Sechs Rollentrainer im Test

Heimvorteil

Sie sind zum Saisonstart im Frühjahr immer ­völlig von der Rolle MountainBIKE zeigt, wie Sie Ihre Form über den Winter retten.
Zu den getesteten Produkten

Es ist doch wie verhext: Während die Biker-freundlichen Monate von Frühjahr bis Herbst so schnell vorbeirauschen wie der Ritt auf dem Lieblingstrail, zieht sich der Winter zäh wie Kaugummi. Nur rund acht Stunden Tageslicht beschert uns die Sonne im Dezember, in aller Regel kommen Sie also im Dunkeln nach Hause. Für viele berufstätige Biker bedeutet das: weniger Zeit auf dem Rad – und damit deutlich reduzierter Energieumsatz. Zusammen mit dem an jeder Ecke lauernden Weihnachtsgebäck eine denkbar ungünstige Konstellation bezüglich Gewicht und Fitness!

Damit Ihre Vorfreude auf die erste Tour im nächsten Frühjahr nicht gleich am ersten Anstieg einen massiven Dämpfer bekommt, hat MB acht Rollentrainer getestet, mit denen sich die Form über den Winter konservieren lässt. Bei vier der Kandidaten handelt es sich um puristische Modelle zwischen 130 und 190 Euro – zugleich preisgünstig und geeignet sowohl für Fitness-­Biker als auch für ambitioniert Trainierende, die es gewohnt sind, Puls und die Trittfrequenz mit einem bereits vorhandenen Bike­computer zu überwachen.

Zwei weitere Modelle zwischen 425 und 479 Euro ähneln Ergometern, da sie über ein eigenes Display verfügen, das etwa genau diese fürs Training unerlässlichen Daten anzeigt. Die Rollen Nummer sieben und acht schließlich stellen die Speerspitze im Kampf gegen überschüssige Pfunde und sinkende Leistungsbereitschaft dar: Rund 1000 Euro kosten zwei Systeme, die via Interface mit einem PC verbunden werden und auf diese Weise zur Spielekonsole mutieren. Rennen gegen virtuelle Gegner, Wettfahrten mit Kumpels übers Internet oder das Nachfahren real abgefilmter Naturstrecken – mit diesen Highend-Maschinen ist vieles möglich, was die Motivation zum Wintertraining aufrechterhält.

Der größte Vorteil eines jeden Rollentrainers gegenüber alternativen Indoor-Geräten ist, dass Sie auf Ihrem eigenen Bike unterwegs sind: Die gewohnten Geometrien bleiben erhalten, auch der Kurbelabstand ist der gleiche. Der Nachteil: das wegen der geringen Schwungmasse leicht unrunde Trittgefühl vor allem bei hohem Widerstand.

Die Motivation entscheidet

Nur wenn Sie Ihr Trainingsgerät regelmäßig nutzen, lohnt sich die Investition. Ein starkes Motiv fürs Rollentraining ist etwa das Fahrgefühl. Lässt es sich rund treten, stimmt der Widerstand mit dem Empfinden und Kraftaufwand überein? Diesem Kriterium misst MB höchste Bedeutung bei. Denn wer im Grundlagentraining bei niedrigem Widerstand unablässig ins Leere tritt, wird schnell die Lust verlieren. Maßgeblich beeinflusst wird dieses Fahrgefühl durch die Art, wie der Rollentrainer arbeitet.

Alle acht Kandidaten im MB-Test erzeugen ihren Widerstand mittels einer Wirbelstrombremse. Dabei wird ein Magnetfeld erzeugt, das stärker wird, je schneller sich der Reifen auf der Rolle dreht. Ähnlich dem Biken in der Natur bedeutet eine höhere Geschwindigkeit also analog einen höheren Widerstand. Bei zwei Modellen – CycleOps Magneto sowie Elite Crono Wireless Elastogel – lässt sich nur auf diese Weise sowie mithilfe der Bike­-eigenen Gangschaltung der Kraftaufwand erhöhen.

Alle anderen Rollen verfügen zusätzlich über eine eigene Abstufung: Ein Wahlhebel am Lenker verändert die Stellung der Mag­neten zueinander, was die Feldstärke erhöht – die Rolle dreht sich also schwerer – und somit beispielsweise einen Anstieg simuliert, wichtig etwa für Sprinteinheiten oder Kraftausdauertraining. Weiterer Vorteil: Am Bike lässt sich eine günstige Kettenlinie vorwählen, „geschaltet“ wird über die Rolle. Die beiden Virtual-Reality-Trainer sowie der Tacx Flow steuern ihren Widerstand elektronisch.

