Trailguide Ardennen Dennis Stratmann
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Trailguide Ardennen 9 Bilder

Trailguide Ardennen für Enduro und Trailbiker

Die besten Trails - und Pommes! Trailguide Ardennen

We have trails, beer und french fries. It’s paradise!" Wer könnte dieser Einladung widerstehen? Unser Autor ist dem Ruf aus den Ardennen gefolgt – und hat unweit von Rhein und Ruhr ein Trail-Kleinod erlebt.

Touren in den Ardennen

1. F1 Circuit

Mehr zum Thema:
Länge 18,53 km
Dauer 1:35 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 343 Meter
Höhenmeter absteigend 343 Meter
Tiefster Punkt 443 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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2. Barrage de Coo

Mehr zum Thema:
Länge 55,01 km
Dauer 5:07 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1175 Meter
Höhenmeter absteigend 1175 Meter
Tiefster Punkt 474 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Enduro-Loops

Mehr zum Thema:
Länge 25,85 km
Dauer 3:06 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 999 Meter
Höhenmeter absteigend 986 Meter
Tiefster Punkt 176 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Remouchamps

Mehr zum Thema:
Länge 51,54 km
Dauer 5:10 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1402 Meter
Höhenmeter absteigend 1403 Meter
Tiefster Punkt 143 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Lage & Charakter: Die Ardennen sind der Westteil des Rheinischen Schiefergebirges. Das mit der Eifel zusammenhängende, 11 200 km² große Mittelgebirge erstreckt sich größtenteils über den Südosten der belgischen Region Wallonie. Im Osten gehen die Ardennen ohne deutlichen geologischen "Cut" in die Eifel über, abgrenzend ist vielmehr die innerbelgische deutsch-französische Sprachgrenze. Das Hohe Venn kann beiden Gebirgen zugerechnet werden. Höchste Erhebung ist die Botrange in der Provinz Lüttich mit 694 Metern. Spa hat rund 10 000 Einwohner und ist als Stadt des Wassers zusammen mit zehn weiteren europäischen Kurorten Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Anreise: Da die Ardennen stark verästelt sind, empfiehlt sich die Anreise per Pkw. Viele Ecken sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen. Von Köln aus ist man in gut anderthalb Stunden in Spa: über die A 4 und A 44, weiter in Belgien auf die A 27/E 42 und via Bundesstraße N 629.

Beste Reisezeit: Wie in den benachbarten deutschen Mittelgebirgen bieten sich zum Biken die Sommermonate an. Im Juli liegt die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur bei 21° Celsius. Trockenster Monat ist der August mit "nur" acht Regentagen, im Januar sind es 14. Dennoch kann man mit entsprechender Ausrüstung fast ganzjährig biken.

Übernachtung: In Spa, Remouchamps oder Coo gibt es Unterkünfte von (sehr) preiswert bis teuer. Tipp ist das R Hotel mit Fitness-Center, Bikeshop und mehr. Direkt vor dem Hotel befindet sich der bekannteste belgische Rennradanstieg, der stets beim Klassiker Lüttich–Bastogne– Lüttich gefahren wird. r-hotel.be. In Coo lockt das kultige Rad-Café Le Coffee Ride, das auch Zimmer anbietet. lecoffeeride.cc. Zum Campen stehen zig Plätze parat, wobei Le Moulin du Diable in Remouchamps nahe am Trailcenter liegt. camping-moulindudiable.com

Lifte & Shuttle: Wer liften will, muss nach Malmedy in den Bikepark. Ansonsten ist Wadenkraft gefragt. Shuttles werden nicht angeboten und lohnen aufgrund der kürzeren Anstiege eh nicht.

Abseits des Trails:

  • Die beste Friterie der Region zu benennen käme einem Frevel gleich. Sie lohnen natürlich alle. Eine Auswahl: Chez François, Avenue Reine Astrid 23, 4900 Spa Woopy Snacks, Avenue de la Porallée 3, 4920 Aywaille La Friture Jaune ("Die gelbe Fritüre"), Rue de Trois-Ponts 10, 4920 Aywaille
  • Die größte Therme Belgiens gibt es – logo – in Spa. Mit der Zahnradbahn kommt man von der Innenstadt fast bis direkt an den Eingang. Wenn die Waden wirklich brennen, kann man hier perfekt relaxen und/oder sich bei Massagen wieder fit kneten lassen. thermesdespa.com
  • Die leckersten Biere bietet die Peak-Brauerei im belgischen Teil des Hohen Venn – und das auf dem höchsten Punkt Belgiens. Das Hohe Venn lohnt übrigens zum Radfahren kaum, aber zum Wandern über die Stege der Hochmoore. peakbeer.be

