Scheibenbremsen im Labor- und Praxis-Test

Im Test: Bremsen von Ashima, Avid, Formula, Magura, Shimano und TRP

Mit dem richtigen Stopper bleiben Sie auch in brenzligen Situationen cool. Die neuesten Bremsen im Megatest.
Zu den getesteten Produkten

Gute Scheibenbremsen sind Ihre Lebensversicherung auf der Tour! Schenken Sie Ihnen deshalb besondere Aufmerksamkeit – aber nicht nur beim Neukauf eines Bikes. Besonders ältere Bike-Modelle mit veralteten oder bereits defektanfälligen Bremsanlagen profitieren häufig durch ein Bremsen-Upgrade. Die Auswahl ist mittlerweile groß.

Jährlich locken die Hersteller mit neuen Modellen – noch kräftiger, noch leichter, noch besser, verspricht die Marketing-Abteilung. Vorsicht! Schließlich handelt es sich bei Bremsen nicht um schicke Tuning-Parts, sondern um sicherheitsrelevante Bauteile. Klarheit schafft nur ein umfangreicher Test – deshalb schickte MB zehn neue Bremsenmodelle mit unterschiedlichen Scheibengrößen in den Praxistest und auf den Prüfstand. Ergibt 27 Bremsvarianten. Erstaunlich sind die enormen Preisunterschiede: Die Stopper kosten zwischen 87 und 365 Euro.

Die neuen Discstopper der Saison

Avid tritt gleich mit drei neuen Modellen an. Die komplett überarbeitete Code soll gegenüber dem Vorgänger weniger auf die Waage bringen. Der X.0-Stopper folgt der Elixir CR Mag nach und vervollständigt die gleichnamige Schaltgruppe. Einsteigern bietet Avid die neue Elixir 3.

Aller guten Dinge sind drei lautet auch das Motto bei Shimano. Neben der gruppenunabhängigen Einsteigerbremse BLM505/BR-M445 versuchen gleich zwei XTR-Modelle die Konkurrenz auszubremsen. Während die Japaner bei der Race-Version auf geringes Gewicht Wert legen, soll die Trail-Version mit Kühlrippen, Druckpunkteinstellung und „Servo-Wave“-Technik in anspruchsvollem Gelände punkten.

Auch Magura möchte mit der Marta FR insbesondere die gewichtsbewusste Gravity-Fraktion bedienen und entwickelte dafür besonders standfeste Bremsscheiben. Für einen unerwarteten Rückzieher sorgte Formula. Die groß angekündigte Oval benötigt noch einige Zeit in der Entwicklungsabteilung. Stattdessen springt Vorjahressieger The One mit neuer Griffweiten- und Druckpunkteinstellung ein.

Die zweite Stornierung geht auf das Konto von Hayes. Auch die Prime bekam noch keine Freigabe für einen Test. Tektro vertreibt auch hochpreisige Bremsen unter dem Namen TRP. Das schlanke Modell Dash Carbon fordert vor allem die Race-Bremsen im Test heraus. Extravagante Technik bietet die Ashima PCB. Dazu zählen Kunststoffgeber, außenliegende Ölleitung am Sattel und Membrane statt Kolben.

Im Fokus: gut dosierbare Bremspower

Mit viel Know-how und ausgeklügelten Features versuchen die Hersteller, Bremsleistung und Standfestigkeit ihrer Bremsen zu steigern. Neben der Kraftausdauer nehmen aber weitere Punkte entscheidenden Einfluss auf die Gesamtperformance. Eine gute Hebelergonomie etwa verhindert selbst bei kraftvoller Betätigung schmerzende Druckstellen am Finger und kann dadurch schwache Bremspower zu einem gewissen Grad kompensieren.

Die Dosierbarkeit lässt sich vor allem auf losem Untergrund schnell herausfinden. Bei extrem bissigen Bremsen genügt bereits der geringste Zug am Hebel, schon rutscht der Reifen in der Kurve weg. Um hier das richtige Bremsgefühl zu entwickeln, bedarf es viel Zeit und Erfahrung.

Einsteiger sollten deshalb auf Bremsen mit gutmütigem Bremsverhalten zurückgreifen. Das andere Extrem: Auch zu schwache Stopper verschlechtern die Dosierbarkeit. Benötigt die Bremse sehr viel Fingerkraft, verkrampfen schnell die Unterarme – gefühlvolles Bremsen ausgeschlossen.

Das Gewicht spielt bei Bremsen zwar keine Hauptrolle, darf aber dennoch in die Kaufentscheidung einfließen. Schließlich senken leichte Stopper spürbar das Gesamtgewicht und fördern so den Vortrieb.

Wie bei fast allen Bike-Parts gibt es auch bei Bremsen nicht die berüchtigte eierlegende Wollmilchsau. Extrem leichte Stopper besitzen in der Regel nicht die Standfestigkeit von schweren, abfahrtsorientierten Modellen. Bei enorm hohen Bremskräften kann wiederum die Dosierbarkeit leiden. Vor dem Kauf sollten Biker deshalb bereits das vorrangige Einsatzgebiet ihrer zukünftigen Bremsen ehrlich abfragen.

31.01.2011
Autor: Rainer Sebal
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 12/2010