MB BEN Namibia Teaserbild Johannes Mair
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BEN Namibia: Soziale Fahrradprojekte in Namibia

BEN Namibia - Fahrräder für ein besseres Leben

Fahrräder für ein besseres Leben: Mit diesen Worten kann man das einfache aber beeindruckende Community-Programm von BEN Namibia beschreiben. Auf dem Weg zu ihrem Bike-Abenteuer im Hinterland Namibias besuchten die Vertriders in Katutura, einem armen Vorort der Hauptstadt Windhoek, zwei soziale Fahrradprojekte von BEN Namibia. Warum Schiffscontainer in der Savanne und der Buchstabe M in eine hoffnungsvolle Zukunft deuten.

Gekleidet in eine blaue Arbeitsjacke sitzt Sarah mit ihren Arbeitskollegen im Schatten, den ein grünes Sonnensegel in der Mittagshitze vor den Fahrradladen wirft. Argwöhnisch beobachtet sie unsere Schritte auf dem staubigen Vorplatz mitten in Katutura, einem Vorort von Windhoek.

Ort an dem wir nicht leben wollen heißt die Wellblechsiedlung sinngemäß; die schwarze Bevölkerung wurde in den 50er Jahren dorthin zwangsübersiedelt. Heute ist dieser Stadtteil der lebendigste und interessanteste, das Zentrum der Hauptstadt Namibias wirkt im Vergleich dazu geradezu leblos.

Der Laden besteht aus zwei verblassten roten Schiffscontainern, die als Lager und Werkstatt fungieren; drinnen stapeln sich kaputte Fahrräder und Ersatzteile, draußen hängen fahrtüchtige Räder für den Verkauf.

Bevor wir uns mit Bikes und Filmausrüstung auf den Weg ins namibianische Hinterland machen, wollen wir auf dem Weg dorthin das Bike als interkulturelles Kommunikationsmittel erproben, um die noch junge Bike-Szene in der Hauptstadt Windhoek kennenzulernen.

Dass wir nicht eine Mountainbike-Community wie hier in den Alpen antreffen werden, war uns von Anfang an klar, daher haben wir unseren Fokus bald auf soziale Programme verlegt.

Im Zuge unserer Recherche sind wir auf BEN Namibia (Bicycle Empowerment Network) gestoßen, eine Non-Profit Organisation, die 2005 mit dem Ziel, von Armut betroffenen Namibianern mithilfe von Fahrrädern eine Perspektive zu geben gegründet wurde. 33 gemeinnützige Radwerkstätten und Shops wurden seitdem aufgebaut, über 300 Fahrrad-MechanikerInnen ausgebildet und 34.000 Räder ins Land geholt.

In Namibia, fast doppelt so groß wie Deutschland, leben kaum mehr Menschen als in Hamburg. Das Land liegt zwar aufgrund seines großen Reichtums an Bodenschätzen in der afrikanischen Spitzengruppe, die Hälfte der Familien muss aber von rund einem Euro pro Tag ihr Auskommen finden.

Bei einer Arbeitslosigkeit von 50 Prozent und einem Mindeststundenlohn von knapp 20 Cent gibt es mehr Tagelöhner als Jobs und für die meisten kein Entrinnen aus der Armut. Das Konzept des Gründers von BEN Namibia, Michael Linke, ist so simpel wie eingängig: Gebrauchte Fahrräder in Europa sammeln, in einem Container nach Namibia verschiffen, den Container in einen Fahrradladen umbauen.

Michael war immer schon an Fahrrädern interessiert, aber damit nachhaltig Armut in Afrika zu bekämpfen, kam ihm erst in den Sinn, als er fern von seiner Heimat Australien in der Hansestadt Hamburg über seine Zukunft nachdachte.

Equipment- und Bekleidungs-Tipps von VAUDE für den Namibia-Trip

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King‘s Daughters Bicycle Shop: Fahrräder für Namibias Bevölkerung

Der Boden unter unseren Füßen staubt auf dem Weg zum Fahrradladen, die Luft ist trocken und erzeugt ein erstes Durstgefühl. Aus dem Container tritt Eileen, die stellvertretende Leiterin der Werkstatt.

Sie erzählt uns nicht ohne Stolz, dass dieser Fahrradladen zur gemeinnützigen Organisation King’s Daughters gehört und dass das lokale Kirchenprojekt 2009 gegründet wurde, als ein paar Frauen sich an die Kirche wandten, um aus dem gefährlichen Milieu aussteigen zu können, in dem sie aus Armut und mangels Alternativen ihren Körper verkaufen.

Um die Rehabilitierung dieser stigmatisierten Frauen zu erleichtern, wurden sie in Zusammenarbeit mit BEN Namibia zu Fahrradmechanikerinnen ausgebildet und in Folge Teil eines kleinen Unternehmens, das ausgegrenzten Menschen eine Ausbildung und einen Job bietet.

King‘s Daughters Bicycle Shop ist heute die Anlaufstelle für die Bevölkerung von Katutura, wenn sie sich von ihrem mühsam Ersparten für umgerechnet 50 Euro ein gebrauchtes Fahrrad kaufen können, um damit zur Schule oder zur Arbeit zu fahren, statt mit teuren Bussen oder Taxis.

