Dauertest 2018: Parts und MTB-Anbauteile

Dauertest: MTB-Anbauteile und Parts

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Regen, Matsch und Schnee - im Alltag warten Widrigkeiten auf die Bike-Parts. Wie sich die Produkte im Dauertest geschlagen haben, lest ihr hier.
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Knight 29 Race

Felgen aus Carbon brechen schneller, als man „Garantie“ buchstabieren kann? Dieser Laufradsatz zeigt höchste Nehmerqualitäten.

Carbon-Laufräder haben ja nicht den besten Ruf. Meist zu Unrecht – wie auch die schicken US- Wheels von Knight zeigen. Ich bin sie rund 700 km gefahren, einer meiner Teamfahrer hat weitere 2300 km darauf geprügelt. Und das darf man durchaus wörtlich nehmen, im CC-Trainingsalltag wird schon seriös über den Trail gehackt ... Der mit 1420 g nicht superleichte Knight-LRS hat alles klaglos weggesteckt, die Räder stehen beide noch wie eine Eins: keine nennenswerten Seiten- oder Höhenschläge, kein Verlust der Speichenspannung. Und die bewährten, soliden DT- Swiss-240-Naben arbeiten im besten Sinne unauffällig. Ebenfalls positiv: Mit 22,5 mm Maulweite sind die Felgen für CC/Marathon breit genug. Bei fast 2500 Euro fürs Paar ist der Spaß zwar sehr teuer, dafür gibt es fünf Jahre Garantie und lebenslanges „Crash Replacement“.

Kurz und Knapp: Keinerlei Probleme im harten Dauertestalltag/CC-Training, Rundlauf und Speichenspannung top, Lange Garantie + Crash Replacement, Kein absolutes Leichtgewicht

Preis: 2498€/ Gewicht: 1420g

„Solide CC-Laufräder für den Trainingsalltag. Buchstäblich rundum alles bestens.“ Haider Knall, Werkstattleiter

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Issi Trail II

Klickpedale mit Käfig bieten meist besseren Stand und Schutz für das Bindungssystem. Die Issi-Pedale treiben es zudem bunt.

Eigentlich bin ich ein Freund von leichten Pedalen, fahre entweder CC-Klickies oder gleich ein Flatpedal. Beim Käfig-SPD-Pedal Issi mache ich jedoch gern eine Ausnahme. Selten stand ich so definiert und fest in einem Pedal, ohne die Sorge, nicht rechtzeitig auszuklicken. Selten funktionierte ein Pedalsystem trotz Matsch und häufigem Felskontakt so zuverlässig. Das Paar parodiert mit 400 g Gewicht zwar jedes an meinem Bike montierte Carbon-Teil, dafür bringt es knallige Farben ins grauschwarze MTB-Allerlei, ohne ein Vermögen zu kosten. Nach etwa 5000 km mit reichlich ruppigen Trails laufen die Lager immer noch seidenweich. Nur die Original-Cleats klicken zäh aus, Shimano-Cleats (SM-SH51) funktionieren geschmeidiger. In Schwarz ist das Pedal übrigens mit drei verschiedenen Achsbreiten erhältlich.

Kurz und Knapp: Auch bei Verschmutzung, zuverlässige Funktion, Lager und Pedalkörper sehr haltbar, Neun verschiedene Farben erhältlich, Mitgelieferte Original-Cleats klicken etwas schwer aus

Preis: 100€/ Gewicht: 401g

„Robust, günstig, verlässlich. Das Issi Trail bringt Farbe ans Bike und funktioniert auch bei widrigen Umständen super.“ Christian Zimek, Redakteur

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TRP G-Spec Quadiem

Eine leistungsfähige Bremse gehört an jedes Bike. Sind die Downhill-Stopper von TRP auch für Normalo-Biker geeignet?

