Teil des
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Mountainbiken in den Cevennen im Zentralmassiv – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

Alle Infos zum MTB-Spot Cevennen im Zentralmassiv

Qualität statt Quantität! Damit sind die Cevennen überreich gesegnet. Deshalb spielt es auch kaum eine Rolle, dass die Höhen- und Kilometerzahlen Alpen-verwöhnte Biker wenig beeindrucken werden.

Lage: Die Cevennen sind Teil des französischen Mittelgebirges Massif Central, das zwischen Alpen und Pyrenäen liegt. Im Cevennen-Nationalpark selbst ist Mountainbiken verboten. Das Straßennetz ist wenig ausgebaut, und öffentliche Verkehrsmittel sind rar. Ohne eigenes Auto oder Mietauto geht also nichts.

Anreise: Von Norden über Lyon und Montpellier in die Cevennen und z. B. nach Saint-Maurice-Navacelles (810 km/7:45 h ab Freiburg). Die französischen Schnellbahnzüge TGV fahren nach Montpellier oder Nîmes. Von dort am besten per Mietauto in die Cevennen.

Beste Reisezeit: Anders als die höchsten Regionen des Gebirges sind die Südcevennen ganzjährig schneefrei. Wenn der Mistral bläst, kann es empfindlich kalt werden, sodass man im Frühjahr und spät im Herbst Winter-Bikebekleidung braucht. Während der französischen Hauptreisezeit von Mitte Juli bis Ende August bitte die Hauptwanderwege (GRs) meiden! Im Hochsommer kann es unangenehm heiß werden. Die beste Zeit für einen Cevennen-Trip ist von März bis Ende Juni und von September bis November.

Übernachtungs-Tipps: Kleine, schön gelegene Unterkunft im Cirque de Navacelles: www.chambresammonite.com

Tolle kleine Pension in der Nähe von Saint Maurice de Navacelles: le.ranquas.free.fr

Nette Unterkunft im Weiler La Vacquerie: www.gites.fr/gites_gite-de-pouss-combe_la-vacquerie-et-saint-martin-decastries_9021.htm

Schöne Unterkunft oberhalb von Saint Guilhem le Désert: www.maison-des-legendes.fr

Hotel in Le Vigan, mit tollem Essen: www.auberge-cocagne-cevennes.com

Sechs Top-Touren in den Cevennen:

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MountainBIKE
MountainBIKE 0116 Cevennen Karte

Touren

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MTB-Reisereportage Cevennen

Die Mountainbikesaison 2015 war lange und gut. Sogar so gut, dass ich noch überhaupt keine Lust verspüre, mir vom herannahenden Winter das Biken vermiesen zu lassen. Was aber tun, wenn es zu Hause doch zu ungemütlich fürs Mountainbiken wird? Ganz einfach: in wärmere Gefilde fliehen.

Beim Scannen der Europakarte fällt mir zwischen Alpen und Pyrenäen das Massif Central auf, dessen Ausläufer bis fast ans Mittelmeer reichen. Hier müssten sich doch auch spät im Jahr Sonne und Trails genießen lassen?

Und so viel sei schon mal verraten: Die Cevennen haben alle meine Erwartungen übertroffen!

Mountainbiken in den Cevennen im Zentralmassiv – die schönsten Bilder

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Biketaugliches Klima zum Jahresende

Mit Hanna, Michi und Fotograf Stefan finde ich schnell eine bewährte Crew, die ich nicht lange von dem Reiseziel überzeugen muss. Schon zwei Tage nach dem ersten Telefonat sitzen wir vier im Auto in Richtung Mittelmeer. Bei einstelligen Temperaturen und Dauerregen ... Aber wie erhofft ändert sich die Himmelsfarbe pünktlich, als wir Lyon hinter uns lassen: Statt tristem Novembergrau strahlt die Sonne vom tiefblauen Himmel.

Unsere Motivation klettert im Gleichschritt mit dem Thermometer zaghaft, aber beständig nach oben und pendelt sich im Rhônetal bei Bike-tauglichen 16 Grad ein. Im Cevennen-Dorf Vacquerie, das um diese Jahreszeit fast verlassen ist, finden wir in einer Wanderer-Herberge eine gemütliche, geräumige Bleibe. Da sämtliche Restaurants in der Umgebung geschlossen sind, können wir uns in der Küche der Gîte selbst versorgen.

Das Massif Central ist mit 85 000 Quadratkilometern größer als Bayern und erreicht im Norden mit knapp 1900 Metern seinen höchsten Punkt. Wir haben uns für die niedrigeren südlichen Cevennen entschieden – und das nicht nur wegen des mediterranen Klimas. Scheint auf den ersten Landkartenblick das Gelände der karstigen Hochplateaus eintönig zu sein, zeigt sich vor Ort schnell, dass die vielen canyonartigen Schluchten mit ihren Felsabstürzen eine Vielzahl famoser Touren verbergen. Und da auch am Mittelmeer die Novembertage kurz sind, stört es kaum, dass die meisten Touren weniger kilometerreich sind, als wir es aus den Alpen gewohnt sind.

Die wilde Vis-Schlucht wurde uns von der Wirtin unserer Unterkunft empfohlen. Die betreibt im Sommer neben der Gîte ein kleines Café und verleiht Esel als Lastträger. Anfangs wirkt die flache Landschaft mit den kleinen Dörfern eher öde, und ich ertappe mich beim Gedanken, ob vielleicht das Rennrad die bessere Wahl gewesen wäre. Doch als wir den Steilabfall der Schlucht erreichen, trauen wir unseren Augen kaum: Fatamorgana oder Wahrheit?

