MB 0619 Trailguide Ischgl Teaser Andreas Kern

Lift- und E-MTB -Paradies Ischgl

MTB-Trailguide: Ischgl

Mit seinen 752 Trail-Kilometern ist Ischgl ein vorderer Platz im Guinness-Buch der Bike-Rekorde sicher. Hier werden Enduristen und E-MTBler gleichermaßen happy.

Trailparadies Ischgl: Die wichtigsten Infos

Allgemeine Infos:

Lage und Charakter: Ischgl (1376 m; 1600 Einwohner) liegt im Paznaun im Westen Tirols. Das V-förmige Hochtal beginnt auf der Bielerhöhe (2037
m) und zieht sich auf 40 Kilometer Länge entlang des Flusses Trisanna bis nach Pians bei Landeck (856 m). Ischgl wird im Norden von der Verwallgruppe, im Süden von Samnaungruppe und Silvretta umgeben.

Urlaubsinfos: Das Infobüro Ischgl des TVB Paznaun-Ischgl befndet sich in der Dorfstraße 43. Tel. 00 43/50 99 01 00, info@ischgl.com, ischgl.com

Anreise: aus Richtung Ulm über die A 7, Fernpass und Inntalautobahn A 12 nach Landeck und Ischgl (230 km/3 h). Aus Richtung München über die A 95 nach Garmisch und via Fernpass und Landeck nach Ischgl (200 km/3 h)

Übernachtungstipps: Die Mitgliederbetriebe von Bike Holidays sind die beste Wahl für Biker. Im Paznaun gibt es zwei davon: das Fliana mitten in Ischgl (fliana.com) und das Weisse Lamm im Nachbardorf See (hotellamm.at). Weitere 61 Bikehotels in Österreich, Italien, Slowenien und in der Schweiz gibt’s unter bike-holidays.com

MTB-Infos: Auf ischgl.com/de/Active/ Active-Summer fndet man alles, was man für den Bike-Urlaub braucht – inklusive GPS-Daten von 37 Touren. Und für unterwegs? Die „iSki-Ischgl-App“

Silvretta Card all inklusive: Übernachtungsgäste erhalten sie beim Check-in. Mit der Card kann man alle Lifte und vieles mehr in Ischgl und Umgebung kostenfrei benützen – so oft man will!

Bkeshops und Rent: intersportwolfart.at; sportwalter.com; bruendl.at;
ischgl-rent.com; sport-ladner.at; sporthaus-narr.at

Geheimtipps:
Ischgl bietet viel mehr als nur feuchtfröhliches Après-Ski im Winter. Hier sind einige Sommerhighlights:
Spielplatz für Kids/Tour 1: Wer die 600 Höhenmeter als Familie geschafft hat, kann sich zurücklehnen – und die Kleinen auf Rutsche, Niederseilgarten und Streichelzoo sich austoben lassen.

So ein Käse: Die Lareinalm/Tour 2: Hier oben können Biker Paznauner Almkäse, Butter und Milch verkosten und kaufen sowie einen Blick in
die hauseigene Käserei werfen.

Gepflegt Gaumen kitzeln /Tour 3: Ob Paznauner Taja oder Idalpe – auf dieser Tour kommt man an den legendärsten Après-Ski-Spots der Alpen vorbei. Unbedingt die Weinkarte studieren!

Shoppen im Saumnaum/Tour 4: Das Schweizer Zollausschlussgebiet erreicht man von Ischgl aus mit zwei Liftfahrten und einigen tollen Trails. Zollbestimmungen beachten!

