Trailguide Sauerland Dennis Stratmann
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Trailguide Sauerland

MTB-Touren im Sauerland

Bikeparks. Partytourismus. Bier aus Großbrauereien. Das Sauerland lebt von Klischees. Wir haben uns aufgemacht, um diese aufzubrechen – und erstaunlich viele Facetten für Mountainbiker entdeckt.

Trailguide Sauerland: Infocenter

Alle Infos zum perfekten Bike-Urlaub im Sauerland

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Dennis Stratmann
Gipfelglück am Piusberg bei Brilon.

Lage & Charakter: Das Sauerland ist eine mehrere Teilgebirge umfassende Mittelgebirgsregion in Westfalen, nahe dem östlichen Ruhrgebiet. Es umfasst den nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Eine genaue Abgrenzung ist nicht möglich, und die Begriffsdeutung unterliegt einem stetigen Wandel. Im Südosten streift es das Rothaargebirge, der südliche Teil ragt – je nach Definition – bis nach Hessen hinein. Der höchste Punkt ist nicht der bekannte Kahle Asten, sondern der 1,3 m "größere" Langenberg (843,2 m). Winterberg und Willingen sind die touristischen Zentren – winters wie sommers. Neben den Bikeparks gibt es vielseitige Wegenetze mit offiziellen Trails, etwa in Winterberg oder in Brilon.

Anreise: Brilon erreichen Sie aus Richtung Dortmund über die A 44 bis Kreuz Werl, dann auf A 445/A 46. Aus Kassel via A 44 und B 7. Willingen liegt südlich von Brilon und ist via B 251 erreichbar, nach Winterberg noch etwas weiter gen Süden über die B 480. Warstein liegt nördlich von Brilon und ist über die B 55 anfahrbar.

Klima & beste Reisezeit: Das Sauerland bietet verteilt 119(!) Skilifte und 110 Pistenkilometer – enorm für die nördliche Lage. Kein Wunder also, dass die Winter hier auch in Zeiten des Klimawandels teils schneereich sind. Die beste Reisezeit für Biker ist daher Mai bis September, in den höheren Lagen kann es im Frühling und Herbst kalt werden. Auch durch den oft herrschenden Nordwind.

Allgemeine Reiseinfos: willingen.de winterberg.de; sauerland.com

Übernachtung: Auf Biker eingestellt sind Bike-Hotel Hochheide (hochheide. com) und Pension Schröder in Willingen (pension-schroeder-willingen.de) oder das Hotel Haus Andrea in Winterberg (hotel-haus-andrea.de).

Weitere Hotelempfehlungen: bike-arena.de MTB-Infos: sauerland-radwelt.de, bike-arena.de. Bikeshops: zweirad-welt.de in Brilon, bike-willingen.de in Willingen, bikepark-winterberg.de in Winterberg

Abseits des Trails

  • Kuchen satt! Das Kaffeehaus direkt in Winterberg bietet jede Menge selbstgemachte Leckereien an: kaffeehaus-winterberg.de
  • Essbar in Züschen: außergewöhnlich, aber absolut lohnenswert, um den Tag kulinarisch ausklingen zu lassen. essbar-winterberg.de
  • Das Kump in Brilon ist die Top-Location fürs Après-Bike-Bier. Die älteste Alternativkneipe im Sauerland ist zudem ein angesagter LiveMusik-Club.
  • Und prost! Die Warsteiner Bierwelt ist natürlich kein Geheimtipp, aber trotzdem einen Besuch wert. Alleine schon, um die Dimensionen der gigantischen Brauerei zu erfassen. Gipfelglück am Piusberg bei Brilon. GPS-Download der vier Touren: mountainbike-magazin.de/sauerland2020

Die MOUNTAINBIKE-Touren im Detail

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Auf Spritztour im äußerst abwechslungsreichen Trailcenter in Winterberg – wortwörtlich.

Warsteiner Bier-Runde

Mehr zum Thema:
Länge 44,76 km
Dauer 4:28 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 985 Meter
Höhenmeter absteigend 994 Meter
Tiefster Punkt 397 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Das urige Kaffeehaus in Winterberg bietet sich für einen kürzeren oder längeren Stopp zur Kalorienaufnahme (Kuchen!) bestens an.

