Trailguide Massa Martittima Adrian Greiter
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Trailguide Massa Martittima 17 Bilder

MTB-Trailguide Massa Marittima

MTB-Spaß in der Toskana Trailguide Massa Marittima

Massa Marittima – der kleine Ort in der Toskana steht wie kein anderer für die perfekte Symbiose aus Trails, Natur und Kultur. Auch wir haben dort traumhafte Tage verbracht.

Touren um Massa Marittima

1. Olio & Vino

2. Facce Sorridenti

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Adrian Greiter
Rock it! Die Einfahrt zum „Freeride“ am Monte Arsenti gibt einen Vorgeschmack auf den Charakter des Trails.

3. Monte Arsenti

4. Giro al mare

Infocenter

Lage & Charakter: Massa Marittima liegt in der Toskana, in der Region Grosseto, nur 15 km vom Meer entfernt am Golf von Follonica. Eingebettet in die pittoresken Hügel der Maremma, bietet der Ort mit dem Trailpark Monte Arsenti und einem Bike-Wegenetz von über 600 km, darunter weit über 150 Trails, beste Infrastruktur für den perfekten Bikeurlaub. Massa Marittima ist die MTB-Hochburg der Region und hat sich zu einer festen Größe in der Szene entwickelt.

Anreise: Aus Deutschland mit dem Auto über die Schweiz (A 2), vorbei an Mailand und Parma nach La Spezia und dann auf der Küstenautobahn bis Follonica und weiter nach Massa Marittima. Alternativ über den Brennervia Bologna nach Florenz und dann von Nordosten kommend bis nach Massa. Einen Bahnhof gibt es in Massa Marittima nicht (mehr), weshalb die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln mühsam ist. Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Pisa.

Beste Reisezeit: Das auch im Winter zumeist milde Klima von Massa Marittima lässt ganzjähriges Biken zu. Die Sommermonate Juli und August können aber auch sehr heiß werden. Ideale Reisezeit sind der Frühling von April bis Mitte Juni, wenn die Natur ihr Schauspiel zeigt, und der Herbst von Anfang September bis Ende Oktober, wenn die Temperaturen von Luft und Meer noch immer sommerliche Gefühle zulassen

Übernachtung: In der Region gibt es viele private Unterkünfte, Bauernhöfe und Hotels. Highlight ist das von Ernesto Hutmacher seit 1985 zusammen mit seiner Familie geführte Bikehotel Massa Vecchia mit 42 Zimmern, Pool, Pumptrack und perfekter Infrastruktur für Biker*innen. Toll ist auch Podere la Vecchia Commenda – ein radfreundliches Agriturismo mit viel Charme, herzlichen Gastgebern, hausgemachten Produkten und herrlicher Aussicht. Weitere Unterkunft-Tipps in und um Massa Marittima: das Agriresort La Colombaia, Tenuta il Cicalino, Massa Alta in Città Nuova, das Ceasar Hotel in Pian dei Mucini, die Unterkunft Il Felciaione, das Park Hotel La Fenice und das Agriresort Tenuta del Fontino.

Guiding, Shuttle & Infos: Peter Lesser von Bikeattac bietet Touren an, die keine Wünsche offen lassen. tuscany@bikeattac.com, bikeattac.com, +39 366 507 4003. Trailrock richtet jedes Jahr Camps in Massa Marittima aus. trailrock.de Bei der Bikegarage direkt neben dem Dom gibt es Infos. bikegarageandmore.com

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Italienische Lebensart bedeutet, abends mit Freunden in den Gassen der Altstadt noch ein gutes Glas Wein und regionale Delikatessen genießen.

Abseits des Trails:

  • Wein verköstigen. Moris Farms ist ein historisches Weingut der Familie Moris. Hier kann man exzellente Weine und hauseigene Produkte probieren. Und auch die spektakuläre Aussicht auf den Golf von Follonica in vollen Zügen genießen. morisfarms.it
  • Perfekt essen kann man in der Villa La Boccia – diese lockt als absolutes Top-Restaurant mit typischen Spezialitäten der Region. An die Villa angeschlossen ist übrigens ein sehr empfehlenswerter Camperpark mit kompletter Infrastruktur. villalaboccia.com
  • Noch mehr Wein gibt es bei Enoteca Il Bacchino, einer Vinothek im Herzen von Massa Marittima. Diese bietet die besten Delikatessen der Region und eine Auswahl von über 800 ausgezeichneten Weinen.

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Wie ein Mythos schwebt der Name über dem nicht minder sagenumwobenen Bikerevier Massa Marittima in der südlichen Toskana: der Canyon. Gemeint ist ein Trail, der sich wie von Gott geschaffen durch eine atemberaubende Schlucht schlängelt. Als "flowig, dynamisch fahrbar und mit der einen oder anderen kleinen Überraschung versehen", schwärmten mir schon unzählige Bikerinnen und Biker von ihm vor. Und jetzt bin ich hier. Jetzt werde ich ihn fahren! Unterhalb von Massa Marittima liegt das ebenfalls berühmte Bikehotel Massa Vecchia. Als ich dort auf Peter Lesser warte, der mir die Region in den nächsten Tagen zeigen will, bin ich voll Vorfreude auf den Canyon und weitere Trailwunder. Peter ist einer der "Hausmeister" dieser Region. Als Bike- Weltenbummler war er in seinem Leben an vielen einzigartigen Orten unterwegs. Aber seit mehr als fünf Jahren hat ihn Massa Marittima – auch für ihn überraschend – sesshaft werden lassen. Eingebettet in die Colline Metallifere, die metallhaltigen Hügel der Maremma, liegt diese als Ort eigentlich beschauliche Pilgerstätte der MTB-Szene auf einer Anhöhe von knapp 400 Metern mit Blick bis zum Golf von Follonica und dem Tyrrhenischen Meer.

Runterfahren verboten?!

Zu Beginn der ersten Tour erzählt mir Peter, dass es dank der lokalen Community mittlerweile ein Wegenetz von über 600 Kilometern und weit über 150 Singletrails in der näheren Umgebung gibt. Ich bin dennoch ein kleines bisschen enttäuscht. Denn anstatt den ersehnten Canyon-Trail abzufahren, wollen wir erst einmal die Trails am Monte Arsenti, dem Hausberg von Massa Marittima, unter die Stollen nehmen. Zwar bietet ein Unternehmen mittlerweile Shuttles bis unterhalb des Gipfels an, der auf 580 Metern Höhe liegt, aber über eine Schotterstraße ist der Berg auch entspannt mit Muskelkraft zu erklimmen. Wir nutzen für den Weg nach oben hingegen ein besonderes Schmankerl: den Spaghetti-Trail. Über eine kleine Nebenstraße, die in einen Schotterweg übergeht, erreichen wir den Einstieg. Zuerst noch eher flach, winden wir uns in vielen perfekt zu fahrenden, engen und weiteren Kurven durch tiefen Wald nach oben. Und nur nach oben – für den Downhill ist der Trail verboten. Der Spaß ist enorm, weil die Steigung so angenehm ist, sodass man den Uphill auch ohne Motorunterstützung problemlos fahren kann. Wie im Flug vergehen die Höhenmeter.

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Fernsehen. Nicht nur die Trails sind besonders schön, auch für die Blicke auf die zauberhafte Landschaft sollte man sich Zeit gönnen.

