer auf Biker mit Biss. Gleich geht‘s los: Die Tour startet am Refuge Napoléon. Infos, Trailbook und GPS-Daten zum Westalpen-Cross : https://www.mountainbike-magazin.de/reise/touren/westalpen-cross-alle-infos-plus-routenbeschreibung-und-gps-daten.318523.2.htm
MB Westalpen-Cross - Tag 2  Refuge Napoléon MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 3 MB Westalpen-Cross - Tag 1 - Etappe 2 MB Westalpen-Cross - Tag 2  Hinter dem Col de Mary MB Westalpen-Cross - Tag 4 Fort Central am Tendapass MB Westalpen-Cross - Tag 4 Col de la Noire MB Westalpen-Cross - Tag 5 Dörfer MB Westalpen-Cross - Tag 5 Trail MB Westalpen-Cross - Tag 5 Ligurische Küste

Westalpen-Cross - in fünf Tagen vom Col d'lzoard ans Mittelmeer:

MB Westalpen-Cross - Übersichtskarte
Westalpen-Cross: die Route.

Lage: Der Col d´Izoard liegt oberhalb von Briançon im Département Hautes Alpes in Frankreich. Ventimiglia liegt an der italienischen Riviera, rund 15 Kilometer westlich von San Remo.

Beste Reisezeit: Oft liegt auf den hohen Pässen der Westalpen noch lange Schnee. Im Hochsommer sind die Wege normalerweise alle befahrbar. Top-Bedingungen herrschen meist im Spätsommer.

Anreise: Über die Autobahnen Brenner–Mailand–Turin zur Abfahrt Oulx, dann über den Montgenèvre und Briançon zum Col d´Izoard.

Übernachtungen: siehe Roadbook, vorherige Anmeldung ist vor allem im August (Urlaubszeit in Frankreich und Italien) sehr zu empfehlen!

Einkehr: Gîte de la Cure, Maljasset, Tel. 00 33/04 92/84 31 15. Rifugio Gardetta, Canosio, Tel. 00 39/ 3 48/2 38 01 58, Einkehr beide Male nur mit vorheriger Anmeldung!

Bikeguides: als geführte Tour buchbar vom 11. bis 18. Juli 2009 bei
www.alpindeluxe.de

Karten: IGN Blätter 3537 ET „Guillestre”, 3637 OT „Mont Viso” (beide im Maßstab 1:25 000), IGC Blätter 6 „Monviso“, 7 „Valli Maira Grana Stura“, 8 „Alpi Maritimi e Liguri“, 14 „San Remo Imperia Monte Carlo“ (alle im Maßstab 1: 50 000).

Literatur: Achim Zahn, Mountainbiketrails, Bruckmann ISBN 3-7654-4284-4.
Werner Bätzing, „GTA Teil 2: Der Süden“, Rotpunktverlag, ISBN 3-85869-257-3.

Info: Comité Régional du Tourisme Provence-Alpes-côte d’Azur, Tel. 00 33/(0)4 91/39 38 00, www.crt-paca.fr
TVB Genova, Tel. 00 39/010/5 48 51. www.regione.liguria.it, www.liguriainrete.it

Noch mehr Tops-Spots für Biker:

MB Serfaus Tour 2: Pfundser Tschey
Österreich
MB Mallorca - Torre d’Albarca
Rest der Welt
MB Flachau
Österreich
OD 8 Ligurien-Spezial 0209_1
Italien
Zur Startseite
Touren Rest der Welt MB 0519 Lesertour 2019 Pyrenäen Leser berichten: MTB-Männertrip in die Pyrenäen

Was tun, wenn der Winter auf sich warten lässt? Die Bike-Saison...

Mehr zum Thema Reise- und Touren-Tipps bei MountainBIKE
MB 0618 Alpencross Special
Reisetipps
mb-0717-odenwald-06-ralf-schanze (jpg)
Deutschland
MB-Tourensonderheft-2017-Biken-in-Deutschland (jpg)
Reisetipps
mb-0517-groeden-01-andreas-kern (jpg)
Italien