Teil des
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MTB-Trailguide Pfälzerwald

Die besten MTB-Touren im Pfälzerwald

Bella Italia mitten in Germania? Si! Der ehemalige Mountainbikeprof Wolfram Kurschat, ein Jahrzehnt lang einer der besten deutschen Cross-Country-Fahrer, hat in der Pfalz sein persönliches Paradies gefunden. Mit so vielen Sonnenstunden wie Florenz, Hügeln voller Pinien – und flowigen Trails vom Feinsten.

Wo Zeiten wie diesen kann es schon mal zu Phasen temporärer Orientierungslosigkeit kommen – trotz GPS-Gerät und präzises bin ich?“ In bewegten Zeitalter digitaler Landkarten. Aber dass die Welt dermaßen kopfsteht? Einfach unglaublich! ’Tschuldigung, „incredibile“, natürlich! Denn diese Tour führt durch eine Gegend, die mit der Heimat von Pasta, Parmigiano und Vino Rosso verblüffend viel gemeinsam hat – und das auf etwa halber Strecke zwischen Mannheim und Karlsruhe.

Wie ein Schutzwall vor atlantischen Tiefdruckgebieten erhebt sich ein dunkelgrüner Riegel westlich der Rheinebene. „Haardt“ nennt sich dieser etwa 30 Kilometer lange Mittelgebirgszug.

Bei Neustadt an der Weinstraße bildet er den Ostrand des Pfälzer Waldes. Den Übergang ins platte Bett des Rheins nennen die Einheimischen „Haardtrand“. Wenig blumig, nicht gerade melodiös für eine Gegend, die nach Mandelbäumen und Zypressen riecht, wo sich Weingärten über sanfte Hügel bis zum Horizont wellen. Eine klingendere Buchstabenkomposition wie „Firenze“ wäre wohl stilgerechter. Doch das Land, wo die Zitronen blühen, verortet man doch gewöhnlich 900 Kilometer weiter südlich, oder?

Temperaturen wie in Florenz

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Traumtrails in Pinienwäldern: Sascha Lieb (links) und Wolfram Kurschat rocken den Kalmit.

„Genau deshalb bin ich hier“, grinst Wolfram Kurschat. Der Bikeprof im semiaktiven Ruhestand unternahm vor genau zwanzig Jahren seine erste innerdeutsche „Italienische Reise“. Genauer: von Bochum nach Neustadt an der Weinstraße. 350 Kilometer. Tapetenwechsel total. Ein Bikerkollege hatte Wolfram damals dazu überredet: „Milde Temperaturen, so viele Sonnenstunden wie in Florenz, tolle Singletrails, mediterraner Lifestyle.“ Längst ist Wolfram hier nicht nur physisch angekommen. Er hat ihn gefunden, den Ort seiner Sehnsucht. Italienische Verhältnisse mitten im Herzen Deutschlands. „Che bello!“

Es dufet nach Harz. Auf dem sandigen Trail liegen Kiefernzapfen. Pinien spenden angenehmen Halbschatten. Dazwischen ein paar Buchen und Eichen. Sogar die Waldvegetation ist überraschend südlich. Zusammen mit einem Grüppchen von Trainingskollegen beißt sich Wolfram den knackigen Anstieg hinauf. Die Route führt über die mit den Bikern vom RSC Neustadt angelegte Cross-Country-Rennstrecke nahe der Waldschenke Ludwigsbrunnen. Mal flowig, mal mit wilden Haken, mal verblockt mit mächtigen Buntsandsteinbrocken, schlängelt sich der Pfad durch den Wald an der Südostflanke des Weingebiets. Ein Einstieg, der Lust macht auf mehr.