Am Gipfel angekommen, laufe ich auf einen kleinen Aussichtsfels und inhaliere das geniale Panorama: Die umliegenden Dörfer rund um Massa Marittima, aber auch das nahegelegene Meer mit dem toskanischen Archipel, sind wunderbar zu erkennen. Ich genieße diesen Augenblick, obwohl mich Peter bereits auf die Abfahrt einstimmt: "Wir haben ganz viele Möglichkeiten, es gibt schwere Downhills, aber auch eher einfache und lange bestens präparierte Flowtrails." Alle Trails am Monte Arsenti wurden entweder freigeschnitten oder extra für Biker angelegt. Wir entscheiden uns für den Benedetto-Trail, der sich als idealer Appetizer erweist. Er zieht sich in vielen Kurven entspannt dahin, ist sehr abwechslungsreich, aber fahrtechnisch nie wirklich schwierig. Nach circa fünf Kilometern Flowzirkus wirft uns der Trail wieder auf der Forststraße aus – um diese gleich weiter hochzukurbeln. Diesmal geht es bergab zur Sache, wir wählen einen Downhill mit schönem Namen: Rock & Roll Queen. Richtig steinig und felsig ist ihre Majestät, viele schwierige Stellen, steil und verblockt – wow! Es gibt aber auch immer wieder Chicken Lines, sodass die besonders heiklen Passagen umfahren werden können. Noch bis zum Nachmittag spielen wir auf den zahlreichen Lines, die am Monte Arsenti angelegt sind. Ich habe meine Enttäuschung über den zwischenzeitlichen "Verlust" des Canyon längt vergessen, dieser Berg hier ist ein echter Leckerbissen und birgt für alle Könnensstufen spannende Trails auf engstem Raum.

Ein Ausflug zum Meer

Am darauffolgenden Tag lautet das Motto von Peter zu meinem Entsetzen wieder: kein Canyon! Dafür zieht es uns "alla spiaggia" – zum Strand. Wir wollen von Massa Marittima nach Follonica ans Meer. Erst grüne Hügel, dann blaue Fluten, auch eine Besonderheit dieser Region. Wir biken zunächst durch eher flaches Gelände, um dann in den angrenzenden Wald abzubiegen, wo gleich ein erster Trail wartet: Typisch "toskanisch", schlängelt er sich zwischen immergrünen, "kratzigen" Gebüschformationen, Macchia genannt, kupiert am Hang entlang. Vorsicht ist geboten, da die dornigen Zweige und Äste oft vorwitzig in den Trail hineinragen. Dann erreichen wir offenes Gelände und über kleine Forststraßen die ersten Häuser von Follonica. Südlich der Stadt "thront" der Berg Poggio La Guardia auf beschaulichen 212 Metern Höhe. Und dennoch beherbergt er ein Trailnetz. Zuerst auf Schotter, dann auf schmalen Wegen im Wald, strampeln wir gen Gipfel, der eine bezaubernde Sicht auf Follonica und die umliegenden Buchten preisgibt.

Nach kurzer Rast stürzen wir uns hinab, und der Downhill entpuppt sich im oberen Teil als garstiges Biest: Viele lose Steine und einige Felsplatten, die steil und glatt nach unten führen, fordern meinen Mut und meine Konzentration. Aber weil sich die Wegebauer scheinbar auch mit Belohnungen gut auskennen, endet der Trail direkt an der Cala Violina, einer der schönsten Buchten in der Toskana. Das türkisblaue Wasser leuchtet uns entgegen, als wir mit unseren Stollen im tiefen Sandstrand versinken. Eine kurze Abkühlung lasse ich mir bei diesem einzigartigen Ambiente nicht entgehen. Danach geht es über Follonica zurück zu unserer Homebase Massa Vecchia.

Die Anlage ist seit Jahren Treffpunkt von Mountainbikerinnen und Mountainbikern aus der ganzen Welt. Mit unglaublicher Passion hat Ernesto Hutmacher hier quasi aus dem Nichts ein Hotel geschaffen. Ernesto heißt eigentlich Ernst und ist gebürtiger Schweizer. Sein Lebenslauf liest sich so wild, wie ich mir den Canyon-Trail vorstelle: bettelarmer Bauernsohn, Ausbildung zum Automechaniker mit Bestnoten im Kanton, Mechaniker im Formel-1-Team Lola, selbst Formel-Rennfahrer, Umschulung zum Computerfachmann, erfolgreicher Rennrad- und Bahnradfahrer. Vor über 35 Jahren entdeckte Ernst, der zu dem Zeitpunkt kein Wort Italienisch sprach, die Toskana und ein verfallenes, von Hühnern belebtes Gut. Inzwischen wurde aus Ernst Ernesto und aus der Ruine das Ressort Massa Vecchia – mit seinen fantastischen Zimmern, dem Pool und einem perfekt hergerichteten Pumptrack ein Sehnsuchtsort der Szene.

