Dolomitencross mit dem E-MTB Andreas Kern
Dolomitencross mit dem E-MTB
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Dolomitencross mit dem E-MTB
Dolomitencross mit dem E-MTB 9 Bilder

Rund um Bruneck & Kronplatz: E-MTB-Dolomitentouren

Südtirol mit dem E-MTB erkunden Dolomitencross mit dem E-MTB

Der Pragser Wildsee ist der Instagram-Star schlechthin. Doch das Dolomiten-Juwel kann man auch traumhaft in eine Vier-Tages-Runde einbetten – und dabei tief ins Sagenreich der Fanes eintauchen.

Vier Tage in den Dolomiten

1. Auf den Kronplatz

Mehr zum Thema:
Länge 24,42 km
Dauer 2:05 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 1323 Meter
Höhenmeter absteigend 1075 Meter
Tiefster Punkt 955 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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2. Zum Pragser Wildsee

Mehr zum Thema:
Länge 35,22 km
Dauer 3:06 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1851 Meter
Höhenmeter absteigend 1068 Meter
Tiefster Punkt 1202 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Durch das Fanes-Reich

Mehr zum Thema:
Länge 28,91 km
Dauer 3:00 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1249 Meter
Höhenmeter absteigend 1101 Meter
Tiefster Punkt 1984 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Zurück nach Bruneck

Mehr zum Thema:
Länge 39,48 km
Dauer 2:26 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 1105 Meter
Höhenmeter absteigend 2275 Meter
Tiefster Punkt 2128 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Lage & Charakter:

Der Naturpark Fanes-Sennes-Prags liegt im Herzen der Dolomiten, zwischen Bruneck im Norden, Alta Badia im Südwesten und Cortina d’Ampezzo im Südosten. Die Bergregion ist geprägt von großen Hochalmen und zackigen Gipfeln und perfekt fürs E-MTB geeignet. Die Auffahrten sind oftmals sehr steil – ein Problem für Biker, keines aber für E-Biker. Im Herzen der Bleichen Berge kann man das Erbe der ladinischen Kultur hautnah erleben – und die Sagenwelt.

Anreise:

Via Füssen (A 7) und Fernpass oder via München und Kufstein (A 8 und A 12) nach Innsbruck. Auf der Brennerautobahn (Maut) nach Brixen. Hier in Richtung Pustertal und nach Bruneck. Parken am besten an der Talstation Kronplatz in Reischach.

Klima & beste Reisezeit:

Die Dolomiten bekamen in den letzten Jahren bedeutend mehr Schnee ab als die Nordalpen. Folglich muss man noch bis in den Juni hinein mit nordseitigem Altschnee rechnen. Beste Reisezeit: Anfang Juni bis Mitte Oktober. Dann haben auch die Liftanlagen an Kronplatz und St. Vigil geöffnet. Achtung August! In diesem Monat hat ganz Italien frei – und noch dazu herrscht meist akute Wärmegewittergefahr. Tipp: September!

Übernachtung:

  • Tag 1: Das Excelsior in St. Vigil im Gadertal wurde 2020 als bestes Aktivhotel im deutschsprachigen Raum in der Kategorie Bike ausgezeichnet: myexcelsior.com
  • Tag 2: Traumhaft gelegen und mit dem Flair eines Grandhotels der Jahrhundertwende empfiehlt sich das Hotel Hohe Gaisl auf der wunderschönen Plätzwiese: hohegaisl.com
  • Tag 3: Die Senneshütte versprüht viel Dolomiten-Charme: sennes.com

Bike-Guide:

Arno Feichter aus Innichen im Pustertal ist einer der Guides, die sich in den Dolomiten perfekt auskennen: bikeschool.eu. Die Bikeschool St. Vigil (mtb-sanvigilio.it) bietet zwischen Mai und Oktober Bike- und E-Bike-Touren von St. Vigil aus an – aber auch Fahrtechnikkurse.

