MB-0413-Suedtirol-Special-Eisacktal-1 (jpg) Manfred Stromberg
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Mountainbiken im Südtiroler Eisacktal - Infos und Tourentipps

Schöne Aussichten: Biken im Eisacktal

Was für Möglichkeiten! Biken im Eisacktal ist immer dreierlei: Hochgebirge kombiniert mit einer ausgedehnten Weinreben-Landschaft und einer Prise Kultur quirliger Altstädte.

Der Hagel trommelt aufs Autodach, die Sicht endet auf Höhe der Motorhaube des Shuttles. Im Nordic-Walking-Tempo tastet sich das Auto die Forststraße hinauf zur Hütte. Wir warten im Auto, bis die Hagelkörner kleiner werden, und sprinten ins Trockene. Die nächsten zwei Stunden treibt Cappuccino den Puls hoch.

Es ist nicht mein erster Besuch in Brixen, auch im vergangenen Herbst war ich hier: beim legendären CAIdom-Rennen. Der Massenstart-Downhill beginnt auf der Plose, dem Hausberg Brixens.

Genauer: auf einer großen Ebene, wo zu Zeiten des Kalten Krieges noch Nato-Soldaten exerzierten. Zusammen mit 200 anderen Freunden der Gravitation stand ich da und bekam nicht nur wegen des unerwarteten Schnees kalte Füße.

Doch spätestens, als der Hubschrauber herandröhnte, um das Startsi­gnal zu geben, spielte das alles keine Rolle mehr, so vollgepumpt waren alle mit Adrenalin.

Brixen bedeutet: Trails vom Feinsten

Von diesem Abenteuer schwärme ich den Jungs vor, während wir auf das angekündigte Wolkenloch warten. Endlich! Die Sonne zeigt sich. Wo eben noch dichte Nebelsuppe schwappte, erscheinen jetzt die majestätischen Spitzen der Geißlergruppe im klaren Abendlicht.

Unsere Augen leuchten, als wir starten. Satte 1.500 Höhenmeter Trailabfahrt liegen vor uns. Unser Guide Alex Resch, Brixener Hotelier und passionierter Biker, kennt hier jeden Trail. Übermütig wollen Tobias und ich uns ein kleines Rennen liefern, die vielen glitschigen Wurzeln mahnen aber zur Vorsicht. Scheinbar endlos schlängelt sich der Pfad dahin und bereitet trotz Nässe viel Freude. Im allerletzten Tageslicht erreichen wir Brixen und gönnen uns in einer quirligen Altstadtbar das erste Bier.

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Am nächsten Tag ist der Wallfahrtsort Latzfonser Kreuz unser Ziel. Vom Kasereck und der nahen Käserei Jochalm führt die Forststraße auf ein eindrucksvolles Hochplateau. Der Weg wird zum Trail und erfordert trotz des moderaten Anstiegs einiges an Kraft und Konzentration.

Auf dieser Talseite gegenüber der Plose ist der Blick auf die fernen Dolomitengipfel sensationell. Langkofel, Seiser Alm und im Vordergrund grasende Haflinger: Da baumelt die Seele trotz erhöhtem Puls. Das Kesselbild schließlich gibt den Blick frei auf den angeblich höchsten Wallfahrtsort Europas und die noch bevorstehenden Höhenmeter. Doch wir wären nicht in Südtirol, wenn danach nicht eine grandiose Abfahrt warten würde.

Lange Touren sind eine schöne Sache – können eine Truppe aber auch dazu bewegen, am Folgetag mal das Runterfahren ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen. Wir cruisen durch die Altstadt zum Bus zur Plosebahn. Das Städtchen gibt sich aufgeweckt. Viele Radfahrer sind unterwegs, die Cafés öffnen und wir genehmigen uns spontan einen zweiten Cappuccino.

