Teil des
MB 0518 Trailguide Portes de Soleil Christian Penning

Trailguide Portes du Soleil + GPS-Daten

Trailguide Portes du Soleil

Wer einmal in der grenzüberschreitenden Bikeschaukel namens „Portes du Soleil“ war, kommt wieder – garantiert! Ein Netz mit 21 Lifen und 600 Kilometern Trails erschließt die mit Abstand größte zusammenhängende Bikeregion der Alpen. Und das Beste daran ist der perfekte Mix für alle Könnensstufen.

Das Paradies liegt nur eine Tagesreise entfernt. Der Weg dorthin führt durch die Schweiz, einmal von Nord nach Süd, schließlich am Genfer See entlang. Aber die Kurverei lohnt sich. Verschlungen wie ein Singletrail windet sich die Straße aus dem Rhônetal bei Monthey in die Berge des Wallis und Hochsavoyens. Die letzten Kilometer lassen erahnen, was einen erwartet: Auf der einen Seite wettergegerbte Holzhäuser, blühende Almwiesen, sonnenbadende Schmetterlinge. Auf der anderen Seite 21 Life, 600 Kilometer Bike-Strecken und fünf Bikeparks. Das Paradies! Zumindest für Biker. Gestatten: Portes du Soleil. Sammelbegriff für die Bergtäler rund um Champéry und Morgins auf Schweizer Seite und Châtel, Avoriaz, Morzine und Les Gets jenseits auf französischem Boden. Mein erster Trip nach Portes du Soleil liegt schon eine Weile zurück. Zehn Jahre, um genau zu sein. Schon damals fel diese kleine Weltreise unter die Kategorie „bewusstseinserweiternd“. Höchste Zeit also, mal wieder vorbeizuschauen.

Mit dabei ist Rocky-Mountain-Teamfahrer Florian Konietzko. Auch wenn er gerade erst in Whistler war, kommt er aus dem Staunen kaum heraus. Was Whistler auf dem amerikanischen Kontinent, das ist Portes du Soleil in Europa: eine Bikeregion, die neue Maßstäbe setzt. Hier wird auf dem Bike nicht nur die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich überschritten, auch der Übergang zwischen Bikepark, Freeriden und Tourenbiken ist fließend. Man schnappt sich einfach die Gondel oder den Sessellif, schon geht’s zum nächsten Berg, hinab ins nächste Tal und wieder hinauf mit der Bahn. Langeweile? Fremdwort! Auch wer drei Wochen bleiben könnte, würde es nicht schaffen, alle Trails zu shredden.

Uphill-Flow: neue Trails für E-MTBs

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Nicht einmal mit Motorunterstützung. In der Verleihstation von Rolf Sigg in Morgins stehen EMTBs direkt neben Downhill-Boliden. Der 55-Jährige zählt zu den Mountainbike-Urgesteinen von Portes du Soleil. Er schlägt die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. „1991 haben wir in Morgins das erste Downhill-Rennen in der Region organisiert“, erzählt er. „Die Franzosen haben dann schnell nachgezogen.“ Seit 30 Jahren steht Rolf im Sommer in seinem Bikeshop oder arbeitet als Bikeguide und Bikeinstructor. Buchhalter seines Geschäfs ist Benoit Bellay, Downhill-Weltmeister in der Masters-Klasse. Biken ist in Morgins und im Nachbarort Champéry längst die Sommersportart. 2011 fanden hier die Weltmeisterschafen statt. Räder und Rubel, sprich Franken, rollen. „Doch der ganz große Schub“, so Rolf, „der bahnt sich gerade erst an.“ Er deutet auf ein E-MTB. „Kommt, wir drehen eine Runde!“

Locker kurbelnd, ohne große Krafanstrengung geht es hinauf nach Champoussin. Wie in einer endlosen Kamerafahrt ziehen die 3200 Meter hohen Felszacken der Dents du Midi und der Dents Blanches vorbei. Beinahe schwerelos gleiten die Bikes über das Almgelände. Von hinten summen ein paar graumelierte Herren heran, enteilen mit einem freundlichen Lachen. „Versteht ihr jetzt, was ich meine?“, fragt Rolf. Die Antwort gibt er selbst. „Das hier ist die Zukunf! Mit E-Bikes kann jeder Spaß haben, unabhängig von Alter und Fitness.“ Als müsste er sein Statement untermauern, hält er auf einen fesen, grobschottrigen Anstieg zu. „Selten so viel Spaß gehabt – bergauf!“, klatscht Flo oben in die Hände. „Jetzt weiß ich, was Uphill-Flow ist!“ Trotz flächendeckender Erschließung der Bikeregion mit Lifen setzen die Macher von Portes du Soleil auch voll auf E-Biker. Die werden mit einem speziellen Streckennetz elektrisiert. Auf dass der Flow niemals enden möge, gibt’s ein lückenloses Netz von Schnellladestationen an allen wichtigen Hotspots.