Trailguide: Ardennen

Lass uns mal wieder ’nen Roadtrip machen!" Unverkennbar, mein Kumpel Viktor ist am Telefon. "Klar, wohin soll es gehen?", antworte ich. Normalerweise zieht es uns ja immer Richtung Berge. Spektakuläre Bikespots in den Alpen oder in deren Nähe gibt es ja zuhauf. Von anderen mittelhohen bis gewaltigen Gebirgen der Welt ganz zu schweigen. Mir steht aber mal was anderes im Sinn. Biken in Belgien! Klingt erst mal seltsam und vor allem flach. Liegt da nicht alles am Meer? Falsch, denn die höchste Erhebung des kleinen Vielvölkerstaates misst immerhin 700 Meter, und die Ardennen sind steiler und zerfurchter als die meisten Schwarzwaldflanken. Auch der UCI-Weltcup machte in den frühen 2000er Jahren häufig Station in Houffalize, die Strecke galt bei den Profis als wahre Härteprüfung. Und bereits Ende der 1990er führten die Belgier eine Downhill-Rennserie durch, an der ich häufig mit meinen Aachener Freunden teilnahm. Die kurzen, aber kompromisslosen Strecken waren seinerzeit derart technisch, dass die wenigen deutschen Piloten, die sich in das Königreich verirrten, oft gnadenlos überfordert waren. Die Endläufe der jeweiligen Rennen liefen sogar live im TV – Belgien ist einfach eine Fahrradnation! Daran erinnere ich mich und "blättere" durch meine Instagram-Freundesliste. Ich kontaktiere meinen (noch) virtuellen Enduro-Buddy Guillian und erzähle ihm von unserem Anliegen. "Bien sûr, mon ami! I’ll show you some of our best rides. Come over, we’ll have trails, beer and french fries. It’s paradise!"

Gerade einmal zwei Autostunden sind Viktor und ich von unserem Start im Rheinland aus unterwegs, als wir mit unserem Camper bereits durch tiefdunkle Täler tuckern. Man erkennt andere Länder ja oft an ihren Straßen. In der Schweiz sind es meist gepflegte Asphaltbänder mit gelben Streifen. In Italien verrostete Leitplanken. Und in Belgien gibt es Geschwindigkeitsbeschränkungen, die nicht etwa sagen "vor dieser Kurve bitte 60 km/h fahren", sondern: "Wenn du hier 60 km/h hältst, hast du eine kleine Chance, nicht von der Straße zu fliegen." Unser Ziel sind natürlich die Ardennen, genauer gesagt die Gegend rund um den berühmt-berüchtigten Formel-1-Kurs Spa-Francorchamps.

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Eine alte belgische Enduristen-Regel besagt angeblich: Je mehr Kohlenhydrate, desto mehr Kohlenhydrate. Tja ... stimmt.

Wir kratzen am Ende (knapp) jede Kurve und treffen Guillian auf dem Parkplatz eines ausgedienten Bordells zwischen Bundesstraße und Eisenbahnlinie. Romantischer hätte unser erstes Date nicht sein können – aber es gibt uns einen Vorgeschmack auf den leicht morbiden Charme, der einen in Belgien irgendwie ständig umweht. Guillian hat noch ein paar weitere einheimische Enduristen im Schlepptau, und nach kurzem Smalltalk tauchen wir bereits ab ins dichte, dichte Grün.

Das mit der Eifel zusammenhängende, ausgedehnte Waldgebirge der Ardennen erstreckt sich größtenteils über den Südosten der belgischen Region Wallonie, in kleineren Teilen auch auf Staatsgebiete von Luxemburg und Frankreich. Im Osten und Süden raues Bergland, flachen die Ardennen nach Westen und Norden hin sanft ab. Hier nicht weit vom Hohen Venn in Deutschland entfernt, wirkt der Wald undurchdringbar, von den Regenfällen der letzten Tage wabert feucht-schwüle Luft durchs Dickicht. Wir pedalieren erstaunlich lange einen Berg hinauf. Die Steigung ist gerade so, dass ich sie noch als "nicht unangenehm" kategorisiere. Aber auch nur, weil ich noch nicht weiß, was im Laufe des Tages so kommen wird.

Gröhlend durchs Felsenmeer

"Hey Dennis, ’u wanted Panorama, right?", grinst mich Guillian an und biegt, kaum oben angekommen, in einen steinigen Trail ein, der tatsächlich eine herrliche Aussicht freigibt. Genießen kann ich diese aber kaum, da der Weg fast senkrecht über eine steile Steinplatte in ein Farnmeer abtaucht. Wow! Weiter brettern wir gröhlend durch ein Felsenmeer, das sich scheinbar aus Whistler hierher verirrt hat. Gut, dass Guillian oder einer seiner Buddys stets vorneweg fährt. Ohne diese Frontarbeit hätte man bei der "Erstbefahrung" kaum eine Chance, die vielen Kanten und Drops zu meistern, da diese meist wie aus dem Nichts aus dem Grün herausploppen. Viele Stellen sind zwar abrollbar und hätten bei einem Fehler wohl keine fatalen Folgen – aber nicht alle.

