Von Cross-Country bis Enduro: Elf Laufräder im Test

Präzisionsarbeit

Leicht, stabil, schnell! Perfekt aufgebaute Laufräder arbeiten zuverlässig wie ein Uhrwerk. MB nahm elf Modelle von Cross Country bis Enduro unter die Lupe.
Zu den getesteten Produkten
Easton XC Two Disc

Test im Labor - unser Technikexperte Haider Knall.

Etwa 6000 Jahre sind vergangen, seit das Rad erfunden wurde. Interessant, dass die Natur für diese Jahrtausend-Erfindung ausnahmsweise kein Vorbild war. Das Rad verdankt seine Entstehung einzig und allein der Fantasie und dem Abstraktionsvermögen des Menschen. Das grundsätzliche Prinzip ist bis heute unverändert – eine Scheibe dreht sich um eine
Achse.

In Sachen Bauweise und Material hat sich allerdings einiges getan. Fungierte früher eine schwere Steinscheibe mit durchgestecktem Ast als Lastesel, besitzt ein modernes MTB-Laufrad filigranste Speichen, die schier unglaublichen Belastungen standhalten. Gerade im Mountainbikesport wirken besonders hohe Kräfte, etwa durch Stoßbelastungen auf ruppigen Trails oder bei Landungen nach Sprüngen. Gleichzeitig verlangen die Fahrer nach leichten Laufrädern, um möglichst wenig Energie im Vortrieb zu verlieren.

Die Hersteller arbeiten deshalb unermüdlich daran, ihre Produkte durch neue Technologien und optimierten Materialeinsatz noch leichter und stabiler zu machen. Jährlich kommen neue Laufräder auf den Markt, die das Tuning-Herz ambitionierter Biker höher schlagen lassen. Grund genug für MB, zum Laufradtest zu laden und die Neuentwicklungen mit Altbewährtem zu vergleichen. Zum Testfeld zählen neun Modelle für Cross Country/Tour und zwei für den Enduro-Einsatz von 400 bis 1230 Euro.

Der Reiz neuer Laufräder

Gründe, auf einen neuen Laufradsatz zu wechseln, gibt es viele. Häufig zwingen Defekte oder fortgeschrittener Verschleiß zu einem neuen Satz. Ständige Speichenbrüche etwa weisen auf starke Spannungsunterschiede innerhalb des Laufrades hin. Komplett neu einzuspeichen lohnt sich bei alten Naben und Felgen meist nicht.

Verschleiß tritt vor allem in Verbindung mit Felgenbremsen auf. Jahrelanges Bremsen nagt am Material der Felge, was am Ende zu Lasten der Sicherheit geht. Ein günstiger Zeitpunkt, um mit den neuen Laufrädern gleich auf Scheibenbremsen umzurüsten. Aber auch ohne Defekt oder Verschleiß bringt ein Wechsel Vorteile. An kaum einem Bauteil am Bike bringt eine Gewichtsreduzierung mehr als bei Laufrädern. Im Vergleich zu starren Teilen, die nur in Fahrtrichtung beschleunigen, müssen Massen wie Laufräder, Reifen und Schläuche zusätzlich rotieren und verlangen deshalb wesentlich mehr Energie.

Leichte Laufräder in Top-Qualität finden Cross-Country-Fahrer und Tourer bereits um 450 Euro. Rennfahrer und Gewichtsfetischisten greifen auch mal tiefer in die Tasche, um ihren Drang nach superleichten Parts zu befriedigen.

Enduro-Piloten belasten Laufräder deutlich höher, wodurch das Hauptaugenmerk auf die Stabilität fällt. Experimente mit superschmalen Felgen und minimaler Speichenanzahl haben in diesem Einsatzbereich nichts verloren. Neben all der Technik darf man einen Punkt nicht vergessen: Neue Laufräder werten Ihr altes Bike auch optisch auf.

05.03.2008
Autor: Dipl-Ing. (FH) Rainer Sebal
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2008