Auch wenn es am nächsten Tag erst vormittags bergab geht, schnellt Flos Puls schon am Morgen in die Höhe – beim Blick auf die Trail-Map im Bikepark Châtel: Was er da nämlich sieht, ist dunkler und aufputschender als ein doppelter Espresso auf nüchternen Magen: neun schwarze, doppel-schwarze und triple-schwarze Strecken! „Klingt nach einer Mission“, grinst er und nimmt im Sessellif neben Nicolas Gautherot Platz.

Klingt nach dem Traumjob: Bikepatroler

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Für den 43-Jährigen sind die Berghänge bei Pré la Joux seit 13 Jahren Arbeitsplatz und Spielwiese zugleich. Im Winter als Skipatroler, im Sommer leitet er die Bikepatrol. Zusammen mit acht Kollegen kümmert er sich um Streckenbau und Instandhaltung sowie um die Sicherheit im Bikepark. „Der Grund hier gehört der Gemeinde. Da Châtel aber voll hinter dem Bikepark-Projekt steht, ist es für uns relativ einfach, attraktive Strecken umzusetzen“, erzählt Nicolas. Mittlerweile sind es 20, plus eine Drop Zone mit Big Airs sowie zwei Pump Tracks. Und natürlich zeigt die Trail-Map neben Schwarz auch Grün, Blau und Rot – der richtige Mix für alle Könnensstufen.

Wir könnten noch mehr Trails bauen“, meint Nicolas, als er nach der ersten Aufwärmrunde den Vollvisierhelm abnimmt. „Aber dann bräuchten wir eine größere Crew, um sie in Schuss zu halten. Also konzentrieren wir uns derzeit eher darauf, bestehende Trails zu verbessern. Auch wenn du of hierher kommst, sollst du immer wieder was Neues entdecken können. Wir arbeiten permanent an neuen Sprüngen und Varianten. Außerdem wollen wir die Trails möglichst haltbar und nachhaltig anlegen.“

Auch versuchen Nicolas und seine Crew, möglichst viel Feedback von den Bikepark-Besuchern in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Ihre Rechnung scheint voll aufzugehen. Der Bikepark von Châtel boomt. „Wir haben im Sommer pro Tag und Lifdurchschnittlich 2500 bis 3000 Bergfahrten“, überschlägt Nicolas, „für den gesamten Bikepark macht das 5000 bis 6000 Bergfahrten täglich.“ Hinzu kommen die Bikeparks in den Nachbartälern, in Les Gets, Morzine, Morgins und Champéry. Als die Life schon stillstehen, hat Flo immer noch nicht genug. „Einmal noch“, wünscht er sich. Nicolas wiegt den Kopf ein paar Mal hin und her. Dann sagt er: „Okay! Ich muss eh noch eine Kontrollfahrt machen.“ Mit dem Allrad-Cart bringt er Flo noch mal auf den Kamm am Col de Bassachaux. Flo kann sein Glück gar nicht fassen. Seinen finalen Ritt dieses Tages taufte er später „Ride to Paradise“.

Zwei Tage sind wir nun schon unterwegs, haben aber erst einen Bruchteil der 600 Kilometer Mountainbikewege und Trails unter die Stollenreifen genommen. „Eine tolle Gelegenheit, einen Eindruck von der Größe und Vielseitigkeit der Bikeregion zu bekommen, ist unsere Pass’Portesdu-Soleil-Route“, schlägt Bikeguide Guillaume Rosset am nächsten Morgen vor. Jedes Jahr zum Saisonstart Ende Juni pilgern tausende Biker nach Portes du Soleil, um zu dieser Riesen-Enduro-Runde mit Lifunterstützung anzutreten. Die Rahmendaten: 80 Kilometer, 1000 Höhenmeter Anstiege, 6000 Höhenmeter Abfahrten. Krass.

Voll abgefahren, dieser Enduro-Marathon!

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Einen Teil davon, rund um Morzine und Les Gets, will uns Guillaume heute zeigen. Beim Pass’Portes du Soleil ist die Zeit nebensächlich. Was zählt, ist das Erlebnis. Statt Powerriegel werden an den Verpflegungsstationen regionale Spezialitäten wie „Tartiflette“ und „Raclette“ kredenzt. Kein Wunder, dass mehr als 7000 Teilnehmer aus 46 Nationen im vergangenen Jahr bei dem EnduroEvent starteten. Das klingt nach Trubel. „Keine Sorge! Es gibt immer noch mehr als genug ruhige Ecken hier“, zwinkert Guillaume Flo zu. „Kommt mit!“ Auf dem Höhenzug über Les Gets folgt er einem staubigen Weg etwas abseits der Life. Nach einer Viertelstunde ist das Ziel erreicht: eine Hütte am Bergkamm. Sie gehört Guillaumes Familie. Eine Stunde später brutzelt auf der Terrasse das Käsefondue. Die Grillen zirpen. Passend zu dem lauen Sommerabend gibt es leichten Wein. Die untergehende Sonne taucht die Hügel in goldenes Licht. Ein paar Minuten später erglühen am Horizont die Eisfelder des Mont Blanc wie Lava in feurigem Orange. Guillaume hebt das Glas. „Auf unser kleines Paradies!

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