Acht Beleuchtungs-Systeme im Test

Strahlemänner

Wer auch im Dunkeln sicher biken will, braucht gutes Licht. MB hat mit großem Aufwand in Labor und Praxis überprüft, was Biker erhellt.
Zu den getesteten Produkten

Wie in jedem Jahr stehen Biker jetzt mit Beginn der dunklen Jahreszeiten vor der gleichen Frage: Biken im Dunkeln – ja oder nein? MountainBIKE gibt die Antwort: ja! Aber nur mit der richtigen Ausrüstung! Der Trend: Nightriding gewinnt immer mehr Anhänger, vielerorts treffen sich Biker extra, um der Faszination der stillen Nachtfahrten zu huldigen.

Die Starter bei 24-Stunden-Rennen oder solche Biker, die – anstatt im Stau zu stehen – morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause radeln, eint als Nachtaktive besonders eines: der Wunsch nach perfekter Beleuchtung. Nicht nur, um von anderen gut wahrgenommen zu werden, sondern vor allem, um weiter mit Speed und maximaler Sicherheit die Lieblings-Trails zu surfen!

Grund genug für MB, der Frage nach dem optimalen Lichtsystem für Biker nachzugehen. Lenker- oder Helm-Montage, LED-Leuchte oder HID-Brenner, 100 oder 700 Euro? Das Spektrum möglicher Antworten ist groß, die Ansätze grundverschieden und die Preisspanne – je nach Anspruch – gewaltig. Um sprichwörtlich Licht ins Dunkel zu bringen, holten sich die MB-Tester wissenschaftliche Unterstützung. Gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn hat MB über Wochen Antworten gesucht – und gefunden!

Eine der wichtigsten gleich vorweg: Wer nicht mit hohem fahrtechnischen Anspruch auf verwurzelten Singletrails seinen Winter verbringen, sondern allenfalls seine gemütliche Fei­erabend-Runde nicht der Dunkelheit zum Op­fer fallen lassen möchte, muss kein Vermögen für ein Lichtsystem ausgeben. Schon für 130 Euro bietet beispielsweise Blackburn mit seinem System X 4 SL eine Lösung, die fürs Mountainbiken auf Waldwegen mehr als nur ausreicht.

Hochschule hilft beim Testen

Ohne Zweifel: Die MB-Redaktion ist erfahren im Nightriding und hat sämtliche Fragen zur Praxistauglichkeit der acht getesteten Helm- und Lenker-Systeme zwischen 130 und 699 Euro beantwortet. Jeden Abend nach Redaktionsschluss wurden Lampen montiert, bedient und ihre Leucht-Charakteristik auf Waldwegen und kniffligen Trails beurteilt. Jedoch: Mess-Sensoren in den Augen hat auch der erfahrenste Tester nicht zu bieten. Um dem hohen Stellenwert sicheren Bikens und dem mit bis zu 699 Euro teuren, somit exklusiven Testfeld gerecht zu werden, hat sich MB deshalb Hochschul-Unterstützung ins Haus geholt. Oder besser: die Prüflinge dorthin gebracht.

Das Institut für Mechatronik der Hochschule Heilbronn eignete sich perfekt als wissenschaftlicher Partner für diese Aufgabe. Im Labor für Technische Optik hat Prof. Dr.-Ing. Peter Ott – selbst begeisterter Biker – im Laufe mehrerer Semester mit Studenten einen Prüfstand für Bike-Beleuchtung entwickelt und verfeinert. Völlig automatisch, unbeirrbar und immer wieder nachvollziehbar liefert ein Sensor mit nachgeschalteter Software sämtliche relevanten Daten zu den Testmustern.

So standen am Ende der Messreihe Leuchtstärken zwischen 71 und 395 Lumen bzw. Helligkeiten zwischen maximal 1218 und 5484 Candela zu Buche. Eine immense Spanne! „Entscheidend für Biker ist aber, wie sich das Leuchtbild präsentiert“, weiß Prüfer Martin Wulf vom Labor für Technische Optik der Hochschule Heilbronn. An dieser Stelle traf Theorie auf Praxis: Die MB-Tester überprüften die im Labor gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich Lichtmenge und Helligkeit auf ihre Umsetzbarkeit in die Praxis. Erstes Ergebnis: Viel Licht ist gut, zu stark gebündeltes Licht für Biker jedoch unbrauchbar!

Zum Verständnis: Mit einem herkömmlichen 0,1-Watt-Laserpointer lassen sich in 10 Metern Entfernung noch Helligkeiten um 350.000 Candela messen – mehr als das 60-Fache der mit 5484 Candela hellsten Lampe im Test, der Lupine Wilma 5. Der stark gebündelte Strahl des Lasers trifft gezielt auf den Mess-Sensor, während ein eher kugelförmig abgegebenes Licht sich nach außen hin verliert. Doch gerade dieses „Außen“, der Nahbereich, ist für Biker wichtig. Denn hier können Nightrider vor allem die für sicheres Biken enorm wichtige Wegbeschaffenheit erkennen.

