So wirst du zum Schrauberkönig -Test: Mountainbike Werkzeug

Test: Fahrrad-Werkzeugkoffer und Montageständer

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Ein Satz Inbusschlüssel reicht gerade für die anfänglichen Einstellungen am Bike. Wenn du in deiner Werkstatt die Herrschaft übernehmen willst, brauchst du das passende Werkzeug.
Zu den getesteten Produkten

Werde zum Schrauberkönig: Wir haben Fahrrad-Werkzeugkoffer und Montageständer für dein Bike und getestet. So bist du gewappnet für die Werkstatt.

Werkzeugkoffer und Montageständer im Test-2017

Hobby-Schrauber geraten ziemlich of an ihre Grenzen, wenn ihnen das passende Werkzeug fehlt. Denn niemand tauscht eine Kurbel von Shimano ohne Sternkappenwerkzeug. Uns ist bisher auch kein Tüfler bekannt, der seine neue Kette mit Hammer und Nagel vernietet hat. Das klappt eben nur mit einem Kettennieter. Doch der Einzelkauf von Spezialwerkzeug ist ziemlich kostspielig. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, ob man nicht günstiger wegkommt, wenn man zu den von einigen Herstellern angebotenen Werkzeugko?ern/taschen greift, um seine Waffenkammer in der Werkstatt aufrüsten und damit zum König der Schrauber aufsteigt.

Fünf dieser Sets haben wir getestet. Da die meisten Biker Grundwerkzeuge wie Inbusschlüssel eh zu Hause haben, haben wir uns auf Kits konzentriert, in denen die wichtigsten Spezialwerkzeuge für Arbeiten an Mountainbikes enthalten sind. Dazu gehören zum Beispiel Kettenpeitsche und Zahnkranzabzieher, Bowdenzugzange, Pedalschlüssel oder Kettennieter. Anders als unsere Kollegen von RoadBIKE, die dieselben Koffer in ihrer Ausgabe 2/2017 getestet haben, konzentrierten wir uns bei der Bewertung auf die Qualität und auf die Handhabung dieser Spezialwerkzeuge, und weniger auf die Vollständigkeit.

Unsere Empfehlung für Schraubernovizen oder Leute, die sowohl eine Grundausstattung plus Spezialwerkzeuge für kleines Geld suchen, ist der All-2gether-XL-Koffer vom Rose-Versand für 115 Euro. Was in einer gut sortierten Werkstatt vorhanden sein sollte, zeigt die Übersicht. Der Test zeigt: Trotz safiger Preise stimmen Qualität und Handhabung nicht durchgängig, und zu einem brauchbaren Tool gesellt sich gern ein unbrauchbares. Es ist also keinesfalls so, dass ein Kit zwingend die beste Lösung ist. Der Koffer etwa von Park Tool ist angesichts der Qualität und Auswahl rausgeworfenes Geld. Deutlich besser bei vergleichbarem Preis schneidet das Starterkit von Pro ab. In der Werkstatt muss das Bike fest fxiert sein, damit daran ordentlich gearbeitet werden kann. Niemand wird deshalb ohne Montageständer zum Herrscher in der Werkstatt. Wir haben aus diesem Grund fünf Modelle von 90 bis 300 Euro unter die Lupe genommen.

Kurz & Knapp:

Biker, die ihre Werkzeuggrundausstattung mit Tools für die wichtigsten Arbeiten am Bike ergänzen wollen, greifen zu einem Kit wie dem von Pro. Anspruchsvolle stellen sich ihr Werkzeug selbst zusammen. Auch bei Montageständern gilt: Zu große Sparsamkeit zahlt sich nicht aus.

So testet MOUNTAINBIKE

Die Werkzeuge aus den Sets mussten sich im Praxis-Check ebenso beweisen wie die fünf Montageständer. Gefragt waren Ausstattung, Qualität, Handhabung und bei den Workstands zusätzlich die Standfestigkeit.

WERKZEUGKOFFER
Ausstattung (40 %): Vor Testbeginn legte die Redaktion fest, welche Werkzeuge für häufge Arbeiten am Bike vorhanden sein sollten. Dazu zählen Spezialwerkzeuge wie Kettenpeitsche, Abzieher, Bowdenzugzange, Kettennieter oder Innenlagerwerkzeug. Inbus bzw. Torxschlüssel oder Schraubendreher sind für Arbeiten am Bike zwar auch nötig, in den meisten Hobbywerkstätten aber schon vorhanden. Fehlten sie, führte das nur zu einem geringen Punkteabzug. Wurde für einzelne Werkzeuge wie etwa den Abzieher zur Bedienung noch ein weiteres Werkzeug (großer Maulschlüssel/ Umschaltknarre) gebraucht, das nicht im Set vorhanden war, zogen wir Punkte ab.

Handhabung (30 %): Reifen wechseln, Kassette abziehen, Züge kürzen, Ketten nieten, Lager öffnen – alle Sets durchliefen einen kompletten Testparcours in unserer Werkstatt. Dabei haben wir die grundsätzliche Funktionalität bewertet, aber auch darauf geachtet, dass das Werkzeug gut in der Hand liegt.

Qualität (30 %): Inbus- und Maulschlüssel haben wir mittels Messschieber auf Fertigungstoleranzen untersucht. Bei allen anderen Werkzeugen war uns die Qualität der Verarbeitung wichtig. Scharfe Kanten und Grate auf Metall?ächen ergaben Punktabzüge ebenso wie mangelnde Belastbarbeit.

