MB 0618 Alpencross Landkarte Stefan Neuhauser

Traumhaft schön: Diese Alpencross-Routen müssen Biker kennen

Die schönsten Alpencross-Routen

In einer Woche über alle Berge. Nur das Nötigste dabei. Untertags strampeln, abends schlemmen. Vogelfrei wie sonst nie im Leben– das ist Alpencross! Wir stellen die fünf legendärsten und abwechslungsreichsten Routen vor.

Die einen nennen es Alpencross, die anderen Transalp. Wir nennen es: das größte Abenteuer für Mountainbiker! Abenteuer deshalb, weil es eine Reise ins Unbekannte, Neue, Herausfordernde ist. Weil man auch mal seine Komfortzone verlassen muss. Etwa wenn einen das Gewitter über den Pass jagt. Der Hintern schmerzt. Oder man – am Stahlseil festklammernd – sein Bike eine Schlucht hinabtragen muss. Abenteuer Alpencross bedeutet aber viel mehr, als in einer Woche über alle Berge von A nach B zu radeln. Man lernt Respekt vor der Bergwelt, Demut vor den Naturgewalten, Wertschätzung des Einfachen. Man lernt sich aber auch selbst besser kennen. Was ist mir wirklich wichtig? Wie gehe ich mit den Baustellen, Sackgassen oder Verbotsschildern um – im Leben wie auf der Tour? Wie auch immer man sein persönliches Abenteuer nennen mag – auch hier beginnt alles mit dem ersten Schritt. Also wollen zuerst die W-Fragen geklärt werden: Wann starten? Wer kommt mit? Wie packe ich es an? Selbst organisiert oder mit einem Veranstalter? Und vor allem: auf welcher Route? Allein zur letzten Frage kann man sich im Internet schier einen Wolf suchen. Schließlich quillen die Tourenportale über mit sinnigen und unsinnigen Routen über die Berge. Für alle, die sich nicht entscheiden können, haben wir fünf Routen – vom Superklassiker bis zum Freeride-Megahammer – herausgepickt.

Der Klassiker: Die Heckmair-Route (Oberstdorf-Riva del Garda)

Eckdaten: 389km, 13100hm, 13900 tm, 5 Etappen, Kondition: sehr schwer (in 7 Etappen: schwer), Fahrtechnik: Schwer (Meist S2 bis S3)

Vor 30 Jahren trat der Oberstdorfer Bergführer Andi Heckmair die Alpencross-Lawine los. Nicht nur der Vorname Andreas, sondern auch die Berg-Gene wurden dem Andi von seinem Vater Anderl in die Wiege gelegt. Wie Heckmair Senior wurde der Junior Bergführer. Anderl wurde durch eine alpinistische Glanzleistung berühmt: Er durchstieg 1938 erstmalig die Eiger-Nordwand. Der Andi wurde durch eine radfahrerische berühmt: Er überquerte 1989 erstmalig die Alpen von Nord nach Süd. Genauer: von daheim in Oberstdorf an den Gardasee. Mit seinen Freunden Wolfgang Renner und Gerhard Strittmatter. Und auf einem dieser neumodischen Bergräder mit 18 Gängen, Cantileverbremsen und Stollenreifen. Mit seiner akribisch ausgetüftelten Tour wollte er eigentlich nur beweisen, dass es eine logische, direkte und möglichst autofreie Route für Mountainbiker von Nord nach Süd gibt. Ungewollt trat Andi Heckmair damit aber eine Lawine los, die bis heute nicht zum Stopp kam: Alpencross. Kommerziell ausgeschlachtet haben das Thema Transalp freilich andere, Andi Heckmair aber gebührt die Ehre, unumstößlich der erste Alpencrosser-Planer der Mountainbike-Geschichte zu sein.