Brixen liegt flach im Tal und ist umgeben von Mittelgebirgshügeln, das Umland ist hochalpin. Die Berge rundum bescheren ein angenehm trockenes Klima, 300 Sonnentage im Jahr sorgen auf der geringen Höhe von etwa 550 Metern für viel Wärme. Damit ist Brixen fast das ganze Jahr über ein ideales Bike-Gebiet. "Da unten ist die Strecke!" Aufgeregt zeige ich von der Gondel hinaus. Gelegentlich können wir einen Blick auf die Route des CAIDom-Rennens erhaschen – zum Nachfahren ist sie leider nicht komplett freigegeben.

Wir wollen heute neue Wanderwege erforschen. Zuerst stehen aber 500 Höhenmeter aus eigener Kraft an: Auf Forstwegen treten wir uns vor traumhafter Kulisse zur Plosehütte, dem "Rifugio Plose CAI". CAI steht für Club Alpino Italia­no, den Italienischen Alpenverein. Deswegen heißt das Rennen auch CAI-Dom: von der Hütte zum Domplatz. Der Plose besteht aus mehreren Gipfeln, einer davon ist der Telegraph.

Unsere heutige Tour-Empfehlung startet hier und fordert selbst unsere aus Bike-Guides bestehende Gruppe: Der Trail ist eng, ausgesetzt, lose und stufig. Für Verschnaufpausen sorgen nur einige Flow-Passagen. Leicht abgekämpft kehren wir in der Ochsenalm ein und genießen traditionelle Tiroler Speckknödel. Einfacher wäre es gewesen, den 30er-Weg direkt von der Gondel hierher zu nehmen, aber wir wollten ja Abenteuer …

Singletrail-Nirwana

Um die Fahrgemeinschaft aus der Gemütlichkeit zu reißen, braucht es einiges an Motivationsarbeit. Leicht träge starten wir auf dem Zirmweg am Hang entlang. Das Auf und Ab durch Alpenrosen und Zirben weckt schnell wieder die Lebensgeister der Truppe. Im kurvig-holprigen Spaßflow verpassen wir den Einstieg in den 4er-Wanderweg, aber nach einem Blick in die Karte ist die Fahrtrichtung schnell wieder klar. Bergab! 1.500 Höhenmeter Singletrail am Stück! Abwechslungsreich schlängelt sich der Pfad durch den Wald, fordernd, aber nicht überfordernd.

Viele rundliche Zapfen, hier Tschiertschen genannt, sorgen für ein kleines Plus an Spannung unterm Vorderrad. Nach der Plosebahn-Talstation will ich meinen Freunden die Rennstrecke zeigen und deren extremes letztes Stück fahren statt des klassischen Wanderwegs. Aber beim Rennen war ich wohl besser in Form. Heute schaffe ich gerade noch, eine unfreiwillige Schussfahrt ohne Bike zu verhindern.

Mit Stirnrunzeln beobachtet die Gruppe meine Bodenakrobatik und verabschiedet sich. "Viel Spaß noch", rufen sie und folgen dem Wanderweg. Dass sich unsere Wege länger als geplant trennen, hätte ich mir eigentlich denken können. Die Strecke ist natürlich nicht mehr markiert, und ich habe keine Brieftauben-Gene. Als ich schweißtropfend die Runde komplettiere, sitzen meine Kumpels schon längst vergnügt beim zweiten Radler.

Abwechslung ist Trumpf

In Brixen muss man sich nicht immer die Härte geben: Durch die Mittelgebirgslandschaft führen liebliche Trails, und so lassen sich hier Touren fahren, auf denen auch weniger Trainierte und Familien mit Kindern Spaß haben. Das Bike-Gebiet erstreckt sich über sieben, zum Teil wenig erschlossene Täler. Dank Plosebahn können viele Touren um bis zu 2.000 Höhenmeter entschärft werden.

Die Abendsonne taucht das Kloster Neustift zwischen den Weinbergen in weiches Licht. Zum Biken kommen wir spätestens im Herbst wieder. Und sollte es dann wieder neblig sein, warten wir auch gerne wieder auf der Hütte auf das fantastische Alpenglühen.