Dass ausgerechnet der mittlerweile fünffache Downhill-Worldcup-Gesamtsieger Aaron Gwin seit 2016 sein Heil der vorwiegend für günstige Bremsen bekannten Marke TRP anvertraut, machte mich neugierig auf den silbern glänzenden Wurfanker. Zwar bin ich kein Downhill-Racer, auf meinen Enduro-Touren in den Alpen und Ligurien lernte ich die Power der G-Spec Quadiem dennoch schnell schätzen.
Mit 317 Gramm ist die massig wirkende Bremse aus dem Hause Tektro nicht gerade leicht, aber auch kaum schwerer als eine Shimano Saint. Die Entlüftung der Mineralölbremse geht schnell und tropffrei von der Hand. Auch die Montage der mit einer aufklappbaren Schelle versehenen Bremshebel ist schrauberfreundlich. Etwa zehn Vollbremsungen benötigte der massige, mit Kühlrippen versehene Vierkolbensattel, um Bremsbeläge und Scheiben aufeinander einzuschleifen. Dann liegt am sehr steifen, griffigen Bremshebel reichlich Power an, die überaus exakt dosierbar ist, ohne in unerwarteten Schleudersitz-Biss umzuschlagen Die Hebelweite ist schnell und werkzeuglos per Drehrad verstellbar, die fehlende Druckpunktverstellung habe ich nicht vermisst.
Ganz im Gegenteil fühlte ich mich gleich auf der ersten langen Alpinabfahrt (Monte Tamaro/Lago Maggiore) jederzeit „in control“, bewunderte zudem die hohe Standfestigkeit selbst auf Steilstücken mit langen Schleifbremsungen sowie die hervorragende Wärmeableitung. Um die gefühlt etwas höhere benötigte Handkraft zu reduzieren, stieg ich auf die optional erhältlichen, metallischen Bremsbeläge um, was sich in noch brachialerer Bremskraft und bissigem Ansprechen niederschlug. Einziger Kritikpunkt ist die unter extremen Anforderungen geringere Steifigkeit der meinem Test-Set-up beiliegenden One-Piece-Bremsscheiben. Der Hersteller empfiehlt in diesem Fall, die teureren, steiferen und leichteren Bremsscheiben in Spider- Bauweise zu montieren.
Davon abgesehen gab es über ein halbes Jahr im Dauertest weder Probleme noch ungewöhnlichen Verschleiß, die wuchtige TRP wirkt für die Ewigkeit gemacht.

Kurz und Knapp: Hohe Bremskraft, fein dosierbar Sehr standfest, kaum hitzeanfällig, Simple Montage, wartungsarm Original-Discs verzogen sich

Preis: 220€/Stück/ Gewicht: 317g (Vorderradbremse ohne Scheibe)

„Anders als viele DH- Bremsen ist die starke G-Spec sehr gut dosierbar.“ Christian Zimek, Redakteur

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Vorsprung Luftkappe

Deine Rock-Shox- oder Fox-Gabel funktioniert klasse, aber die letzte Perfektion fehlt? Dann könnte das hier die Lösung sein.

„Mach aus einer guten Gabel eine großartige Gabel!“ So preist die kanadische Firma Vorsprung eine Art Luftkammer-Tuning für Rock-Shox-Gabeln – Pike, Lyrik und Yari – (und ganz neu auch für Fox!) an. Das funktioniert so: Auf die Kolbenstange der Luftkammer wird die „Luftkappe“ geschraubt, die so die Negativkammer vergrößert. Der Umbau ist für versierte Schrauber kein Problem, dauert gut 30 Minuten und lässt sich während eines Gabelservice perfekt erledigen. Das Ergebnis? Tatsächlich fühlt sich meine Lyrik-Gabel seitdem besser an! Sie spricht einen Tick feinfühliger an, steht im mittleren Bereich höher im Hub, bietet weiterhin hohe Reserven. Am meisten lohnt sich der Spaß aber für ältere Rock-Shox-Modelle. Die 2018er Pikes und Lyriks haben von Hause aus eine größere Negativkammer.

Kurz und Knapp: Effektives Luftkammer-Tuning, speziell für ältere Gabeln, Einbau relativ unkompliziert, Vernachlässigbares Mehrgewicht, Je nach Gabelmodell recht teuer

Preis: 70-110€/ Gewicht: 31g

„Die Luftkappe ist kein Schnäppchen. Aber allemal billiger als eine neue Gabel.“ Andre Schmidt, Redaktionsleiter

Foto: Björn Hänssler

Fulcrum Red Passion 29

Zahlreiche Matsch- und Regenfahrten und ein putzfauler Redakteur am Gewichtslimit: Die Fulcrum-Rundlinge hatten es wahrlich nicht leicht.