Route: Oberstdorf – Schrofenpass – Lech – Rauhes Joch – Gargellen (Ü) – Schlappiner Joch – Davos – Scalettapass – Schanf (Ü) – Passo Chaschauna – Livigno – Passo di Alpisella – Santa Caterina (Ü) – Passo di Gavia – Ponte di Legno – Passo di Campo – Storo (Ü) – Passo Tremalzo – Riva

Eine für (fast) alle: die Albrecht-Route (Garmisch-Riva del Garda)

Eckdaten: 422km, 14000hm, 14600tm, 7 Etappen Kondition: Schwer, Fahrtechnik: mittel (meist S1 bis S2, Stellen S3)

Und schon wieder ein Andreas – diesmal Andreas Albrecht. Der steckte sich anno 1994 mit dem Alpencross-Virus an und „erfand“ – freilich inspiriert von der Heckmair- und von Achim Zahns Joe-Route – anno 2004 seine eigene Route gen Süden: von Garmisch über Ischgl, Unterengadin, die südlichen Ortleralpen und die Brenta an den Lago. Das Plus der Albrecht-Route: Sie verläuft weiter östlich und damit direkter als die von Vornamensvetter Heckmair. Zudem ist sie längst nicht so eine harte Nuss wie die Joe-Route, aber trotzdem nichts für Gelee-Bananen. Highlight von Andreas Albrechts Version V2: die wenig bekannte Passage über Decauville-Straße, Passo Verva und La Baita zum Hintereingang des Gaviapasses.

Route:

Route: Garmisch-Partenkirchen – Hochthörle – Ehrwald – Fernpass – Landeck (Ü) – St. Anton – Heilbronner Hütte – Ischgl – Bodenalpe (Ü) – Fimberpass – Scuol – Pass da Costainas – (oder Variante durchs Val d’Uina, siehe Karte), Tschierv (Ü) – Val Mora – Arnoga– Passo Verva – Grosio (Ü) – La Baita – Gaviapass – Pezzo (Ü) – Montozzoscharte – Dimaro – Madonna di Campiglio (Ü) – Passo Bregn de l’Ors – Ponte Arche – Passo Ballino – Riva

Das Berabmonster: Freeride-Alpencross (Riezlern-Riva del Garda)

Eckdaten: 479km, 4800hm, 15400 tm, 6 Etappen Kondition: schwer Fahrtechnik: Sehr schwer (meist S2 bis S3, teilweise S4)

Eric Haufe aus Blaichach liebt hochalpines Geläuf. Kein Wunder, dass der junge Oberallgäuer sein Reiseunternehmen Biketours Oberstdorf in Ride Alpine Trails umgetauft hat. Hier ist der Name Programm: Neben hochalpinen Touren mit festem Basecamp bietet Eric auch den klassischen Freeride­Alpencross von Oberstdorf an den Gardasee in runderneuerter Form an. Zahlreiche Liftfahrten (z. B. Walmendinger Horn, Ischgl, Schaubachhütte) und der eigene Shuttlebus für Transfers zum nächsten Trailhead ermöglichen ein sagenhaftes Anstiegs­Abfahrts­Verhältnis von 4800 zu 16 500 Tiefenmetern. Für Freunde des gepflegten Bergababenteuers im Alpencross­Format das Höchste!

Route:

Route: Riezlern – Walmendinger Horn (Lift) – Starzeljoch – Schoppernau – Lech (Shuttle) – Rauhes Joch – Dalaas – St. Anton (Shuttle) – Konstanzer Hütte (Ü) – Heilbronner Hütte – Ischgl – Viderjoch (Lift) – Heidelberger Hütte (Ü) – Fimberpass – S­charl (Shuttle) – Cruschetta – Müstair – Glurns (Shuttle; Ü) – Sulden (Shuttle) – Schaubachhütte (Lift) – Madritschjoch – Vinschgau – St. Gertraud (Shuttle; Ü) – Rabbijoch – Val di Sole – Valle di Ledro (Shuttle; Ü) – Rifugio Garda (Shuttle) – Tremalzo – Riva

Haute Route: von Chamonix nach Zermatt (Chamonix-Mont-Blanc – Zermatt)

Die klassische Westalpendurchquerung mit ultrahohen Pässen und Viertausenderparade.

