Zehn Tourenrucksäcke im Test

Volumenmodelle

Mit Sack und Pack: MB hat zehn Tourenrucksäcke mit Alpencrosscharakter auf Komfort und Praxistauglichkeit getestet.
Zu den getesteten Produkten

Es muss ja nicht gleich ein Alpencross sein, wenn Sie mit Ihrem Bike in diesem Sommer eine Mehrtagestour unter die Stollen nehmen. Doch ganz gleich, ob es Ihnen die Eifel, der Pfälzerwald oder der MB-Reisetipp „Schwarzwald-Cross“ angetan hat: Kleidung, Verpflegung, Kartenmaterial und Werkzeug für Ihren Ritt wollen sicher und komfortabel verpackt sowie transportiert werden.

Spätestens seit Bike-Legende Andi Heckmair 1991 zum allerersten Mal die Traum-Tour von Oberstdorf an den Gardasee bezwang, sind sich Biker allerorten über die Bedeutung eines funktionellen und komfortablen Rucksack bewusst.

Fünf bis sechs Tage mit dem Mountainbike auf Tour – das ist nicht nur ein Vorhaben voller erlebnisreicher Momente, sondern auch eine logistische Meisterleistung. Wetterwechsel, unvorhersehbare Routenänderungen, platt gefahrene Schläuche: Für alle Eventualitäten muss der Tourer gerüstet sein, um jederzeit schnell und angemessen reagieren zu können. Und wenn Sie sozusagen puristisch unterwegs sein wollen, gehört mindestens noch ein Hüttenschlafsack zu den Dingen, die auf Ihrem Rücken Platz finden müssen.

Biker, die so auf etwa acht bis neun Kilo Gepäck kommen, brauchen deshalb einen Rucksack aus der Jumboklasse, sozusagen den A 380 der Lastenträger.
MB hat zehn aktuelle Tourenrucksäcke mit bis zu 35 Litern Volumen auf Komfort und Praxistauglichkeit getestet. Neben Stammgästen wie Deuters Klassiker Trans Alpine 30 oder dem Air 30+5 von Vaude finden sich neuartige Konzepte wie Ergons Komfort versprechender BC3.

Auch Spezia­listen sind dabei: Ortlieb, bekannt für seine wasserdichten Lösungen, präsentiert mit dem Flight 27 eine regensichere Variante für Biker. Zwei der insgesamt zehn getesteten Bike-Rucksäcke sind Damenmodelle, die Deuter-Lösung fühlt sich jedoch ebenso an kürzeren Herrenrücken wohl.

Insgesamt reicht die Preisspanne von einsteigerfreundlichen 80 bis zu satten 200 Euro. Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Der mit 80 Euro günstigste Rucksack im Test war der heimliche Liebling der MB-Tester: Der sehr leichte, aber nur 23 Liter fassende Enduro 25 von Salewa ist aber nur bedingt alpencrosstauglich, weil 23 gemessene Liter Volumen recht knapp ist.

Namen wie Enduro 25, Flight 27 oder Hangover 28 weisen den potenziellen Käufer unmissverständlich auf das jeweilige Volumen des bevorzugten Modells hin. Oder etwa nicht? MB hat alle zehn Kandidaten genau ausgemessen und Erstaunliches festgestellt: Beim so genannten „Auslitern“ mit speziellen 10-, 5-, 2- und 1-Liter-Beuteln förderte die Testcrew eklatante Unterschiede zwischen Produktversprechen und echter Kapazität zutage.

Während sich Vaude bei seinem Lady-Modell Roomy 23+3 sogar um zwei Liter kleiner macht, scheint der Produktmanager von Scott beim Benennen des Hangover 28 sprichwörtlich einen Kater gehabt zu haben: Nur 19 Liter lassen sich in den deshalb nur begrenzt tourentauglichen Vertreter einfüllen. Dazwischen tummeln sich Prüflinge, die es bis auf bis zu fünf Liter nicht so genau nehmen. Ruhmvolle Ausnahme: der Vaude Air 30+5, dessen Angabe exakt mit dem gemessenen Wert übereinstimmt. In den Testbriefkästen finden Sie also die tatsächlich im Labor gemessenen Werte und nicht die im Alltag vielleicht irreführende Herstellerangabe.

17.08.2008
Autor: Thorsten Lewandowski
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2008