Trailguide: Sagenhaft – Dolomitencross mit dem E-MTB

Was unterscheidet Terence Hill von Bud Spencer? Ganz klar: Beim Blonden kullerten die Tränen schneller – siehe "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971). Filmkumpel Bud Spencer ging schon vor fünf Jahren über den Jordan, und Terence baut – vierzig Jahre nach den Hau-drauf-Filmen – mehr denn je nahe am Wasser. Genauer: am Pragser Wildsee. Als Förster Pietro löst das rüstige Blauauge rund um den Bergsee seifenoperne Kriminalfälle. "Un passo dal cielo" – "Die Bergpolizei" – ist ein TV-Renner in Italien. Und auch dank Herrn Hill wurde der See zum Star in den sozialen Medien. Der einst verträumte Ort ist das meistfotografierte Motiv Europas bei Instagram! Was kaum ein Selfie-Fan weiß: Hier, auf 1500 Meter Höhe, im gewaltigen Schatten des mächtigen Seekofels, verbirgt sich der Eingang in die Unterwelt. Zumindest der Sage nach.

Dolomitencross mit dem E-MTB
Andreas Kern
Der Pragser Wildsee im Herzen der Dolomiten – Sehnsuchtsziel unzähliger Insta-Knipser. Mit dem E-Bike entdeckt man seine unbekannte Seite.

Apropos Sagenwelt: Kein Gebirge dieser Erde regt die Fantasie derart an wie die Bleichen Berge zwischen Bruneck, Bozen und Belluno. Weil die Felszacken mit etwas Honig im Hirn fast so aussehen wie Feen, Zauberer, Hexen und Zwerge. "Und kein Gebirge dieser Erde lässt sich derart gut mit dem E-MTB erkunden", sagt Arno und brettert los Richtung Kronplatz. Nebenan schwebt die Seilbahn hoch zum gigantischen Gipfelplateau. Aber wir haben ja unsere 625er-Akkus am Bergradl. Aber Obacht! Von Reischach, wo wir die Autos am Parkplatz der Talstation abstellen, bis zur Friedensglocke am Gipfel liegen stramme 1300 Höhenmeter. Strom-Management lautet also das Motto. Oben angelangt, liegt das Bergauf-Tagwerk von Etappe eins hinter einem, es geht nur noch runter. Nach St. Vigil ins Bikehotel. Darum mag ich die Dolomiten so sehr: Ob Tagestour oder Wochentrip – die Infrastruktur aus Auffahrtswegen und Liften, schmalen Trails bergab und feinen Einkehr- und Übernachtungshütten könnte besser nicht sein. Wer sich vier Tage Zeit nimmt, kann die Pragser Dolomiten und das sagenhafte Reich der Fanes entspannt erkunden. Sportliche E-Biker schaffen die Runde auch in drei Etappen. Wer mag, kann unterwegs immer wieder auch den einen oder anderen Abstecher einbauen.

Doch noch einmal zurück zu See und Sage. Einer der unzähligen Dolomitenlegenden nach kann man mit dem Boot in die unterirdischen Teile des Fanes-Reiches paddeln. Das Tor zur Unterwelt soll am Südende unterhalb des Seekofels (2810 m) liegen. Daher heißt dieser mächtige Klotz, der den See um fast eineinhalb Kilometer überragt, auf Ladinisch auch "Sass dla Porta" – Torberg. Aber weder den Eingang zur Unterwelt noch Terence Hill in Försterverkleidung können Leoni, Arno und ich hier finden. Dafür stolpert man quasi über Handy-Knipser aus aller Welt. Zum Seekofel führt selbst mit Elektrohilfe beim besten Willen kein Weg hinauf. Also machen wir uns durchs Hintertürchen auf und nehmen den himmlischen Umweg über die Märchenwiesen auf der Plätzwiese.

Dolomitencross mit dem E-MTB
Andreas Kern
Südtiroler Fernsehen: Vom Kronplatz aus schaut man bis zum Peitlerkofel (rechts) und zu allen Charakterköpfen der Dolomiten.