Eckdaten: 261km, 11900hm, 11300tm, 6 Etappen Kondition: schwer Fahrtechnik: Schwer (Meist S3 bis S3, teilweise S4)

Die Haute Route ist die klassische Skidurchquerung von Chamonix nach Zermatt (oder Saas-Fee). Sie blickt auf eine mittlerweile fast 120-jährige Historie zurück. Was im Winter geht, sollte im Sommer doch auch funktionieren, dachte sich der Chiemgauer Alpenindianer Achim Zahn und tüftelte eine Haute Route per Mountainbike aus. Hoch bedeutet in diesem Fall: wirklich hoch! In nackten Zahlen: 2797, 3296, 2897 und 3317 Meter. Höher kommt in den Alpen kein Biker! Aber auch abseits dieser Superlative legt hier ein Highlight die Latte fürs nächste immer höher. Kostproben? Über den historisch wichtigen Walserpass des Fenêtre du Durand schmuggelt man sich vom Wallis hinüber ins Aostatal, spä- ter auf Reitwegen von König Vittorio Emanuele II. zum Col Lauson. Und schließlich wartet die Hammerauffahrt von 575 Metern bis ins ewige Eis am Theodulpass. Immer im Blickfeld: das Matterhorn von seiner unbekannten, italienischen Seite aus.

Route:

Chamonix – Col de Balme – Trient – Martigny – Lourtier (Ü) – Fenêtre du Durand – Villeneuve (Ü) – Col Lauson – Cogne (Ü) – Colle Pontonnet – Saint Vincent (Ü) – Breuil-Cervinia (Ü) – Theodulhütte – Zermatt

Die Direttissima: Trail Transalp Tirol (Seefeld-Meran)

Die härteste Alpencross-Nuss– aber nur für Biker, die über jeden Fahrtechnik-Zweifel erhaben sind!

Eckdaten: 174km, 9500hm, 10500 Tm, Dauer: 7Tage, Kondition: schwer Fahrtechnik: sehr schwer (meist S3 mit längeren Stellen S4)

Sich aus mehreren Alpenüberquerungen eine eigene zusammenbasteln? Oder gar einen Alpencross kopieren, ihn nur marginal ändern und als seinen verkaufen? Nicht mit Markus Apperle! Der „Appi“ aus Innsbruck denkt sich seine ganz eigenen Touren über die Alpen aus. Die sind aber dermaßen hart an der Grenze, dass er sich über Routenklau oder gar Konkurrenz keine Sorgen zu machen braucht. Seine vielleicht extremste Tour führt in sechs Tagen vom Alpin-Chic Seefelds zu den Palmengärten von Meran. Keine 180 Kilometer und weniger als 10 000 Höhenmeter klingen auf den ersten Blick eher nach Easy Riding. Aber Obacht, genau das Gegenteil ist der Fall! Appi wählt nämlich kompromisslos den direktesten aller Wege von Nord nach Süd. Und der ist – wenig überraschend – ein höhenmeterreicher, sausteiler, trageintensiver. Und zudem ein oftmals wenig toleranter in Sachen Sturz.

Route: Seefeld – Inntal – Axams – Kemater Alm (Ü) – Seejöchl – Stubaital – Elfer (Lift) – Pinnisalm – Pinnisjoch – Innsbrucker Hütte (Ü) – Gschnitztal – Tribulaunhaus – Sandesjöchl – Tribulaunhütte – Innerpflersch (Ü) – Maurerscharte (oder Variante rechts) – Ridnauntal (Ü) – Schneebergscharte – Moos in Passeier (Ü) – Spronser Joch – Meran

Alle Alpencross-Routen gibt es hier als Download:

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