Ich gestehe: Auch wenn ich jedes Jahr um die 5000 km auf Trails und Straße abspule, rutsche ich in den Wintermonaten leicht über die 80-Kilo-Marke. Mit einem kompletten Tourenrucksack auf dem Rücken knacke ich an manchen Tagen damit das 90-Kilo-Gewichtslimit der leichten Red-Passion-Laufräder. Hinzu kommt, dass ich das 29"-Hardtail, an dem die Rundlinge rotieren, überwiegend in Herbst und Winter bewege, die Sauberkeit meines Bikes jedoch nach der Maxime „Dreck konserviert“ beurteile. So wühlte ich mich um die Weihnachtszeit durch Schlamm-Trails von NRW bis Baden- Württemberg, über vom Hochwasser überflutete Radwege – und putzte die Laufräder zum ersten Mal für das untenstehende Foto. Die Bilanz nach einem prüfenden Blick in die Lager: Minimaler Staubeintritt, jedoch keine Nässe erkennbar.
Die Lager laufen nach wie vor reibungslos, leise und sanft. Gleiches gilt für den Freilauf. Das Lagerspiel der Naben musste einmal nachjustiert werden, was per Inbusschlüssel intuitiv und schnell erledigt war. Auch der Rundlauf weist keine nennenswerten Seiten- oder Höhenschläge auf. So viel zum Verschleiß, doch wie performen die Wheels auf dem Trail? Geradezu rasant ist die Beschleunigung im Antritt, womit der sehr gute Trägheits-Messwert aus unserem Laufradtest in Ausgabe 02/16 in der Praxis erlebbar wird. Kein Wunder, wiegt der Satz doch trotz Alu-Felgen keine 1500 g. Im Vergleichstest kritisierten wir damals die recht geringe Steifigkeit, die sich für mich in der Praxis aber nicht spürbar negativ auswirkte. Bleibt noch, die nicht mehr ganz zeitgemäße Maulweite von 21 mm der Felgen zu erwähnen.

Kurz und Knapp: Für Alu sehr geringes Gewicht, Naben hervorragend gedichtet, Geringe Steifigkeit, Gewichtslimit, Schmale Maulweite: 21 mm

Preis: 909€/ Gewicht: 1462g

„Die superleichten Wheels beschleunigen, als hätte ich einen Motor am Bike!“ Christian Zimek, Redakteur

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Newmen Evolution SL 318.2 & Advanced SL 318.0

Die Parts der Newcomer-Marke aus Bayern sparen Gewicht – aber nicht auf Kosten der Sicherheit oder zu Lasten des Komforts.

Einst einer der Vordenker bei Syntace/Liteville steckt Michi Grätz nun hinter der Marke Newmen – mit ähnlicher DNA. Die angebotenen Parts (Cockpit, Sattelstütze und Laufräder) sind leicht, aber stabil. Wobei leicht noch untertrieben ist, der Vorbau wiegt nur rund 80 g bei 70 mm Länge – Weltrekord! Möglich macht dies eine innovative Zwei-Schrauben-Klemmung, in die der Lenker aber etwas mühsam (und mittels einer mitgelieferten Montagehilfe) eingefädelt werden muss. Auch der 740 mm Lenker ist mit 174 g ein Leichtgewicht, wenn auch kein extremes. Und wenn man weiß, wie penibel Grätz & Co. auf den härtesten Prüfständen testen, dann fährt ein gutes Gefühl eh mit. Zudem gefallen mir das schick-schlichte Design, das perfekte Finish sowie die Ergonomie von Vorbau/Lenker exzellent. Ein Schnäppchen sind die Newmen-Anbauteile sicher nicht. Aber für alle, die wie ich Wert auf geringes Gewicht bei hoher Sicherheit und Langlebigkeit legen, sind sie jeden Cent wert.

Kurz und Knapp: Superleichter Vorbau, leichter Lenker, Äußerst stabil und steif, Exzellente Ergonomie, dazu dezenter, angenehmer Flex des Lenkers, Lenker-Montage etwas fummelig

Preis: 99 + 189€/ Gewicht: 81 + 174g

„Für Marathon und Tour kann ich mir aktuell kein besseres Cockpit vorstellen.“ Andre Schmidt, Redaktionsleiter

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Fox 34 Stepcast

Die neueste Gabel aus dem Fuchsbau ist buchstäblich eine Stufe leichter geworden. Und sie setzt neue Maßstäbe im 120-mm-Segment.