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Italien

Tourentipps im Eisacktal

Tour 1: Kurz und knackig

Charakter: Diese kurze, aber aufgrund der Trails und Anstiege recht anspruchsvolle Runde ist bei den Einheimischen eine sehr beliebte Tour nach Feierabend. 21 Kilometer/604 Höhenmeter/1,5 Stunden
Kondition: mittel
Fahrtechnik: mittel
Route: Brixen – Neustift – Raas – Natz – Elvas – Brixen.

Beschreibung: Vom Bikehotel Goldene Krone in Brixen fahren Biker Richtung Norden bis Hinterkranebitt (Seiserleite) kurz vor Neustift. Vor dem Hotel Pacher geht es rechts hinauf Richtung Raas und durch das herrliche Biotop "Raier Moos" über schöne Waldtrails in einer Schleife zurück nach Elvas.

Von dort führt die Route vorbei an der Sportzone Natz und weiter bis zum Bikehotel Jonathan. 100 Meter weiter biegt man rechts ab und fährt über Trails und Wiesen am Ölberg vorbei. Es geht wieder zurück nach Elvas, über den Europa-Höhenweg hinunter nach Kranebitt und nach Brixen.

Mountainbiken im Südtiroler Eisacktal - die schönsten Bilder

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Tour 2: Kastanien-Weg

Charakter: ein Klassiker mit einem steilen Anstieg ganz am Anfang und späterem Auf und Ab. 29 Kilometer/790 Höhenmeter/3 Stunden
Kondition: mittel
Fahrtechnik: mittel
Route: Brixen – Pinzagen –Feldthurns – Pardell – Klausen – Albeins – Brixen.

Beschreibung: Vom Bikehotel Goldene Krone folgt man Richtung Westen der Straße mit der Markierung Nr. 2a bis zur Kapelle St. Cyrillus. Weiter geht es auf der Straße bis nach Pinzagen, hier rechts abbiegen und links auf einen Schotterweg bis Tötschling auffahren. Dort erst der Markierung 11a, später 11 bis Feldthurns folgen.

Weiter über die abwechslungsreiche Teilstrecke mit der Markierung Nr. 12 bis zur Ortschaft Pardell. Abfahrt über Strecke Nr. 1 nach Klausen. Die Route führt Richtung Norden, die Eisack überquerend und auf dem Schotterweg Nr. 4 entlang des Flusses nach Albeins. Der Markierung Nr. 9 folgend, geht es zurück zum Startpunkt in Brixen.

Tour 3: Geisler Alm

Charakter: Diese Runde führt über abwechslungsreiches Gelände und bietet ein einzigartiges Panorama. 56 Kilometer/2.090 Höhenmeter/5 Stunden
Kondition: mittel–schwer
Fahrtechnik: mittel
Route: Brixen – Albeins – St. Magdalena – St. Peter – Teis – Albeins – Brixen.

Beschreibung: Von Brixen führt die Route zunächst nach Albeins und durchs Aferer Tal zum Russis Kreuz. Auf dem Schotterweg Nr. 11 geht es ins Villnösstal. Vorbei an der steinernen Kirche fährt man bis Ranui und auf dem Schotterweg Nr. 28. Nun nimmt man die zweite Kreuzung links (Nr. 34). Jetzt heißt es bergauf bis zur Geisleralm auf 1.996 m Höhe treten.

Weiter geht es auf dem Adolf-Munkel-Weg mit kleiner Schiebepassage und rechts der Markierung Nr. 35 folgend. Man nimmt die zweite Abfahrt rechts und folgt dem Schotterweg Nr. 28 bis zum Parkplatz. Auf der Straße Nr. 27 geht es nach St. Peter. Biker folgen links der Markierung Nr. 11 bis nach Teis. Die Abfahrt führt auf dem Weg Nr. 9 – teils Asphalt, teils Schotter – vorbei an Albeins und schließlich zurück zum Ausgangsort in Brixen.

