Mountainbiken rund um Eisenach – Infos, Tourentipps und GPS-Daten

Biken rund um Eisenach: alle Infos

Im Schatten der Wartburg findet man alles, was einen verlängerten Wochenendtrip lohnenswert macht: eine sehr gute Trail-Infrastruktur in märchenhafter Landschaft. Dazu lockt das charmante Städtchen Eisenach mit „erfahrbarer“ deutscher Geschichte und einer sehr aktiven Bikeszene. Wir stellen vier Top-Touren rund um Eisenach vor vor - inklusive GPS-Daten.

Lage: Eisenach liegt im Westen des Bundeslandes Thüringen und ist eine der sogenannten „Lutherstädte“. Die kreisfreie Stadt hat etwa 42 000 Einwohner und wird wegen der gleichnamigen Burg auch „Wartburgstadt“ genannt. Im Süden und Südwesten bildet der Rennsteig die Grenze des Stadtgebiets. Die Stadt liegt ca. 215 Meter hoch, der Kleine Drachenstein bildet mit 460 Metern Höhe den höchsten Punkt des Eisenacher Stadtgebietes.

Beste Reisezeit: Ganzjahresrevier, am schönsten aber von Anfang April bis weit in den goldenen Oktober hinein

Anreise: aus Richtung Frankfurt via A 5 und A 4 (200 km/2 h); aus Richtung Köln über A 45, A 5 und A 4 (300 km/3 h); aus Richtung Nürnberg via A 73 (240 km/3 h); aus Richtung Berlin über die A 9 und A 4 (360 km/4 h)

Radlerfreundliche Hotels in Eisenach: Hotel am Bachhaus (www.hotel-am-bachhaus.de); City Hotel Eisenach (www.cityhotel-eisenach.de); Göbels Sophien Hotel (www.goebel-hotels.com/eisenach/sophienhotel/); Hotel Eisenacher Hof (www.eisenacherhof.de); ibis Hotel Eisenach (www.hotel-eisenach.com); Logotel Eisenach (www.logotel.de)

Guiding & Fahrtechnik: Keiner kennt die Wartburg-Trails besser als Alexander „Teschi“ Teschner. www.trailxperience.com/regionen/fahrtechnikzentrum-eisenach-thueringer-wald/15

Bikeshops: Bike-Service (www.bs-bikeservice.de) und Cycle-Service (www.cycle-service-eisenach.com), beide in Eisenach-Downtown, trocknen alle Mountainbiker-Tränen.

Biken rund um Eisenach: Geheimtipps

1. Fahrtechnikzentrum TrailXperience: Bei Alexander „Teschi“ Teschner in Eisenach lernt man Mountainbiken von den ersten Schritten bis zu Profi-Techniken. Kontakt siehe oben.

2. Lutherstuben: Tafeln wie zu Luthers Zeiten! Im Erlebnisrestaurant Lutherstuben lässt sich spätmittelalterlich schmausen – natürlich in authentischem Ambiente. www.lutherstuben.de

3. Bachhaus: Das Musem ist dem dort geborenen Komponisten Johann Sebastian Bach gewidmet. Auf 600 m² Ausstellungsfläche werden 250 Originalexponate gezeigt. www.bachhaus.de

4. Eisdiele: Nach Abfahrt vom Mädelstein muss man unbedingt in die Frankfurter Straße 120 fahren! In der Eisdiele „Zum kalten Kuss“ gibt es hausgemachtes Eis – und zudem lecker Hefeweizen.

5. Und nach dem Ride? „Schorschl“ gehört seit Jahren zum Eisenacher Nachtleben wie die Esel zur Wartburg. Breites Angebot an (teils exotischen) Bier- und Whiskysorten, sympathisches Ambiente, nette Menschen, Kunst und Livemusik. www.schorschl.de

MTB-Reportage Eisenach

Vor nicht allzu langer Zeit, um genau zu sein vor 500 Jahren, hämmert der Legende nach ein Augustinermönch, Professor und Priester von Wittenberg 95 Thesen an seine Schlosskirche. Vier Jahre später befindet er sich deshalb auf der Flucht vor dem Zorn der katholischen Kirche und wird in den Wäldern Thüringens von bewaffneten Männern vorsorglich festgesetzt. Unter dem Schutz eines wohlgesonnenen Kurfürsten, hinter den Mauern der Wartburg und unter falschem Namen übersetzt er dann in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Damit leistet er der deutschen Sprache und der Reformation einen unschätzbaren Beitrag. Und schenkt uns zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 einmalig einen zusätzlichen bundesweiten Feiertag.