„Der Begriff Trailnetz trifft den Nagel auf den Kopf“, sagt Wolfram. „Hier kannst du auch ohne Tourenbeschreibung einfach drauflosfahren und findest garantiert 1-a-Trails.“ In der Tat muss man nicht die Nase eines Trüffelschweins haben, um lohnenswerte Pfade zu entdecken. 7000 Kilometer Wanderwege gibt es im Pfälzer Wald – und viele eignen sich – entsprechende Rücksichtnahme vorausgesetzt – auch für Biker. Auf den ersten Routen zogen schon vor 2000 Jahren die Römer ihre Karren. Sie umgingen damit die sumpfgen Täler. „Schlammige Trails? Gibt’s hier so gut wie nicht“, beginnt Wolfram seine Wegbeschreibung.

Mit deutscher Akribie analysiert er die „fast mediterranen Pfade“. Spricht vom Sandboden, der
selbst nach Gewittergüssen die Feuchtigkeit rasch wieder versickern lässt. Schwärmt von changierenden Bordeaux- und Anthrazit-Tönen, wenn der Boden feucht oder nass wird. Und davon, wie er sich schnell wieder aufhellt, sobald die Sonne scheint.

Gnocchi oder Saumaache?

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In Vino Veritas: genüssliches Cruisen durch die Weinberge.

Auch Michael zieht das pfälzisch-mediterrane Flair an. Dampfende Teller werden serviert: Pizza Mari e Monti, Gnocchi alla Fata, Salmone alla Griglia. Genussfähig sollte man als Mitglied von Wolframs linksrheinischer Toskana-Fraktion schon sein. Wenngleich es ja nicht unbedingt italienische Küche sein muss.

Kreative Köche interpretieren die pfälzische Küche neu und leicht, kreuzen sie mit südeuropäischen und asiatischen Delikatessen. Wen es doch nach mehr Bodenständigkeit hungert, der kann’s gerne auch deftig haben: Lewwerknepp, Grieweworscht oder Saumaache gefällig? Ex-Kanzler Helmut Kohl war es, der dem Pfälzer Saumagen zu Weltruhm verholfen hat. Ein Mix aus Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln, verfeinert mit Salz, Pfeffer, Piment, Thymian, Lorbeer, Majoran und Muskat – durch den Fleischwolf gedreht und in Schweinsmägen gefüllt. Die Spezialität durfen schon Staatsgrößen wie Michail Gorbatschow, Margaret Thatcher oder Spaniens König Juan Carlos kosten. „Gut, dass man die überflüssigen Kalorien auf den Trails schnell wieder los wird“, unkt Michael, „genussvoll und effektiv!“

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Dolce Vita oder: AprèsBiken auf gut Pfälzisch.

Wenn Oberitalien die Steigerungsform, die Optimierung von Italien ist, dann ist die Pfalz eine Art verdeutschtes Superitalien, ohne latente Anarchie, mit Hang zur Vollkommenheit statt zum Chaos, mit Weingütern, an deren sorgsam renovierten Mauern Feigenbäume ranken, mit modernen Vinotheken, die an Designer-Studios erinnern. Immer aber mit dem gleichen Sinn fürs süße Leben und guten Wein. Più perfetta!

Solche Gedanken kommen einem spätestens beim zweiten Schoppen. Denn Wein führt sich der Pfälzer zu wie der Bayer Bier – am liebsten in der Halbliterklasse, aus dem grifgen „Dubbeglas“. Vor 30 Jahren gab es Pläne, das Schoppenmaß auf 0,4 Liter zu verringern. Das wussten Weinbruderschafen aber wohl zu verhindern. „Schluss mit der Trinkerei, jetzt geht’s zur Sache“, kündigt Wolfram die Bergetappe am nächsten Tag an. Fast 500 Höhenmeter sind es bis ganz hinauf zum Gipfel des 673 Meter hohen Kalmit. Ein Zwerg im Vergleich zu den Alpen. Doch „Einheiten mit 2000 Höhenmetern pro Tag sind auch bei uns locker drin“, bemerkt Wolfram.

