Adrian Greiter

Bregenzerwald: Top MTB-Touren inkl. GPX-Track Download Trailguide Bregenzerwald (2021)

Wo einst Schmuggler ihr Leben riskierten, lockt heute ein noch weitgehend unbekanntes MTB-Revier – mit feinen Trails, ursprünglicher Kulturlandschaft und famoser Bergkulisse.

Infocenter: Alle Details zum Trailguide Bregenzerwald

Lage&Charakter: Der Bregenzerwald ist kein Wald im eigentlichen Sinne, sondern eine Region im westlichsten Bundesland Österreichs (Vorarlberg). Diese grenzt im Westen an die im Rheintal befindliche Bodenseeregion, im Norden an Bayern mit den Landkreisen Lindau und Oberallgäu, im Nordosten an das Kleinwalsertal, im Osten an das Arlberggebiet und im Süden an das Große Walsertal. Besonders ist der Mix aus sanften Hügeln im vorderen Bregenzerwald sowie weiten Flusstälern und imposanter Bergwelt im hinteren Bregenzerwald. Dementsprechend vielseitig sind die Bike-Möglichkeiten. In 23 Dörfern leben 32 000 Menschen – und genauso viele Kühe. Das mutige Miteinander von Tradition und Moderne ist besonders sichtbar an der gelungenen Architektur und im aufwendigen Handwerk.

Anreise: Aus Norden (Deutschland) mit dem Auto kommend geht es ab Ulm auf der A7 gen Süden, im Kreuz Memmingen weiter auf die A96 bis Lindau. Dann durch den Pfändertunnel (Staugefahr!) nach Dornbirn oder Au. Bregenz und Dornbirn sind gut mit der Bahn erreichbar. Busse fahren weiter bis Au.

Allgemeine Infos: bregenzerwald.at; au-schoppernau.at

Beste Reisezeit: Auch wenn es selten hochalpin wird, herrschen im Bregenzerwald intensive Jahreszeiten. Und der Winter gehört den Skifahrern. Los geht die Bikesaison im Mai. Auch im Sommer fällt regelmäßig Niederschlag, was für die saftig grünen Wiesen und Wälder sorgt. Am wenigsten Niederschlag gibt es in den Monaten September und Oktober – ein Traum zum Biken!

Übernachtung: Ein lässiges Bikehotel ist das Rössle in Au mit eigener Bikeschule, bester MTB-Infrastruktur, (E-)Bike-Verleih sowie geballter Bikekompetenz durch die selbst pedalierende Chefin. roessle-au.at Außerdem befindet sich einer der wenigenCampingplätze des Bregenzerwalds in Au: Camping Köb, campingaustria.eu

Guiding, Lifte, Shuttle: Perfektes Guiding bietet die Bikeschule Bregenzerwald an. Es gibt geführte Touren in zwei Leistungsgruppen, Fahrtechnikkurse und Privatguiding: die-bike-schule.at Shuttlen kann man dank des R1-Busses Bregenz–Warth (Fahrradmitnahme bis Damüls möglich). Bei allen Bergbahnen ist der Transport von Bikes möglich: Diedamskopf, Mellau, Bezau, Damüls.

Abseits vom Trail: Kunst am Bau: Der Bregenzerwald ist weithin bekannt für seine moderne Architektur. Einen Einblick in die gebündelte Handwerkskunst der Region und zeitgenössisches Design bietet das Werkraumhaus in Andelsbuch mit seinen wechselnden Ausstellungen. Infos: werkraum.at Wohltat: Wer einen Tag mit Blick auf die Kanisfluh ausspannen möchte oder nach einer anstrengenden Tour im 32° Celsius warmen Wasser relaxen will, kann das ganz hervorragend im Day Spa des Hotel Adler in Au: adler-au.at

GPX-Download/Touren im Detail

Tour 1: Althornbach

Länge 30,82 km
Dauer 4:10 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1365 Meter
Höhenmeter absteigend 1362 Meter
Tiefster Punkt 808 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Tour 2: Kalhorn

Länge 35,65 km
Dauer 3:23 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 774 Meter
Höhenmeter absteigend 1562 Meter
Tiefster Punkt 1598 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Tour 3: Kanis Ride

Länge 21,67 km
Dauer 2:19 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 957 Meter
Höhenmeter absteigend 956 Meter
Tiefster Punkt 808 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Tour 4: Brendler Lug

Länge 22,46 km
Dauer 3:03 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1003 Meter
Höhenmeter absteigend 1003 Meter
Tiefster Punkt 811 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Reisereportage

Adrian Greiter

Surrend nimmt die Gondel Fahrt auf und schwebt mit uns in die Höhe. Während der Ort Schoppernau, seine Straßen und Häuser, unter uns langsam klein wie Spielzeug wirkt, bekommen wir immer mehr Einblick in die umliegende Bergwelt. Mit einem Ruck öffnet sich die Tür der Kabinenbahn und gibt den Weg frei zur Plattform der Gipfelstation. Es ist ein klarer, sonniger Herbstmorgen, die Luft ist noch frisch, und ich ziehe mir fröstelnd die Windjacke über, bevor wir die letzten 70 Höhenmeter zum Gipfelkreuz des Diedamskopfes auf 2090 Metern aufsteigen. Allzu nah sollte ich mich dabei nicht an die Nordflanke heranwagen, denn diese fällt steil und schroff ab, während die Südseite von einem vergleichsweise flachen Wiesenhang gesäumt wird. Ein für diese Gegend charakteristischer Landschaftszug, der dem schräg geschichteten, witterungsunbeständigen Drusengestein der nordwestlichen Walsertaler Berge, die zu den Allgäuer Alpen gehören, geschuldet ist.