Ziemlich genau 495 Jahre später hat der RSV Eisenach uns Mountainbikern das „Wartburg-Enduro“-Rennen geschenkt – und leistet obendrein noch einen unschätzbaren Beitrag für das Biken, weil sich die Verantwortlichen des Radsportvereins mit viel Herzblut in enger Abstimmung mit dem Forstamt um den Ausbau der Trail-Infrastruktur kümmern.

Was dabei entstand, zeigen uns der RSV-Vorsitzende Thomas Rieth sowie der ehemalige Downhill-Weltmeister Wilfred van de Haterd an der Grillhütte im Mariental, wo wir uns treffen. Beide sind hier heimisch und mit jeder Wurzel vertraut. Fotograf Dennis und der gebürtige Holländer Wilfred kennen sich bereits aus ihrer Zeit als Downhill-Profis. Thomas und ich hatten das Vergnügen schon letztes Jahr, als er mich auf die teils flowigen, teils anspruchsvollen Trails der Wälder rund um die Burg mitnahm. Und damals war mir schon klar: Hier muss ich noch mal hin – wegen der Kultur. Und wegen der Trails.

Thüringen = Bratwurst und Rennsteig

Die Gegend hier hat einiges zu bieten: Der Rennsteig, jener 170 Kilometer lange Höhenweg durch den Thüringer Wald, ist schon seit dem Jahr 1330 bekannt und gehört zu den beliebtesten Weitwanderwegen Deutschlands. Aus der Neuzeit stammt der teilweise parallel verlaufende Rennsteig-Radwanderweg, den wir auch in den kommenden Tagen immer mal wieder kreuzen werden. Besondere Highlights sind aber die vielen Pfade, die verspielt an den Hängen um die bewaldeten Hügel herumführen.

Eisenach hat nicht nur ein abwechslungsreiches und weitläufiges Wegenetz, sondern mit „TrailXperience“ auch ein eigenes Fahrtechnikzentrum, das für Einsteiger und Fortgeschrittene Kurse und mehrtägige Singletrail-Camps anbietet (Kontakt siehe oben).

Und dann gibt es abseits der Wartburg noch die vielen Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten, die den Rennsteig säumen. Beim Duft der Rostbratwurst vom Grill im Mariental jedenfalls läuft uns bereits schon vor dem ersten Anstieg das Wasser im Mund zusammen. Die Thüringer Rostbratwurst hat ihren guten Ruf zu Recht: Das grobe Mett mit der fantastischen Würze und dem charakteristischen Kümmelgeschmack – dazu original Bauz’ner Senf – ist nicht unbedingt Sportlernahrung. Aber einfach extrem lecker.

Doch bevor gefuttert wird, treten wir erst mal aus der Stadt durchs Südviertel. „Das ist eine der größten zusammenhängenden und denkmalgeschützten Villenkolonien in Deutschland“, erklärt Thomas. Während wir uns die steilen Steige emporschrauben, bewundern wir die abwechslungsreichen Baustile der prachtvollen Villen.

Wartburg-Sightseeing „on the flow“

Dann aber biegen wir ab in den Wald und stechen gleich schon in den ersten Trail ein, der uns auf den Kamm eines bewaldeten Bergrückens führt. Immer wieder pausieren wir an Aussichtsplätzen wie dem Großen Drachenstein, wo wir im Schatten einer uralten Eiche einen wunderbaren Rundumblick hinunter ins malerische Umland, zum Hörselsberg und über die grüne Berglandschaft bis zum Inselsberg genießen. Auf dem anschließenden Höhenweg, der von lichten Wäldern gesäumt wird, lassen die Jungs es ordentlich laufen.

Trotz der seitlich stehenden Bäume, die ihre Wurzeln quer über den Weg strecken, geben unsere Guides und Fotograf Dennis ordentlich Druck aufs Pedal. Plötzlich kippt der Trail rechts nach unten ab, und ich sehe einen nach dem anderen verschwinden. Reisig und Staub wirbeln auf und der Duft von Tannennadeln liegt in der Luft, als wir uns einen Singletrail am Hang entlang auf einem wilden Ritt zurück ins Tal stürzen. Hätte ich mir denken können, dass ich die Hinterräder der Ortskundigen und Downhill-Cracks nur von Weitem zu sehen bekomme. Sauber durchgeschüttelt geht’s wenig später schon wieder stramm bergauf. Das Gelände ist meiner Heimat Stuttgart nicht unähnlich und der Höhenmesser hat am Ende eines Tourentages problemlos eine vierstellige Zahl auf dem Display.