In wilden Kehren zackt ein mit groben Kalkblöcken garnierter Trail in die Tiefe. Schwindelerregend tief unten glitzert der Fluss. Und weil’s kein Traum ist, stürzen wir uns direkt ins Kurvenvergnügen. Aber Obacht! Ein Sturz könnte hier der letzte sein, denn er würde wohl erst nach längerem Freifall von der Macchia gebremst. Wenn überhaupt. Ein Blick in den Himmel beruhigt: Über unseren Helmen kreisen zwei Steinadler – zum Glück keine Aasgeier ...

Vis-Schlucht und St. Guilhem le Désert

Nach 300 endorphinreichen Tiefenmetern auf teils ruppigem Trail erreichen wir das Flussbett und folgen der Schlucht bis zum berühmten Amphitheater des „Cirque de Navacelles“. Im Hochsommer wird der winzige Ort, der von riesigen Felswänden gänzlich eingeschlossen ist, wegen seiner grandiosen Szenerie von Heerscharen von Touristen überrollt. Das winzige Dorf schmiegt sich an einen kleinen, kegelförmigen Berg, um den einst der Fluss Vis floss. Ein idyllisches und liebliches Kleinod inmitten senkrechter Felswände.

Dem Fluss war der lästige Umweg, den er sich selbst geschaffen hatte, auf Dauer zu umständlich, weshalb er sich in Jahrtausenden der Erosion eine Abkürzung durch das Kalkgebirge gebahnt hat, sodass der ehemalige Talverlauf nun trocken liegt und, von saftigen Wiesen bewachsen, als riesiger grüner Bogen durch die steingraue Schluchtlandschaft führt.

Als wir in der kleinen Bar bei Orangina und Radler, das hierzulande Panache genannt wird, auf den grandiosen Ride anstoßen, treffen noch vier Wanderer ein. Wir sind also doch nicht alleine unterwegs. Und weil die Abfahrt unseren Appetit auf Trails durch Felswände geweckt hat, planen wir abenteuerhungrig unsere nächste Tour.

Auch der Trail nach St. Guilhem le Désert ist ein Volltreffer! Nach der langen Bikesaison sind wir noch voll im Flow-Modus – und aus dem kommen wir während der Abfahrt auch nicht mehr heraus.

Nachdem wir die alte Einsiedelei des Klosters von St. Guilhem le Désert hinter uns gelassen haben, führt der Trail mit einer tollen Speedpassage über einen felsigen Geländerücken. Derbe Schläge und kleinere Felsstufen fordern Fahrer und Material gleichermaßen. Auf einem scharfen Felsgrat thronen die Reste eines verfallenen Wachturms, der zu den Verteidigungsanlagen des mittelalterlichen Dorfes St. Guilhem gehörte. In der Bar unter der 400 Jahre alten Platane saugen wir anschließend die letzten Strahlen der Novembersonne ein.

Unterwegs auf herbstlichen Trails

Auf einem winzigen Sträßchen fahren wir nach St.-Laurent-Le-Minier, dessen Minen wegen Unrentabilität längst geschlossen worden sind. Kein Wunder also, dass der Ort einen ziemlich verlotterten Eindruck macht. „Gespenstisch“, findet Hanna die Kulisse. „Ödes Kaff“, lautet Michis Urteil. Also machen wir uns zielstrebig zu den Bergkämmen hinter St. Laurent auf. Auf einer Piste geht es die vom Bergbau zerpflügten Hänge hinauf. Oben angekommen, cruisen wir einen sonnenüberfluteten Höhenweg entlang. Später balancieren wir wie auf Messers Schneide über einen Felsrücken.

Und auch das kleine Abenteuer kommt nicht zu kurz: „Stopp!“ ruft Stefan, der vorausgefahren ist, lautstark. Vor uns tut sich völlig überraschend eine 30 Meter tiefe Felsstufe auf. Der markierte Weg durch den Felsabsturz ist selbst für die besten Fahrer fern jenseits von „fahrbar“. S7 gibt es, glaube ich, noch nicht. Notgedrungen klettern wir mit den Bikes über die Felsstufen hinab.

Nach dieser Kletterpassage führt der Weiterweg als Freeride-Trail der Sonderklasse durch dichten Wald bergab. Und jetzt im Spätherbst ist der Trail frisch für uns angerichtet. Während unsere Freunde in den Alpen bereits die erste dünne Spätherbstschneedecke mit Ski befahren, finden wir hier ein Fahrvergnügen im tiefen Laub vor. Erste Frostnächte und der allgegenwärtig pfeifende Mistral haben den Großteil des Laubs von den Esskastanienbäumen geschüttelt.

Apropos Esskastanien: Im wasserspeichernden Silikatgestein der Cevennen wachsen über Jahrhunderte kultivierte Esskastanienwälder, die den Bewohnern der einst bitterarmen Region das Überleben ermöglichten. Jetzt ist der Trail von einem halben Meter knistertrockenem Kastanienlaub bedeckt. Das Laub deckt alle Schläge, Steinbrocken und Wurzeln zu, was einiges an Vertrauen in die Technik des Bikes und den Grip der Reifen erfordert. Zugleich macht die dicke Laubschicht die Abfahrt auch wunderbar weich – fast wie das Gleiten auf Ski im Pulverschnee.

Kastanienlaub, das über den Bike-Lenker fliegt, allein dieses Bike-Erlebnis macht diesen Cevennen-Trip unvergesslich. Und weckt zugleich die Lust auf den bevorstehenden Pulverschnee. Denn irgendwann ist auch die längste und beste Bikesaison Schnee von gestern.

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