Mb 07/2021: Trailguide Aostatal Adrian Reiter
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Trailguide Aostatal: Die besten Trails + GPX-Daten

Die besten Trails + GPX-Daten Trailguide Aostatal

In der kleinsten, womöglich schönsten Region Italiens finden hochgebirgsfitte Trailfans ein Paradies – und die gewaltigsten Berge der Alpen schauen dabei zu.

Touren rund um das Aostatal

1. Banzaitrail

Länge 34,09 km
Dauer 4:01 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1426 Meter
Höhenmeter absteigend 1435 Meter
Tiefster Punkt 1537 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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2. Pila – Chamolé

Länge 36,41 km
Dauer 4:06 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 3096 Meter
Höhenmeter absteigend 3096 Meter
Tiefster Punkt 568 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Petit Mont Blanc

Länge 22,60 km
Dauer 3:44 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1211 Meter
Höhenmeter absteigend 1211 Meter
Tiefster Punkt 1043 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. La Thuile

Länge 23,27 km
Dauer 3:18 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1498 Meter
Höhenmeter absteigend 1498 Meter
Tiefster Punkt 1474 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Lage & Charakter: Das Aostatal ist eine autonome Region im Nordwesten Italiens. Es grenzt nördlich ans Schweizer Wallis, im Westen an das französische Département Haute-Savoie und im Osten an das Piemont. Das rund 90 km lange Haupttal wird in seiner gesamten Länge von der Dora Baltea durchflossen, die der erste bedeutende Zufluss des Po ist. Zudem gibt es noch elf größere Nebentäler. Umrahmt wird das Aostatal von den höchsten Bergen der Alpen wie dem Matterhorn, dem Gran Paradiso und dem Mont Blanc.

Anreise: Aus Deutschland gelangt man mit dem Auto entweder über den Brenner oder Bellinzona nach Mailand und dann über die A 4 und anschließend die A 5 nach Aosta. Alternativ über Zürich sowie Bern und durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel. Theoretisch ist Aosta auch über Zürich bzw. Bozen und Mailand mit dem Zug erreichbar, was leider sehr zeitaufwendig ist.

Beste Reisezeit: Der Hauptort Aosta liegt auf knapp 600 Metern, die ihn umgebenden Berge reichen bis auf über 3000 Meter hinauf. Diese Extreme prägen das Tal klimatisch. Während im Tal die Palmen wachsen, liegt oben am Berg das ganze Jahr über Schnee und Eis. Die beste Reisezeit für Biker liegt zwischen Juni und September, wobei es durchaus auch im August zu plötzlichen Wintereinbrüchen kommen kann, was Sie bei der Tourenplanung berücksichtigen sollten!

Übernachtung: Im Aostatal gibt es natürlich eine Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten! Einen Überblick liefert das offizielle deutschsprachige Tourismusportal "LoveVdA" (lovevda.it/de/unterkunft/ unterkunft-im-aostatal).

  • Ein wunderschönes Hotel in Pila mit Blick über das Tal ist das La Chance (hotellachancepila.it).
  • Strategisch günstig am Ortsrand von Aosta liegt das Hotel Diana (hoteldianaaosta.com).
  • Für Selbstversorgergruppen empfehlenswert ist das Souvenir de Tsaneli in Roisan (souvenirdetsaneli.com) mit vier unterschiedlich großen Appartements, einem Gemeinschaftsraum und einem kleinen Spa mit Sauna und Whirlpool.

Guiding, Shuttle, Lifte: Das Aostatal hat gleich drei Bikeparks zu bieten. Direkt vom Hauptort Aosta bringt die Gondel Biker über Pila bis auf maximal 2260 Meter. Der zweite liegt direkt am Fuß des Matterhorns in Breuil-Cervinia, während der dritte am westlichen Ende des Tals im kleinen Skiort La Thuile auf Biker wartet. Wer sich abseits der gebauten Parks bewegen will, findet in Massimo und seinen Mitstreitern von Aosta Valley Freeride sehr sympathische und kompetente Begleiter: aostavalleyfreeride.com. Ab Juni 2021 eröffnet in Aosta "The Place" (theplace.bike), eine zentrale Anlaufstation für Biker mit Shop, Verleih, Werkstatt, Café und Pizzeria. Außerdem bietet die Bikeschule unseres Autors Patrick Wiedemann ein Trailcamp vor Ort an: trailrock.de

Abseits der Trails: Wein gehört, wie in ganz Italien, auch im Aostatal zur Lebensart. Ein besonderer Ort ist die Weinkellerei "La Crotta de Tanteun e Marietta" (tanteunemarietta.it). Inhaber Frederico Marcoz produziert in alten Gewölben, in denen bereits im 18. Jahrhundert gekeltert wurde, in der Altstadt Aostas vier Weinsorten. Die Räumlichkeit hat ihm sein Urgroßvater (Tanteun) überlassen, die Trauben stammen von einem kleinen Weinberg, den ihm wiederum seine Urgroßmutter (Marietta) vererbt hat. Auf Nachfrage können die Weine auch in der eigenen kleinen Cantina mit weiteren lokalen Produkten verkostet werden.

Allgemeine Infos: lovevda.it

Trailguide: Aostatal – Reich der Riesen

Bedrohlich bauen sich riesige Felsen vor mir auf – und ich kann immer noch keinen Weg erkennen. Ich ahne nur, dass dieser unglaublich steil und direkt nach oben führen muss. Massimo, unser Guide, hatte uns im Vorfeld schon auf einen sehr mühsamen Weg bergauf eingestimmt. Bisher waren wir jedoch nur auf breiter Forststraße unterwegs, die sich bequem, mäßig steil hochtreten ließ. Langweilig? Nö, denn der ständige Wechsel von offenen Wiesen zu wildem Felsgelände, die Blicke auf weit herabrauschende Wasserfälle und auf uralte, an den Hang geduckte Hütten haben die Höhenmeter mehr als erträglich gestaltet. Doch jetzt scheint es mit dem Genuss vorbei. Ich keuche einen knackig-steilen, ausgesetzten Trail hoch, und es "frohlockt" die Schiebe- und Tragepassage.

Wir sind unterwegs im Aostatal, der mit Abstand kleinsten Region Italiens und, wie viele behaupten, der schönsten. Das Tal, im äußersten Nordwesten des Landes gelegen, ist umgeben von den höchsten Bergen unseres Kontinents: Die 4000er geben sich hier die Zacken in die Hand. So thront im Süden der Gran Paradiso, mit 4061 Metern der höchste komplett auf italienischem Boden stehende Berg, im Norden die Monterosa-Gruppe und das von dieser Seite fast unscheinbare Matterhorn. Als wäre das nicht genug, erhebt sich im Westen noch das Dach Europas, der 4810 Meter hohe Mont Blanc mit der prächtigen, gut 1300 Meter hohen Brenvaflanke! Das Tal erinnert ein wenig an den bei Bikern so beliebten Vinschgau. Ähnlich eingekesselt und klimatisch mild. So ist es oft möglich, den ganzen Winter über an den Südhängen zu trailen, während an den Nordhängen die Skifahrer wedeln.

Hart hoch, herzlich runter

Schluss mit lustig, hallo Wand! Ich schultere mein Bike. Zuerst noch halbwegs moderat, zieht sich der Weg nun quasi vertikal nach oben. Die letzten 100 Höhenmeter führen durch extrem steiles Gelände. Im Stile einer nicht mehr ganz jungen Ballerina tänzle ich nach oben, stets bemüht, die Balance zu halten, um nicht samt Bike rückwärts hinabzupurzeln. "Passo Invergneux" begrüßt mich schließlich nach mehr als 30 Minuten heftigen Aufstiegs ein kleines Schild am Ausgang der Felspassage. Nun erst einmal entspannen. Massimo kommt mir entgegen, wie immer mit leicht schelmischem Lächeln, und klatscht ab: "Das war es mit der Anstrengung für heute, jetzt kommt eine wahnsinnige Abfahrt!" Na, das ist doch mal eine Ansage, und ich drohe ihm gedanklich mit der sofortigen Exekution, wenn dem nicht so ist! Aber unser Guide wird schon recht behalten, schließlich ist Massimo der Inhaber von "Aosta Valley Freeride" und kennt sich hier, in seiner Heimat, bestens aus.