MONTAGESTÄNDER
Standsicherheit (40 %): Alle Ständer mussten mit einem einheitlichen Testrad sicher und gut ausbalanciert stehen – speziell bei Arbeiten, die mit größerem Krafeinsatz verbunden sind wie etwa das Lösen des Innenlagers. Drohte der Ständer zu kippen oder stand er insgesamt wackelig, fiel die Bewertung dementsprechend aus.

Klemmfunktion (30 %): Bewertet wurde, wie gut und sicher das Rad im Ständer eingespannt werden kann. Pluspunkte gibt es etwa für eine neigbare Klemmung oder gummierte Klemmbacken, die das Material vor Kratzern schützen.

Handhabung (30 %): Lässt sich der Ständer einfach auf unterschiedliche Arbeitshöhen einstellen? Gibt es Ablagen für Kleinteile? Lässt er sich bei Nichtbenutzung einfach und mit kleinem Packmaß zusammenklappen?

Werkstattkoffertest 2018:

Auch 2018 haben wir die neuesten Werkzeugkoffer für dich getestet. Hier liest du den gesamten Test:

Am Anfang schuf der Schraubergott das Werkzeugset und brachte Licht ins Dunkel der Werkstatt. Für viele Biker ist die Anschaffung eines Werkzeugkoffers der Start ins „Selbstschrauberleben“, später wird er durch SpezialTools ergänzt, bis (fast) alle Wartungsarbeiten selbst erledigt werden können.

Doch welche Tools muss die Basis-Ausstattung bieten, welche sind verzichtbar? Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, denn die fürs eigene Bike benötigten Werkzeuge folgen keinem Standard. Um den Inhalt der hier getesteten acht Koffer dennoch einschätzen zu können, deffinierte die MOUNTAINBIKE-Testcrew eine Basisausstattung mit vielen Tools für aktuelle und wenigen Standard-Tools für ältere Bikes. Da sich in Werkzeug-Sets unter 200 Euro bisweilen „Altmetall“, also veraltete, oft billige Werkzeuge fnden, haben wir die Preisklasse zwischen 220 und 450 Euro unter die Lupe genommen.

Die frohe Botschaft: Schon mit dem Werkzeug-Set von Rose für 220 Euro sind die meisten Schrauberarbeiten zu verrichten. Zwar spürt man besonders bei der Handhabung von Spezialtools, etwa für die Innenlager-Wartung, die hart angezogene Kostenschraube – für Gelegenheitsschrauber ist das Set jedoch voll ausreichend. Wer allerdings schon einmal mit Profi-Werkzeug arbeiten durfe, ist meist hoffnungslos mit dem gehobenen Anspruch an präzise, sichere Handhabung und hohe Fertigungsqualität infiziert, auch wenn es nur um das Vernieten einer Kette geht.

Park Tool, Pedro’s, Topeak lauten die Namen, die höchste Werkzeugqualität versprechen und diese im Test auch einlösen können. Angehende ProfSchrauber fnden in diesen Sets ein solides Herzstück für die hauseigene Bike Werkstatt. Qualität und Handhabung sind fast durchgängig auf Top-Niveau und für den Dauereinsatz uneingeschränkt geeignet, Topeak angelt sich mit top Handhabung und Qualität den Testsieg. Wer jedoch keine High-End Bike-Werkstatt benötigt, findet in den zwei Kauftipp-Sets von Birzman und Pro besser ausgestattete, ebenfalls hochwertige Tool-Sammlungen. Sogar Werkzeug für die Wartung des Innenlagers (Pro) und den Einbau der Federgabel (Birzman) sind hier enthalten.

So testen wir Werkzeugkoffer (2018)

Um die Werkzeugkoffer miteinander vergleichen zu können, definierte die Redaktion zunächst eine Auswahl der wichtigsten Tools für alltägliche Schrauberarbeiten an aktuellen und älteren Bikes und prüfe den Inhalt der Werkzeugkoffer. Eine Au?istung dieser Basisausstattung findest du als Liste am Ende des Tests. Die Ausstattung des jeweiligen Werkzeugkoffers trägt 40 Prozent zur Ermittlung der Endnote bei. Anschließend mussten sich die Werkzeugkoffer in einem „Parcours“ unterschiedlicher Werkstattaufgaben bewähren. Das Ablängen von Zügen, das Öffnen und Schließen von Ketten unterschiedlicher Breite, die Montage und Demontage von Ritzelpaketen sowie die Benutzung aller Inbus- und Torxschlüssel wurden in der Praxis durchgeführt. Zudem prüfen wir unter anderem die Wartung des Antriebs mittels Innenlager-Tool, Sternkappenwerkzeug und Kurbelabzieher. Die daraus gewonnene Bewertung der Handhabung beträgt 30 Prozent der Endnote. Die im Schrauberalltag häufig benutzten Inbus-Tools und Maulschlüssel wurden per digitalem Messschieber auf Fertigungstoleranzen untersucht. Die allgemeine Fertigungsqualität der Werkzeuge (Kanten/Finish) ?ießt mit weiteren 30 Prozent ins Ergebnis ein.

Das Testfeld im Überblick (2018)

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Birzman Studio Tool Box 349 Euro Sehr gut
Feedback Sports Werkzeugtasche Team Edition 299 Euro Gut
Park Tool AK-3 450 Euro Sehr gut
Pedro’s Apprentice Tool Kit 299 Euro Sehr gut
PRO Toolbox groß 350 Euro Sehr gut
Rose All2gether Pro Bike Werkzeugkoffer 220 Euro Sehr gut
Topeak Prepbox 350 Euro Überragend
Unior Pro Home Set 373 Euro Gut

Werkzeugkoffer & Montageständer im Test – hier die besten Preise finden




19.10.2018
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2017