Was ist der beste Schmierstoff fürs Bike?

16 Kettenöle im Test

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

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Ohne eine gut geölte Kette läuft am Mountainbike buchstäblich nichts. Aber ist das teuerste Öl auch das beste? Wir haben 16 Kettenöle in Labor und Praxis getestet.

Öl ist nicht gleich Öl – das weiß jeder, der schon mal Motoröl für sein Auto kaufen wollte. Unterschiedliche Spezifkationen und eine große Preisspanne machen die Auswahl gar nicht so leicht.

Ähnlich verhält es sich auch mit Kettenöl für Biker. Die Preise variieren zum Teil ungewöhnlich stark. So kostet das preiswerteste Öl in diesem Test schmale 4 Euro pro 100 ml, das teuerste aber mehr als zehnmal so viel. Nämlich rund 50 Euro/100 ml – ob da doch flüssiges Gold drin ist? Beim genaueren Blick auf die Flasche springen einen dann noch Fachbegriffe an wie PTFE, Te?on, Silikon, Keramik oder Graphit – die wir in einem Glossar erklären. Und zu guter Letzt gibt es auch noch Öle für schlechtes und welche für trockenes Wetter. Wie soll man sich da nur richtig entscheiden?

Um die Wahl zu vereinfachen, haben wir 16 Kettenöle in Labor und Praxis getestet. Dabei entschieden wir uns für Kettenöle, die für nasse Bedingungen geeignet sind, insofern der jeweilige Hersteller diese im Programm führt. Warum? Ganz einfach, beim Mountainbiken sind Matsch und Nässe zumindest in unseren Geflden einfach sehr häufg gegeben. Dünn?üssige Öle für trockenes Wetter sind eher für Rennradfahrer interessant.

Auch die Hersteller selber raten eher zu dickflüssigen Ölen. Wir testeten außerdem ausschließlich Tropfaschen. Mit diesen gelingt die Dosierung besser und sie sind effektiver. Alle Ergebnisse aus dem Labor- und Praxistest findest du hier. Zudem haben wir das Preis-Leistungs-Verhältnis der Öle errechnet. Apropos: Das eingangs erwähnte, sündteure Muc-Off-Öl ist tatsächlich super, andere, günstigere Öle sind es aber auch. Dabei gilt generell: Auch ein mittelprächtiges Öl ist immer noch viel besser als gar kein Öl. Eine regelmäßig und fachmännisch geölte Kette garantiert geringere Reibung, verbesserte Schaltperformance und vor allem viel geringeren Verschleiß.

Foto: Jo Hermann

Wie gut lassen sich die Öle dosieren? Sowohl die Viskosität als auch die Pipette der Flaschen haben Einfluss. Rechts: Schmierstoffprüfung mit dem Laserpartikelzähler im Labor von NOLD.

So haben wir getestet: Kettenöl

Praxistest: Da es auf dem Trail schwer ist, vergleichbare Bedingungen herzustellen, haben wir den Praxistest auf die Handhabung beschränkt. Im Fokus: die Dosierbarkeit. Darunter verstehen wir, wie dünn oder dickflüssig das Öl ist, wie gut die Pipette der Flasche ist und wie sich der Flaschenkörper eindrücken lässt. Diese drei Faktoren fndest du unter dem Faktor Handhabung.

Labortest: In unserem Aufrag testete das Labor der NOLD Hydraulik und Pneumatik GmbH in Bad Waldsee die 16 Kettenöle auf ihre Schmierfähigkeit und den Verschmutzungsgrad. Im ersten Schritt wurde die Schmierstoffprüfung nach Brugger (DIN 51347) durchgeführt. Dabei wird das Öl auf einen Prüfzylinder aufgetragen und mit Druck gegen einen rotierenden Prüfring gepresst. Anschließend werden die Schleifspuren auf dem Prüfzylinder automatisch ausgemessen und ein Belastungswert in N/mm² angegeben.

Beim Reinheitstest misst ein Laser die Verschmutzung, indem er die Anzahl der Kleinstpartikel im Öl zählt. Nach unterschiedlichen Größen werden die Partikel im Mikrometerbereich sortiert und nach ISO 4406:1999 in drei Reinheitsklassen klassifziert.