Wer eine Gabel für sein 120-mm-Touren- oder Trailfully suchte, musste sich stets entscheiden – und eine leichte, weniger potente Gabel mit 32-mm-Standrohren aus dem Marathon-Segment oder eine schwere, aber schluckfreudig-stabile Forke mit 34-mm-Rohren wählen. Passé, denn nun schließt Fox mit der neuen 34 Stepcast die Lücke. Ähnlich wie bei der vor zwei Jahren eingeführten 32 Stepcast sorgt unter anderem eine „Stufe“ am Gabelende für eine deutliche Gewichtsreduktion, ohne viel Steifigkeit einzubüßen. So wiegt das von mir gefahrene 34-Modell – die sündteure Topversion Factory in 29" und mit leichter „Kabolt“-Achse – nur noch 1632 g. Super für 120 mm Hub! So leicht (oder gar weich) fühlt sich die 34 SC aber keineswegs an. Im Gegenteil, die 34-mm-Standrohre wirken nicht nur wuchtig, sie sorgen auch für präzise Lenkmanöver. Dazu federt und dämpft die Fox schlichtweg perfekt. Sie spricht auch durch die nun vergrößerte Negativluftkammer („Evol“) hauchzart an, steht dann hoch und stabil im Federweg, geleitet in eine feine Endprogression über – besser geht es aktuell nicht. Durch Volumen-Spacer ließe sich die Progression noch anpassen, auch die offene Stufe der dreifach verstellbaren Druckstufendämpfung („open“ – „medium“ – „firm“) ist fein- anpassbar. Für meine 70 Kilo funktioniert sie mit nach Anleitung eingestelltem Luftdruck aber „out of the box“ ideal. Fazit: abgesehen vom Preis die 120-mm-Gabel schlechthin.

Kurz und Knapp: Sehr leicht, aber dennoch steif, Rundum brillante Performance, Superbes Finish, toll gearbeitet, Sehr exklusiver Preis

Preis: 1299€ (Topmodell Factory)/ Gewicht: 1632g

„Super! Die 34 SC vereint geringes Gewicht und top Performance. Wohl aktuell die beste 120-mm-Gabel.“ Andre Schmidt, Redaktionsleiter

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Reverse RCC 790 Seismic/ Black-One

Der Seismic-Lenker soll durch seine Eigendämpfung die Arme entlasten. Doch ist das in der Praxis spürbar?

Die „eingebaute“ Dämpfung des Seismic- Lenkers wird durch ein spezielles Layup der Carbon-Fasern erzeugt, was Erschütterungen abfedern soll. Genug „Hebel“, um bei hoher Last zu federn, besitzt der 790 mm breite Lenker ohnehin. Wirklich sichtbar ist der Flex natürlich nicht, aber spürbar. Ich nutzte den Seismic-Lenker in Kombination mit dem Reverse-Black-One-Vorbau ein knappes Jahr auf ruppigen Enduro-Pisten mit technischen Downhills. Und nach langen, harten Abfahrten konnte ich einen Unterschied spüren: Meine Hände fühlten sich etwas frischer an, die Muskulatur blieb auch nach langen Steilstücken eine Nuance lockerer als mit einem konventionellen Lenker. Dabei fehlte es nie an Lenkpräzision oder Kontrolle, das Finish ist zudem sehr robust und kratzfest. Auch der hübsch gefräste Aluminium-Vorbau punktet mit geringer Verwindung und unempfindlicher Oberfläche, bleibt dabei mit 138 Gramm recht leicht. Gut: Reverse lässt seine Parts im renommierten EFBE-Prüflabor testen.

Kurz und Knapp: Sehr haltbares Oberflächenfinish, Schont (etwas) die Armmuskulatur, EFBE-getestete Konstruktion, Relativ geringes Gewicht

Preis: 170€ + 85€/ Gewicht: 196g + 138g (Lenker + Vorbau)

„Der Federungseffekt des Seismic-Lenkers ist dezent, aber durchaus spürbar.“ Christian Zimek, Redakteur

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

WTB Koda Team

„Nicht nur bei Frauen beliebt“, sagen die Kalifornier über ihren Allround-Muldensattel. Wir sind ihn gefahren – auch die Männer.
Kurze Nase, kräftige Polsterung, breite Mulde: Der von den Frauen im WTB-Team entwickelte Koda Team ist auf Komfort ausgelegt. Erster Eindruck: „bequem“, und dabei bleibt es auch. Während Sättel mit relativ viel Polster sich auf Touren oft als zu weich erweisen, bleibt
das feste DNA-Padding komfortabel. Die Mulde entlastet die Weichteile, das höher gezogene Heck bietet eine gute Stütze im Uphill. Das Obermaterial mit Kevlar-Einsätzen ist haltbar und zeigt nach einem schlammigen Spätwinter nur minimale Abnutzung. Von Forstweg bis Trail macht der eher schwere Koda in jedem Terrain Spaß. Und wie angekündigt: Auch unsere männlichen Tester kamen mit ihm bestens klar.