Alle GPX-Tracks vom Trailguide kostenlos downloaden

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Trailguide Ischgl: Alle GPX-Tracks zum Download0,05 MByte

Neunzehnhundertneunundneunzig war ein dramatisches Jahr: Der sechsmilliardste Mensch erblickte das Licht der Welt, Bill Clinton stolperte fast über die Affäre Lewinsky – und bei der Lawinenkatastrophe von Galtür verloren 31 Menschen ihr Leben. Ein halbes Jahr nach diesem tragischen 23. Februar 1999 stand ich mit dem Mountainbike oben am Zeinisjoch und schaute erschüttert hinunter nach Galtür. Über 300 000 Tonnen Schnee waren mit 250 km/h ins Tal gerast und hatten Teile des Dorfes unter sich begraben. Von hier oben erkannte man ein halbes Jahr später immer noch die Schneise der Verwüstung. Aber ich musste weiter. Ich wollte von Oberstdorf mit dem Bike an den Lago. Die dritte Etappe der sogenannten „Joe-Route“ führte von der Heilbronner Hütte übers Silberjoch hinab nach Galtür, durchs Paznaun und spätnachmittags durchs Fimbatal 900 Höhenmeter bergauf zur Heidelberger Hütte. Aber ich war schon unten im Talort verdammt groggy. Mit knurrendem Magen und trockener Zunge suchte ich in diesem kleinen Tiroler Dorf nach einem Supermarkt. Oder zumindest nach einem Dorfladen für die Nachmittagsjause. Vergebens. Nicht mal die Touri-Info hatte geöffnet. Der Name des Dorfs: Ischgl. Aber das ist längst Vergangenheit.

Grenzverkehr à la Bike Arena

MB 0619 Ischgl Trailguide Bild 3
Andreas Kern
Mountainbike Magazin Trailguide Ischgl 062019

20 Jahre später stehe ich mit Lena und Marc oben
auf der Greitspitze auf 2872 Meter Höhe. Die Zugspitze bei mir daheim ist nur 90 Meter höher. Aber
hier in Ischgl kann man sich mitsamt Bike auf gut
2700 Meter Höhe chauffieren lassen. Die viertelstündige Fahrt mit der Silvrettabahn zur Idalpe und mit
der Flimjochbahn aufs Äußere Viderjoch eröffnet
schier grenzenlose Möglichkeiten – für atemlose
Touren auf höchstem Niveau. Grenzenlos im wahrsten Wortsinn. Hier oben auf dem Grat, der vom
Viderjoch über Greitspitze, Salaaser Kopf und Palinkopf bis zum Zeblasjoch zieht, verläuft nämlich die grüne Grenze zwischen Tirol und der
Schweiz. Das Hochtal namens Samnaun gehört schon zur Schweiz, hat jedoch nur Zugang von Österreich aus. Daher genießt das 700-Seelen-Tal als „Zollausschlussgebiet“ einen Zollfreistatus ähnlich wie Livigno drüben im Engadin. Wer ein wenig Platz im Rucksack lässt und sich an die Ausfuhrbestimmungen hält, kann seine liftunterstützte Singletrailtour von Ischgl ins Samnaun mit einem netten Einkaufsbummel verbinden. Einen Ausweis dabeizuhaben ist sicher keine schlechte Idee, auch wenn oben am Grenzstein normalerweise keine Zöllner warten. Die Ischgler sehen diesen kleinen Grenzverkehr hinüber nach Samnaun jedenfalls sehr sportlich. Sie beschreiben im offiziellen, fast 120 Seiten starken Bikeführer neben 37 weiteren Touren selbst sogar einen „Schmuggler-Freeride“. Bloß gut, dass es Alpencrossrucksäcke mit Platz für 30 Liter gibt ...!