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Dicke Sprünge bieten die Trails zwar nicht, dennoch sollte man gewappnet sein für die unzähligen Drops und Kanten.

Nun stehe ich quasi im Dunkeln. Wir sind in einem Tal und die Flanken links und rechts so steil, dass die Sonne niemals reinzukommen scheint. Viel Zeit zum Schaudern bleibt eh nicht, der nächste Uphill ist ein richtiges Biest. Fast 300 sehr steile Höhenmeter später und mit 190er-Puls komme ich auf einer Lichtung an. Guillian fragt, ob wir jetzt lieber Schwarz oder Rot fahren wollen, und zeigt auf zwei Schilder – wir sind zu meiner Überraschung mitten im Trailcenter von Remouchamps! Er erklärt, dass es viele dieser Art in Belgien gibt und dass es immer mehr werden. Auch den Grund für diese positive Entwicklung bringt er schnell auf den Punkt: Corona. Während der Bike-Boom in Deutschland in der Pandemie flächendeckend zu Trail-Sperrungen und -zerstörungen führte, haben unsere Nachbarn den Bedarf erkannt und sehr viele der vorhandenen Trails legalisiert und in ein beschildertes Wegenetz überführt. "Natürlich wurden dabei auch Trails in sensibler Natur zum Biken gesperrt, aber 75 Prozent aller Pfade sind nun legal", führt Guillian aus. Mit breitem Grinsen haken wir einen Trail nach dem anderen ab, bis die Wade Gnade fleht. Shuttle oder Lifte gibt es im Trailcenter nämlich nicht, die Uphills und Transfers sind zwar nicht lang, jedoch steil und kräftezehrend. Die verlorenen Kilokalorien füllen wir am Abend in einer stilechten Frittenbude mit Bier und Pommes wieder auf. Wir sind schließlich zum Spaß hier, da gehört Enduristen-Ernährung auf Belgisch dazu.

Und steht am nächsten Tag nicht eh Spa auf dem Programm? Ja, schon. Aber wer jetzt an die Wellness-Etage im teuren Hotel denkt, liegt falsch. Es geht zum eingangs erwähnten Formel-1-Kurs von Spa-Francorchamps. Wir wollen uns die Beine nach dem anstrengenden Vortag wieder locker machen und radeln eine gemütliche Runde um die legendäre Rennstrecke. Mit Blicken auf die Eau Rouge und dem automotiven Dröhnen der zahlreichen Hobby-Rennfahrer im Ohr ist der Loop zwar keine fahrtechnische Herausforderung, aber dennoch lohnenswert.

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Mit dem ältesten Casino der Welt ist die Thermalstadt Spa auch die Königin der Spiele. Früher trafen sich hier sämtliche Hoheiten und Persönlichkeiten Europas. Heute gibt es 15 Pokertische, dazu englisches Roulette, Blackjack, Stud Poker, New Texas Poker – und 30 neue Spielautomaten.

"Ihr wollt es wieder technischer?", fragt uns Guillian. "Dann treffen wir uns morgen um 9 Uhr wieder in Spa." Pünktlich sitzen wir in einem der zahlreichen schönen Cafés im Zentrum. Zwischen Therme und Casino entfaltet sich eine herrliche Altstadt mit regionstypischer Gastronomie. Nichtsahnend nippe ich an einem viel zu heißen Café au Lait, als eine Truppe von Enduro-Fahrern um die Ecke brettert. Guillian vornean. "Hi Dennis und Viktor, ich habe ein paar Freunde mitgebracht, die unbedingt mal mit zwei Deutschen biken wollen." Mit so einer Horde im Schlepptau hätte ich in deutschen Wäldern schon ein schlechtes Gewissen, hier scheint es ganz normal, als wir mit einem gewissen Getöse in die teils gebauten Trails rund um Spa einbiegen. Die Tracks hier sind flowiger als in Remouchamps, und wir haben Riesenspaß beim Surfen durch die Anlieger. Fast jeder Trail endet wieder am Parkplatz, sodass man Werkzeug oder Verpflegung immer schnell parat hat.

Der perfekte Kurztrip

Am Nachmittag gönnen wir uns noch eine Portion Pommes Spezial (mit viel Zwiebeln) – und dann müssen wir leider schon wieder nach Hause. So ein Wochenende ist doch immer schneller vorbei, als man gemeinhin denkt. Durch die kurze An- und Abreise sind die rauen Ardennen für mich aber nun ein echter Geheimtipp und für Bikerinnen und Biker aus dem Westen Deutschlands eine geniale Alternative zu Winterberg und Co. Und so fahren wir mit vielen Eindrücken, ordentlich Pommes im Bauch, genialen Trails unter den Stollen und nun "echten" Freunden happy und erschöpft nach Hause.

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Touren Rest der Welt Heft 05/2021: Reportage; Biken in China Mit dem Mountainbike unterwegs in China Zwei Bikes in Yunnan

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