Kurz und Knapp: Sehr komfortabler Sattel, In zwei Breiten: 142 und 150 mm, Haltbares Material, gute Verarbeitung, Kein Leichtgewicht

Preis: 129€/ Gewicht: 211g

„Die Polsterung ist recht üppig, aber fest genug, sodass der Koda Team bei längeren Fahrten nicht unbequem wird.“ Maike Hohlbaum, Redakteurin

Foto: Chris Pauls

Rock Shox Lyrik RC2

Besser einstellbar und mit noch mehr Schluckfreude – die neue Enduro-Gabel (in 150–180 mm erhältlich) der US-Amis ist besser denn je.

In Sachen Performance musste sich die Lyrik nie groß vor dem Enduro-Platzhirsch Fox 36 verstecken, wohl aber bei den Einstellmöglichkeiten. Passé, jetzt lässt sich auch am Rock-Shox-Flaggschiff die Dämpfung getrennt in High- und Low-Speed anpassen – man kann etwa einstellen, dass sie bei kleinen Schlägen fein anspricht, bei größeren dagegen stärker dämpft. Wobei die High-Speed-Compression nur mit fünf Klicks variierbar ist, damit weniger „Set- up-Versierte“ nicht überfordert sind. Die restlichen Einstellmöglichkeiten sind wie gehabt: Zugstufe (nicht getrennt) und Luftdruck. Zudem lässt sich die Luftkammer mit „Tokens“ anpassen, um die Progressivität zu verändern. Apropos: Neben der neuen Dämpferkartusche hat Rock Shox das Innenleben der Luftseite verbessert. Eine deutlich größere Negativluftkammer („DebonAir“) soll für besseres Ansprechverhalten sorgen.
Ab auf den Trail! Generell steht die recht leichte Lyrik sehr stabil, also hoch im Hub. Dennoch spricht sie sehr feinfühlig an, arbeitet viel lebendiger als die 2018er Lyriks, die ich zuletzt gefahren bin. Ähnlich wie die Fox 36 sorgt die Lyrik dafür, dass das Vorderrad in quasi jeder Situation am Boden „klebt“, auch wenn die Fox vielleicht noch einen minimalen Tick satter liegt. Dafür bleibt die Lyrik aber auch beim Pedalieren stabil. Auch die Endprogression finde ich ideal gelungen. Selbst im sehr groben Gelände schlägt sie nie durch. Und: Die Verarbeitung ist hochwertig, die Bedienung intuitiv.

Kurz und Knapp: Durchweg sehr starke Performance, Verbesserte Setup-Möglichkeiten, Für den Einsatzbereich relativ leicht, Sehr gute Verarbeitung, feines Finish

Preis: 1109€/ Gewicht: 2040g

„Mit der neuen Lyrik ist Rock Shox voll dabei. Die Wahl zwischen Fox 36 und Lyrik ist quasi nur noch Geschmackssache.“ Chris Pauls, Redakteur

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Sram NX Eagle

Die NX Eagle ist der jüngste und preiswerteste Zugang der Eagle-Schaltgruppen von Sram. Wir konnten sie testen.

Mit den Eagle-Schalt- und Antriebsgruppen ist Sram ein Wirkungstreffer im ewigen Duell mit Shimano gelungen. Egal ob CC-Racer, Endurist oder Tourenbiker – ich kenne kaum noch jemanden, der sich nicht zumindest für diese 1 x 12-Gruppen stark interessiert. War bei den ersten beiden Gruppen X01 Eagle und XX1 Eagle vielleicht der Preis abschreckend, so ist dies spätestens seit Einführung der GX Eagle im Vorjahr passé.
Wer noch ein paar Euro sparen will, den lockt jetzt die NX Eagle. Die kostet komplett(!) 410 Euro, im Online-Handel wird sie sicher noch ein wenig billiger werden. Was gibt es dafür? Wie gehabt: ein Kettenblatt vorne, 12 Ritzel hinten. Dazu Kurbel mit Innenlager, Schaltwerk,
Hebel, Kette – fertig, keep it simple. Der größte Unterschied zu den teureren Gruppen ist, dass die Kassette mit 11–50 Zähnen kommt, statt 10–50. Dadurch sinkt die Bandbreite von 500 auf 455 Prozent, was lediglich im Flachen den Geschwindigkeitsrausch etwas bremst. Vorteil: Die Kassette passt auf normale 9/10-fach-Freilaufkörper. Ein (teures) Umrüsten auf den Sram-XD-Freilauf entfällt, was die NX Eagle für Nachrüster noch attraktiver macht. Zumal auch die neue „DUB“-Achstechnik von Sram mit an Bord ist, welche jeden aktuellen Innenlagerstandard bedient.
Und die NX Eagle funktioniert richtig gut! Seit rund 1000 km arbeitet sie zuverlässig, ohne Defekte, mit knackig-definierten Schaltvorgängen. Ein Unterschied zu den Edelgruppen ist kaum spürbar, lediglich das Runterschalten auf das je kleinere Ritzel verläuft vergleichsweise zeitverzögert. Wie bei anderen Eagle-Gruppen verstellte sich anfangs zudem die „B-Screw“ (stellt den Abstand des Schaltwerks zur Kassette ein) von Geisterhand. Was beim schmalen Einstellbereich der Eagle-Gruppen dann sofort zu unpräzisen Schaltvorgängen führt – aber schnell behoben ist. Top: Die mit 613 g leider sehr schwere Kassette ist auf die hohen Belastungen am E-MTB ausgelegt, verspricht also hohe Haltbarkeit. In der Tat ist der Verschleiß an meiner Gruppe bislang nur marginal, die Kette nur um 0,25 % gelängt.