Wir sehen uns um. Eine so gute Fernsicht über das "Ländle", wie die Einheimischen den Bregenzerwald liebevoll nennen, gibt es selten. In der Ferne lugen majestätisch die schneebedeckten 3000er der Schweiz empor, weiter nordwestlich lässt sich der Bodensee – wie so oft zu dieser Zeit – nur unter einer dichten Nebeldecke erahnen. Gen Norden wird die Landschaft immer lieblicher mit den grünen Gipfeln der Nagelfluhkette. An die schließen sich die stolzen Allgäuer Hochalpen an, die schließlich ans Kleinwalsertal angrenzen, was seinerseits im Bregenzerwald mündet. Der Begriff "Wald" ist übrigens irreführend: Herrlich grün ist es hier noch immer, aber längst eine gewachsene Kulturlandschaft mit Almen, Wiesen, Orten. Dabei hat sich die Region im österreichischen Bundesland Vorarlberg das Ursprüngliche bewahrt – welch wohltuender Kontrast zum Tiroler Nachbarn, wo rund um den (Großen) Arlberg der Massentourismus samt Schickimicki und die überwältigende Bergwelt eine seltsame Koexistenz führen.

Apropos: Die Grenzen zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz verlaufen fließend. Der Austausch zwischen den Tälern hat eine lange Tradition, sei es verwandtschaftlich, ökonomisch oder sozial, wobei eines mit dem anderen oft verknüpft ist. Die von der Obrigkeit gezogenen Grenzen konnten den Austausch mit seinen teils zwielichtigen Handelsrouten dabei nicht beeindrucken. Und so wurden einst nicht nur Tabak, Butter, Fleisch und Textilien, sondern auch Menschen über die weniger bewachten Bergpässe geschmuggelt. Der Schmuggel florierte insbesondere im 19. Jahrhundert, aber auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie in der Zwischenkriegszeit– und prägt diese Gegend bis heute.

Wir wollen diese alten Schmugglerpfade mit dem Mountainbike entdecken. Johannes, unser Guide und Inhaber der Bikeschule Bregenzerwald, tritt gut gelaunt in die Pedale. Tina und ich pedalieren hinterher, während wir auf dem ersten, relativ flachen und leicht fahrbaren Panoramatrail die Aussicht genießen. Als wir über den Diedamssattel das Skigebiet verlassen, wird die Landschaft wilder, alpiner und ursprünglicher. Auf einer Hochebene folgen wir dem Weg in östlicher Richtung über den Gerachsattel, vorbei am ehemaligen Zollhaus – ein weiteres Indiz dafür, dass hier Handelswege, sogenannte Saumwege, verliefen. Die tiefen Rinnen, gespickt mit großen Steinen, fordern trotz wenig Gefälle volle Konzentration. Ich bin froh über die trockenen Verhältnisse und die dicken Stollen an meinen Reifen

Adrian Greiter
Auf Schmugglerspuren: Rastan der ehemaligen Zollhütte amGerachsattel.

Wir halten inne und genießen die grandiose Landschaft. Der Hohe Ifen prangt erhaben zu unserer Linken, das Gras in der weiten Ebene glänzt golden in der Herbstsonne, und die Überbleibsel des ersten Schnees glitzern an den Nordhängen zu unserer Rechten. Johannes deutet auf einen der angezuckerten Hänge, an dem ein lehmig-brauner Pfad zu erkennen ist: "Das ist unser Übergang!" Wir steuern auf die Bergkette rechts von uns zu, schultern die Bikes und machen uns an den Aufstieg, der unter diesen Bedingungen zum Balance-Akt wird.

Während ich hoch konzentriert einen Fuß vor den anderen setze, muss ich wieder an die Schmuggler denken, die hier bei Regen, Sturm und Nebel unterwegs waren. Denn bestes Schmuggelwetter herrschte, wenn selbst die Zöllner nicht vor die Türe wollten. Nachts war der Grenzübertritt grundsätzlich verboten, und jeder der dann unterwegs war, machte sich verdächtig. Also mussten sich die Schmuggler tags- über im "Schutz" des Unwetters auf den Weg machen und waren dabei in ständiger Hast. Gut, dass wir uns Zeit lassen können! Das stetige Höhersteigen und die kleinen Ausweichmanöver, um mit dem Bike auf der Schulter nicht an den Latschen hängenzubleiben, sind schweißtreibend. Oben angekommen werden wir für unsere Mühen belohnt, es öffnet sich der Blick auf die gegenüberliegende Bergkette und ins Tal von Baad, einem Seitental des Kleinwalsertals. Noch einmal tief durchatmen, die herbstlichen Sonnenstrahlen warm auf der Haut spüren, dann schwingen wir uns wieder aufs Rad

Knifflige Trails, toller Kaffee

Allerdings nur kurz, denn einen letzten kleinen Anstieg haben wir noch schiebend über einige Steinstufen zu bewältigen. Ob der Weg danach fahrbar ist? Wir wollen es zumindest versuchen. "Flow liegtim Auge des Betrachters!", rufe ich Tina lachend zu.Wir rollen die ersten Meter hinab, steigen in Folgeob der tiefen und teils verblockten Rinnen aber immer wieder kurz ab. Eine Belohnung haben wir unstrotzdem verdient, und die einladende Terrasse deskleinen Berggasthofes Neuhornbachhaus sieht verlockend aus. Kaffee mit Bergblick rundet unsereTour ab. Der herrliche Duft des braunen Goldessteigt mir in die Nase, während ich gedanken verloren das wärmende Haferl in beiden Händen halte und meinen Blick in die Ferne schweifen lasse.

Auch Kaffee war seinerzeit rar, wertvoll und beliebte Schmuggelware. Ungeröstet, damit er nicht riecht, wurde er in Fässern mit doppeltem Boden transportiert, die zum Schein mit Schweinefutter gefüllt wurden. So erzählt es uns Josef*, ein älterer Mann mit gegerbter Haut, den wir am Neuhornbachhaus treffen. Die tiefen Furchen in seinem Gesicht erzählen vom rauen Leben in den Bergen, doch das schelmische Blitzen in den Augen hat er sich bewahrt. Als er fortfährt, spüre ich förmlich, wie er in der Zeit zurückreist. Von Schmugglern oder Schwärzern, wie sie auch genannt wurden, die Lederschuhe, Zigaretten und später Seidenstrümpfe über die Bergpässe schleppten, weiß er. Selber sei er nicht dabei gewesen, aber gekannt hätte er den einen oder anderen. Schon im 19. Jahrhundert, mit Einführung von Schutzzöllen auf Textilien, wurde der Schmuggel interessant. In vielen Gemeinden gab es ganze Schwärzerbanden, auch Vorarlberger Textilbetriebe waren im großen Stil beteiligt. Ebenso war das günstige Salz aus Bayern und Baden-Württemberg beliebtes Schmugglergut, um damit in den Schweizer Kantonen zu handeln. Harte Zeiten waren das. Für uns in unserer wasserdichten, atmungsaktiven Hightech-Bekleidung ist es kaum vorstellbar, wie jemand bei Wind und Wetter, bekleidet mit Wollsocken und Kniebundhosen, vollbepackt mit Waren und in der Angst, erwischt zu werden, tagelange alpine Märsche auf sich nehmen konnte. Doch die Menschen waren arm, die Schmugglerei oft einzige Einnahmequelle oder wichtiger Zuverdienst. Heute lebt die Bevölkerung des Bregenzerwaldes von der Landwirtschaft sowie einem stark mit der Holzverarbeitung verbundenen Gewerbe. Und natürlich vom Tourismus. In der MTB-Szene fungiert der Bregenzerwald dabei noch als Geheimtipp, entsprechend genüsslich geht es auf den 450 ausgeschilderten Bike-Kilometern auf zumeist leichten Wegen zu. Wer zünftigere Trailkost liebt, findet diese durchaus zur Genüge, gibt sich aber besser in die Hände der lokalen Guides. Auch, um auf der gesetzlich sicheren Seite zu biken, schließlich ist das Radfahren abseits öffentlicher Straßen und Radwege in Österreich noch immer per se verboten – es sei denn, es ist ausdrücklich erlaubt. Mit einem beherzten Schluck leert Josef sein Glas. Er müsse weiter, sagt er. Auch wir haben noch ein Stück Weg vor uns, circa 1000 Tiefenmeter sind es bis zum Talboden von Schoppernau. Und so verabschieden auch wir uns, schwingen uns in den Sattel und genießen noch einmal das Panorama, bevor wir in einen alten Karrenweg abbiegen. Spätestens jetzt ist die Mittagsmüdigkeit verflogen!

Während uns der Fahrtwind um die Ohren pfeift und sich mit dem Surren unserer Freiläufe mischt, werden wir ordentlich durchgeschüttelt – und haben Spaß dabei. Wenig später führt uns ein weiterer Forstweg ins Tal, ein letzter kleiner Trail versüßt uns den Abschluss, bevor wir gemütlich an der Bregenzerach entlang zurück zum Ausgangspunkt unserer Schmugglertour rollen – und uns auf weitere Abenteuer entlang dieser geschichtsträchtigen Wege freuen

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