Bewertung: Alle Ergebnisse haben wir anschließend in einer Tabelle ausgewertet. Zum Endergebnis trägt die Schmierfähigkeitsprüfung zu 60 Prozent bei, der Reinheitstest zu 15 Prozent und die Handhabung zu 25 Prozent. Anhand der Punkte kannst du erkennen, wie weit entfernt das Produkt von der nächsten Note liegt. Logo: Das punktbeste Öl bekommt das Testsieger-Logo. Zudem haben wir die beiden
Öle mit dem besten Preis-LeistungsVerhältnis ausgezeichnet.

Schmiermittel: Wet vs. Dry

Nass-Kettenöle sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter optimal. Ein dickeres Grundöl ist mit Hafvermittlern versehen. Die Kette wird mit einem
Schutzmantel umgeben. Nachteil: Auch Schmutz hafet besser an der Kette.

Öl für trockenes Wetter (nicht zu verwechseln mit Trockenschmiermittel) ist dünner, dringt besser in die Laschen und Glieder ein. Es ist weniger sichtbar, wäscht sich aber auch schnell wieder ab.

Glossar: Alle Fachbegriffe zu Kettenöl erklärt

Additive sind die Zusätze, die dem Basisöl beigemischt werden. Sie verbessern z. B. die Schmierfähigkeit.

Biologisch abbaubar bedeutet, dass das Öl zu einem bestimmten Prozentsatz innerhalb eines bestimmten Zeitraums biologisch abgebaut wird. Chemische Bestandteile, zwischen 5 und 40 Prozent, bleiben meist aber als Rückstände übrig.

Graphit ist ein Trockenschmierstoff wie Keramik, der in Pulverform dem Öl beigemischt wird. Graphit verbessert die Schmierfähigkeit. Färbt das Öl schwarz.

Keramik erhöht als Additiv die Schmierfähigkeit des Öls. Es ist zudem extrem druckbeständig und meist teurer.

Mineralisch sind die meisten Kettenöle. Da Kettenöle zu 95 bis 97 Prozent aus einem Trägeröl bestehen, ist es günstiger, ein preiswertes Mineralöl zu verwenden.

Polymere sind Kunststoffpartikel, die das Öl binden bzw. dicker machen. PTFE ist auch als Te?on bekannt. Es dient als Additiv für eine bessere Schmierfähigkeit und ist wasserabweisend. Zudem ist
es kunststoffverträglich.

Synthetisch bedeutet, dass das Basisöl künstlich hergestellt wird. Es eignet sich für hohe Drehzahlen oder hohe Temperaturen, ist aber teurer als Mineralöl.

Silikon verbessert die Schmierfähigkeit, ist kunststoffverträglich und zudem wasserabweisend.

Wachs** dient ebenfalls als Schmiermittel bzw. als Basis für ein Kettenöl. Es wird synthetisch hergestellt.

Kettenöl - Preis-Leistung im Vergleich

Gutes Öl muss nicht teuer sein! Diese Tabelle zeigt dir, wie teuer 100 ml des jeweiligen Kettenöls sind und welchen Preis-Leistungs-Index (Verhältnis von Gesamtpunktzahl zu Vergleichspreis) sie erreichen. Je höher der Wert, desto besser ist das Preis-Leistungs-Verhältnis.

HerstellerVergleichpreis (Preis pro 100ml) Preis-Leistungs-Index
Ballistol6,34 Euro121
Dynamic9,40 Euro98
F10017,98 Euro54
Finish Line8,33 Euro70
Hanseline4,00 Euro170
Kettenwixe13,90 Euro63
Liqui Moly6,39 Euro114
Motorex10,49 Euro78
Muc-Off49,98 Euro19
Pedros10,90 Euro70
Rohloff13,80 Euro64
R.S.P12,98 Euro68
Shimano5,95 Euro146
Sonax11,98 Euro71
WD-4010,49 Euro60
White Lightning8,33 Euro67

Bewertungsmatrix: Kettenöle im Test

Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jedes Öl errechnet und somit die Endnote bestimmt. Die Punkte erlauben eine feine Unterscheidung in der Beurteilung etwa zwischen zwei Produkten, die beide im „Sehr gut“ liegen, aber dennoch nicht auf demselben qualitativen Niveau abschneiden.

Testergebnis
Schwachbis 44 Punkte
Befriedigend45-59 Punkte
Gut60-74 Punkte
Sehr Gut 75-89 Punkte
Überragend90-100 Punkte

Die getesteten Produkte in der Fotostrecke

Kettenöle im Test – hier die besten Preise finden




01.03.2018
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE