Schweiz: Luzern-Umfahrung

Schweiz: Luzern-Umfahrung

Foto: Roger Grütter
Nomaden bleiben daheim. Of wird vergessen, welche Trail-Schätze vor der Haustüre liegen. Doch braucht es erst mal schlechtes Reisewetter, dass man zu seinem heimischen Trail-Glück gezwungen wird.

Es ist beinahe schon eine Sucht: jedes Mal was Neues! Auf der Suche nach dem nächsten Singletrail steht stets eine neue Bike-Destination auf dem Plan – und das nahezu jedes Wochenende. Welche Region steuern wir als nächstes an? Hoch hinaus? Geht noch nicht, zu viel Schnee liegt in den Bergen. Süden? Nein, die Wetteraussichten sind schlecht. Wir wühlen uns durch die unzähligen Karten und gleichen die Wunschziele mit den Wetterprognosen ab, immer mit demselben Resultat. Einzig in der Zentralschweiz – also zu Hause – wird schönes Wetter vorausgesagt. Dann machen wir die Not zur Tugend: eine Tour rund um Luzern

Foto: Roger Grütter

Singletrail-Spass direkt am Stadtrand, Luzern ist beste Basis für Bike-Routen.

Raus aus der Türe, rein ins Grüne

Beizeiten zur Haustür raus, startet die heimische Entdeckungsreise beim Hauptbahnhof. Gemütlich rollen wir aus dem Zentrum und lassen den Lärm der Stadt langsam hinter uns. In Luzern beginnt die Idylle direkt am Stadtrand. Kurz vor dem Hotel Sonnenberg lassen wir die Blicke zurück über Luzern und den Vierwaldstädtersee schweifen – was für ein Ausblick! Die Abfahrt vom Sonnenberg startet sanf und endet am Ortsrand von Kriens. Hier wechselt die Szenerie komplett. Im Schatten des Pilatus winden wir uns zur Gibelegg hoch – durch eine Landschaf, wie sie im tiefsten Entlebuch zu fnden ist. Belohnt wird man auf der Krienseregg gleich doppelt: Die Aussicht auf Stadt und See übertri?t diejenige vom Sonnenberg, und als Kontrast ragt hinter unserem Rücken steil der Pilatus empor. Der Trail rüttelt erst mal alle Sinne wach. Er ist nichts für zarte Gemüter. Technische Passagen werden von rasanten Abschnitten abgelöst. Das Gelände wechselt ständig, und es wird bis runter nach Horwnie langweilig. Facettenreicher geht es kaum.

Foto: Roger Grütter

Der Heimweg per Dampfschiff ist ein seltenes Vergnügen.

Huckepack in Stadtnähe

Das Flachstück bei Horw ist willkommen, um die Beine wieder in Schwung zu bringen. Danach fühlen sich die ersten Meter des Aufstiegs, mit dem Renggpass als Ziel, nicht ganz so harzig an. Die Steigung schlängelt sich den Haltiwald hoch, und einige Kehren später verlassen wir ihn wieder. Die Kapelle Hinterrengg markiert das Ende des Fahrbaren – jetzt müssen die Bikes noch geschultert werden. Bike-Steigen am Stadtrand! Nach dem Renggpass ist volle Konzentration gefordert. Der Trail führt den Bergkamm entlang zum Lopper. Einfach der Hammer! Flow, Serpentinen und wechselweise feiner und ruppiger Untergrund. Die Abfahrt ist wahres Trail-Feuerwerk und endet direkt am See.

Die Tour neigt sich dem Ende zu, aber zuerst müssen wir nach Luzern zurück. Statt aber der Hauptstrasse entlang zurückzufahren, wählen wir den Wasserweg. Die Rückfahrt per Dampfschiff über den See ist ein Höhepunkt, den kaum eine andere Bike-Tour bieten kann. Besser hätte der Abschluss dieser coolen Tour mit intensivem Stadt-Land-Kontrast nicht sein können. Wieso Abschluss? Es sind noch einige Körner übrig, und statt direkt ins Stadtzentrum zu pedalieren, wird die alte Feierabendrunde angesteuert. Bald rattert der feine Schotter des Forstwegs unter den Stollen, und wir fühlen uns Jahre zurückversetzt. Die Trails bieten tatsächlich noch denselben Spass wie damals. Nach den letzten, ruhigen Momenten im Grünen zieht es uns wieder zurück ins Gewusel der Stadt. Für einmal steht keine stundenlange Autofahrt nach Hause an. Wir sind zu Hause und haben hier mehr erlebt als auf so manchen Trail-Reisen.

Hier gibt es die GPX Daten als Download

24.04.2016
Autor: Thomas Giger
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2018