Test: 16 MTB-Steuersätze im Vergleich

Steuersätze - die Popstars unter den Mountainbike-Parts!

Mit Glanz und ganz viel Liebe zum Detail verzaubern MTB-Steuersätze die Mountainbiker. Doch Aussehen ist nicht alles, es gibt auch praktische Gründe für ein neues Lenkkopflager fürs Bike. MountainBIKE erklärt die verschiedenen Typen und zeigt, wie der Tausch funktioniert. Mit dabei Steuersätze von Hope, FSA, Ritchey, Acros, Cane Creek, Chris King, Crankbrothers, Reset und Tune.

Das farbenfrohes Auftreten der Steuersätze versetzt das Blut jedes Tuningfans in Wallung, besonders Grammfeilscher unter den Mountainbikern können der Versuchung schwer widerstehen. Umso besser, dass die drehfreudigen Teile deutlich mehr als eine schöne Fassade zu bieten haben.

Wer das Lenkkopflager im Detail betrachtet, entdeckt nicht nur eine Menge an Einzelteilen, sondern auch eine spektakuläre Vielfalt an technischen Features und raffinierten Lösungen. Geschlitzte Konen, abgeschrägte Lagerringe, Dichtungen in verschiedensten Bauformen – die Hersteller setzen auf unterschiedlichste Konzepte, um Steifigkeit und Haltbarkeit zu erhöhen sowie das Gewicht zu senken.

Ein neuer Steuersatz wertet Ihr Mountainbike also nicht nur optisch auf, sondern sorgt zum Teil auch für deutlich verkürzte Wartungsintervalle und spart zudem das eine oder andere Gramm. Um Ihnen die technische und farbenreiche Vielfalt der Steuersätze näherzubringen, hat MountainBIKE 16 Modelle untersucht und miteinander verglichen. Neun klassische Ahead- sowie sieben semi-integrierte Lenkkopflager bilden das Testfeld. Die ungeheure Vielfalt der Steuersätze macht bedauerlicherweise auch vor Standards nicht halt: Unzählige Bauformen mit unterschiedlichsten Einbaumaßen lassen selbst Kenner den Durchblick verlieren.

Das große Montage-Chaos

Der erste große Eingriff in die Art der Steuersatz-Montage liegt schon ein paar Jahre zurück. Damals wurden die Lager noch mittels Gewinde am Gabelschaft gegeneinander verspannt. Mittlerweile drehen sich die Gabeln moderner Fahrräder ausnahmslos in gewindefreien Lagern.

Unter den Gewindelosen tummelt sich jedoch mittlerweile eine ganze Schar von neuen Standards. Zur klassischen Ahead-Bauform mit außenliegenden Lagern gesellten sich auch integrierte Formen mit innenliegenden hinzu. Und auch in Sachen Lagerdurchmesser herrscht keine Einigkeit. Unterschiedliche Maße bei Gabelschäften und Steuerrohren, neuerdings auch in konischer Form, verlangen verschiedenste Durchmesserkombinationen.

Wer also seinen alten Steuersatz gegen einen neuen tauschen möchte, sollte nicht nur darauf achten, dass die Handgriffe sitzen und das nötige Werkzeug bereitliegt, sondern darf auch die richtigen Einbaumaße wie Einpressdurchmesser und Einpresstiefe nicht vergessen. Zudem besteht auch die Möglichkeit, mittels spezieller Adapter 1 1/8-Zoll-Gabelschäfte in 1,5-Zoll-Steuerrohren zu verbauen. Sind die äußeren Unterscheidungsmerkmale erst mal abgehandelt, fällt der Fokus aufs Steuersatzinnere. Und auch da gibt es zahlreiche Unterschiede.

Auch die inneren Werte zählen

Fast alle Hersteller im Testfeld setzen auf so genannte Industrie-Schrägkugellager. "Industrie" steht für genormte, gekapselte Lager, die sich im Vergleich zu offenen Lagern einfacher und preiswerter tauschen lassen. Schrägkugellager können aufgrund ihrer Bauform Kräfte sowohl in axialer als auch in radialer Richtung gut aufnehmen – wie gemacht für die Anforderungen in einem Steuerlager.

Reset verbaut als einziger im Test Industrie-Rillenkugellager, die axiale Kräfte nur begrenzt vertragen. Crankbrothers spart Gewicht und nutzt für sein Speziallager die Lagerschale gleichzeitig als äußeren Lagerring.
Voraussetzung für eine möglichst hohe Lebensdauer des Steuersatzes ist ein fester Sitz der Industrielager. Die Modelle von FSA, Hope und Ritchey kommen allerdings mit leichtem Spiel zwischen äußerem Lagerring und Lagerschale. Das erlaubt zwar das einfache Austauschen der Industrielager ohne spezielle Presse, führt aber bei hohen radialen (seitlichen) Kräften zu leichter Bewegung im Steuersatz und somit zu schnellerem Verschleiß.

Ebenfalls spielfrei muss die Verbindung zwischen Gabelschaft und innerem Lagerring sein. Etwa die Hälfte der Hersteller setzt dabei auf das ­Cane-Creek-Patent: An der oberen Lagerschale klemmt sich ein geschlitzter Konusring um den Gabelschaft und überbrückt so den Spalt. Acros, Chris King, Crankbrothers und Tune verwenden hingegen einen speziellen Klemmring aus Kunststoff, der den Luftspalt durch Verformung ausgleicht.

Dichtungen spielen in puncto Lagerhaltbarkeit eine besonders wichtige Rolle. Sie verhindern nicht nur das Eindringen von Schmutz und Wasser – dem größten Feind des Lagers –, sondern auch das Austreten von Fett.

Industrielager besitzen in der Regel an beiden Seiten einen schleifenden Kunststoffring, eine so genannte RS-Dichtung. Diese allein schützt das Lager allerdings nicht sehr lange vor unerwünschten Fremdkörpern. Hochwertige Modelle besitzen deshalb zusätzlich einen O-Ring zwischen Steuersatzdeckel und Gabelschaft sowie jeweils eine Dichtlippe an der oberen und unteren Lagerschale. Ein Rundumschutz, den zum Teil aus Gewichtsgründen nicht alle Modelle im Testfeld bieten. Reset verbaut hingegen gleich vier dieser speziellen Dichtlippen.
Sehr vielseitig präsentiert sich das Testfeld auch in farblicher Hinsicht und hält deshalb für fast jeden Geschmack und Einsatzbereich das richtige Modell bereit.

Fazit

Wer Steuersätze mit höchster Qualität sucht, greift zu Acros, Cane Creek oder Chris King. Leichtbaufans finden in Crankbrothers oder Tune das Paradies. Sparambitionierte lassen sich von FSA oder Ritchey verführen.

Auf den folgenden beiden Seiten finden Sie Dteailinfos zu den Steuersätzen von Hope, FSA, Ritchey, Acros, Cane Creek, Chris King, Crankbrothers, Reset und Tune.

20.06.2010
Autor: Rainer Sebal
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2010