MB 0218 Lungau Teaserbild Heiko Mandl

Salzburger-Land: Viertagestour im Lungau

Einmal Lungau und zurück

Ganz im Süden des Salzburger Landes scheint die Zeit still zustehen. Aber nicht so für Biker! Denn der Lungau gibt Vollgas. Das feinste der Schmankerl hier, die „Lungau Extreme“ – verbindet die schönsten Spots zu einer Viertagesrunde: fast 160 Kilometer und gut 7000 Höhenmeter für Bike-Gourmets.

Extrem sind wir doch alle!Irgendwie. So geht Berggämse Daniel bergauf immer an seine Grenzen. Und Petra, die Downhillerin, fährt bergab immer eine Reifenlänge voraus. Und ich? Ich bin auf derHütte stets der Erste, der sich ein Radler bestellt. Also kein Wunder, dass die „Lungau Extreme“Petra, Daniel und mich wie die Motten angezogen hat. Wie Licht im Dunkel wirken allein die technischen Daten – vier Tage, knapp 160 Kilometer und gut 7000 Höhenmeter. Die Runde sollte alles beinhalten, was uns beim Bergradeln eben Spaß macht: Knackige Anstiege, flowige Trails und nebenher viele Einkehrmöglichkeiten als Selbstbelohnung nach langen Anstiegen.

„Klingt wie ein Alpencross light“, sagt Petra. Mit dem feinen Unterschied, dass hier keine großen Bergketten erobert werden. Denn eines muss man wissen: Der Lungau besticht nicht durch schroffe Gipfel und steile Trails. Nein, hier im Süden des Salzburger Landesdominieren sanfe Hügel mit vielen Wäldern und Wiesen. Wobei, diese „Hügel“ schon gut über 2000 Meter erreichen können. Hoch genug für uns drei „Extrembiker“? Wir werden sehen.

Salzburgs sonniger Süden

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Heiko Mandl

Ob extrem oder nicht – die „Lungau Extreme“ stand jedenfalls auf unserer To-do-Liste jetzt ganz oben. Terminkalender gecheckt undschon haben wir uns vier Tage frei gehalten. „Extreme Days“ sozusagen. Rein ins Auto, die Bikes aufs Dach und los geht’s. Über die Tauernautobahn sind wir im Nu im Lungau. Die Alpenregion liegt zwischen den Hohen Tauern und den Kärntner Nockbergen und besitzt so etwas wie einen Sonderstatus in Sachen Wetter und Klima. Im Winter ist es hier meistens eiskalt. Und im Sommer? Hier spielt das Wetter uns Mountainbikern in die Karten. Während nämlich nördlich der Ostalpen sich oft die Wolken stauen, scheint im südlichen Lungau ofmals die Sonne. Auch heute für uns.

Österreichcross statt Alpencross

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Heiko Mandl

Wir sitzen gemütlich am Stadtplatz von Tamsweg und machen uns bereit für unser „extremes“ Vorhaben. In vier Tagen werden wir, sofern alles gut geht, wieder hier sitzen und uns die Sonne
auf die Helme scheinen lassen. Das Feine: Im Gegensatz zum Alpencross liegen Start- und Endpunkt bei der großen Runde durch den Lungau am gleichen Ort. Ausrüstung? Check! Werkzeug?
Check! Powerriegel? Check! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Zumindest können wir uns nicht auf die Hardware rausreden, wenn die Tour doch extrem werden sollte.

Am Prebersee fliegen die Kugeln tief

Unser erster Stopp ist der Prebersee. Dieser Moorsee liegt, schön eingebettet inmitten der Lungauer Berge, auf 1515 Meter Höhe und gilt als eines der Naturwahrzeichen der Region. Seit 1834 treffen sich hier jedes Jahr im August Schützen aus aller Welt, um beim Preberseeschießen ins Schwarze zu treffen. Das Besondere dabei: Die Kugel prallt vom Wasser ab und erreicht dann erst ihr Ziel. Ungefähr 120 Meter beträgt die Entfernung des Schießstandes zu den Scheiben. Auch für uns ist höchste Zielgenaugkeit gefragt.Wir fahren ein paar Meter den See entlang und müssen sehen, dass wir gut über die Brücken kommen. Eine Unachtsamkeit und wir lägen in dem braunen Wasser. Nach dem kurzen Zwischenstopp am Prebersee geht es gleich weiter Richtung Lessach. Eine kurze und steile Rampe nach der Ludlalm – schon rollen wir in das gleichnamige Tal. Hier nehmen Petra, Daniel und ich den zweiten Anstieg des Tages hoch zur Wildbachhütte in Angriff. Allen wird hier schon klar:Die Lungau Extreme ist geprägt durch viele kurze, aber knackige Rampen und Abfahrten.