Alle Infos zum Eisacktal

Lage, Anreise und beste Reisezeit

Lage: Das Eisacktal erstreckt sich auf einer Länge von 80 Kilometern vom Brennerpass Richtung Süden bis zur Südtiroler Landeshauptstadt Bozen.

Anreise: mit dem Pkw nach Innsbruck und auf der mautpflichtigen Brennerautobahn ins Eisacktal und nach Brixen (243 Kilometer/2,5 Stunden Fahrzeit ab München).
Mit der Bahn: Von Innsbruck verkehren mehrere IC- und EC-Verbindungen über den Brenner ins Eisacktal (www.bahn.de). Vom Bahnhof in den Hauptorten geht es per Bus in die umliegenden Dörfer und Seitentäler.

Beste Reisezeit: Höhenlagen zwischen 450 und 2.500 Meter bieten Spaß und Spannung in drei Jahreszeiten. Die tiefer gelegenen Routen im Eisacktal sind ab April bis spät in den Oktober hinein fahrbar. Trails in Höhenlagen ab etwa 2.000 Metern, z. B. die Plose, sind je nach Witterung ab Ende Mai/Anfang Juni bis Mitte September schneefrei.

Mountainbiken im Südtiroler Eisacktal - die schönsten Bilder

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Bike-Infos

Guiding, Testcenter und Reparaturen aller Art
Geführte Bike-Touren bietet "Brixbike" aus Brixen,
Tel. 00 39/04 72/83 51 54,
www.brixbike.it;

"Bikeplus" aus Klausen hat Scott-Testbikes, www.bikeplus.it; "M2-Bike" in Sterzing ist Testcenter für Felt, Kraftstoff und Corratec, www.m2-bike.com

Allgemeine Infos: www.eisacktal.com

GPS-Daten zu Touren im Eisacktal finden Sie hier.

Übernachtung

Im Vier-Sterne-Hotel Goldene Krone übernachten Biker sehr zentral. Außerdem führt Chef Alex Resch selbst Bike-Touren.
Via Fienili 4, I-39042 Brixen,
Tel. 00 39/04 72/83 51 54,
info@goldenekrone.com
Info: www.goldenekrone.com

Auch im Hotel Jonathan in Natz, 6 Kilometer von Brixen entfernt, führt der Chef Toni Überbacher persönlich seine Gäste auf Mountainbike-Tour.
Fürstnergasse 21,
I-39040 Natz,
Tel. 00 39/04 72/41 50 66,
info@hotel-jonathan.com
Info: www.hotel-jonathan.com

Der Guide im Rucksack

Wanderkarte "Brixen/Villnöß" Blatt 303 von Tabacco im Maßstab 1:25 000 (9,90 Euro).

Zahlreiche Tourenbeschreibungen im Netz gibt es unter: www.mountainbike.bz und www.goldenekrone.com/de/bike/tourendatenbank.html

Die Top-Touren des Eisacktals

Neue Trails und absolute Pflichtritte in der Region.

Tour 1: Im Juni 2013 öffnet auf der Plose ein 3,8 Kilometer langer Downhill-Singletrail mit 880 Höhenmetern und 25 Prozent Durchschnittsgefälle.

Tour 2: Die Brenner-Grenzkammstraße ist ein Teilstück vieler Alpenüberquerungen und einer der Tagestour-Klassiker im Eisacktal (47 Kilometer, 1.420 Höhenmeter, 4 Stunden).

Tour 3: Konditionell und technisch schwer – die Plose-Umrundung ist ein Muss in Brixen (49 Kilometer/2.400 Höhenmeter; mit Seilbahn 2 Stunden/1.000 Höhenmeter weniger/6 Stunden).

Tour 4: Südtiroler Bergsee-idylle und einen herrlichen Kaiserschmarrn gibt es auf der Radlseehütte am gleichnamigen See (33 Kilometer/2.012 Höhenmeter/5 Stunden).

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