Doch auf dieser Tour geht es nach dem Gipfelsturm erst mal bergab. Perfetto, um die Singletrails mit Schwerkrafunterstützung voll auszukosten. Nur gut, dass selbst vielen Pfälzern nicht bewusst ist, welch flüssige Genüsse die Haardt neben Riesling und Kerner noch bereithält. Berauscht vom Flow durch das lichte Grün zirkle ich die letzten Meter der Abfahrt durch den Wald. Dann öffnet sich die Weite der Weinberge. Eines ist nun sonnenklar: Der nächste Trip in die Toskana ist erst mal gestrichen. „Arrivederci, Firenze!“ Die Weinstraße liegt näher. Toskana daheim. Wolfram hat mehr als recht: „Che bello!

Geheimtipps:

1. Kultur-Tour: Von Singletrails umgeben und nur einen Katzensprung von der Downhill-Strecke am Kalmit entfernt liegt das Hambacher Schloss. Hier wurde 1832 das Hambacher Fest ausgerichtet. Super: das Restaurant. www.hambacher-schloss.de

2. Feste feiern: Immer am letzten Sonntag im August wird die 85 Kilometer lange Weintouristikroute – die älteste im Lande – für den motorisierten Verkehr gesperrt. Statt Isodrinks und Wasser gibt’s an den „Verpflegungsständen“ der örtlichen Winzer Wein, Saumagen und andere lokale Spezialitäten. www.pfalz.de

3. Koffeinschub: Ein Espresso als Turbo gefällig? Oder ein Cappuccino mit Kuchen gegen den Hungerast nach der Tour? Die Kaffeebar La Macchina per Caffè am Marktplatz in Neustadt ist der Treffpunkt für Biker. www.la-macchina.de

4. Adrenalinschub: Der Adrenalinschub beim Downhill reicht noch nicht? Im Renntaxi am Hockenheimring warten ganz neue Erfahrungen in Sachen G-Kräfe ... www.hockenheimring.de

Infocenter

Lage: Neustadt an der Weinstraße liegt westlich des Rheins auf halber Strecke zwischen Kaiserslautern und Mannheim – und gerade mal 100 Kilometer südlich von Frankfurt. Der ostseitige, sonnenverwöhnte Teil des Pfälzer Waldes nennt sich die Haardt. Höchste Gipfel sind der 673 Meter hohe Kalmit bei Maikammer und der 554 Meter hohe Weinbiet bei Neustadt. Allgemeine Reise-Infos: Tourismusorganisationen: Naturpark Pfälzerwald, Tel. 0 63 25/95 52-0, www.pfaelzerwald.de;
Deutsche Weinstraße e. V., Tel. 0 63 21/91 23 33, www.deutscheweinstrasse.de

Beste Reisezeit: März bis November

Anreise: mit dem Auto: Von Süden: A 8 München – Stuttgart – Karlsruhe – A 66 Neustadt an der Weinstraße. Von Norden: Frankfurt, A 5 oder A 67 – Mannheim – Neustadt an der Weinstraße.

Übernachten: Kaisergarten Hotel & Spa, Restaurant RIVA und
Bar in Deidesheim, Tel. 0 63 26/70 00 77, www.kaisergarten-deidesheim.com; Jugendherberge Neustadt an der Weinstraße,
Tel. 0 63 21/22 89, www.diejugendherbergen.de
Einkehr: Weingut Nett, Neustadt Geinsheim, www.weingutnett.de; Weingut Aloisiushof, St. Martin bei Maikammer,
www.aloisiushof.de

Bikeshops: Fahrradfachmarkt Trimpe in Neustadt, www.fahrrad-trimpe.de; in velo veritas in Neustadt, www.inveloveritas.de;
der Bock-Shop in Deidesheim, www.tuning-bikes.de

Singletrail-Skala

S0:flowige Wald-, Wiesenwege ohne Schwierigkeiten

S1: kleine Hindernisse wie z. B. flache Wurzeln oder Wasserrinnen

S2: Wurzeln, Steine, niedrige Stufen, flache Treppen, enge Kurven

S3: hohe Stufen, Spitzkehren, tricky Schrägfahrten, verblockt

S4: steilste Rampen, engste Spitzkehren, sehr hohe Stufen

S5: extreme Schwierigkeiten, die perfekte Trialtechnik erfordern

Touren

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