Elf Protektoren im Test

Knall auf Fall

Eine kluge Entscheidung! Immer mehr Biker schützen sich mit Protektoren. MountainBIKE hat elf Modelle für Rücken und Gelenke getestet.
Zu den getesteten Produkten
Foto: Björn Hänssler

Nie ohne: Es gibt keinen Grund, ohne Protektor auf Tour zu gehen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Bikes mit Federwegen um 140 Millimeter und richtig großen Scheibenbremsanlagen den Downhillern und Freeridern dieser Welt vorbehalten waren. Viele Mountainbiker erinnern sich an die Anfänge von Extremsportvideos wie „New World Disorder“ oder „Kranked“, in denen angstfreie Bike-Piloten ihre Motocross-ähnlichen Maschinen die steilsten Abhänge hinunterjagten und in halsbrecherischen Manövern die verwinkelsten Trails meisterten.

Und heute? Heute gehören solche Bikes der Kategorie All-Mountain an, heute meistern in jedem Sommer Tausende von Bikern mit viel Federweg früher unfahrbare Alpentrails, und selbst bei mancher Feier­abendrunde gehören steile Schotterpisten und verwurzelte Waldab­fahrten ganz selbstverständlich mit zum Programm – Trails, die denen aus den alten Videos in nichts nachstehen.

Kurzum: Der erweiterte Einsatzbereich der Mountainbikes, die immer sichereren Fahrwerke und vor allem Bremsanlagen mit Scheiben von bis zu 203 Millimetern Durchmesser fordern den Spieltrieb in jedem von uns. Das ist gut.

No risk, no fun?

Weniger gut ist eine Tatsache, die der größte Teil der Mountainbike-Gemeinde in diesem Zusammenhang gerne in einen schwer zugänglichen Teil des Bewusstseins verschiebt: Das Risiko, das solche Abfahrten und Passagen in sich tragen, ist das Gleiche geblieben, die Folgen eines Sturzes auch. Doch während Helm und Handschuhe für wohl alle ernsthaften Biker zur Standardausrüstung bei jeder Tour zählen, winken die meisten beim Stichwort „weitergehende Schutzmaßnahmen“ zumeist geringschätzig ab. „Brauch‘ ich nicht“, heißt es dann kurz und knapp.

„Falsch“, sagt MountainBIKE, denn die Erfahrungen der MB-Testcrew, die Woche für Woche auf den Trails und in den Wäldern dieses Planeten unterwegs ist, zeigen ein anderes Bild. Nicht selten kommt es vor, dass Redakteure wie Testfahrer mit deutlichen Spuren vom Testen zurückkommen – ohne wirklich ernsthaft und schlimm gestürzt zu sein. „Es reicht schon, vom Pedal abzurutschen und es sich vors Schienbein zu schlagen“, weiß beispielsweise Test- und Technik-Trainee Rainer Sebal aus eigener, schmerzhafter Erfahrung.

Grund genug für MountainBIKE, sich in der aktuellen Ausgabe um Ihre Gesundheit zu kümmern. Angefangen von reinen Knieschützern, die im Wesentlichen lästigen Schürfwunden nach Stürzen durch wegrutschende Reifen vorbeugen sollen, über Knie-/Schienbeinprotektoren bis hin zu verschiedenen Rückenschutzsystemen stellte die Crew ein Testfeld aus elf Kandidaten zusammen. Die beste Nachricht gleich vorweg: Sämtliche Protektoren der neuesten Generation lassen sich problemlos auf jede Tour mitnehmen. Hat man sich einmal daran gewöhnt, sind sie auch komfortabel zu tragen. Doch wie sieht es mit der Schutzwirkung aus?

Von manchem Autofahrer gefürchtet, als Partner für den großen MB-Protektorentest gerade recht: der Technische Überwachungsverein (TÜV). Deutschlands wohl bekann­teste Prüfinstitution stellte einen Tag lang einen Dämpfungsprüfstand zur Verfügung, an dem die TÜV-Sachverständige für persönliche Schutzausrüstung Christiane Reckter die elf Prüflinge in 132 Messungen auf das Härteste forderte.

Fazit: Hochmut kommt vor dem Fall! Bevor‘s also knallt: Es gibt keinen Grund, keinen Protektor zu tragen. Alle Modelle der Saison 2007 hinterlassen einen durchweg positiven Eindruck im Praxistest. Leicht, gut bis sehr gut verarbeitet und mit einem überdurchschnittlich guten Tragekomfort sind sowohl Knie-, Knie-/Schienbein- als auch Rückenprotektoren mehr als sinnvolle Begleiter, wenn es demnächst wieder etwas flotter bergab geht. Der Testsieg in der Kategorie Rückenprotektor geht an B-Square, Deuters Attack ist definitiv ein Kauftipp. Da kein Gelenkprotektor die Norm erfüllt, gibt es hier keinen Sieger.

15.12.2007
Autor: Thorsten Lewandowski
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 10/2007