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Adrian Reiter
Mal zart, mal hart. Die Abwechslung aus einfachen und knackigen Passagen macht diese hochalpine Region aus.

Nach kurzer Rast stehen wir am Start des Banzaitrails. Flowig schaut er aus, was mich nach der alpinen Plackerei bergauf verwundert. Egal, ab(wärts) geht’s! Weite und enge Kurven reihen sich wie an der Perlenkette aneinander. Und das in karger, hochalpiner Kulisse – riding on the moon! Dann wird es grüner, es folgen malerische Wiesen, urige Flussquerungen. Der Trail nimmt Tempo auf – und wir auch. Massimo ist sichtlich zufrieden mit der Stimmung unserer Gruppe und macht immer weniger Stopps. Bis jetzt. Eine stark verblockte Felspassage mit enger Rinne und anschlie.ender Stufe lauert. Nach kurzer Besichtigung entscheiden wir uns, diese fahrend in Angriff zu nehmen. Hilft ja nix, Massimo ist schon unten und wartet auf uns. Immer wieder treffen wir jetzt auf kurze, felsige Stücke, teils gewürzt mit engen Serpentinen. Erst zum Ende dieses unglaublich langen Trails gleiten wir auf weichem Sandboden sanft daher und fahren berauscht in Cogne ein – einem kleinen, idyllischen Ort im Naturpark Gran Paradiso auf 1534 Metern. Eingerahmt durch weite, grüne Wiesen und hohe, schneebedeckte Berge.

Am nächsten Tag wollen wir hinauf nach Pila, im Winter ein großes Skigebiet, im Sommer Heimat eines nicht gerade kleinen Bikeparks. Massimo verspricht uns aber keine Murmelbahnen aus der Retorte, sondern einen der längsten Trails der Alpen. Entsprechend gespannt stehen wir am Morgen an der in die Jahre gekommenen Bergbahn, die uns auf eine Höhe von 1850 Metern schleppt. Zum Einfahren gönnen wir uns zunächst doch etwas Parkaction. So wedeln wir auf einer Flowstrecke durch den Wald, die Sprünge stets so angelegt, dass jeder auf seine Kosten kommt. Plötzlich weichen die Anlieger natürlicheren Elementen. Durch zig Kurven, über kleine Bodenwellen, auf Wurzelteppichen und Steilrampen geht es nach unten. Das alles durch dichten Kiefernwald – super.

Nach weiterer Bergfahrt nehmen wir unser eigentliches Ziel in Angriff. Dafür müssen wir zunächst über eine breite Forststraße 300 Höhenmeter nach oben treten, um an den Lac Chamolé, zu gelangen, einen wunderschönen Bergsee oberhalb von Pila. Vom See strampeln wir ein letztes Stück bergauf, bevor wir einem fast ebenen, schmalen Weg bis zu einer kleinen Alm folgen.

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Oft trifft man bei den Touren auf Bergseen, die sich trotz hochalpiner Lage für eine kurze Erfrischung anbieten.

Massimo grinst uns an und fragt: " Kennt ihr Rocky Balboa?" Wir schauen uns irritiert an. Massimo klärt uns mit einem Augenzwinkern gleich auf: "Die Einheimischen nennen den jetzt folgenden Trail so." Zu Beginn erschließt sich mir dieser Zusammenhang nicht, schließlich zieht sich der Weg ohne große Schwierigkeiten wunderschön an der Gratkante entlang. Ab einer idyllischen Kapelle ändert sich diese Charakteristik schlagartig, und allen wird klar, wie dieser Trail zu seinem Namen kam: Es wird grob – sehr grob! Der Weg ist durchsetzt von kleinen und großen Felsabsätzen und Steinen. Arme und Oberschenkel sind im Dauereinsatz, die Gabeln und Dämpfer an unseren Bikes ächzen unter der Belastung. Immer wieder müssen wir anhalten und unsere Arme ausschütteln, den verkrampften Bremsfingern eine Pause gönnen – was ein grandioser Trail, der im Alpenraum wirklich seinesgleichen sucht! Glücklich und bis zur Helmkante mit Adrenalin betankt, fallen wir in Aostas antike Innenstadt ein, um uns nach diesem wilden Ritt ein Abschlussbier zu gönnen.

