Test: Bremsbeläge

21 Bremsbeläge im Test

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

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Nur fünf Quadratzentimeter groß sind die Reibflächen der Bremsbeläge, die im Ernstfall über Wohl oder Wehe entscheiden – wenig, angesichts der extremen thermischen Belastung. Wir wollten wissen, welche Pads die Hitzeschlacht auf dem Trail am besten überstehen. überstehen

Bissig, fein zu dosieren, standfest und verschleißarm – so mögen wir unsere Brems beläge am liebsten. Dazu müssen die klei nen Pads ein ganzes Paket an Eigenschaften mitbringen. Zum Beispiel unglaublich hitzebeständig sein, weil die Reib?ächen teils Temperaturen um 500° Celsius ausgesetzt sind. Idealerweise dürfen die Beläge nur wenig Hitze an den Bremssattel übertragen, damit die Bremsleistung nicht abfällt. Wir wollten wissen, welchem Belag der Mix aus Power, Modulierbarkeit, Standfestigkeit und Verschleißarmut am besten glückt, und haben 14 organische und sieben gesinterte Beläge zum Test eingeladen – jeweils für die aktuelle Generation der beliebten Shimano-Bremsen (Deore, SLX, XT, XTR), wobei wir die Praxis- und Labortests mit mehreren Sätzen XT-Stoppern durchgeführt haben. Unsere Ergebnisse lassen sich aber bedenkenlos auf andere Bremsen übertragen, da die Reibmischungen der Nachrüstbeläge in der Regel identisch sind.

Extreme Belastungen, extreme Testarena

Ein Bremsbelagtest ist eine enorme Herausforderung für Material und Testfahrer. Um die Beläge bis zur Grenze der Belastbarkeit zu treiben, haben wir eine Teststrecke in der „Bike-Republic“ Sölden ausgewählt. Los ging es auf der extrem steilen Schotterstraße von der Bergstation der Giggijoch-Bahn bis nach Hochsölden. 200 Meter fällt die Piste auf dem ersten Kilometer in die Tiefe. Perfekte Bedingungen für einen Standfestigkeitstest. Tatsächlich überforderten die 20 Prozent Gefälle mit Dauerbremsen mehrere Beläge, sodass deren Bremsleistung rapide abnahm. In der Realität sind MTB-Bremsen eher einem Wechsel aus Ruhephase und Belastung ausgesetzt wie auf dem zweiten Teil der Teststrecke: dem „Traien Trail“. Mal rauschten wir auf ?owigen Passagen auf Kurven zu, vor denen die Beläge die Bikes abrupt runterbremsen mussten. Danach schlängelten wir uns über verblockte Passagen und Spitzkehrenkombinationen, in denen der Bremsfnger permanent, aber wohldosiert mit dem Hebel arbeitete. Steilstücke wiederum forderten die Beläge in Sachen Standfestigkeit: Am Ende musste noch genug Bumms da sein, um die folgenden engen Kurven anzubremsen. Benotet haben wir in der Praxis die Dosierbarkeit (20 Prozent der Endnote) und die Standfestigkeit (30 Prozent). Zudem haben wir nach einer stets identischen Anzahl von Fahrten das Verschleißbild (20 Prozent) ausgewertet.

Im Labor zählt nur die reine Power

Wie bei unseren Bremsentests haben wir die Beläge ins Labor des Technikum Wien geschickt, um bei maximaler Vergleichbarkeit – also stets gleicher Ausgangsleistung der Bremse an sich – die Bremskraft in Newton zu messen: einmal bei trockener Bremse, einmal bei nassem System. Die
Bremskraf macht 20 Prozent (trocken) bzw. 10 Prozent (nass) der Endnote aus, wobei wir bei der Trockenkraft unsere Praxiseindrücke mit ein?ießen ließen. Übrigens: Unser Test zeigt, dass sich „Weisheiten“ über die Belagmischungen nicht immer verallgemeinern lassen. So haben die gesinterten Beläge ihre organischen Pendants in Sachen Standfestigkeit nicht wie erwartet abgehängt. Ebenso wenig haben wir die per se bessere Dosierbarkeit der organischen Beläge stets gespürt.

Kurz & Knapp:

Krafvoll, standfest, fein dosierbar, verschleißarm – ein Bremsbelag muss viele Eigenschaften auf wenigen Quadratzentimetern vereinen. In unserem Labor- und Praxistest zeigen die meisten Nachrüstbeläge (wie die Original-Shimanos) gute bis sehr gute Eigenschafen. Von einigen ist aber auch abzuraten.

18.01.2018
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE