12 Bike-Rucksäcke bis 20 Liter Packvolumen im Test (2016)

Test: 12 MTB-Rucksäcke bis 20 Liter Volumen

Foto: Martin Bissig

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Groß genug für lange Ganztages-Ritte, doch nicht zu groß für die schnelle Hausrunde: Bike-Rucksäcke mit bis zu 20 Liter Volumen sind ausgeklügelte Verwandlungskünstler. Wir haben zwölf Modelle getestet.

Auf einmal reißt der Himmel auf und die Sonne lacht – über Wetter-Portale, den besiegten Nieselregen und eine alpine Bergkette, die jede Fahrradkette zum Ächzen zwingt. Schien vor wenigen Minuten eine Tour mit mehr als zwei Stunden Fahrzeit kaum verlockend, stapeln sich nun in wachsender Vorfreude auf viele Stunden Bike-Spaß mehrere Energieriegel, eine prall gefüllte Trinkblase, Tourenkarten, Tools, Regenjacke (für alle Fälle) und weiteres Zubehör vor dem Bike-Rucksack.

Modelle mit 14–20 Litern Fassungsvermögen machen solche Wetter- und Planungsumschwünge mit und schlucken mühelos eine komplette Tagestourenausrüstung. Anders als „großmäulige“ Alpencross-Rucksäcke mit bis zu 30 Liter Stauraum schrumpfen sie dank Kompressionsriemen in Sekunden zum unauffälligen Begleiter und sind auch bei hohem Körpereinsatz nie störend – vorausgesetzt Tragesystem, Schulter- und Hüftgurte sowie die Fachaufteilung bieten einen komfortablen, sicheren, körpernahen Sitz von Rucksack und Inhalt ohne Wackeln oder Verrutschen.

Doch woran erkennt man die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“ in dem riesigen Angebot von Bike-Rucksäcken? Wir haben zwölf Modelle mit 14–20 Liter Fassungsvermögen im Labor und auf dem Trail gründlich untersucht. Mit dabei brandneue Modelle von Ergon und Mavic, aber auch bekannte Klassiker wie der Schlechtwetter-Spezialist Ortlieb Cor 13 und der überarbeitete Testsieger aus He 3/14, der Camelbak H.A.W.G.

Versteckte Kosten und „Ersparnisse“

Die Preisspanne der hier getesteten Rucksäcke reicht vom überaus günstigen Shimano für 80 Euro bis zum doppelt so teuren Camelbak für 160 Euro. Dieser wird jedoch bereits mit einer hochwertigen Trinkblase ausgeliefert, die einzeln gekauft knapp 40 Euro kostet. Andere Modelle kommen mit einer weniger hochwertigen Trinkblase oder verlangen das Nachkaufen einer Regenhülle. Bereinigt man die Kaufpreise der Rucksäcke um den Preis für ein Modell inklusive Regenhülle – ohne ein Trinksystem mit einzurechnen –, markieren Evoc und Ortlieb mit 140 Euro sowie der Ampli mit 135 Euro die preisliche Spitze.

Die übrigen Rucksäcke tummeln sich im Mittelfeld zwischen 100 und 120 Euro, der Shimano bleibt mit 80 Euro das günstigste Angebot. Doch neben dem Blick auf den Preis sollten Sie vor dem Kauf überlegen, welcher Biker-Typ Sie sind, denn nicht nur die Mountainbike-Kategorien unterscheiden sich erheblich, auch bei den hier versammelten Testkandidaten sind zwei konstruktive Ansätze erkennbar. Den klassischen Tourenrucksack mit stabilem Tragesystem, bestens belüftetem Rücken und ultrasolider „Ich lebe länger- als dein Bike“-Machart finden Biker bei Cube, Deuter und Evoc.

Demgegenüber stehen die Daypacks von Jack Wolfskin, Scott, Shimano und Mavic. Diese sind mit eng anliegenden, eher weichen Tragesystemen ausgestattet, was Enduristen und Ortlieb: Bei Schmuddelwetter ein Segen. Die Reißverschlüsse des Cor sind wasserdicht, laufen aber nur nach Behandlung mit Silikonfett geschmeidig. andere Trail-Junkies schätzen, da sie jeder Bewegung folgen, ohne zu verrutschen und bei artistischen Einlagen nicht „mitspringen“. Biker die den Kompromiss aus beidem suchen, werden bei Camelbak, Ergon und Vaude fündig. Trotz stabiler Tragesysteme können diese zum körpernah sitzenden Klammera en eingestellt werden, machen aber auch als solider Lastenträger eine gute Figur.

Der Ampli ist als Trail-Rucksack konzipiert und kann mit einem Protektor bestückt werden. Auch der Cor 13 von Ortlieb stellt eine Ausnahme dar, sitzt trotz spartanischen Tragesystems komfortabel und trailtauglich eng am Körper. Bei aller Trail-Liebe darf der Tragekomfort jedoch nicht zu kurz kommen, denn mit einem verspannten, schmerzenden Rücken surfen Sie auch den schönsten Trail nicht mehr lässig hinab. Vor dem Kauf sollten Sie daher überlegen, wie viel Gewicht Ihre Tourenausrüstung auf die Waage bringt, und den Tragekomfort und die Fachaufteilung am favorisierten Modell (am besten im Shop) durch Befüllen überprüfen. Denn die Bedürfnisse und Vorlieben sind individuell verschieden.

