MB 06/2022: Trailguide Monte Grappa Adrian Greiter
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Trailguide Monte Grappa

Mountainbiken in den südlichen Dolomiten Trailguide Monte Grappa

Steile oder ausgesetzte Trails, eine pittoreske Stadt, liebliche Landschaften – am Monte Grappa, dem südlichsten Ausläufer der Dolomiten, wartet ein MTB-Paradies. Nur der Schnaps, der fehlt.

Touren rund um den Monte Grappa

1. Monte Tomba

Mehr zum Thema:
Länge 9,97 km
Dauer 1:14 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 553 Meter
Höhenmeter absteigend 553 Meter
Tiefster Punkt 255 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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2. Salto di Capra

Mehr zum Thema:
Länge 22,16 km
Dauer 3:00 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1162 Meter
Höhenmeter absteigend 1164 Meter
Tiefster Punkt 311 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Sentiero 153

Mehr zum Thema:
Länge 42,24 km
Dauer 4:35 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1734 Meter
Höhenmeter absteigend 1735 Meter
Tiefster Punkt 161 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Col d'Anzana

Mehr zum Thema:
Länge 37,84 km
Dauer 4:25 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1589 Meter
Höhenmeter absteigend 1588 Meter
Tiefster Punkt 160 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Lage & Charakter: Der Gebirgsstock des Monte Grappa ist der südlichste Ausläufer der Dolomiten und liegt zwischen den Flüssen Brenta und Piave in Venetien. Nach Süden fällt das Massiv, das über 30 Gipfel umfasst, abrupt von 1700 Metern bis auf 150 Meter in die venezianische Tiefebene ab. Durch die Südseite zieht eine Vielzahl alter Militärwege, die im 1. Weltkrieg an dem zwischen Österreichern und Italienern schwer umkämpften Berg angelegt wurden. Im restlichen Massiv gibt es zahlreiche lohnende Trails zu entdecken. Die meisten der schmalen Wege sind allerdings technisch anspruchsvoll, man sollte sowohl fahrerisch als auch konditionell fortgeschritten sein, um hier Spaß zu haben! An klaren Tagen kann man vom Gipfel aus Venedig und die Adria sehen! Am Südfuß des Massivs liegt Bassano del Grappa, eine wunderschöne, historische Stadt mit rund 45 000 Einwohnern.

Anreise: Die Anreise mit dem Pkw in die Region von Bassano del Grappa erfolgt über den Brenner. Anschließend entweder bis Trento auf der Autobahn und dann entlang der Brenta durch das Valsugana. Oder bis Verona auf der A 22 und dann weiter über Vicenza und Castelfranco. Mit dem Zug gestaltet es sich leider umständlicher und zeitraubender: Von München geht es über Salzburg, Villach und Udine nach Vicenza, von wo man mit zweimaligem Umsteigen oder dem Bus nach Bassano weiterreisen muss. Der nächstgelegene Flughafen ist Venedig.

Beste Reisezeit: Auch wenn der Monte Grappa auf der Alpensüdseite liegt, es nicht weit bis ans Meer ist und seine 1775 Meter Höhe nicht imposant klingen, handelt es sich bei dem Massiv doch um alpines Gelände! Im Winter werden Schneehöhen bis zu sieben Metern erreicht, der Schnee kann sich in den Hochlagen entsprechend lang halten. Die beste Reisezeit für Biker*innen liegt zwischen Mai und Oktober, wobei man in trockenen Wintern auch noch im November super biken kann. Dann kann es aber auch tagsüber empfindlich kalt werden.

Übernachtung: In der Region gibt es zig Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel. Speziell auf Biker*innen eingestellt ist das Hotel alla Corte bei Bassano: allacorte.bike. Einen guten Überblick über weitere Betrieb liefert diese deutschsprachige Seite: visitproseccohills.it/de/wo-ubernachten

Guiding & Shuttle: Eine Gondel gibt es am Monte Grappa nicht, dafür führen mehrere Straßen bis auf den Gipfel. Ein Umstand, den sich die Gleitschirmflug-Szene zunutze macht – aber Anbieter Fausto Bosa fährt auch bis zu neun Biker*innen inklusive Sportgerät auf den Berg: my-prodriver.com/bike-shuttle-monte-grappa

Abseits des Trails:

