Im Test: Trek Top Fuel SL Project One

Fahrbericht: Trek Top Fuel SL Project One

Foto: Det Göckeritz
Leicht, scharf, edel! Mit dem Racefully Trek Top Fuel werden CC- und Marathon-Rennen gewonnen. Wir haben eine Top-Variante der Rennfeile im Custom- Aufbau getestet – in der Knallerfarbe Radioactive Green.

Wer gewinnen will, muss leiden. Muss jede Minute trainieren, darf nur Quark essen, muss sich schinden. Und natürlich ein beinhartes Racebike fahren, sei’s Hardtail oder Fully: ultraleicht, pfeilschnell und bar von jeglichem Komfort. Oder nicht? Dieses Geschoss hier wird dir nicht das Training abnehmen, und es wird dich gnadenlos ins Ziel peitschen. Es wird dir aber noch etwas Wichtiges bringen: Spaß.

Foto: Det Göckeritz

„Full Floater“ nennt Trek die schwimmende Lagerung des Federbeins. Der Stoßdämpfer wird also nicht wie üblich nur von oben, sondern auch von unten angedrückt. In der Praxis begeisterte uns der mehrgelenkige Hinterbau mit feinfühligem Ansprechverhalten und enormer Schluckfreude – trotz „nur“ 100 mm Federweg.

Nun der Reihe nach: Mit dem Top Fuel bedient Trek traditionell sein Cross-Country-Raceteam und alle, die ein kurzhubiges Fully suchen. Zu dieser Saison wurde die Rennsemmel komplett renoviert, die Eckdaten: 29"-Laufräder (die kleinste Rahmengröße kommt mit 27,5") 100 mm Federweg vorn/hinten, Rahmen aus Kohlefaser oder Aluminium. Zwei Carbon- und drei Alu-Modelle gibt’s (s. rechts), dazu bietet Trek seit einiger Zeit die Möglichkeit des Custom-Aufbaus. Project One heißt das schöne Kind und geht über einen schnöden Parts-Baukasten hinaus. So lassen sich auch die Farben und sogar ein Schriftzug individualisieren. Wer mag, kann sich also „Heißer Feger“ oder was Ähnliches aufs Oberrohr pinseln lassen ...

Foto: Det Göckeritz

Bei allen Trek-Fullys liegt das hintere Drehgelenk der Kinematik in der Radachse – das soll die Federung von Bremsein üssen entkoppeln („ABP“).

Für uns stellte Trek ein traumhaftes Nobelross auf die kurzen Stollen, mit allem, was schnell und schön macht. Fox-Factory-Federelemente, Shimano-XTR-Schaltung, nigelnagelneue 2017er-DT-Swiss-Laufräder. Das treibt den Preis auf zünftige 9532 Euro, senkt das Gesamtgewicht auf nicht überragende, doch herrlich leichte 10,17 Kilo. Wahrha asketisch ist der Rahmen: Keine 2200 Gramm inklusive Federbein mit Remote sind ein bockstarker Wert. Was für die Lenkkopfsteifigkeit nicht gilt, die knapp den grünen Bereich (über 60 Nm/°) verfehlt.

Foto: Det Göckeritz

Trek setzt bereits seit geraumer Zeit auf den neuen Boost-Achsstandard mit 148 mm breiter 12-mm-Steckachse.

Immerhin: In der Praxis haben wir (Fahrer alle um 70 Kilo) nichts Negatives gespürt. Im Gegenteil, das Top Fuel schmeichelt im Wortsinn. Die Sitzposition des in fünf Größen erhältlichen Bikes ist austariert, zentral, ideal über dem Tretlager (steiler Sitzwinkel), vorne schön tief, mit ergonomisch sinnvollem Cockpit – alles ist sportlich, aber nicht stressig selbst auf langen Touren. Das Handling? Ein Gedicht! Voller Drehfreude und Agilität ringelt es sich über den Trail, ist super spritzig, dabei ohne Anflug jeglicher Nervosität – dank des relativ langen Reachs und Radstands. Vor allem fährt sich das Top Fuel für ein Racefully geradezu unverschämt spielerisch und freudvoll. Da wird jede Geländekante zum Absprunghügel, jede Kurve reizt zur Gravitationsprobe. Formvollendet wird das vom höchst sensiblen und komfortablen Fox-Fahrwerk, das mit viel Schluckfreude selbst auf wurzeldurchsetzter oder steinverblockter Piste verblüfft, sich nach mehr als 100 mm Federweg anfühlt.

Foto: MOUNTAINBIKE

Bei aller Fahrfreude, ein Racefully muss eins vornehmlich können: racen. Auch das beherrscht das Trek vorzüglich. Durch das sehr kurze Steuerrohr fühlt es sich schnittig an, die leichten Laufräder/Reifen beschleunigen gierig, der mehrgelenkige Hinterbau bleibt im Sitzen antriebsneutral – und lässt sich für herzige Wiegetrittsprints vom Lenker aus blockieren. Auch im steilen Stich begeistern die perfekte Tretposition, die Leichtfüßigkeit, die exzellente Traktion. Nur wer einen Oldschool-Racer – lang, hart, rein auf Vortrieb gepolt – sucht, wird mit dem Trek wohl weniger glücklich.

Ausstattung
Federgabel/FederwegFox 32 Float Factory Remote/100 mm
Federbein/FederwegFox Float DPS Factory Remote/100 mm
Gänge und Übersetzung
1 x 11: 32 Zähne vorne, 11–40 Zähne hinten
Schaltwerk/- hebelShimano XTR/XTR
Kurbel/UmwerferRace Face Next SL/–
Bremsen v./h.Shimano XT 160/160 mm
SattelstützeBontrager XXX Carbon
Vorbau/LenkerBontrager Race X Lite/Bontrager XXX Carbon
Naben/FelgenDT Swiss XR 1501 Spline One
ReifenBontrager XR2 Team Issue 2,2"
Preis, Vertriebsweg9532 €, Fachhandel
Gewichte (Gewicht Komplettbike ohne Pedale/Rahmen inklusive Federbein/Federgabel/ Laufradsatz)10,2 kg/2169 g/1734 g/3672 g
Rahmenhöhe/-material15,5", 17,5", 18,5", 19,5", 21,5" cm/Carbon
Steifigkeit58,7 Nm/°

Foto: MOUNTAINBIKE

Fazit:

Ein Traumbike! Das Top Fuel mixt podiumsreife Sportlichkeit mit fantastischem Handling, ist 29"-Race- und Trailbike in einem. Auch der sündteure Individualaufbau macht Laune. Die Steifigkeit könnte jedoch besser sein.

26.01.2017
Autor: Andre Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2017