Lena, Marc und ich sind aber zum Fotografieren, nicht zum Schmuggeln hier. Also schenken wir uns die Rolex- und Schnapsläden und düsen vom Grenzkamm nicht bis ganz runter, sondern nur übers Salaaser Eck und über den feinen Flowtrail hinab zur Alp Trida. Wie drüben auf der Ischgler Seite die Idalpe ist die Alp Trida der Dreh- und Angelpunkt für Biker. Hier lassen sich die einen mit einem Lächeln im Gesicht mit den Liften hochchauffieren, die anderen schwingen derweil mit einem noch größeren Grinsen durch die gebauten Flowtrails, wieder andere strecken vor dem Gasthaus die Bäuche in die Sonne und lassen sich auf der Terrasse verwöhnen. Die Bike Arena ist eben Spaßprogramm auf oberster Ebene. Weniger für die Fullface-Fraktion als vielmehr für Enduristen und Tourer. Wer seine Goldcard dabeihat, kann auch auf höchstem (finanziellen) Niveau schlemmen. Als ich auf dem Alpenhaus automatisiert die Menükarte durchblättere, beschlagen mir fast die Brillengläser. Ein Château Pétrus 2012 kostet im Feinschmeckerrestaurant Idalp-Panorama nämlich 3905 Euro. Da lasse ich mir doch lieber jeden Tropfen meines Almdudlers auf der Zunge zergehen.

Après-Hauptstadt im Sommer

Wer Ischgl sagt, meint immer auch Après-Ski. Als ich 1999 auf meiner Alpenüberquerung durch das Paznauntal kam, war Ischgl schon bekannt dafür, eine der größten Nummern in Sachen Pisten und Feierspaß in den Alpen zu sein. Aber eben nur in den Wintermonaten von Dezember bis April. Im Sommer war das 1600-Seelen-Dorf so gut wie ausgestorben. In den 20 Jahren seit meinem ersten magenknurrenden und trockenzüngigen Boxenstopp war ich immer wieder in Ischgl. Sommers wie winters. Und verfolgte mit der staunenden Distanz des Touristen-Piefkes die rasante Metamorphose dieses einfachen Tiroler Bergbauerndorfes zum Ganzjahres-Hotspot.

Bettelarmes, steinreiches Dorf

MB 0619 Ischgl Trailguide Bild 2
Andreas Kern
Ischgl Trailguide Bild 2

Die Geschichte des Paznaun und Ischgls war 1050 von 1100 Jahren einzig von einem geprägt: Armut. Im neunten Jahrhundert wurde das obere Paznauntal erstmals besiedelt. Interessanterweise weder aus dem Inntal noch aus dem Rheintal, sondern aus dem Engadin. Rätoromanen kamen aus Scuol über den Cuolmen d’Fenga ins Fimbertal und auf die Hochalmen Ida und Rafinalp. Auf der Suche nach Weideland für das Vieh. Elf Jahrhunderte später gilt der 2608 Meter hohe Fimberpass als einer der Top-10-Alpencross-Pässe der Alpen. Um 1300 kamen dann die Walser und siedelten sich in der Gegend um das heutige Galtür an. Bis ins 16. Jahrhundert gehörten Galtür und Ischgl auch kirchlich zum Engadin. Aber das Leben in den gottverlassenen Bergbauerndörfern war bis weit ins 20. Jahrhundert so hart, dass viele Familien in ihrer Not sogar ihre Kinder weggeben mussten.

Aber dann kam der 7. Oktober 1961. Und mit diesem Samstag wendete sich das Blatt zum Reichen. An diesem Tag nämlich wurde der Grundstein der Silvretta Arena gelegt. Die Nachfahren der damals 73 Gründungsaktionäre brauchen sich heutzutage nicht viel Sorgen um das Kleingeld zu machen. Zwei Jahre später, pünktlich zur Skisaison 1963/1964, ging die Silvretta-Seilbahn in Betrieb. Sie gondelte Skifahrer in wenigen Minuten vom Dorf zur Idalpe. Oben gab es einen einzigen Schlepplift, den Idjochlift. 1972 ging mit der Pardatschgratbahn Österreichs erste Einseilumlaufbahn in Betrieb, sieben Jahre später entstand die Skischaukel nach Samnaun. Und mit den Liften kam der Wohlstand in das Bergdorf Ischgl.

Vom Ski- zum Ganzjahresspot

Heute spielt Ischgl in der Champions League der alpinen Skigebiete. Von November bis April schaufeln 45 Bergbahnen und Lifte 94 671 Personen pro Stunde hoch auf die Pisten. Zum Vergleich: Die Stadt Innsbruck hat 130 000 Einwohner. Ischgls Pistenfläche ist so groß wie 730 Fußballfelder. Damit die 239 Kilometer Pisten allzeit eine schön weiße Unterlage bieten, erzeugen nicht weniger als 1100 Schneekanonen Kunstschnee.