Das Spannende: Die Landschaft im Schatten der Burg hat ihr ganz eigenes Flair und ich male mir aus, wie hier einst schwertbehangene Landsknechte mit Armbrüsten durch den Wald stapften.

Nach Berg und Tal kommt Rittermahl

Als wir am Parkplatz unterhalb der Wartburg rauskommen, treffen wir natürlich auf einen Grill. Und einen Stall mit Eseln, auf deren Rücken vor Freude jauchzende Touristen-Kinder einen steilen Pfad hoch zur Burg getragen werden. Es wäre ein Frevel, der „wachenden“ Burg nicht wenigstens einen kleinen Besuch abzustatten, auch weil das UNESCO-Weltkulturerbe mit den aufwendig restaurierten Räumen des Palas zu den schönsten historischen Bauten Deutschlands gehört.

Nach einer kleinen Rast rollen wir hinüber zum Mädelstein, dem der Burg gegenüberliegenden Hausberg von Eisenach, und genießen die Aussicht. Anschließend geht es über die Sängerwiese in die Drachenschlucht. Moosbewachsene Felswände ragen zu beiden Seiten, der sehr engen, verwinkelten Klamm empor, während unter uns das Wasser rauscht. Oberhalb krallen sich mächtige Buchen und Eichen mit ihren Wurzeln an den Fels und in den Waldboden. Die Landschaft könnte genauso gut der Vorstellung eines John Ronald Reuel Tolkien entsprungen sein. Zwar ist Radfahren ausdrücklich verboten, aber auch schiebende Biker beeindruckt die geheimnisvolle Atmosphäre der Schlucht.

Biker, Bibeln, Burschenschaften

Die Eindrücke lassen wir abends in der wundervollen Altstadt Eisenachs Revue passieren. Während uns eine Schankmagd in den Lutherstuben das Bier aus Tonkrügen kredenzt, ist das Gelage innerhalb der Schenke bereits im vollen Gange: Auf strohbedecktem Boden und an rustikalen Tafeln werden stilecht Spanferkel und meterlange Fleischspieße von der offenen Grillstelle geschmaust und Gaukler laden zum höfischen Tanz – kurz: Es bleibt kein Wunsch bezüglich spätmittelalterlicher Erlebnisgastronomie offen.

Am nächsten Morgen starten wir zum nahegelegenen Burschenschaftsdenkmal. Es prägt das Panorama östlich von Eisenach. Trotzig erheben sich die grauen Säulen aus den grünen Wipfeln der Bäume. Das Denkmal hat schon oft hitzige Diskussionen verursacht. Die DDR-Obrigkeit wollte es abreißen lassen, aber heute noch ziehen Burschenschaftler jährlich mit Fackelzügen hier hoch. Von hier oben schlängelt sich ein traumhafter Trail nach Süden am Hang entlang zur Aussicht auf dem Breitengescheid, wo wir einen fantastischen Blick hinunter ins Mariental und zur darüber thronenden Wartburg haben. Wir bekommen gar nicht genug von den verschlungenen Pfaden, die uns hinab in die Altstadt führen.

Auf dem idyllischen Marktplatz Eisenachs gönnen wir uns dann im Café „Zucker und Zimt“ zur Belohnung Cappuccino. Drüben am Stadtbrunnen trifft sich die Bikerszene Eisenachs. Wer nicht nochmals in die bewaldeten Hänge rund um die Stadt eintauchen will, rollt gemütlich durch die charmante Fußgängerzone, besucht das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach mitsamt Museum und lässt den Tag beim Bier in der Kleinkunstkneipe Schorschl ausklingen.

Eisenach lebt seine Geschichte mit jeder Pore. Und Eisenach ist in der Gegenwart ein echter Geheimtipp für Biker mit fast unbegrenzten Möglichkeiten. Gut möglich, dass Martin Luther die Wälder, Hügel und Berge rund um die Wartburg genauso geliebt hat wie wir 500 Jahre später. „Anstrengungen machen gesund und stark“ – besser als Luther kann man es eigentlich nicht sagen!

20.04.2017
Autor: Gustavo Enzler
© MOUNTAINBIKE