  • Wenn man am Monte Grappa unterwegs ist, ist ein Besuch des Sacrario Militare di Cima Grappa am Gipfel Pflichtprogramm. In diesem monumentalen Denkmal ruhen die Gebeine von 12 615 italienischen und 10 295 österreichischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an diesem Berg gefallen sind. Da es zur Wahrung der Totenruhe nicht erlaubt ist, das Bike mit auf das Gelände zu nehmen, für die Visite unbedingt ein Schloss einpacken.
  • Am nördlichen Ortsrand von Possagno, dem Startpunkt von Tour 2, steht ein außergewöhnliches Gebäude, das nur wenige auf den ersten Blick als Kirche identifizieren würden. Der neoklassizistische Bau namens Tiempo Canoviano, der von außen an einen griechischen Tempel erinnert und im Inneren an das Pantheon in Rom, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vom berühmten Bildhauer Antonio Canova entworfen, der aus dem kleinen Ort stammte.
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Adrian Greiter
Genuss ist das zentrale Thema der Region. Sei es in der malerischen Natur oder wie hier bei einer Prosecco-Verkostung mit weiteren regionalen Spezialitäten.

Trailguide: Monte Grappa

Dichte Nebelschwaden wabern vor mir, Felix, der ein Stück vor mir fährt, kann ich nur schemenhaft erkennen. Die Szene wirkt mystisch und unheimlich, umso mehr, weil wir auf einem geschichtsträchtigen Weg am Monte Grappa unterwegs sind. Ein Stück vor Felix, irgendwo im Nirgendwo, plagt sich unser Guide Luciano die ansteigende Querung unter dem Monte Meatte hoch. Er hatte eine halbe Stunde zuvor für große Augen bei uns gesorgt, als er erklärte, dass er den von uns anvisierten Sentiero 153 zwar schon oft gelaufen sei, aber niemals auf die Idee käme, ihn mit dem Mountainbike zu befahren. Das sei ihm viel zu gefährlich, da der Weg im oberen Teil sehr schmal und komplett in den Felsen gehauen ist und deshalb ständige Absturzgefahr bestehe. "Ich wünsche euch am Einstieg des Trails viel Glück und werde eine andere Route nach unten wählen", so Luciano. Da dieser Trail schon lange ganz oben auf unserer Tourenliste steht, wollen wir jedoch nicht von unserem Plan ablassen. Noch nicht. Denn etwas mulmig ist mir jetzt schon ... Zuerst müssen wir aber diesen Anstieg hoch, und das ist schon beschwerlich genug. Stetig geht es bergauf, die riesige Felswand links von uns lässt den dichten Nebel abprallen und die Feuchtigkeit sammelt sich auf dem Weg.

Ein geschichtsträchtiger Berg

Der Monte Grappa war im Ersten Weltkrieg zwischen italienischen Soldaten und denen aus Österreich- Ungarn blutig umkämpft und forderte zehntausende Opfer. Alleine 1918, in der letzten der drei Piaveschlachten (benannt nach dem Fluss Piave), beklagte Italien nach eigenen Angaben knapp 40 000 Tote und Verwundete, davon fiel ein Großteil rund um den Grappastock, wie das Massiv auch heißt. Verfallene Schützengräben, Ruinen von Kasernen und Befestigungsanlagen oder ein Tunnelsystem zeugen noch heute von den unfassbaren Gräueltaten, aber auch von den wahnwitzigen Bauleistungen während des Krieges. Innerhalb weniger Wintermonate wurde 1917/18 ein schier unglaubliches Netz von Militärwegen in den Berg geschlagen und gesprengt, um die Versorgung der Frontlinie im Gipfelbereich zu gewährleisten. Auf einem dieser Wege sind wir nun unterwegs. Ich stelle mir unweigerlich vor, welche Tragödien sich damals zugetragen haben müssen, als der Stellungskrieg, zum Teil im tiefen Winter, seinen Höhepunkt erreichte. Der Gedanke lässt mich inmitten der Nebelschwaden noch mehr schaudern.