Flow in Brilon

Mehr zum Thema:
Länge 38,11 km
Dauer 3:03 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 928 Meter
Höhenmeter absteigend 928 Meter
Tiefster Punkt 500 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Ich bin zwei Braukessel: Bei der Warsteiner Brauerei erscheint so ziemlich alles irgendwie überdimensioniert.

Willinger Trail-Spaß

Mehr zum Thema:
Länge 45,19 km
Dauer 2:47 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1247 Meter
Höhenmeter absteigend 1246 Meter
Tiefster Punkt 587 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Im Trailcenter Brilon kommen sowohl Einsteiger als auch gewiefte Trailjunkies voll auf ihre Kosten.

Über den Kahlen Asten

Mehr zum Thema:
Länge 49,11 km
Dauer 4:38 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1129 Meter
Höhenmeter absteigend 1131 Meter
Tiefster Punkt 742 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Die Reisereportage

Wo die Misthaufen qualmen, da gibt’s keine Palmen." Jeder, der schon mal durch die Bars von Willingen und Umgebung geschunkelt ist, kennt diese Zeilen aus dem Liebesgesang auf das Sauerland der Band mit dem Namen Zoff. So ein langer Abend kann die Sinne schon mal vernebeln und den Blickwinkel verengen. So wie der Blick von vielen Mountainbikern oft reduziert ist und sich auf die Trails rund um den Gardasee, im Vinschgau, in den Dolomiten oder auf den Kanaren richtet. Das Sauerland? Da gibt es zwar zwei große Bikeparks, aber sonst doch nur ein unendliches Wegenetz aus langweiligen Feld- und Forstwegen. Nichts, was Stollenreifenfreunde begeistern könnte. Da qualmen die Misthaufen. Das ist übrigens auch meine Meinung. Und deswegen endet diese Geschichte hier.

Unerwartete Vielfalt

Okay, tut sie natürlich nicht. Weil es meinen Kumpel Stefan Peters gibt, der als Teilzeit-Winterberger sein Dasein fristet. "Komm vorbei – ich überzeuge dich vom Gegenteil und zeige dir die Vielfalt der Trails." Okay, den Bikepark in Winterberg wollte ich schon seit langem mal wieder unter die Stollen nehmen. Wir treffen uns also dort. "Nix mit Bikepark", sagt Peter aber streng. Stattdessen quält er mich eine steile Rampe auf den zweithöchsten Berg in Nordrhein-Westfalen hinauf.

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Die Friedenskapelle bei Brilon verleiht halt auch Bikern Flügel.

Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich bin begeistert. Die Heidelandschaft hier oben auf 842 Metern auf dem Kahlen Asten ist eindrucksvoll. Über Singletrails und Forstwege fahren wir nördlich Richtung Siedlinghausen. Stefan wollte mir ein bisschen Gipfelglück gönnen und steuert mit mir das Gipfelkreuz am Käppelchen an. Viel Zeit bleibt uns aber nicht. Ich will ja noch in den Bikepark. Schnell weiter also. Auf der Rückfahrt nach Winterberg kommen wir an verwunschenen Bergseen vorbei, an denen man spektakuläre Aussichten, aber auch wirklich sehr technische Trails mit alpinem Charakter finden kann. Die Fahrt wird schneller, und wir drücken uns in die Anlieger rein. Anlieger? Ja, wir sind mittlerweile schon im Winterberger Trailcenter – ein insgesamt 40 Kilometer langes Streckennetz, die Hälfte davon mehr oder weniger schwere Trails.

Der Magen knurrt. Ins Stadtzentrum sind es zum Glück nur wenige Meter – und zum Kaffeehaus am Markt mit einer großen Auswahl an handgemachten Kuchen. Mit vollem Magen fahren wir über den Philosophentrail zurück zum Parkplatz. Zeit für eine Runde Bikepark-Geballer wäre ja noch drin, aber meine Beine sind echt dick, und ich winke dankend ab. Müde falle ich in die Koje in Stefans Ferienwohnung. Und außerdem brauch ich noch ein paar Körner für Tag zwei. In Willingen.

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Sauerländer Nationalgericht: Jörg und Manuel hauen sich Currywurst mit Pommes rein. Fehlt noch ein Bierchen. Aber das gibt’s erst nach der Tour.

