Region Ogliastra: Meer, Felsen und Stille

Outdoor-Sportler, die Kraft tanken möchten, sind in der Region Ogliastra richtig.

Gegensätze ziehen sich nicht an, sie fordern heraus! Das merken Outdoorsportler ganz schnell, wenn sie in der Region Ogliastra im östlichen Teil Zentralsardiniens unterwegs sind.

Hier, wo an der Küste gewaltige Felswände auf einsame Buchten treffen, smaragdgrünes Meer von weißen Sandstränden gesäumt wird und kleine Bergdörfer durch gute Asphalt­sträßchen erschlossen sind, können sie an ihre Grenzen gehen.

Rennradfahrer, die Kurve um Kurve die Route vom 16 Meter niedrig gelegenen Bari Sardo am Meer zum 427 Meter hoch gelegenen Bergdorf Jerzu unter die Räder nehmen, werden das schnell spüren.

Nur gut, dass sie in dem kleinen Pasta-Geschäft am Ortseingang von Jerzu schnell ihre Kohlehydratspeicher wieder auffüllen können. Allerdings nicht Italien-like mit Nudeln, sondern mit „Coccois Prenas“: Brotteig in Aprikosen- bis Pfirsichhälftengröße, der mit Kartoffelteig oder anderem Gemüse gefüllt wird.

Die „Coccois Prenas“ sind übrigens nur eine von über 270 Brotarten, die es auf Sardinien gibt. Wer beim Namen Jerzu unweigerlich an Wein denkt, liegt richtig.

In dem terrassenförmig angelegten Ort wird der vollmundige Rotwein „Cannonau di Jerzu“ hergestellt. Schon bei der Auffahrt fallen die kleinen Felder mit den vielen Reben auf.

Auffallend sind in der Region Ogliastra aber auch die Felszacken, die überall auf den Hügeln aus dem Wald herausragen oder den Gipfel eines Berges schmücken. In ihrer Struktur erinnern sie alle ein bisschen an die Sandsteintafelberge aus dem Monument Valley.

Einer sticht dabei besonders heraus: die „Perda Lia­na“. Der 1293 Meter hohe Berg ist eines der bekanntesten Naturdenkmäler Sardiniens. Wie ein Leuchtturm den Seeleuten, weist die Perda Liana den Outdoor-Sportlern im östlichen Ausläufer des Gennargentu-Gebirges den Weg.

Von der Nuraghe Serbissi, die selbst auf einem 1000 Meter hohen Aussichtshügel thront, sieht man den an einen Western erinnernden 100 Meter hohen und 50 Meter breiten Felsturm besonders gut.

Apropos Western: Auch eine Geisterstadt gibt es in der Region Ogliastra. Rennradfahrer lernen sie auf der Cannonau-Tour kennen. Das Dörfchen Gairo wurde 1952 teilweise vom Berg geschwemmt und etwas oberhalb neu aufgebaut. Die übrig gebliebenen Häuser bilden Gairo Vecchio, sind teilweise zerfallen und von Pflanzen überwuchert.

Das Pendant zur Perda Liana ganz ohne Westernflair ist die „Aguglia“, eine 140 Meter hohe Felsnadel die über der Cala Goloritzé in den Himmel spitzt. Sie ist das Kletterwahrzeichen Sardiniens und ihr Fuß auch per pedes gut erreichbar.

Tour 1: Cala Goloritzé (Wander-Tour)

305 Hm, 4 km, 3–4 Std., leicht bis mittelschwer

Auf dieser Tour lernen Wanderer nicht nur das steinreiche Sardinien kennen, sondern mit der Cala Goloritzé auch eine der schönsten Buchten der Insel.

Anspruch: konditionell leichte bis mittelschwere, technisch mittelschwere Tour, bei der Trittsicherheit vorteilhaft ist.

Charakter: Anders als bei Gipfeltouren geht es auf einem ­abwechslungsreichen Weg durch Wald erst hinunter zur Bucht und anschließend wieder hinauf.

Start-/Zielpunkt: bewachter Parkplatz für Wanderer an der Bar „Su Porteddu“ bei der Ortschaft Baunèi (480 m).

Karte: IGM-Karte Blatt 517, „Baunèi“, 1:50 000.

Route: Am Parkplatz folgt man rechts dem Weg hinter der Schranke hinauf zur Hochebene Serra Salinas. Anschließend geht es teilweise durch Wald bergab. Man passiert in Fels gehauene Schafställe, Steinmäuerchen, kommt an imposanten Felswänden vorbei und schreitet durch ein Felsentor. Über steile Stufen unterhalb der „Aguglia“, dem Kletterwahrzeichen Sardiniens, steigt man schließlich zur Bucht von Goloritzé ab.

Tour 2: Nuraghen-Tour (MTB-Tour)

1117 Hm, 26,2 km, 3–4 Std., mittel

Diese Waldrunde verbindet kleine Bergdörfer, die sich wie Schwalbennester an die Hänge der Gennargentu-Ausläufer schmiegen, mit der Nuraghe Serbissi.

Anspruch: technisch leichte, konditionell mittelschwere Tour.

Charakter: dank Waldanteil und Höhenlage erfrischende Runde, die auch bei Hitze gefahren werden kann.

Start-/Zielpunkt: Ulassai (775 m).

Karte: IGM-Karte, Blatt 541 „Jerzu“, 1:50 000.

Route: Zuerst folgt man den Schildern zur Grotte Su Marmuri. Danach geht es bald bergab zu einer Wegaufteilung. Auf der mittleren Straße kommt man an eine Kreuzung und fährt zur Nuraghe Serbissi. Zuerst auf Schotter, dann Asphalt gelangt man über die Scala di San Giorgio nach Ósini und Ulassai.

Tour 3: Cannonau-Tour (Rennrad-Tour)

970 Hm, 60 km, mittel

Der Cannonau-Wein aus der Region Jerzu überzeugt durch sein vollmundiges Bouquet, diese Rennradtour durch eindrucksvolle Panoramen.

Anspruch: mittelschwere Tour auf gutem Asphalt.

Charakter: Steigungen bis 1000 m Höhe und milde Gefälle lassen auf dieser Runde jedes Biker-Herz höher schlagen.

Start-/Zielpunkt: Bari Sardo (6 m).

Karte: Straßenkarte Sardinien 1:200 000.

Route: Die Tour führt mit zahlreichen Steigungen über die Bergdörfer Cardedu, Jerzu, Ulassai, Ósini, Gairo, den Passo Sarceri sowie Lanusei und Loceri zurück nach Bari Sardo.

17.08.2011
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 09/2011