Der Schicksalsberg ist mit 1775 Meter Höhe der südlichste Gipfel der Dolomiten, die höchste Erhebung der gleichnamigen Bergkette und zwischen den Tälern der Flüsse Brenta und Piave gelegen. Der Gipfel ist von der malerischen Stadt Bassano del Grappa aus bequem über eine 30 Kilometer lange, gut ausgebaute, jedoch auch stark befahrene Straße zu erreichen. Am höchsten Punkt befindet sich neben dem Rifugio Bassano das von den Faschisten 1935 eingeweihte, riesige Sacrario Militare di Cima Grappa, Gedenk-, aber auch Grabstätte für rund 23 000 Tote am Monte Grappa. Dieses monumentale Mahnmal darf nur zu Fuß begangen werden und wird streng bewacht.

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Adrian Greiter
Über diese Brücke musst du fahren ... Die berühmte rote Alpini-Brücke führt uns direkt in die Altstadt von Bassano del Grappa.

Ich versuche, mich wieder auf den Uphill zu konzentrieren. Ständig verschwindet Felix im dichten Grau, das den Blick in den Abgrund neben uns gnädig verhüllt. Wir queren immer wieder kurze Tunnel und Felsentore, welche die Pioniere damals in den Fels gesprengt haben. Auch die Wegbreite variiert, oftmals wird Biken durch steilere Abschnitte oder große Steine direkt in der Fahrspur unmöglich. In Anbetracht dieser Schinderei und des unsichtbaren, aber gefühlt doch sehr präsenten Felsabbruchs direkt neben der Wegspur beschleichen mich immer mehr Zweifel ob unseres Vorhabens. Aber bekanntlich hat alles ein Ende, so auch dieser Weg – und die dunklen Gedanken. Nur der Nebel klammert sich nach wie vor an die Hangkante, als wir endlich am Abzweig des Sentiero 153 stehen. Nichts ist es mit der angeblich epochalen Aussicht, mit Blicken auf die nahen, schroffen Berghänge, die dahinter liegenden, lieblichen "Prosecco Hills" oder die venezianische Tiefebene. Allerdings umkräuselt uns ein leichter, warmer Wind, was Luciano zu einer Empfehlung bewegt: "Vielleicht wartet ihr noch eine halbe Stunde. Am Morgen haben wir öfter schlechtes Wetter, dann kann es schnell zur Wetterbesserung kommen – und ihr habt zumindest ein wenig bessere Sicht!"

Eigentlich einfach, aber ...

Am Monte Grappa herrscht grundsätzlich Mittelmeerklima, jedoch mit alpinem Einschlag: So ist es im Winter oft bitterkalt, und der Schnee türmt sich schon mal mehrere Meter hoch. Aber es kann auch durch den Schirokko, einen warmen Wind aus südbis südöstlicher Richtung, plötzlich zu einem extremen Temperaturanstieg kommen. Im Sommer stellt sich oft brütende Hitze ein, die durch den oft starken Wind jedoch ein wenig erträglicher wird. Wie wechselhaft das Wetter hier sein kann, zeigt auch unser bisheriger Tag. Beim Start in Bassano del Grappa war es sommerlich, während wir jetzt, bei gefühlt 20° Celsius weniger, im Nebel schlottern.

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Adrian Greiter
Bergradeln am Abgrund: Ein Sturz kann auf dem Sentiero 153 fatale Folgen haben!

Luciano verabschiedet sich wie angekündigt in die andere Richtung. Wir folgen seiner Empfehlung und warten fröstelnd auf Wetterbesserung. Und tatsächlich, schon nach einer Viertelstunde lockert es langsam auf, und wir können mit genug Sicht in unser Vorhaben starten. Gleich bei der Anfahrt zur ersten Serpentine wird klar, worauf wir uns einge lassen haben: Der schmale Trail durchschneidet wie mit einem Messer eingeritzt den extrem steilen Wiesenhang. Die erste Spitzkehre ist sehr eng, mit einer garstigen Stufe versehen, und mein Blick gleitet am Scheitelpunkt unmittelbar in die Tiefe, wo weit unten etliche weitere Kehren auftauchen. Maximal konzentriert fahren wir die ersten Meter. Der Weg ist eigentlich nicht schwierig, birgt aber doch Gefahren, da viele lose Steine herumkullern, teils noch feucht vom Nebel. Spitzkehre um Spitzkehre hangeln wir uns vorsichtig nach unten, fokussiert auf eine ruhige und saubere Fahrtechnik. Ein Versetzen des Hinterrades ist nicht immer erforderlich, durch das lose Geröll auch oft nicht angeraten. Denn die Absturzgefahr bei einem Fahrfehler ist stets präsent: Wer jetzt nicht wirklich zu 100 Prozent sicher unterwegs ist, schiebt das Bike! Mutproben sind hier verboten.