Auch Sarah wurde zur Fahrradmechanikerin ausgebildet; sie ist die Dienstälteste und beobachtet uns immer noch skeptisch. Bike und interkulturelle Kommunikation, Fehlanzeige! Während Eileen uns bereitwillig Auskunft gibt, dass die Einnahmen dazu benutzt werden, Löhne zu bezahlen, Ersatzteile, Werkzeuge und weitere Fahrräder anzuschaffen, dass der Erlös sogar ausreicht um Suppenküchen und Kindergärten zu unterstützen, schraubt Sarah weiterhin desinteressiert am Tretlager eines alten Baumarktrades herum.

In einem letzten Anflug von Hoffnung laden wir unsere Mountainbikes aus und schieben sie unters grüne Zeltdach. Ihre Arbeitskollegen stellen sich staunend davor, sie haben noch nie einen Dämpfer gesehen, sie tauchen die Federgabel ein und begutachten fasziniert die Scheibenbremsen. Ein Kopf zwängt sich durch die Reihe eng beieinander stehender Schultern. Sarah. Die Aufforderung, mit einem Rad ein paar Runden auf dem staubigen Vorplatz zu drehen, ebnet letztlich den Weg zur kulturellen Verständigung.

Katu Tours: Auf Bikes den Einwohnern Namibias näher kommen

Eine ausgestreckte Hand, ein sicherer flinker Schritt, den Afro stolz unter einem Sonnenhut verstaut, tritt uns einen Tag später Anna entgegen, zierlich von Statur, vom Charakter stark wie eine Löwin.

Während der Unabhängigkeitskämpfe Namibias in einem angolanischen Flüchtlingslager geboren, ist sie viele Jahre später nach Katutura zurückgekehrt. 2011 gründet Anna Mafwila hier mit Starthilfe von BEN Namibia ein kleines Unternehmen mit einem außergewöhnlichen Angebot, das sie Katu Tours nennt.

Sie will ihre Kunden, hauptsächlich Touristen, auf Fahrrädern mit der Bevölkerung von Katutura zusammenbringen, in einem nahezu physischen Sinn. Dicht an dicht mit den Einheimischen sollen sie die kulturellen Wurzeln des Landes, die traditionelle Küche und das afrikanische Lebensgefühl erleben.

BEN Namibia: Soziale Fahrradprojekte in Namibia

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Die Halbtagestour führt auf lebhaften Straßen, durch enge Markthallen, mitten durch Gerüche, Farben und lärmendes Treiben; auf stabilen California Bikes wird direkt durch den Pulsschlag der Stadt pedaliert. Anna liebt Fahrradfahren und sie ist stolz auf ihre gelbe Räderflotte, die sie über BEN Namibia günstig erwerben konnte.

Auf eine kurze Testfahrt einladend holt sie ein California nach dem anderen aus dem kleinen Lager, kontrolliert routiniert den Reifendruck, stellt die Sitzhöhe ein und händigt resolut neongelbe Warnwesten und Fahrradhelme aus, die wir mit ungläubigem Staunen entgegen nehmen. No African Style sondern Sicherheitsvorkehrungen wie mitten in Europa zwingen uns ein Schmunzeln auf die Lippen.

Anfangs haben die Einheimischen diese Ausfahrten für Fahrradrennen gehalten; durch Anfeuern und Zujubeln wollten sie die allzu gemächlich dahinrollende Gruppe in Renntempo bringen, besonders freute sie, dass immer Anna gewann.

Kein Slumtour, sondern interkultureller Austausch

Die Fahrräder von der roten Sandpiste auf die belebte Straße zusteuernd bleiben Kamera und Fotoapparat unter Verschluss. Anna weiß um die Gratwanderung ihres kleinen Unternehmens, Kritiker vergleichen die Touristen, die sich durch die Welt der armen Schwarzen führen lassen, mit Zoobesuchern.

Sie bittet uns höflich, die Bewohner nicht ungefragt und respektlos zu fotografieren. Katu Tours ist keine Slumtour vorbei an den Ausgegrenzten der ehemaligen südafrikanischen Apartheidspolitik, sondern ein interkultureller Austausch mit Männern und Frauen, die geprägt von einem neuen Selbstbewusstsein und einer breiten Aufbruchstimmung, ihren Stadtteil nun Matutura nennen, Ort an dem wir gerne leben.

Equipment- und Bekleidungs-Tipps von VAUDE für den Namibia-Trip

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Frauen wie Sarah und Anna sind Wegbereiterinnen für viele namibianische Frauen auf dem rauen und schwierigen Weg zum sozialen Aufstieg in der Gesellschaft.

Mit Fahrrädern lässt sich Selbstbewusstsein und finanzielle Unabhängigkeit gewinnen - und Anna wäre nicht Meisterin der interkulturellen Kommunikation, wenn wir nicht nachher an einem kleinen Stand mitten im Herzen von Katutura WaWaz nach einer Geheimrezeptur essen und Windhoek Lager trinken würden.

Mit diesen intensiven Eindrücken brechen wir schließlich zu unserem Bike-Abenteuer in atemberaubender Landschaft auf, noch nicht ahnend, was uns dort alles bevorsteht.

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