Die längste erwartet uns am vierten Tag, rund 800 Höhenmeter trennen uns dann von Sankt Michael bis zum höchsten Punkt der Tour. Bis dahin sind es aber noch ein paar Höhen- und Kilometer. Den Höhepunkt des ersten Tages haben wir nach vielen anstrengenden Serpentinen erreicht. Die Wildbachhütte liegt an der Baumgrenze unter dem 2316 Meter hohen Gumma. Der Gipfelanstieg ist aber nur Wanderern vorbehalten, zu schroff und steil sind die Trails. Wir begnügen uns lieber mit einer gemütlichen Einkehr in der Hütte. „Bestellt den Kaiserschmarrn!“, hat uns die nette Dame im Tourismusbüro geraten. Der soll hier besonders gut schmecken und wird in einer riesengroßen Eisenpfanne serviert. Nach den zwei langen Anstiegen und rund 33 Kilometern tut uns eine gehörige Portion Kohlenhydrate gut. „Hier möchte ich jetzt nicht mehr los“, stöhnt Daniel. Nach der Raubtierfütterung liegen wir noch eine Weile im hohen Gras und genießen die Landschaf. Die Zeit steht still. Oder eigentlich doch nicht. Zumindest, wenn wir die Sonne beobachten, die sich flott Richtung Horizont bewegt. Zeit für die letzten Meter bergab nach Hintergöriach, unserer ersten Übernachtungsstation.

Preisfrage: Lif oder nicht Lift

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Wir stehen an der Talstation der Bergbahnen Speiereck. Die Versuchung ist groß, doch wir können noch widerstehen. Der zweite Tag hat schon früh begonnen, immerhin steht mit 45 Kilometern und gut 2000 Höhenmetern heute die Königsetappe auf dem Programm. So sind wir gemütlich in die Pedale getreten und über Weißpriach und Fanningberg nach Mauterndorf gefahren. Nach rund 30 Kilometern liegt nun derlängste Anstieg vor uns. Wäre da nicht die Gondelbahn, die zufälligerweise auch Mountainbiker mitnehmen würde ... „Klar nehmen wir den Lif!“, jauchzt Petra. „Keine Chance, wir treten hoch!“, erwidert Daniel. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Die Berggämse gegen die Downhillerin. Eine Münze muss entscheiden. „Hätte ich doch den Euro ein wenig höher geworfen“, denke ich mir, als wir schweißgebadet den steilen Schotterweg hoch zur Trogalm schieben.

Diese Runde ist eines: extrem genussvoll

Am Ende des zweiten Tages spüren wir schon die Anstrengungen der „Lungau Extreme“. Müde fallen wir ins Bett und träumen von Kaiserschmarrn, Gondelbahnen und Moorseen. Der Hahn vor dem Fenster weckt uns pünktlich zum Frühstück. Start frei zur dritten Runde! Von Sankt Michael fahren wir bis zum Beginn des Murtals und weiter bergauf zur Doktoralm. Von hier aus können wir fast zum Startpunkt in Tamsweg schauen. Tags darauf rollen wir dort wieder ein, nehmen eine schnelle Siegerhalbe und sausen wieder nach Hause. Zugegeben: Die Runde ist sicher nicht die anstrengendste oder technisch schwerste Biketour, die wir je gefahren sind. Dafür waren die vier abwechslungsreichen Tage extrem chillig. Und extrem sind wir doch alle. Irgendwie.
Einmal Volltanken bitte! Aber nicht mit Bio-Diesel, sondern mit regionalen Bio-Köstlichkeiten.

Infocenter: Lungau

Profl: Der Lungau liegt im Süden des Salzburger Landes an der Grenze zu Kärnten und der Steiermark. Die Landschaf im Lungausticht durch Wälder und grüne Wiesen hervor, eingebettet durch das Tauernmassiv im Norden mit einigen Dreitausender und den Hügeln der Kärntner Nockberge im Süden.

Anreise: von München über die Autobahn A8 nach Salzburg, dann weiter auf der Tauernautobahn A10 Richtung Villach. Nach dem Tauerntunnel nimmt man die Ausfahrt St. Michael und fährt weiter nach Tamsweg. Bei Stau (v. a. in der Hauptsaison im Juli und August) ist die Variante über Obertauern (Ausfahrt Radstadt auf der A10 vor dem Tauerntunnel) empfehlenswert. (250 km/3 h B München)
Beste Reisezeit: Durch die Höhenlage der Lungauer Berge dauert
die Bikesaison von Mitte Mai bis Ende Oktober. Durch die südliche Lage kann man an warmen Tagen jedoch ofmals bis in den November hinein biken. Der Wettereinfluss vom Süden kann, während es im Nordstau regnet, dem Lungau schönstes Wetter bescheren.

Essen und Trinken: „Wildbachhütte“: der Tipp für KaiserschmarrnJunkies und Brettljausen-Fans (www.wildbachhuette.com);
„Pritzhütte“: eine urige Hütte im Gontal, hoch über den Dächern von Sankt Michael (www.pritzhuette.com)

Karten: „Mountainbike-Karte Lungau – 15 Strecken im Lungau +
Lungau Extreme“, erhältlich bei der Informationsstelle der Ferienregion Lungau (siehe unten).

Allgemeine Infos und Übernachtung: Ferienregion Lungau, Rotkreuzgasse 100, A-5582 St. Michael im Lungau, Tel. 00 43/64 77/
89 88; www.lungau.at

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