Kurz und Knapp: Sehr gute Schaltperformance, Ausreichend große Bandbreite, Hohe Kompatibilität, Schwere Kassette

Preis: 410€/ Gewicht: 1945g (Gruppe ohne Innenlager)

„Die NX Eagle bietet prima Schaltperformance, viel Bandbreite und simple Bedienung für wenig Geld.“ Christopher Knall, Mechaniker

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Tune Speedneedle 20 Twenty

Superleicht, superschmal, superedel, superteuer. Der neuste Tune-Sattel ist nicht für jedermann. Dabei überrascht er mit Komfort.

Wer einen Tune-Sattel wählt, sollte über trainiertes Sitzfleisch und ein geöltes Portemonnaie verfügen. Das komplett in Deutschland handgemachte Jubiläumsmodell Speedneedle 20 Twenty etwa wiegt mit Alcantarabezug (Leder gibt es optional) famose 98 g, kostet aber auch stolze 299 Euro und ist nur bis 90 Kilo Fahrergewicht (inkl. Klamotten!) freigegeben. Der Komfort? Überrascht. Klar, das ist kein Trekking-Sofa, aber die filigrane, perfekt verarbeitete Carbon-Schönheit bietet dank Kohlefaserstreben und -schale erstaunlichen Flex, dazu spendet die dünne Leichtschaumschicht einen Hauch von Dämpfung, und auch der Bezug fühlt sich angenehm an. Vor allem aber ist der Shape gelungen, der Druckstellen vermeidet und das Körpergewicht recht effektiv auf die Sitzhöcker platziert – eine gewisse Rumpfmuskulatur und -beweglichkeit vorausgesetzt. Schade nur, dass er lediglich in einer Breite (135 mm, effektiv eher 105 mm Sitzbreite) erhältlich ist. Auch das schließt viele Biker wohl aus.

Kurz und Knapp: Extrem geringes Gewicht, In Deutschland handgemacht, Erstaunlich komfortabel, Sehr schmal, Gewichtsbeschränkung

Preis: 299€/ Gewicht: 98g

„Wer es sich in mehrfacher Hinsicht leisten kann, bekommt einen außergewöhnlichen Sattel mit erstaunlichem Komfort.“ Andre Schmidt, Redaktionsleiter

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Onza Svelt

Die Schweizer entwickeln ihre neuen Gummimischungen mit Downhill-Star Aaron Gwin. Entzückt der leichte Svelt auch CC-Racer?

Flinke Laufeigenschaften, Grip in möglichst jeder Bikerlage und ein passabler Verschleiß: Diese Ansprüche habe ich an einen Race-Reifen. Mit dem Onza Svelt habe ich knapp 1900 km abgespult. Dank fein gewebter Karkasse mit 120 TPI (Faden pro Zoll) bringt der Pneu aus der Schweiz 680 g auf die Waage. Kein Rekordgewicht, aber ein solides Mittelfeld für einen Rennpneu. Im Tubeless-Aufbau mit Milch statt Schlauch rollt der Reifen super, was auch an der gelungenen Gummimischung liegt: Für weniger Rollwiderstand ist die Innenfläche aus einem harten Compound. Die Reifenflanken und Führungsstollen hingegen sind für Kurvengrip eher weich. Das Konzept funktioniert, zumal sich auch der Verschleiß im Rahmen hält. Und wer sich in alte Zeiten katapultieren möchte, greift zum Svelt Skinwall mit beiger Seitenwand. Er wiegt, wie die günstigere Variante des Svelts (ca. 50 Euro), knapp 40 g mehr. Zudem haben diese Reifen eine gröbere Karkasse mit 60 TPI.