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Wald, so weit das Auge reicht: Die grünen Hügel der Maremma bergen ein schier unerschöpfliches Potenzial an feinsten Trails.

Die Destination steht auch zukünftig für Innovationen. So gibt es bald die Maremma Challenge: "500 km pures Bikevernügen", wirbt die Region. Dahinter verbirgt sich ein Rundweg, der in Massa Marittima beginnt und endet, durch bezaubernde mittelalterliche Dörfer, die Buchenwälder des Monte Amiata und außergewöhnliche Tuffsteinstädte führt – und atemberaubende Ausblicke auf das Argentario- Gebirge, Castiglione della Pescaia sowie Punta Ala bietet. Die Route ist je nach Fahrradtyp frei variierbar, kann also bestens mit Gravelbike, MTB oder auch E-MTB befahren werden. Für den nächsten Tag hat Peter mir alle restlichen Highlights der Region in einer einzigen Tour versprochen. Es ist ein Munteres Auf und Ab, das uns durch die Umgebung von Massa Marittima führt. Nach einigen Kilometern fallen mir an den Bäumen Schilder auf, die neben dem Namen des Trails auch eine Notfalltelefonnummer und eine Zahl beinhalten. Ich frage bei Peter nach, und er erklärt mir, dass Ernesto Hutmacher zusammen mit der Bikegarage und dem Sozialverein Misericordia Massa Marittima, die auch für die Rettungswagen verantwortlich sind, für die Region ein Rettungskonzept erarbeitet hat: Ausgehend von den durchnummerierten Schildern im Gelände, können im Notfall die Rettungskräfte mittels einer App genau nachvollziehen, wo sich die/der Verunfallte befindet und wertvolle Zeit bei der Suche im Gelände sparen. Das Netz wird weiter ausgebaut und soll irgendwann in ganz Italien etabliert sein.

Endlich: Ab in den Canyon!

Dann ist es endlich so weit: Wir stehen unter dem Schild "Canyon" am Eingang des legendären Trails. Peter instruiert mich, dass der Speed die Dynamik bestimmt und gerade gegen Ende eine vorausschauende Fahrweise fast nicht möglich, es darum umso spaßiger ist. Er spricht in Rätseln. Ich erspare mir dennoch lieber Rückfragen. Also, ab geht es! Zu Beginn zieht sich der Trail mit wenig Gefälle dahin, dann wird der Weg zusehens steiler, die Wände rechts und links von mir wachsen, Geländesprünge laden zum Abheben ein. Mittlerweile haben die Wände eine beachtliche Höhe erreicht, die Kurven dazwischen werden immer enger. Reifenspuren an den Seiten zeigen mir die Linie, und so ist es fast wie Achterbahnfahren: Rechts, links, rechts – so werfe ich mein Bike in die natürlichen Wallrides, Bäume, die über der kleinen Schlucht liegen, machen die Kulisse mystisch und einzigartig. Nach dem Kurvenirrsinn wird es wieder offener, und ich fahre aus dem Canyon hinaus. Peter fährt direkt hinter mir und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. "Wahnsinn", schreie ich hinaus und will dieses Teil sofort wieder fahren. Kein Problem, ein Uphilltrail direkt neben dem Canyon macht es einfach, diesen abenteuerlichen Ritt mehrfach zu genießen. Und wenn man sie erst einmal kennt, kann man die spezielle Linie noch besser fahren.

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Hinein ins Vergnügen! Mit diesem kleinen Sprung beginnt der begeisternde Ritt durch den Canyon.

Am Ende aber wäre es falsch, Massa Marittima nur auf diesen einen Trail zu reduzieren, und ist er noch so toll. Vielmehr stimmt hier einfach alles. Das Ressort von Ernesto. Die Gerüche der Toskana. Das Essen. Die Weine. Das Wetter. Die grünen Hügel voller Trails. Die Nähe zum Meer. Vor allem aber auch die liebevollen Menschen der Region, die Bikerinnen und Bikern gegenüber höchst aufgeschlossen sind.

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