Ebenfalls für den Fahrspaß entscheidend: die Geräuschkulisse. Ganz gleich, ob Sie mit Musik auf den Ohren in die Pedale treten oder einfach nur in Ruhe kurbeln wollen: je lauter die Rolle, desto nerviger! MB hat deshalb für zwei typische Leistungsstufen nachgemessen, welchen Geräuschpegel die Testkandidaten entwickeln. Die gute Nachricht: Wenngleich sich deutliche Unterschiede feststellen lassen, liegen doch alle Rollen im akzeptablen Bereich der so genannten Zimmerlautstärke um 60 Dezibel.

Allerdings lassen sich solche Messwerte nur mit speziellen Reifen erreichen, wie sie Continental und Tacx anbieten. Schon ein wenig stark profilierter Race-Pneu wie der Maxxis Larsen TT erzeugt rund 80 Dezibel, Schwalbes Nobby Nic bringt es gar auf satte 90 – den Lärm einer Hauptverkehrsstraße. Keine Rede also vom Training im trauten Familienkreis. Außerdem holpern Profilreifen regelrecht über die Antriebsrolle, was das Fahrgefühl deutlich mindert und für erheblichen Abrieb sorgt, der die Wohnung verdreckt. Tipp: Spannen Sie am besten ein altes Laufrad in die Rolle, auf dem dauerhaft ein Flüstergummi läuft.

Um herauszufinden, ob sich die Prüflinge für ein ernsthaftes Training eignen, hat MB in vier Stufen mithilfe einer SRM-Leis­tungsmesskurbel nachgemessen. Bei geringstmöglichem Eigenwiderstand des Geräts – sofern einstellbar – wurde auf mittlerem Blatt und einem mittleren Ritzel (Kombination: 32/18) mit 100 U/min ein leichtes Grundlagentraining simuliert. Nur Elites Mag vermittelte bei leichtem Grundlagenausdauertraining ein „leeres“ Gefühl, alle anderen Rollen liefen angenehm rund. Ein ähnliches Bild bot die schnelle Übersetzung 44/18: Wiederum mit Ausnahme von Elite ließen sich alle Modelle im oberen Grundlagenbereich rund treten.

Deutliche Unterschiede

Starke Unterschiede zeigten im Kraftaus­dauer­bereich: Bei verminderter Trittfrequenz von typischen 60 U/min testete MB auf größtem Blatt und kleinstem Ritzel (44/11) bei maximaler Bremsleistung der Geräte: Die Virtual-Reality-Trainer von Elite und Tacx sowie der Elite-Ergo-Trainer hinterließen einen einwandfreien Eindruck, auch die „einfachen“ Rollen überzeugten. Ging es jedoch in den Sprint, rutschte der Reifen beim Elite Crono durch, der Magneto von ­CycleOps wackelte spürbar.

Bis auf diese beiden Modelle bringen alle anderen Rollen auch top Trainierte an ihre Grenzen – mögliche 1000 Watt treten selbst Weltmeister nicht dauerhaft. Tipp: Das Bike auf einen Vorderrad-­Lifter stellen, der nicht nur einen Niveauausgleich bringt, sondern vor allem den Stand sichert (beim Rose-Versand ab neun Euro).

Virtual Reality ist toll, aber teuer

Die elektronischen Wirbelstrombremsen von Virtual-Reality-Trainern leisten Erstaunliches: Geht es in der Simulation bergauf, erhöht sich der Widerstand realitätsgetreu, der Trainierende muss schalten. Bergab dreht sich das Rad von alleine weiter, und wird der Untergrund holprig, spürt der Biker das in den Beinen. Das Vergnügen hat jedoch seinen Preis, auch muss die Konfiguration des PCs stimmen.

Fazit:

Bereits ab 130 Euro gelingt der Einstieg ins Wintertraining, wie Versender Rose mit dem Xtreme VX-1 zeigt. Für 170 Euro steuert Tacx den Testsieger Speedmatic bei, der durch sein realistisches Fahrgefühl gefällt. Bei den Rollen mit eigenem Display und integrierten Funktio­nen liegt ebenfalls Tacx mit dem Flow vorn. Die 425 Euro sind gut angelegtes Geld.

30.01.2009
Autor: Thorsten Lewandowski
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2009