Kurz und Knapp: Gute Dauerhaltbarkeit, Geringer Rollwiderstand, Tolle Gummimischung sorgt zudem für hohen Kurvenhalt, Stolzer Preis

Preis: 60€/ Gewicht: 680g

„Nach bald 2000 km Laufleistung sieht das Profil noch recht gut aus.“ Lukas Hoffmann, Redakteur

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Mavic XA Pro

Der leichte Alu-Laufradsatz XA Pro von Mavic ist ideal für Trail-Heizer. Wir hatten das knapp 1000 Euro teure Systemlaufrad im Dauertest.

Mavic-Laufräder werten durch ihre Optik jedes Bike auf. Warum? Mavic setzt seit Jahren auf dicke Alu-Speichen, die den Systemlaufrädern einen eigenstän- digen Look verpassen. Doch Aussehen ist nicht alles. Beim Biken kommt es in erster Linie auf die Funktion an. Bei Laufrädern heißt das: Wie ist die Steifigkeit, ist das Laufrad gut aufgebaut? Sprich, sind Seitenschlag, Höhenschlag und Mittigkeit im Toleranzbereich? Da Mavic in den letzten Vergleichstests in Sachen Aufbau nicht immer glänzte, schauten wir genau hin. Und? Beim neuen Alu-Laufrad XA Pro, das mit 25 mm Felgeninnenbreite für den Trail-Einsatz geschaffen wurde, lagen die Werte vor Testbeginn innerhalb der Toleranzen – sehr gut. Auch das Gewicht von 1749 g macht das Laufrad zunächst sehr attraktiv. Selbst mit gripstarken Maxxis-Highroller-Reifen beschleunigten die Räder in meinem Test extrem gut. Die Naben sowie der Freilaufkörper machen dabei einen robusten Eindruck. Das Lagerspiel kann bei Mavic mit einem beigelegten Spezial-Schlüssel nachjustiert werden, das war im Test aber nicht nötig.
Für den Einsatz an meinem 29"-Trailfully Rocky Instinct BC sind mir die Felgen aber doch etwas zu schmal. Breite Reifen sitzen auf 30 mm breiten Felgen einfach besser und bieten dann mehr Grip. Für Biker, die den leichten Trail- Tanz schätzen und ein leichtes und solides Laufrad suchen, ist der XA Pro aber top. Vor allem auch, weil am Testlaufrad bislang kein Seiten- oder Höhenschlag feststellbar ist.

Kurz und Knapp: Guter Aufbau, Flotte Beschleunigung, Noch kein Spiel oder Schlag zu verzeichnen, trotz hartem Einsatz, Für breite Reifen zu schmale Felge

Preis: 859€/ Gewicht: 1749g

„Mit dem XA Pro bekommt der Trailbiker ein solides und flottes Laufrad im Mavic- typischen, eigenständigen Look.“ Chris Pauls, Redakteur

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

SQ Lab 7OX/711

Taube Hände ade: Können die neuen Ergo-Griffe von SQ Lab auch Ergon und Co. Paroli bieten?

Da, wo die flügelförmige Ballenauflage eines Plattformgriffes liegt (an der Außenkante des Griffs), besitzen beide Neuheiten von SQ Lab eine verbreiterte Auflage. Beim 7OX (im Bild unten) fällt diese dezenter, beim 711 stärker aus. Auch die Punkte, an denen die Gelenke der
Finger aufliegen, bilden gerundete „Stege“, die beim 711 deutlicher ausgeformt sind als beim 7OX. Nutzen dieser Features soll eine bessere Druckverteilung und ein besserer Kraftschluss der Finger sein. In der Praxis schlägt sich der 7OX hervorragend, bietet gute Entlastung bei hohem Grip und starkem Kraftschluss. Ist schnelles Umgreifen im Trail gefordert, wirken die ausgeformten Fingerstege, insbesondere beim 711, jedoch störend. Zudem besitzt Letzterer zwar eine Skala zur Feinanpassung des Winkels, der Griff verwindet sich jedoch stark, sodass Korrekturen der Position Geduld erfordern. Im Vergleich mit dem beliebten, ergonomischen Enduro-Griff von Ergon, dem GE1, bieten beide Modelle durch ihre stärkere Abweichung von einer runden Form einen Hauch mehr Komfort, der aber auf Kosten der Trailtauglichkeit geht. Sehr gut: Die Griffe sind in je drei Größen erhältlich.