Aber was tun, wenn auch der letzte Rest Kunstschnee irgendwann geschmolzen ist? Die Ischgler haben sich drei clevere Ideen einfallen lassen, wie sie im Sommer Mountainbiker anlocken können. Erstens: Die Umlaufbahnen und Sessellifte schaufeln nicht nur Wanderer und Flaneure, sondern auch Biker mit ihren Arbeitsgeräten direkt vom Dorfzentrum von Ischgl – aber auch von Samnaun aus – bis hoch zum Grenzkamm. Zweitens: Mit der Silvretta Card, die jeder Übernachtungsgast gratis beim Einchecken erhält, kann man so oft, wie man möchte, die Lifte benutzen. Und drittens: Um die Augen von den unzähligen Lifttrassen im Skigebiet abzulenken, wurden eine Reihe feinster Trails in die Skipisten hineingeschnitzt. Nach dem Ausstieg aus dem Sessellift oben am Äußeren Viderjoch müssen sich Biker entscheiden: nach Osten auf der Samnauner Seite einen der beiden Flowtrails hinab zur Alp Trida nehmen? Oder lieber nach Norden auf den legendären Velilltrail? Bikeguide Marc zeigt am Tirol-Schweizer-Grenzstein unmissverständlich auf letzteren. Dieser Trail ist eines der Sahneschnittchen im 37-Gänge-Menü von Ischgl. Er wurde einst von Trailkünstler Hans „No Way“ Rey konzipiert und vor einigen Jahren von Vertrider-Legende Christian Piccolroaz im oberen Teil mit Anliegern, Step-ups und Holzdrops verfeinert. Auf dieser Rollerbahn aus sanften Steilkurven und kleinen Floatern schaukelt man sich aus 2732 Meter Höhe Richtung Velillscharte. Kurz vor dem steilen Gegenanstieg zur Scharte können Unentschlossene noch runter zur Idalpe schweben. Wir aber wollen auf der anspruchsvollen Endurostrecke entlang des Velillbachs bis nach Ischgl. Schon wenige Meter unterhalb der Velillscharte ist das Mega-Skigebiet Schnee von gestern – man wähnt sich in dem steilen Tal fast wie auf der sonnigen Rückseite des Mondes.

Aber auch dieser Raumflug muss irgendwann enden. Standesgemäß mit einer weiteren Einmaligkeit: mit dem Dorftunnel. Diese mehrere hundert Meter lange Röhre ist quasi die U-Bahn von Ischgl. Auf einem Förderband fährt man unterm Dorf hindurch von der Talstation ins Zentrum. Wieder an der Sonne, lacht einem die berühmteste Après-Ski-Kneipe Tirols entgegen: der Kuhstall. Hier wird an Winternachmittagen hektoliterweise gepumpt. Jetzt im Sommer stehen nur eine Handvoll Mountainbiker in der Sonne. Relax. If you can.

Die Zukunft fährt motorisiert

Was die Ischgler haben, ist einfach ein hauchfeines Näschen für die Bedürfnisse von Bikern. Lifteln ist seit jeher so selbstverständlich wie Atmen. Einst war der Ironbike einer der ersten Marathons. Und ist bis heute einer der schwersten. Dieses Jahr feiert er seinen 25. Geburtstag. Neuerdings setzen die Ischgler voll aufs Thema E-MTB. Fimbatal, Jamtal und Larein sind schließlich prädestiniert für E-motorisierte Trips. Und standesgemäß endet in Ischgl jede Tour mit einem gepflegten Après-Bike-Einkehrschwung. Apropos: Heuer kostet der Château Pétrus 2012 schon 4575 Euro. Ischgl setzt halt Jahr für Jahr einen neuen Superlativ obendrauf ...

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