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Gute Tourenplanung ist in einem dermaßen weitläufigen, alpinen Gebiet Pflicht.

Aosta ist der Hauptort des Tals und war schon zu Zeiten der alten R.mer ob seiner strategischen Lage zwischen kleinem und großem St.-Bernhard-Pass bedeutend. Davon zeugt heute die imposante Stadtmauer, außerdem stammen der Triumphbogen, ein Theater und mehrere Brücken aus der Zeit des römischen Kaiserreichs. Massimo erklärt, dass Aosta früher zu Frankreich gehörte. Erst Mitte des 19. Jahrhundertsfiel es an Italien, weshalb große Teile der Bevölkerung im Tal zweisprachig sind. Am nächsten Tag schaukeln wir mit dem Shuttle quer durch das Aostatal nach La Thuile, einer kleinen Gemeinde in Schlagdistanz zum Mont Blanc. Wieder locken hochalpine Naturtrails sowie ein Abstecher in den Bikepark. Unser Blick schweift zu den hohen Gipfeln, aber auch zu den zahlreichen zauberhaften Burgen und Schlössern am Wegesrand. Diese sind meist unglaublich gut erhalten, obwohl sie bereits im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurden. An der Talstation in La Thuile hieven wir die Bikes vom Hänger. Noch lassen wir den Bikepark links liegen und kurbeln in die entgegengesetzte Richtung hinauf zum Colle San Carlo. Nach längerer Straßenauffahrt biegen wir an der Passhähe auf eine Forstpiste ein, der wir für die nächsten 250 Höhenmeter folgen, dann weiter auf einem technischen, aber weitgehend gut fahrbaren Trail zum Colle della Croce.

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Nix Murmelbahn! Viele Trails im Bikepark rund um La Thuile sind naturbelassen.

Auf diesem flachen Sattel angelangt, steht er in voller Pracht vor uns: der Mont Blanc! Der "weiße Berg" ist mit 4810 Metern Höhepunkt der Alpen und hat buchstäblich zwei Seiten: Im französischen Norden ist er eher rund, aufgrund der vielen Niederschläge stark vergletschert. Von Süden, also unserer Perspektive aus, gibt er sich felsig mit hohen, steilen Wänden und eingelagerten Gletscherflächen. Nachdem wir uns am Panorama sattgesehen haben, erwartet uns ein steiniger, hochalpiner "Radweg": Ausgesetzt mäandert er in anspruchsvollen Serpentinen nach unten. Dann surfen wir über sanftere, blühende Almwiesen und schließlich hinein in lichten Kiefernwald. Die Abfahrt nimmt immer mehr Flow auf, der Weg wird breiter, die Kurven öffnen sich, vollgepumpt mit Glückshormonen landen wir in La Thuile. Aber der Tag hat noch ein paar Stunden, und so bringt uns die schmucke Bergbahn zu den vielen Abfahrten des Bikeparks. Überraschend natürlich, mit vielen Waldtrails geht es auf der "stillen" Seite des Parks zu. Für unseren Abschlussabend hat der hiesige Mountainbikeverein eine Weinprobe organisiert. Der Verein pflegt die Naturtrails im Tal und möchte den MTB-Tourismus in geordnete, naturverträgliche Bahnen lenken. Bis spät in die Nacht sitzen wir bei einheimischen Tropfen in einem antiken Kellergewölbe und bekommen von den Guides von Aosta Valley Freeride noch unzählige Tipps.

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Viele der urwüchsigen Almen sind liebevoll bewirtschaftet und bieten vorwiegend ausgezeichnete Produkte aus der Region an.

Es gibt viele typische Biketäler in den Alpen, das Aostatal ist, vielleicht auch aufgrund der langen Anfahrt, noch eher unbekannt. Dabei bietet es durch seine Dimension und die umgebenden hohen Berge unendliche Möglichkeiten, von epischen Touren über kilometerlange Flowtrails und Bikepark-Action bis zum Bikebergsteigen in hochalpine Felsregionen. Mich hat dieses Tal zumindest in seinen Bann gezogen, und so heißt es doch auch: einmal Aosta Valley, immer Aosta Valley!

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