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MTB-Revier Comer See - Biken mit Dolce-Vita-Flair

Kurz und kompakt: Alle Infos zum MTB-Spot Comer See

Boat & Bike vom Feinsten: Rund um den Comer See locken Touren für jeden Anspruch und ein gediegen-mediterranes Ambiente.

Drei Top-Touren am Comer See – inklusive Trailbooks und GPS-Daten:

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Italien
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Vier MTB-Top-Touren rund um den Comer See (Klick aufs Bild öffnet die Großansicht).

Lage: Der Comer See liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Mailand und erstreckt sich über 48 Kilometer bis hinauf zur Ortschaft Gera Lario an der Nordspitze des Sees. Der östliche Teil des Sees nördlich von Lecco kommt zusätzlich auf gute 18 ­Kilometer Länge.

Beste Reisezeit: Frühling ab Mitte April (Schneereste halten sich in höheren Lagen allerdings oft bis weit in den Mai) und September bis November.

Anreise: von Norden über den Bodensee und die Rheintal-Autobahn bis Chur. Weiter über den San Bernardino und Bellinzona nach Lugano. Von dort nach Menaggio (445 km, 5:10 h von München aus).

Übernachtung: Casa Rina, altes Weingut in Gravedona. Tel. 0041/79/4343960, www.casarina.com
Comer-See-Feriendomizile, Wohnungen von günstig bis luxuriös. Tel. 0041/79/6781436, www.comer-see-feriendomizile.de

Bergbahn: Funivia Argegno-Pigra, ACHTUNG!!!: Die Bahn soll bis April 2011 geschlossen bleiben. So lange ist die Tour 1 wie beschrieben nicht fahrbar – man muss über die Straße nach Pigra hochfahren. Das bedeutet: +16km + 700 Hm., Tel. der Bergbahn: 0039/031/821344.

Schifffahrt: Abfahrtszeiten im Netz unter www.navlaghi.it

Bootsvermietung: Verleih von Motorbooten mit oder ohne Führerschein, Tel. 0039/333/4014995, www.comolakeboats.it

Karte: Kompass-Verlag, WK 91 "Lago di Como/Lago di Lugano" und WK 92 "Chiavenna/Val Bregaglia", beide Maßstab 1:50000.

Buchtipp: "Bike-Guide Comer See", 30 Touren mit Roadbooks und GPS-Daten, A. u. R. Kälberer, Rother- Verlag, 17,90 Euro.

Bike-Info: Tourenvorschläge mit GPS-Daten unter www.comersee-aktiv.com Generelle Info: www.comersee-italien.com

Aus technischen Gründen können wir zur "Tour 3 – Von Varenna nach Esina Lario" leider keine GPS-Daten anbieten.

Comer-See-Reportage: "La Dolce Via" – Mountainbiken am Comer See

Schnell raus hier!" Schnell? Mein Begleiter Gerold schüttelt den Kopf. "Hauptsache, irgendwie raus hier", sagt er trocken. Der enge Bahnsteig der Standseilbahn, die uns samt Bikes von Como hinauf nach Brunàte gebracht hat, ist bis auf den letzten Quadratzentimeter voller lärmender Grundschulkinder. Bevor die Bambini ihre "Schul-Seilbahn" erobern, müssen wir raus aus der Kabine. Nur wohin? Mit wilden Gesten ringt der Schaffner entschlossen, aber dennoch vergeblich um Ordnung. Wir nehmen es mit Humor, schließlich sind wir in Italien, wo das (kontrollierte) Chaos erfunden wurde. Fünf Minuten Geschrei und zig Verrenkungen später ist der Spuk vorbei.

Keine Frage, der frühe Aufbruch hat sich gelohnt. Die morgendliche Ruhe nehmen die Sinne nach dem Lärm von eben noch intensiver wahr. Und dann diese Aussicht! 600 Meter unter uns leuchten die Palazzi von Como im warmen Morgenlicht. Kein Windhauch kräuselt die Oberfläche des Sees, und selbst nach Süden hin, über der Po-Ebene, ist die Luft klar wie selten. Bessere Bedingungen für die "Dorsale" kann es nicht geben.

Es gibt Touren, da würde ein kurzer Blick aus dem Weltall reichen, um zu erkennen, dass sie etwas Besonderes sind. Der Weg über die Dorsale del Triangolo Lariano, zu Deutsch das Rückgrat des Larianischen Dreiecks, gehört ohne Zweifel dazu. Eingerahmt von den beiden südlichen Schenkeln des Comer Sees ragt die Gebirgskette gut 30 Kilometer nach Norden, um in der Halbinsel von Bellagio ihren Höhepunkt zu finden. Biker folgen von Brunàte aus dem Sentiero Italia, haarscharf auf der Gratschneide bis hinüber zum Monte San Primo, und werden dabei mit satten Aus- und Tiefblicken über den gesamten See verwöhnt.

