MTB-Tour auf dem Lötschentaler Höhenweg

Lötschentaler Höhenweg: Mountainbike-Tour

Foto: ALEX BUSCHOR
Das Lötschental ist ein Kleinod im Wallis. Genauso wie der Höhenweg von der Lauchern- zur Fafleralp. Der vielen Wanderer wegen ist er eigentlich ein Tabu für Mountainbiker. Problemlos ist er aber für jene, die sich (nicht nur) an die Gesetze der Physik halten.

Ein ungeschriebenes Gesetz unter Mountainbikern besagt, dass man stark bewanderte Wege an Wochenen den meidet. Aber diesmal halten wir uns nicht daran. Der Grund ist trivial: Der Lötschentaler Höhenweg steht seit Jahren auf dem Plan, und jetzt sind wir als weither gereiste Ostschweizer für einmal ganz in der Nähe. Das Wetter stimmt, alles passt. Eigentlich eine explosive Kon?iktmischung. Asche aufs Haupt, wir starten trotz dem. Schon im Zug von Thun nach Goppenstein bele gen sie fast jeden Sitzplatz, so zahlreich sind sie, die Wanderer. Wir plaudern mit ihnen, sie interessieren sich für unsere Räder, wir für ihre Carbonstöcke. Die Chemie stimmt, wo ist eigentlich das Problem?

Zuerst einmal ist aber Physik in Goppenstein angesagt. In Form des Aufstiegs zur Kummenalp. Während 900 Höhenmetern gilt es, Muskelsaf in kinetische Kraf zu verwandeln. Die Motorenwärme wird in ?üssiger Schweissform absorbiert. Auf der Kummenalp steht dann die Chemie wieder im Zentrum in Form der Umwandlung des frischen Nussgipfels in verwertbaren Blutzucker.

Foto: ALEX BUSCHOR

Noch ist uns auf der Route kein Mensch begegnet. Das war zu erwarten, Denn die Volkssoziologie besagt, dass sich menschliche Wesen da in grösseren Mengen zusammenrotten, wo sie mit geringem Energieaufwand hinkommen. Also bestimmt nicht auf der Kummenalp. Die höchsten Dichtewerte werden in den Bergen bei Parkplätzen und bei Bergbahnstationen gemessen. Dieses Gesetz gilt auch im Lötschental. Den Tatbeweis liefert die Passage vorbei an der Lauchernalp. Hier führt eine Gondelbahn hoch, und ab jetzt sind wir nicht mehr alleine.

In die heisse Phase kommen wir auf dem Lötschentaler Höhenweg zwischen Weritz- und Fa?eralp. Der Start liegt bei der Seilbahnstation, das Ende bei einer Postautohaltestelle. Wir erwarten an diesem Schönwettersonntag weder eine ungebremste Flow-Orgie noch einsame Bergidylle. Immer wieder mal stehen wir zur Seite, ein Schwätzchen da beim Rentnerpaar, ein Spruch hier bei der Familie. Kein einziges Mal werden wir angeschnauzt. Der Höhepunkt ist erreicht, als uns ein Senior vor einer Wurzelpassage einen Schluck Selbstgebrannten aus seinem Flachmann anbietet.

Zufrieden sitzen wir später beim Schwarzsee im Gras, als ein anderer Mountainbiker vorbeifährt. Uns bemerkt er nicht, für die Bergidylle hat er keine Musse, und ohne zu grüssen zischt er an den ängstlich zur Seite stehenden Fussgängern vorbei. So macht man sich keine Freunde. Vielleicht haben unsere positiven Erfahrungen mit den Wanderern etwas mit uns zu tun. Actio est reactio.

Nach der Fa?eralp ist für uns der Trail-Spass noch nicht zu Ende. Nun sind wir aber wieder weitgehend alleine unterwegs. Die Wanderer pferchen sich hier in das Postauto, wir hingegen folgen dem geschmeidigen Singletrail entlang dem Talboden des Lötschentals. Wir erreichen Goppenstein zeitgleich wie ein Postauto, und vereint geht es wenig später im Zug zurück nach Thun.

Die morgendlichen Befürchtungen sind längst ver?ogen. Ein Tabu sei es, an einem Schönwettersonntag mit dem Bike den Lötschentaler Höhenweg in Angriff zu nehmen. Das sehen wir nun anders. Actio est reactio. So einfach könnte das Leben sein.

16.03.2018
Autor: Thomas Giger
© MOUNTAINBIKE