Bei Willingen reagiere ich immer ein klein wenig hysterisch. Für mich steht Willingen ja für Sauftourismus im berüchtigten Hotel Sauerland Stern – und das ist so gar nicht meins. Aber ich bin ja hier, um meinen Horizont zu erweitern – zumindest was das Sauerland betrifft. Hier in dieser riesigen Mittelgebirgsregion in Westfalen, die den nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges umfasst. Als Landschaftsname ist der Name Sauerland schon seit dem Mittelalter belegt, und zwar in der Form Suderland. Das Sauerland bezog sich im 15. Jahrhundert dann auf den Süden der Grafschaft Mark und auf den heutigen Kreis Olpe. Dieser war, vom Hellweg aus gesehen, "südliches Land". Mit sauer hat das ganze also recht wenig zu tun. Wenn mir mal wieder jemand erklären will, dass es hier so viel sauren Regen hat oder ein Bauer besonders sauer erscheint, weil man sein Stollenvelo auf dessen Wiese verirrt hat – keine Chance mehr! Im Grunde genommen ist der Sauerländer auch ein durchaus netter und gastfreundlicher Zeitgenosse. Wäre sonst auch ein wenig schwierig, wo man hier zu großen Teilen vom Tourismus lebt. Ich bin also durchaus willig, auch der WillingenSache eine Chance zu geben, nachdem der Tag in Winterberg wirklich grandios war. Von der Talstation Ettelsberg schrauben wir uns gemütlich auf die nördlichen Hänge Willingens hoch. Und hier oben zündet gleich mal ein kleines Trail-Feuerwerk. Pfiffige Wege, die teilweise sogar bei Enduro-Rennen befahren werden, führen uns bis zum Diemelsee. Leider ist es schon zu kühl, um meinen Astral-Körper da reinzuwerfen.

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Auf Mountainbiker warten im Sauerland buchstäblich blühende Landschaften – Idylle wie aus dem Bilderbuch.

Weiter geht es südlich über schöne Wege mit tollen Aussichten. Konditionsbolzen kommen hier voll auf ihre Kosten und können am letzten Anstieg auf den Ettelsberg zeigen, wie viel Wumms noch in ihren Waden sitzt. Bei mir isses nicht mehr so viel. Hilft aber nix – ich muss da hoch. Von hier oben bieten sich gleich mehrere Bikepark-Strecke an, um wieder runter zum Auto zu gelangen. Die 2005er Downhill-Worldcup-Strecke lassen wir heute aber mal aus und gönnen uns stattdessen den Flow-Country-Trail des legendären Trail-Schaufelers Diddie Schneider. Sanft gleiten wir zurück nach Willingen.

Biken. Bier. Brilon.

Am folgenden Tag erwartet mich Jörg Steinkämper, mit dem ich in jungen Heldentagen Downhill-Rennen gefahren bin, an der Hiebammen-Hütte in Brilon. Jörg, der sich mit seinem Bikeclub Radfüchse Büren um den lokalen Nachwuchs kümmert, möchte mir zusammen mit seinem Kumpel Manuel die Highlights rund um Brilon zeigen. Nach einem schnellen Kaffee und Kuchen fahren wir parallel zum Rothaarsteig bergauf bis zur Briloner Friedenskapelle am Borberg. Der Rothaarsteig selbst ist leider seit geraumer Zeit streckenweise für Mountainbiker gesperrt und vor allem an Wochenenden und Feiertagen auch bevölkert von größeren Wandererscharen. Von hier oben hat man einen grandiosen Ausblick Richtung Olsberg und über weite Teile des Sauerlands. Das wird übrigens auch Land der tausend Berge genannt, zählt in Wirklichkeit aber exakt 2711 Hügel. Was nun folgt, ist ein wirkliches Trail-Highlight. Vorbei an einer frühmittelalterlichen Wehranlage schlängelt sich der Weg schier endlos Richtung Briloner Wald. Wer jetzt die Faxen, oder besser gesagt die Arme, dicke hat, könnte zurück die Bahn nehmen. Wir wollen aber natürlich weiter und strampeln wieder den nächsten Berg hinauf. Wir erreichen den Dreiskopf, von wo aus es auf einem Kammtrail Richtung Diemelsee geht. Jetzt könnten wir den WillingenLoop vom Vortag dranhängen – dazu bräuchten wir aber Beine wie Jan Ullrich zu seinen besten Tagen. Stattdessen halten wir uns links, ehe wir am Bilstein wieder hart bergauf müssen. Imposante Blicke in einen Steinbruch lassen den Schmerz des Anstiegs aber verblassen. Im Nu befinden wir uns am höchsten Punkt des Trailcenters Brilon. Hier gibt es drei Loops für Mountainbiker: sieben, elf und 17 Kilometer lang. Über sportlich-spaßige Anlieger sausen wir grölend Richtung Brilon. Wer mag, kann natürlich beliebig viele weitere Ründchen dranhängen. Wir lassen es uns aber lieber stilecht bei Currywurst und Pommes im Zentrum gut gehen. Mit dickem Bauch und dicken Waden rollen wir über saftige Sauerland-Wiesen vorbei an prächtigen Kühen. Klar, dass mir da die nächste Liedzeile einfällt: "Wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind", würde Zoff jetzt trällern. Zurück am Ausgangspunkt genehmigen wir uns ein kühles Blondes, und ich denke mir: "Schade eigentlich, dass die meisten hier auf dem Weg in die überfüllten Bikeparks die wahren Schätze links und rechts liegen lassen."