Fahrtechnische Tücken lauern auf der Dorsale kaum, so dass sie sich auch für weniger erprobte Biker anbietet. Allerdings erfordert die Tour logistisch etwas Planung: Neben der Seilbahnanfahrt ist man für den Weg von Bellagio zurück nach Como aufs Schiff angewiesen. Und so gilt es, bei all dem Genuss auf flowigen Trails und den Traumblicken, die immer wieder zum Anhalten verführen, stets die Uhr im Auge zu behalten. Wer das letzte Schiff zurück nach Como verpasst, dem blühen als Rückweg gut 50 Kilometer auf der relativ stark befahrenen Küstenstraße. Und je nach Saison kann es gut sein, dass dieses Schiff schon gegen 16 Uhr ablegt. "Ralf, genug fotografiert!" treibt Gerold mich daher mehr als einmal an.

Den Biker aus Wangen im Allgäu zieht es schon seit über zehn Jahren regelmäßig an den Comer See. Vor allem die Berge im Norden, rund um Dongo und Domaso, haben es ihm angetan. Hier hat er mit der Zeit fast alle Trails und Karrenwege ausprobiert. "Rund um den Comer See gibt es unendlich viele lohnende Strecken. Wer die alle fahren will, ist mehr als ein Biker-Leben lang beschäftigt", schätzt Gerold. Und wundert sich wieder einmal, wie einsam die meisten Strecken sind. Als Urlaubsziel dagegen hat sich der Comer See schon lange etabliert, selbst Hollywoodgrößen wie Brad Pitt und George Clooney oder Popstar Madonna erholen sich an seinem Wasser vom Geldverdienen.

Wenig Verkehr auf guten Trails ist defintiv keine schlechte Nachricht. Eine weitere gute Nachricht für genussorientierte Biker: Wenn man seine Tour am See mit einer Schifffahrt kombiniert, macht der Blick vom Wasser auf grüne, mediterran anmutende Ufer mit majestätischen Gipfeln dahinter ein bisschen Extraplanung locker wieder wett. Vor allem am Zentrum des Sees spannen die Schiffsverbindungen zwischen den Orten Bellagio, Menaggio und Varenna eine Art "magisches Dreieck". Hier lässt sich in Sachen Tourenauswahl so richtig aus dem Vollen schöpfen.

Eine Perle in diesem Tourenschatz bildet der Monte Tremezzo, auf den wir jetzt, vom Gipfel des Monte San Primo, blicken. Das wilde Zickzack der Mulattiera, die in unzähligen Kehren und durch einen fins­teren Tunnel an der steilen Flanke hinunter zum Seeufer führt, ist perfekt zu erkennen und lässt das Biker-Herz höher schlagen. Bis hinauf zur Gipfelfestung des Tremezzo, die aus dem Ersten Weltkrieg datiert, führt außer alten Maultierpfaden auch eine bequem zu fahrende, durchgehend asphaltierte Militärstraße.

Genug in die Ferne geschaut. Für uns steht jetzt der Schlussspurt der Tour über die Dorsale an: 1500 Tiefenmeter über Trails und Karrenwege liegen zwischen dem Gipfel und Bellagio – ein Downhill vom Feinsten. Und auf halber Strecke nach unten treffen wir tatsächlich noch auf andere Biker. Mit 29-Zöller-Hardtails und Rennlenkern gehört das Pärchen aus Kalifornien allerdings nicht unbedingt zur Sorte Radler, die man in Oberitalien zu treffen erwartet. "We came here to see George Clooney", erklären sie augenzwinkernd die Wahl ihres Urlaubsziels. Der smarte Ami besitzt in Bellagio eine Villa und beweist damit zweifellos guten Geschmack, auch wenn er in TV-Spots in Sachen Kaffee seltsame Vorlieben vertritt.

"I´ll have a Nespresso – what else?" In einem Hafencafé des malerischen Bellagio tes­tet Gerold die Clooney-Kenntnisse der Kellnerin. Die aber scheint die Anspielung zum millionsten Mal gehört zu haben und verzieht keine Miene. Zum Glück ist der Espresso, den sie bringt, frischer als Gerolds Zitat. "Morgen ist dann übrigens der Monte Tremezzo dran", legt mein ortskundiger Begleiter die nächste Tour fest. "What else", sage ich. Gerold hat‘s nicht anders gewollt ...

Comer See - MTB-Spot mit Dolce-Vita-Flair

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