Wer diesen Aufwand scheut: Im Praxistest haben die Tester die Kapazitätsgrenzen der Rucksäcke bereits ausgereizt und die Standardausrüstung auf insgesamt drei Liter Wasser erweitert und die Rucksäcke mit zusätzlichem Equipment sowie schweren Sandsäcken befüllt. Insgesamt 5,7 Kilo betrug die Zuladung der Rucksäcke und brachte so manches Tragesystem zum Ausbeulen, einige Schultergurte an die Grenze des Tragbaren. Stundenlange Bike-Touren mit langen Anstiegen und Downhill-Passagen schafften Klarheit über die Qualitäten der Modelle. Die rundum beste Leistung liefert der Camelbak ab,ist darüber hinaus sehr flexibel einsetzbar und erhält den Testsieg. Der günstige Shimano und der perfekt sitzende Deuter erringen die Kauftipps.

KURZ UND KNAPP

Ob klassischer Tourenbiker oder Trailfreak, ein Bike-Rucksack mit 20 Liter Stauraum ist der ideale Begleiter auf Ihren Bike-Abenteuern. Mehr Platz braucht nur der Alpencrosser.

Die besten Rucksack-Tipps

Wie pflege ich meinen Rucksack, wie setze ich ihn richtig auf? Wir geben wertvolle Pro-Tipps, damit Ihr wichtigster Tourenbegleiter nicht länger ein blinder Passagier bleibt.

  • Dopplereffekt: Rucksäcke mit 14–20 Litern Fassungsvermögen nehmen sämtliches Zubehör auf, das für eine ausgedehnte Tagestour nötig ist. Falls Sie zu zweit oder als Gruppe unterwegs sind, prüfen Sie Ihr Zubehör dennoch auf Doppler: Minitool, Minipumpe, Dämp­ferpumpe und Erste Hilfe Set benötigen Sie auf Tour meist nur in einfacher Aus­führung. Wer clever verteilt, spart hier ef­fektiv unnötiges Gewicht ein.
  • Nach diversen schweißtreibenden Touren sollten Sie Ihren Rucksack einer Wäsche unterziehen. Zur Rei­nigung des Rucksacks beachten Sie die Pflegehinweise des Herstellers. Um die PU-Beschichtung des Obermaterials zu schonen, waschen Sie den Rucksack stets mit der Hand. Verwenden Sie hierzu ein pH-neutrales Waschgel. Verschmutzte Regenhüllen oder Versteifungsplatten des Tragesystems sollten Sie nach Mög­lichkeit vor der Wäsche herausnehmen. Regenhüllen abbürsten und die Außen­seite mit Waschgel reinigen.
  • Tun Sie Ihrem Rucksack etwas Gutes und ziehen Sie ihm öfter mal eins über! Nicht nur bei Regen, auch bei verschlammten Trails sollten Sie zum Schutz vor aufgewirbeltem Matsch eine Regenhülle über den Ruck­sack stülpen. Die Reißverschlüsse laufen so länger geschmeidig, und das Oberma­terial des Rucksacks wird geschont. Auf diese Weise vermeiden Sie zudem, dass hochgeschleudertes Regenwasser von unten in den Rucksack dringen kann.
  • Alle hier getesteten Rucksäcke sind für die Verwendung mit einer Trinkblase geeignet. Diese sollten Sie nur mit klarem Wasser ohne Kohlen­säure befüllen, sonst setzen sich rasch Bakterien und andere unliebsame Rück­stände im Schlauch ab. Lassen Sie die Trinkblase nach der Verwendung an der Luft trocknen. Wer Saftschorlen oder Iso­ Drinks einfüllen möchte, greift zu Trink­blasen, die zur leichteren Reinigung um­gestülpt werden können. Auch ein in die Trinkblase geschobenes Küchentuch aus Baumwolle beschleunigt die Trocknung. Zur Reinigung bieten die Hersteller spezi­elle Bürsten an (Camelbak Cleaning­ Brush Kit, ca. 12 Euro). Die Pflege mit sprudelnden Gebissreiniger Tabletten er­zielt ebenfalls gute Ergebnisse. Hierzu un­bedingt die Trinkblase offen lassen, sonst können Schiebe­ und Drehverschlüsse durch hohen Druck verkanten oder die Blase könnte gar undicht werden.
  • Ein zu hoher Schwerpunkt im Rucksack beeinträchtigt die Balance und ist ein Sicherheitsrisiko ­in technischen Passagen mit hohem Körpereinsatz. Verstauen Sie daher schwere Gegenstände wie Werkzeug oder Schlauch am Boden des Rucksacks.
Foto: Drake Images Tourenrucksack Test 2016

Um den Rucksack korrekt anzupassen, müssen Sie zunächst die Schultergurte vollständig lockern, sodass der Rucksack lose auf Ihren Schultern baumelt.

Foto: Drake Images Tourenrucksack Test 2016

Da­nach ertasten Sie die höckerartigen Kno­chen in Hüfthöhe, den sogenannten Be­ckenkamm. Der Hüftgurt sollte genau hier aufliegen um die Rucksacklast ergo­nomisch korrekt auf der Hüfte, jedoch nicht den Schultern abzustützen. Schlie­ßen Sie den Hüftgurt.

Foto: Drake Images Tourenrucksack Test 2016

Nun die Schul­tergurte in leicht gebückter Haltung anziehen, bis sie straff anliegen, ohne den Rucksack anzuheben.

Foto: Drake Images Tourenrucksack Test 2016

Im letzten Schritt müssen Sie den Brustgurt in kom­fortabler Höhe schließen und die Länge einstellen. Beachten Sie, dass der Brust­gurt die Schultergurte nicht zusammen­ zieht. Diese sollten bei geschlossenem Brustgurt genau senkrecht und parallel durch die Schultergruben verlaufen.

10.01.2018
Autor: Christian Zimmer
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 04/2016