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Wintersport meets Mountainbiken: Im Trailcenter in Winterberg führen die Wege an den Schanzen der Skispringer vorbei.

Wir sind aber noch nicht am Ende. Wir fahren am nächsten Tag nach Warstein. Nicht zum nächsten kühlen Blonden, sondern zu Raimund Kaiser. Raimund betreibt dort einen kleinen, aber sehr abwechslungsreichen Bikepark als Familienbetrieb. Neben den acht Strecken von gemütlich bis sportlich gibt es herzliche Gastfreundschaft und sogar eine Aufstiegshilfe, die man fast Lift nennen könnte.

Aber auch heute steht nicht Bikepark-Spaß im Vordergrund, sondern eine 1000-Höhenmeter-Tour – verteilt auf 45 km. Da Jörg die Runde als Acht angelegt hat, kann man, wenn man will oder schlapp macht, auch nur die halbe Distanz fahren. Landschaftlich dominieren wieder Fichtenwälder, Wiesen und Weiden. Aber die Aussichten sind teils spektakulär. Vom Lörmecke-Turm kann man bei guter Sicht weit übers Sauerland hinaus schauen. Richtung Westen bis zum Ruhrgebiet, nach Norden bis Paderborn und nach Osten Richtung Hessen.

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Nur Fliegen ist schöner! Mächtige Spaßeinlagen im Doppelpack im Bikepark Warstein.

Der Loop führt rund um die Warsteiner-Brauerei und ist mindestens so beeindruckend wie der Blick Warum das Sauerland auch Land der tausend Berge genannt wird? Na, warum wohl ... auf die Braukessel. Das Spektakulärste aber ist der gigantische Verladebahnhof. Tief im Wald versteckt, fast wie in einem James-Bond-Film. Züge rollen ein, Container werden verladen. Allein das Leergut, das da rumsteht, würde uns die Rente sichern.

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Das einzig Wahre ist doch ein Feierabendbierchen mit Urgestein Raimund Kaiser, der in Warstein den Bikepark betreibt.

Wir machen noch einen Abstecher zum Piusberg. "Von da hast du einen grandiosen Ausblick auf Warstein und die Pfarrkirche St. Pankratius", kündigt Jörg an. Faszinierend: Während man in den Alpen maximal ein Gipfelerlebnis pro Tag hat, reihen sie sich hier aneinander – wenn sie auch nicht so groß sind. Wir eilen weiter. Nach vielen schönen Kilometern auf Wald-, Wiesen- und Feldtrails stehen wir wieder ganz oben an Raimunds Bikepark. Wir erkennen ihn an seinem Bart schon von weitem. Ganz unten sitzt er lächelnd vor dem Lifthaus und macht sich ein Warsteiner auf. Das wollen wir auch. Noch schnell am Glücksrad gedreht, um zu sehen, welchen Trail wir nehmen müssen. Das Schicksal hält "Flying Murphy" für uns parat. Über Holzkonstruktionen im besten British-Columbia-Style – gebaut übrigens von Ruhrpott-Kult-Rider Patrick Rasche – brettern wir zu Raimund auf die Terrasse. Der grinst und drückt uns die Kaltschalen in die Hand. Und spätestens jetzt wird mir fröhlich summend klar: "Sauerland. Mein Herz schlägt für das Sauerland!"

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