Die höllische Seite der Dolomiten erleben wir am nächsten Morgen. Das altehrwürdige, leicht skurrile Berghotel namens Hohe Gaisl liegt kaum außer Sichtweite, da sehe ich am flachen, almrauschgesprenkelten Pass, hinter dem es hinab nach Cortina d’Ampezzo geht, einen merkwürdigen Bau: das Sperrwerk Plätzwiese. Im Gebirgskrieg 1914–18 sollte diese Festung der K.-u.-k-Monarchie das Höhlensteintal und mit ihm das Pustertal vor den italienischen Alpini sichern. Doch schon die ersten beiden Granaten aus dem Valle Campedelle trafen voll ins Schwarze. Seither weist das Sperrwerk stumm und hässlich den Weg hinab nach Cortina. Und hinauf auf den Strudelkopf. Wer sich hier vom E-Antrieb nicht bis direkt ans Gipfelkreuz schieben lässt, ist selbst schuld. Die Aussicht könnte nicht schöner sein: im Osten der Rockergru. der Drei Zinnen, im Süden die eisgekrönte Tofana und im Westen die Hohe Gaisl – ein Monolith wie aus Herr der Ringe. Da wollen wir halb herum. Und mitten rein nach Mordor. Die Ladiner würden sagen: ins Reich der Fanes.

Nach dem morgendlichen Gipfelsturm auf uralten Dynamitwegen warten drei Sonderprüfungen: die anspruchsvolle Abfahrt hinab zur Hauptstraße nach Cortina, die kurze, aber knackige Auffahrt zur Forcola Lerosa und schließlich der Schlussanstieg zur Senneshütte. Der Reihe nach: Das Knappenfusstal ist bei Bikern beliebt, wenn auch offiziell verboten. Tipp: auf der kehrenreichen Militärstraße hinab nach Schluderbach. Das Gastspiel auf der Hauptstraße gen Cortina endet schon nach wenigen hundert Metern. Ein breiter, teils steiler Weg führt durch lichten Lärchenwald ins gigantische Amphitheater unter der Hohen Gaisl. Oben angelangt steuert Arno zielsicher gen Westen – und zeigt uns ein Juwel von Trail, das nach 300 Tiefenmetern bei Ra Stua endet. An der Hütte können Mensch und Maschine Energie tanken, bevor es durch Urlandschaft zur Senneshütte geht. Wer auf der Hochebene noch Akku und Körner hat, stattet dem Seekofel einen Besuch ab. An der Seekofelhütte ist für Bikes dabei Endstation. In eineinhalb Stunden erreicht man zu Fuß den Gipfel.

Dolomitencross mit dem E-MTB
Andreas Kern
Ich bin dann mal weg! Auf Militärwegen kommt man mit dem E-MTB problemlos bis ans Gipfelkreuz des Strudelkopfs.

Wer am dritten Tag beim Espresso auf der Senneshütte gen Westen schaut, sieht das "Parlament der Murmeltiere". Die wuscheligen Gesellen waren vor Urzeiten die Verbündeten der Fanesleute. Die Sage vom Reich der Fanes gilt auch im dritten Jahrtausend der Neuzeit als Nationalepos der Ladiner. Die Superheldin heißt Dolasilla, ist Königstocher und Anführerin bei der Entscheidungsschlacht gegen die Bösen. Dank eines undurchdringbaren Panzers und unfehlbarer Pfeile ist das Mädel schier unbezwingbar. Doch durch List und Tücke des bösen Zauberers Spina de Mul gelingt es den Feinden, sie zu töten. Dolasillas Leben endet auf der Pralongia – auf der anderen Seite der Fanes-Hochebene. Die finale Schlacht, in der die allerletzten Krieger des Fanesvolkes vernichtet werden, steigt aber am Fuße der Eisengabel (2534 m). Genau die haben wir voll im Blickfeld, als wir auf dem extrem steilen Kehrenfest hinab nach Pederü die Scheiben zum Glühen bringen.

Der Kreis schließt sich nach vier Tagen am Kronplatz. Da, wo Dolasilla einst zur Faneskönigin gekrönt wurde. Hier wartet auch die Krönung dieser sagenhaften E-Bike-Tour: der Herrensteig hinab nach Bruneck. Wer diese 1300 Tiefenmeter in einem Schwung hinabsurft, ist danach gerne wie Terence Hill nah am Wasser gebaut – vor Glück.

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