Ein Weg der Superlative

Der Nebel hat sich inzwischen weitgehend verzogen, und die Sonne reflektiert auf den Steinen. Nach den ersten zwanzig Spitzkehren halten wir an und klatschen uns begeistert, aber auch erleichtert ab, immer noch vollgepumpt mit Adrenalin. An einer gegenüberliegenden Felsrippe hat sich eine Gämse nach vorne gewagt und schaut interessiert zu uns hinüber. "Die ist ja mutig, so weit vorne an der Kante", meint Felix. Kaum hat er es ausgesprochen, merken wir, dass wir ähnlich exponiert unterwegs waren – und unsere Anspannung löst sich schlagartig mit einem herzhaften Lachen.

Nach der kurzen Pause geht es weiter, wir rollen durch zwei kleine Felsentore, dann folgen eng hintereinander gebaute Doppelserpentinen. Die Aussicht auf die umliegenden Berghänge ist gewaltig, und immer wieder halten wir nun inne und genießen. Schließlich macht der Trail einen kleinen Knick und führt uns in waldiges Gefilde. Dort wird der Pfad ein wenig breiter, der Fahranspruch bleibt jedoch durchaus hoch. Wurzeln und Geröll würzen unseren Weg, die Kehren und Kurven lassen sich aber durchwegs gut durchrollen. So entspannen wir uns langsam, öffnen mehr und mehr die Bremse und surfen schließlich juchzend die letzten Meter des Weges ab. Wir sind uns einig: ein Trail der Superlative, aber mental enorm fordernd und für weniger versierte Bikerinnen und Biker (zu) gefährlich.

Ein Berg, fast unzählige Trails

Auch die kommenden zwei Tage sind wir direkt am Monte Grappa unterwegs. Die Auffahrt erleichtern wir uns diesmal mit dem Shuttle von Fausto (siehe Infocenter), um Zeit und Kraft zu sparen, denn die Trailvielfalt ist größer als an jedem anderen Berg der Alpen, den ich kenne. Und das will ja ausgeschöpft werden. An buchstäblich allen Ecken und Kanten des Berges führen lange, meist spektakuläre Wege nach unten. Und weil die Talsohle tief unten auf rund 100 Metern über dem Meer liegt, kommt bei der Abfahrt eine beachtliche Zahl an Tiefenmetern zusammen. Die ersten davon verlaufen stets im freien Gelände auf der kahlen Kuppe des "Schnapsbergs", sodass wir jedes Mal einen genialen Blick in die venezianische Tiefebene genießen. Bei klarem Wetter reicht die Sicht vom Gipfel gar bis nach Venedig und zur Adria, gelegentlich bis an die kroatische Küste und zu den Gipfeln Sloweniens.

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Adrian Greiter
Ein typischer Wegverlauf an der Südseite des Monte Grappa: Erst geht es durch einen in den Fels gesprengten Tunnel, dann am Abgrund entlang.

Dieser Berg stellt aber nicht nur für die Stollenradfraktion ein attraktives Ziel dar, auch in der Gleitschirmflug-Szene ist der Monte Grappa Kult und einer der beliebtesten und besten Spots am südlichen Alpenrand. Und auch für Wanderer und Trailrunner sind die zahlreichen Wege natürlich interessant, weshalb an Wochenenden und im Hochsommer größere Menschenströme unterwegs sein können. Vor allem die Woche rund um den italienischen Feiertag Ferragosto (15. August) sollte man daher eher meiden. Zumal sich an weniger überlaufenen Tagen die vielen architektonischen Sehenswürdigkeiten, die beeindruckenden Gedenkstätten an das Grauen des Ersten Weltkrieges, aber natürlich auch die zahlreichen Bars und Ristoranti viel eindrücklicher erleben lassen.

Und wer nach einer langen und womöglich aufregenden Tour in der pittoresken Altstadt von Bassano del Grappa genüsslich bei venezianischen Köstlichkeiten und einem Glas Prosecco den Tag Revue passieren lässt, fühlt sich dem Paradies mal wieder ein bisschen näher. Biken am Monte Grappa ist einfach ein hochprozentiges Vergnügen – auch wenn die Trails eher ausgesetzt als steil sind und der berühmte Schnaps gar nicht von hier stammt ...

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