Neben maximaler Strahlstärke, die über die Leuchtweite entscheidet, macht also vor allem die jeweilige Lichtverteilung eine Lampe mehr oder weniger gut fahrbar. Die Diagramme auf Seite 64 zeigen deutliche Unterschiede: Lupine, Hope und Knog streuen rund und breit, wobei Letztgenannte am wenigsten hell leuchtet. ­Diese breiten Lichtkegel schaffen perfekte Sichtfelder, vor allem auf verwinkelten Trails.

Blackburn, Cateye, Nightpro und Sigma strahlen ebenfalls rund, ihre Leuchtbilder sind jedoch wesentlich punktueller und deutlich weniger hell. Eine Ausnahme bildet der Gasentladungsscheinwerfer Big Bang von Busch & Müller: Weil der Hersteller eine StVZO-Zulassung bekommen wollte, streut dessen Licht nicht nach oben, blendet also nicht den Gegenverkehr. Die Abbildung auf S. 64 zeigt die Big Bang mit ihrer zusätzlich gelieferten Off-Road-Streuscheibe. Ohne diese wäre das Licht nach oben noch stärker abgeschnitten – auf dem Trail ungünstig, da herabhängende Äste übersehen werden können.

Zwischenfazit: Eine Bike-Lampe muss nicht extrem hell sein. Günstig ist aber ein Lichtkegel, der den Trail optimal ausleuchtet für maximale Sicherheit und Fahrspaß. Auch wenn die Big Bang vom Lenker aus ein anderes Leuchtbild abgibt als ihre Testherausforderer vom Helm aus, bleibt sie dennoch voll trailtauglich! Ihre hohe Lichtmenge und die breite Streuung enttarnen verwinkelte Ecken früh genug, die Randausleuchtung ist über jeden Zweifel erhaben.

Ansonsten gilt: Auf dem Lenker montierte Systeme haben Nachteile auf dem Trail, vor allem wenn sie punktuell strahlen. Kurven in einigen Metern Entfernung lassen sich auf diese Weise nicht erkennen, erst im letzten Moment bringt der Lenkereinschlag das Licht dorthin, wo die Fahrt weitergehen soll. Bis auf die Gator 605 sind alle anderen Lampen für die Helmmontage vorbereitet, Knog bietet aber eine Helmhalterung optional für 15 Euro an.

Sonderfall Sigma: Das Endurance Kit beinhaltet mit der Evo und Evo X gleich zwei Halogenstrahler mit eigenen Akkus, von denen der breiter strahlende 5-Watt-Evo auf dem Lenker montiert und der hellere 10-Watt-Evo X auf dem Helm getragen das beste Ergebnis liefern. Für alle anderen Helmlampen gilt: Je breiter ihr Lichtkegel, desto besser das Sichtfeld.

Sehr unterschiedlich fällt die Platzierung der acht Leuchten auf dem Helm aus: Teilweise recht lange Klettbänder (Knog, Lupine) sind umständlich durch die Belüftungsöffnungen zu führen, haben dann jedoch den Vorteil, auf nahezu jedem Helm montiert werden zu können. Sehr gut die Lösung von Cateye: Trotz kurzem Klett sitzt die Double Shot mit einem Handgriff bombenfest! Testen Sie die Kompatibilität unbedingt aus, bevor Sie kaufen: Mancher Helm sitzt mit angeschnallter Lampe nicht mehr satt und wackelt.

Tipp: Reservieren Sie sich einen Extra-Helm für Fahrten bei Nacht, so ersparen Sie sich das Ummontieren und können das Kabel hinten am Helm mit Klebeband fixieren. Das vermeidet störenden „Kabelsalat“ in Kopfnähe.

Die Modelle von Cateye, Hope, Knog und Lupine sowie die Evo X aus Sigmas Endurance Paket liegen unterhalb oder an der 3-Stunden-Marke hinsichtlich ihrer Leuchtdauer bei maximaler Leuchtkraft. Das reicht für Fahrten nach Feierabend, nur 24-Stunden-Biker brauchen mehr! Verbesserungswürdig: Die meisten Lampen schalten sich mit nur kurzer Vorwarnung ab, die Leuchtdauer muss der Nutzer also kennen.

Vorbildlich dagegen Testsieger Hope: Die Vision 4 schaltet automatisch in einen Not-Modus, der Fahrer kann sich noch sicher nach Hause „blinken“.

Fazit: Gutes bis sehr gutes Licht gibt es schon für 130 Euro – der Kauftipp Blackburn oder die Sigma-Lampenkombi eignen sich prima für Forstweg-Nightrider und Tagein-, Tagaus-Pendler auf dem Weg zur Arbeit. Wer allerdings auch in der Nacht verwinkelte Trails ­sicher unter die Stollen nehmen will, muss deutlich mehr ausgeben. 380 Euro werden für den Testsieger Hope Vision 4 Led fällig, Lupines Wilma kostet sogar noch stolze 100 Euro mehr.

02.12.2008
Autor: Thorsten Lewandowski
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 11/2008