Kurz und Knapp: Ergonomische Formgebung, Je in drei Größen erhältlich, Klebriges Gummi, griffiges Profil 711: erschwerte Handhabung, eingeschränkt trailtauglich

Preis: 30€ pro Paar/ Gewicht: 146/148g

„Trotz klassischer Form bringen die neuen SQ-Lab-Griffe deutliche Druckentlastung. Für Trail-Rides ist der 7OX besser.“ Christian Zimek, Redakteur

Foto: Björn Hänssler

Stan’s ZTR Bravo

Der All-Mountain- und Enduro-Carbonlaufradsatz rotiert schnell und zeigt sich in ruppigem Gelände überraschend gutmütig.

Carbonlaufräder sind für mich bei All- Mountains und Enduros eigentlich nicht die optimale Wahl. Der Kohlefaserverbundstoff ist bretthart und absorbiert Schläge deshalb schlecht. Die Stan’s ZTR Bravo, die ab 2019 ARCH CB7 heißen werden, sollen das besser können, versprechen dank „RiACT“-Carbonstruktur bis zu 10 mm Flex. Was man spürt! Tatsächlich bin ich noch keinen Satz Carbonlaufräder gefahren, der sich in ruppigem Gelände so gutmütig gibt. Die Bravos nehmen den von Steinen und Wurzeln verursachten Schlägen die harten Spitzen, federn aber nicht ganz so geschmeidig durch wie Aluminiumfelgen. Für die Rolleigenschaften sind die Steifigkeit und das für 29"-Enduro-Laufräder niedrige Gewicht von 1732 g ein Segen. Beschleunigung und Tempofestigkeit waren unabhängig von den unterschiedlichen Reifen immer klasse. Wobei ich grundsätzlich eher schlanke 2,4" breite Schlappen auf die Felgen gezogen habe und den Ausflug mit Maxxis-Pneus im 2,5" breiten WT-Format schnell abbrach. Dafür sind die 26 mm Innenweite der Bravos zu schmal. Der Winkel der Außenstollen war zu flach, und der Seitengrip litt. Alle anderen Reifen haben top funktioniert, saßen trotz der niedrigen Felgenflanken sicher auf den Laufrädern. Die flachen Flanken verringern im Übrigen auch das Risiko für Durchschläge. Tatsächlich hat es einen extrem harten Einschlag gebraucht, um den einzigen Reifenschaden zu verursachen, den ich mit den Bravos hatte. In dem Zuge musste ich auch die Laufräder nachzentrieren lassen. Sonst haben sie den Test ohne jeglichen Tadel überstanden.

Kurz und Knapp: Für Enduro-Laufräder sehr leicht, Niedrige Felgenflanken schützen vor Reifenschäden, Viel Flex für Carbonlaufräder aber nicht auf dem Niveau von Aluminiumfelgen

Preis: 1399€/ Gewicht: 1732g

„Die Bravos sind anders als andere Carbonlaufräder sehr gutmütig, zeigen viel Flex und sehr gute Rolleigenschaften.“ Benjamin Büchner, Redakteur

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Tioga Undercover Stratum Carbon

Die US-Kultmarke ist zurück auf dem deutschen Markt. Kann der leichte Edel-Sattel überzeugen?

In den 90er-Jahren Kult, ist die US-Marke Tioga ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Mit neu entwickelten Reifen, Pedalen und Sätteln soll sich dies nun ändern. Bei mir trudelte zum Test das Topmodell unter den Sätteln ein – und ich bin echt angetan. Der Undercover Stratum fährt sich dank der Spinnennetzartigen Unterkonstruktion, des ergonomischen Shapes sowie der angenehmen Polsterung überraschend komfortabel, auch die 140-mm-Breite passt mir gut. Leider bietet Tioga auch nur diese Breite an. Der Komfort erstaunt insofern, als der Tioga mit 143 g sehr leicht ist – Carbon-Streben machen es möglich. Dennoch wirkt alles sehr robust, der Sattel ist sauber verarbeitet. Alternativ gibt es den Undercover Stratum auch mit Stahl-Streben, dann kostet er faire 130 Euro.

Kurz und Knapp: Sehr geringes Gewicht, Sauber verarbeitet, Hoher Sitzkomfort, auch dank flexender „Spider“-Unterkonstruktion, Nur eine Breite, Recht teuer

Preis: 200€/ Gewicht: 143g

„Sehr leicht, elegant, komfortabel und solide gemacht – der Tioga gefällt mir.“ Andre Schmidt, Redaktionsleiter

15.10.2018
Autor: Lukas Hoffmann
© MOUNTAINBIKE